The Witcher III: An Unpolished Polish Game

Endlich ist es soweit. Lange hat es gedauert. In mehrerer Hinsicht. The Witcher III: Whild Hunt ist bereits 2015 erschienen, die Game of the Year Edition mit beiden umfangreichen DLCs inkludiert in 2016. Ich selbst habe 2014 die ersten beiden Witchers gespielt und mich 2015/16 durch die Bücher gequält. Als ich 2018 meine PS4 bekommen habe, war das für 20€ zu habende Witcher III GotY ein früher Kauf. In vielerlei Hinsicht hätte man also meinen sollen, dass ich schon längst mal zu dem Spiel gekommen wäre. Aber es hat bis jetzt ins Jahr 2020 gedauert, bis die Aufgabe endlich erledigt war.

Wer meint, dass ich nur am Zeit schinden bin, um selbst beim endlichen Schreiben über Witcher III nicht wirklich über Witcher III schreiben zu müssen… ich teleportiere mich hinter und ermorde dich. Nichts Personelles, Kind, aber du weißt zu viel.

Ich habe mich in das Witcher-Universum nie so verlieben können, wie das scheinbar jedem anderen geschehen war. Ich habe nie so richtig in die Handlung und Lore hineingefunden, fand die Charaktere nie sonderlich interessant. Die Bücher sogar ziemlich ermüdend. Die beiden vorigen Spiele fand ich schon gut, so ist das nicht, aber den extremen Hype konnte ich nicht mitmachen. Liegt vielleicht auch am Alter, mit dem verschrumpelten Kohlestück inmitten der verwelkten Hülle eines Menschen, die mich ausmachen, sind starke Gefühle nicht mehr wirklich reproduzierbar.

Witcher III habe ich dann auch wohl wahrscheinlich eine ganze Ecke anders gespielt, als das normalerweise so ist und von den Machern intendiert war. Ich habe mir nicht weitergehende Beschreibungen in der umfangreichen Menübibliothek durchgelesen, um mehr Hintergründe zur Welt oder den Menschen herauszufinden. Mich hat die Haupthandlung kaum interessiert, zumal ich Yennefer und Ciri eh schon immer ziemlich nervtötend fand, die diesmal zentrale Rollen spielen. Man kann sogar so weit gehen, zu behaupten, Witcher III wäre Ciris Handlung, die man nur durch die Augen von Geralt miterlebt. Ich habe mich regelmäßig dabei ertappt, dass wenn mir NPCs eine Meinungsauswahl abverlangten, ich gar nicht so genau wusste, worauf ich jetzt überhaupt antworte, weil ich bestenfalls halb bis gar nicht richtig hingehört habe, sobald wieder jemand endlos zu reden beginnt. Besonders dann, wenn es eh nur um eine Questline ging und der ganze Flavor Text unwichtig erscheint, wenn mir doch die Questmarker eh knackig-kurz sagen, was ich wo umbringen muss.

Ich spielte tatsächlich Witcher III mehr wie ein The Elder Scrolls. Frei durch die Welt stiefeln, sich überall Sidequests abholen, und diese Einkaufsliste an zu erledigenden Dingen zur Lebenszeitverschwendung dann abarbeiten. Interessiert mich nicht wirklich, warum das kleine Mädchen ein Brot brauchte. Oder warum die Succubus die örtlichen Männer umbringt. Oder ob das alles gar nicht stimmt und bei genauerer Betrachtung das Mädchen eigentlich der Teufel ist, dem nur noch ein Brot zur Übernahme der Weltherrschaft fehlte, oder die Männer freiwillig Zerstreuung beim Sexdämonen suchten und deren Ehefrauen ihr die Schuld gaben. Was muss ich für dich holen oder umbringen, und was krieg ich dafür, ist alles, was ich wissen will, danke. Wäre sicherlich cool wenn ich so ein Joseph Anderson wäre, der auf jede Inkarnation des Witcher-Universums steil abgeht und begeisterte 24-stündige Videos pro Spiel raushauen kann. Bin ich aber nicht.

Realistisch betrachtet habe ich Wild Hunt wohl also falsch gespielt. Ich lüge lieber, und behaupte, ich bin es anders und individuell angegangen und das es doch sicherlich mal so richtig interessant ist, eine neue Herangehensweise an das Spiel zu dokumentieren.

So ganz abwegig ist Elder Scrolls als Vergleich übrigens nicht, wobei das wohl eher hauptsächlich dadurch kommt, dass Witcher III schlichtweg die gleichen Probleme wie alle Open-World-Spiele bzw. Spiele mit enorm großen und dynamischen Spielwelten hat, und die Bethesda-Spiele da einfach der Richtwert sind. Was ich damit meine ist, dass Witcher III unglaublich glitchy ist. Zugegebenermaßen allerdings wenig in ruinierenden sondern eher in erheiternden Arten. Wie häufig die Animationen für Charaktere plötzlich schräg sind, oder Gegnerleichen einfach magisch über den Boden gleiten, die Soundausgabe plötzlich ausfällt oder die falsche Stimme abgespielt wird. Witcher III ist voller kleiner „Ist halt ein großes und komplexes Spiel, da muss ja früher oder später was schieflaufen“ Stellen, die ich ganz unironisch sehr charmant fand.

Zum Großteil zumindest, ein paar Dinge gehen schon auf den Keks, wenn sie geschehen. Wenn das Spiel mal wieder bei einem normalen Kampf unerfindlicherweise Geralt nicht sein Schwert ziehen lässt, sondern in den Fauskampfmodus geht und man plötzlich mit dem baren Handrücken gegen fünf Kerle mit Schwert kämpft. Wie häufig das Pferd, obwohl sie zu reiten Geralt eigentlich schneller wohinbringen sollten, an allen möglichen Ecken und Kanten hängenbleibt. Wann immer eine Lichtquelle nah an einem anderen Interaktionspunkt ist und scheinbar so programmiert ist, dass Geralt via Taschenspielertrick die Flamme anzünden/erlöschen zu lassen scheinbar höhere Priorität hat, als die Blutlache zu investigieren oder einen Schrank zu öffnen. So manchmal geht einem der Clunk im Spiel auch auf den Geist, klar.

Was ich persönlich auch nicht so geil fand, ist sicherlich auch wieder etwas, was erst durch die GotY-Edition hineingebracht ist. Wie gesagt sind die einzelnen Karten von Witcher III ziemlich groß und man darf sich eigentlich sofort überall hinbewegen. An allen Ecken und Enden auf der Karte sieht man Ausrufezeichen, die Quests markieren, oder ein halbes Dutzend andere Points of Interest Marker, die von versteckten Schätzen über Monsternester und Machtquellen alles Mögliche angeben. Nervig ist, wenn man wie ich das alles schon direkt abgrasen will. Und dann entdeckt, dass das Spiel kein Problem damit hat, neben einem solchen Einsatzort, bei dem einen Level 5 Banditen gegenüberstehen, einen nahegelegenen Marker von einem Level 30 Drachen bewachen zu lassen. Hier hätte ich mir etwas mehr Konsistenz gewünscht. Das ich mich drauf verlassen kann, wenn ich in einem Gebiet Nebensachen abgrase, die auch alle ungefähr auf gleichem Niveau sind. Ich gehe einfach mal davon aus, dass dies im ursprünglichen Basisspiel auch so war, und die übertrieben hochleveligen Sachen durch den ersten DLC kamen. Während der zweite DLC, Blood and Wine, nämlich mit einem komplett neuen Gebiet daherkam, ist der erste DLC, Hearts of Stone, in der schon existenten Karte des Hauptspieles eingewoben. Und mit ihm kamen wahrscheinlich auch diese hochrangigen optionalen Dinge, die ebenfalls in die bestehende Welt verstreut wurden.

Eine weitere Sache, bei denen ich mit West-RPGs wohl ebenfalls nie konform gehen werde, sind maximale Tragegewichte. Besonders, wenn Ladenbesitzer nicht nur feste Öffnungszeiten haben, sondern auch noch ein maximales Kapital, das aufgebraucht werden kann. Beim Spielen von The Witcher III fühlte ich mich wieder wie ein Teenager: Konstant übergewichtig. Alle paar optionalen Aufgaben, nach jeder längeren Schatzsuche, am Ende eines jeden Dungeons, konnte ich mir fast sicher sein, dass das aktuelle Tragegewicht von Geralt überschritten war und ich nur noch im Schneckentempo weitermachen durfte. Also in eine Stadt gewarpt, hoffend das die Läden noch auf haben. Im Notfall können ungenügende Nachtzeiten ja auch schnell wegmeditiert werden. Aber dann jeden einzelnen Laden der Stadt ablaufen, jedem Ladenbesitzer seine kompletten Sparanlagen durchs Verkaufen von Rüstung und Schätzen aufbrauchen, und am Ende nicht mal die Hälfte vom Loot losgeworden zu sein, nervt schon. Manche Leute werden jetzt behaupten, dies ist dazu da, damit man eben nicht jeden Scheiß einsteckt. Aber als jemand, der ein Final Fantasy mit einem Rucksack an 99 Elixieren, Phönixfedern, Ethern und jeder Form von Potion beim Endboss ankommt und sich immer noch überlegt, ob deren Einsatz wirklich lohnt, kann ich nicht einfach so an Loot vorbeigehen. Klingt sehr nach einem Ich-Problem? Ist es auch, jedoch geht es hier ja auch darum, was ich an dem Spiel gut fand und nicht.

Fand ich denn irgendwas überhaupt gut, mag der eine oder andere sich jetzt vielleicht fragen. Berechtigt. Aber ja, ich fand auch Sachen an Witcher III gut. Grundsätzlich hab ich es schlichtweg immer nur einfacher, aufzuzählen, was mich gestört hat, und zu implizieren, dass alles andere Ok war. Und am Ende dann zu schreiben „Trotz all meiner Meckerei fand ichs unterm Strich dennoch ein gutes Spiel“. Ein weiteres Ich-Problem, die fehlende Positivität.

Eine Sache, die ich zum Beispiel besonders gut fand, ist, dass man mit Yennefer Schluss machen kann. Nachdem die Alte mich durch die ganze Buchreihe hindurch genervt hat und in Wild Hunt ebenfalls nicht besser ist, ist es einfach befriedigend, das ständige nervige Hin und Her zwischen ihr und Geralt beenden zu können. Bin ich nicht charmant, wenn ich positiv bin?

Aber eine weitere Sache, die ich echt gut fand, ist die Optik des Spieles. Ja die Animationen der Charaktere sind immer noch etwas merkwürdig, und das rasche Downscaling sobald man Distanz zu seiner Umgebung hinlegt etwas krass. Doch die Landschaft an sich in Witcher III ist einfach wunderschön anzusehen. Ich bin ja schon alleine froh, wenn ein West-RPG tatsächlich sowas wie Farben zulässt, statt zu meinen, eine ernste Geschichte muss in Brauntönen erzählt werden. Der Sonnenuntergang badet die Landschaft in grelle Orangetöne, Weizen- und Sonnenblumenfelder erstrahlen golden in der Ferne. Greife haben strahlend blaues Federkleid getüncht in weinrotes Blut von Geralts Schwertstreichen. Nachts kommt der übernatürlich große Mond hervor und badet alles in seichtes Licht. Witcher III ist ein Spiel, dem ein Photomodus gut zu Gesicht gestanden hätte. All das war bereits, bevor ich nach Beendigen der Haupstoryline ins zweite DLC Blood and Wine ging. Das spielt in einer Grafschaft, die von der Toskana inspiriert ist. Im Direktvergleich zu den poppenden Farben der Lavendelfelder und mediteranen Häuser wirken die Gebiete des Hauptspieles plötzlich als wären sie nur Brauntönig gewesen.

Die DLCs sind übrigens ein Hightlight an sich gewesen. Hier habe ich mich sogar ein wenig für die individuellen Handlungen interessieren können. Vielleicht lag es daran, dass sie besser geschrieben waren. Vielleicht, weil sie einfach kleinere losgelöste Handlungen waren, die sich nicht in die Hauptgeschichte eines 100-Stunden-Spieles fügen mussten, sondern nur für 10-20 Stunden über Wasser halten durften. Vielleicht war es auch einfach mal schön, dass sich fast komplett von dem für mich langweiligen Witcher-Mythos gelöst werden konnte. Man stelle sich mal ein Witcher-Spiel vor, welches zwar grob in der Welt der Bücher spielt, aber bei dem es um einen komplett neu erzeugten Witcher auf seinen Abenteuern geht, ohne sich durch existente Charaktere und Handlungen des Orginaltexts ketten lassen zu müssen. Da wäre ich sofort dabei. Nach fast 100 Stunden Witcher III (Hearts of Stone eingeschlossen) war ich fast etwas ausgewitchered. Dass ich dann dennoch direkt bis Stunde 120 weitergemacht habe, statt ruhen zu können, spricht definitiv für die Qualität vom DLC Blood and Wine.

Ja es hat mich 120 Stunden gebraucht, um durch Witcher III und seine zwei DLCs zu kommen. Natürlich hat mir das Spiel gefallen. Ich mag mich durchaus durch Spiele zwingen, die ich nicht so geil finde, aber sicherlich nicht für über 100 Stunden. Gut, ich habe es als eher generisches West-RPG gespielt, nach dem mir zu Anfang des Jahres mal wieder der Sinn stand: Welt erkunden und Quests abarbeiten. Dass einem das Witcher-Universum wesentlich mehr bieten kann, ist schon klar, darauf hatte ich allerdings keinen Appetit. Für das, was ich gesucht habe, war das Spiel mit einigen kleinen Nervpassagen, die bei einem Unterfangen dieser Länge ganz selbstverständlich sind, aber auf jeden Fall gut. Und so lasse ich die Witcher-Trilogie hinter mir, als Spiele die ich nicht so lieben mag wie die meisten, die ich aber allemal gut finde.

Aber hey, „Das Spiel ist auch noch gut, wenn man es falsch spielt“ ist doch mal ein Kompliment.

Geralt of Netflix

Ich bin mir ja nicht zu schade auf Trends aufzuspringen, mache das aber prinzipiell erst, wenn der Zug bereits abgefahren ist, und sich keine Sau mehr für noch eine Meinung irgendeines dummen Randos im Internet interessiert. Bei The Witcher hat das sowieso Tradition. Die ersten beiden Spiele erst 2014 gespielt, die Bücher erst 2016 gelesen. Und während alle Ende 2019 die Netflix-Serie geschaut haben, und davon angefixt The Witcher III zum xten Mal bespielten, habe ich die Serie erst kürzlich geschaut und das dritte Spiel momentan zum allerersten Mal gestartet.

Insgesamt stand ich der Serie eh etwas skeptisch gegenüber. Nicht, weil es eine Videospiel-Verfilmung ist, und die angeblich grundsätzlich schlecht sind, was man so eh nicht komplett unterschreiben kann. The Witcher sollte sich von vornherein mehr nach den Büchern richten. Wahrscheinlich, weil Buchverfilmung eben mehr Prestige und einen besseren Ruf hat als Spieleverfilmung, und weil sowieso jeder nach dem nächsten Game of Thrones sucht. Ich fand die Bücher aber ehrlich gesagt ein wenig langweilig und die Charaktere hochgradig unsympathisch, von daher war das jetzt kein Überzeugungsargument für mich.

Um ganz genau zu sein, weiß ich sogar gar nicht so richtig, wie stark sich Netflix an die Vorlage gehalten hat, weil ich tatsächlich in den letzten vier Jahren das Meiste aus den Romane wieder vergessen habe. Das Ciri in den Wald geht, und die Sache mit dem Law of Suprise war auf jeden Fall drin. Aber na ja, da hört es halt schon auf, und die erste Staffel geht ja sowieso nicht alle Bücher bereits durch.

Stattdessen gestaltet die sich fast mehr wie ein Prolog zu den Hauptereignissen. Wobei die Bücher mich aber ja auch immer ein wenig damit zurückließen, wann es denn dann jetzt endlich mal richtig losgehen würde, und das nie so richtig wirklich eintreten wollte. Jedenfalls macht die Serie es direkt klar, dass sie drei Haupcharaktere hat. Neben dem Witcher Geralt nämlich auch die Thronerbin Ciri und die Magierin Yennefer. Es gibt sogar einige Folgen, in denen Geralt so gut wie gar nicht vorkommt, und insgesamt bekommen die schon alle gefühlt gleich viel Sendezeit, und auch ausreichend getrennt voneinander. Geralts Storyline hält sich sogar etwas mehr an das erste Kurzgeschichtenbuch. Da er nämlich noch gar nicht auf Ciri trifft, bekommen wir mehr einzelne Witcher-Aufträge von ihm gezeigt. Ein wenig mit Yennefer darf er anbandeln. Und ganz am Ende gibt es eine kurze Kindheitserinnerung.

Währenddessen setzt Yennefers Story hier eben nicht dort ein, wenn sie mit Geralt in Kontakt kommt, sondern erzählt uns sogar ausreichend deren Vorgeschichte wie aus dem verstoßenen Mädchen eien mächtige Magierig wurde. Die Serie hat sogar richtiggehend durch die erhöhte Charakterisierung ihrerseits etwas geschafft, was sicherlich nicht die Bücher aber auch die Spiele nie so ganz vermochten: Ich fand Yennefer ausnahmsweise Mal nicht hochgradig nervtötend und unsympathisch. Da gehört schon was zu.

Als Dritte im Bunde wird natürlich auch Ciris Flucht vor den einfallenden Horden und ihre besondere Stellung für die Welt ausreichend behandelt. Mit den ganzen Irrungen und Wirrungen des Schicksalsbundes zu Geralt inklusive. Aber auf ihn treffen wird sie wie gesagt nicht, die erste Staffel endet ganu an jenem Moment. Sie hat also auch genug eigene Spielzeit bekommen, statt nur das Anhängsel von Geralt zu sein.

Das mochte ich schon sehr, dass alle Charaktere stark ausgearbeitet sind und man sich erst Mal sozusagen eine ganze Staffel für sie Zeit nimmt, bevor es so richtig losgehen wird. Sozusagen, was in anderen Storyline nach und nach als Charakter-Flashbacks eingestreut werden würde, hier etwas geradliniger tatsächlich ganz am Anfang erzählt. Ausreichend Dramaturgie kommt durch diese Hintergründe auf jeden Fall hin. Auch wenn die Chemie zwischen Geralt und Yennefer selbst hier nicht so ganz funktionieren will, eventuell bin ich dafür aber einfach zu sehr durch die beiden anderen Medien vorgeschädigt. Richtig gute Action-Einlagen bringt die Serie übrigens auch rüber. Während die Monster-CG nicht immer überzeugt, aber sich dessen bewusst auch gern jene in schattige Nacht verpflanzt sind, ist die Kampfchoreographie nämlich echt gelungen. Die Serie schafft es sehr schnell und schnell geschnittene Abläufe zu bieten, bei denen man dennoch nie die Übersicht verliert, was jetzt genau wie passiert ist. Das ist selten.

Ich gehe von daher positiver aus der Serie raus, als ich in sie hineingegangen bin. Wo mich die Bücher kalt gelassen haben und ich auch bei den Spielen weniger Aufmerksamkeit auf deren Handlung lege, fand ich die Serie schon sehr unterhaltsam. Auf den Hype möchte ich noch nicht ganz aufspringen, so ein Must See ist sie für mich jetzt noch nicht, aber es ist definitiv ein runder Start um zum Weiterschauen motiviert zu sein.

Lady of the Lake

ava-2053Ups, eigentlich wollte ich ja die Witcher-Bücher bimonatlich lesen, aber irgendwie hat das dann doch nicht ganz hingehauen. Ich mein, am Anfang schon recht gut, aber zwischen dem dritten und vierten Roman lagen dann doch vier Monate, und der finale fünfte kommt erst jetzt dran, 7 Monate später. Ich war ein böser Junge, sorry.

Andrzej Sapkowski mag es seine Geschichten auch in universe als Geschichte unterzubringen, und so startet auch Lady of the Lake im Prinzip am Ende aller Dinge, und hat dann mehrere Arten, wie die vorangegangenen Ereignisse durch das Erzählen oder in Visionen sogar direkt Erleben durch andere Charaktere auch dem Leser nahe gebracht werden. Sicherlich kein schlechtes Gimmick, immer mit dem „wie konnte es dazu kommen“-Köder dahinter, aber manchmal etwas leicht die Übersicht zu verlieren, wer das jetzt noch mal genau wem erzählt, und in welche Chronologie das zur vorigen Erzählung der Reisestation der anderen Charaktere steht.

Was Andrzej Sapkowski auch mag, sind europäische Sagen und Märchen. Natürlich ist die Witcher-Saga von polnischen Mythen inspiriert, nehme ich zumindest mal fest an, da ich davon kategorisch keine Ahnung habe. Aber gerade die beiden Kurzgeschichten-Bände waren zudem voller Anspielungen an mir durchaus bekannte mitteleuropäische Äquivalente. Lady of the Lake zielt natürlich auf die Arthurssage ab. Und das nicht nur metaphorisch, sondern tatsächlich absolut direkt, denn Ciri bekommt hier die Macht sich durch Raum und Zeit zu bewegen. Grundsätzlich wird sie erst mal von Elfen in deren Welt entführt, damit Oberon der Vater ihres legendären Kindes werden kann, doch auf ihrer Flucht springt sie zwischen den Zeiten und Welten hin und her, und landet tatsächlich auch kurzzeitig in unserer Welt zur König Arthurs Zeiten. Was zu Beginn vielleicht sogar noch ein wenig mehr verwirrt, neben der nicht ganz chronologischen Anordnung des Geschehens.

Und um ganz ehrlich zu sein, etwas über halb im Buch hatte ich schon die Befürchtung, dass die Witcher-Saga gar kein richtiges Ende finden würde. Alle Zutaten für ein Fantasy-Epos waren sicherlich schon immer präsent gewesen. Wir haben den wandernden Monster-Jäger Geralt. Wir haben das legendäre Kind der Prophezeiung Ciri. Die deswegen jeder aus seinen eigenen Gründen haben will. Es gibt Rassenunstimmigkeiten zwischen Menschen und Nicht-Menschen. Krieg der Nordlande gegen das einfallende Imperium. Und dann auch noch den Zauberinnen-Zirkel, der die Weltgeschichte aus dem Stillen lenken will. Doch häufig scheint das über die fünf Bücher hinweg nicht ganz zusammenkommen zu wollen, wird mal dies mal das erzählt, die Struktur ist schlichtweg einfach ganz anders, als ich das von ähnlichen Werken gewohnt war. Als also Geralt mit seiner Truppe einen Großteil des Buches bei irgendeiner Baronin alle Viere lang gemacht hat, um dann doch irgendwann wieder Ciri ohne heiße Spur folgen zu wollen, während wir von der gefangenen Yennefer im Prinzip noch gar nichts gelesen hatten, und Ciri selbst quer durch Raum und Zeit floh, war ich fast gewillt zu glauben, dass es gar kein richtiges Ende geben würde. Das zumindest ein Großteil der über die Saga angelaufenen Dinge offen bleiben würde.

Dem war dann nicht ganz so, denn fast ein wenig überstürzt kommt bei Lady of the Lake im Finale doch fast alles zu einem weitestgehend konventionellen Ende zusammen. Geralt, Ciri und Yennefer werden wiedervereint, sie treffen auf die überlebenden Bösewichte und dürfen sich mit ihnen einen Kampf liefern. Sogar der Krieg wird beendet, sowie die Ambitionen aller Ciri zu erhalten. Nach all dem Lesen darüber, wer an welcher Front für wen kämpft, bei dem ich ehrlich gesagt die Bücher über immer mal wieder etwas am abdriften war, weil zu viele Namen zu schnell, war es schon komisch, dass der Krieg scheinbar ziemlich sang- und klanglos beendet ist. Und die Prophezeiung war wohl auch eher eine Ausrede, damit alle Interesse an Ciri haben, denn so wirklich eingelöst wird davon letztendlich auch nichts, sondern sie entzieht sich ihr.

Und so endet für mich die Witcher-Saga mit gemischten Gefühlen. Viel darin war interessant und auch interessant geschrieben, aber viel an der Struktur war auch durchgehend merkwürdig und am Ende schien mir das Pay off einfach etwas zu flau für das Build up aller fünf Büchern.

The Swallow’s Tower

ava-1956Das vierte von fünf Büchern der Witcher-Saga fängt nicht genau dort an, wo der Vorgänger-Band aufgehört hat, erzählt aber dennoch genau das, was anschließend geschehen ist. Durch Flashbacks natürlich.

Denn zu Beginn findet ein Einsiedler im Sumpf die verwundetet Ciri, die daraufhin erst Mal zu palavern beginnt, wie es denn dazu kommt, dass sie halb tot und alleine im Sumpf liegt, obwohl wir sie doch zuletzt quietschvergnügt raubend und lesbischen Sex habend bei den Ratten zu lesen bekommen haben. Das geht eine Weile so, bis später im Buch auch beleuchtet wird, was Geralt und Yennefer zu den Zeiten getrieben haben, dies aber erneut hauptsächlich nachdem alles bereits geschehen ist, in dem sie einem anderen Charakter davon erzählen.

Definitiv ist das hier allerdings ein Buch, welches sich um Ciri dreht. Nach einem harten Einstieg beim Fall ihres Königreiches und dem Witcher-Training, hatte sie es ja relativ einfach bei ihrer weiteren schulischen Bildung, bis im zweiten Buch alle Banden brachen und sie sich zu den Ratten gesellte. Wie sich herausstellt war das jedoch noch gar nichts, denn in The Swallow’s Tower wird Ciri, die hier sehr aktiv und auf sehr heißer Fährte von diversen Leuten gejagt wird, erst so richtig gebrochen, muss durch das Feuer gehen, bis sie stählern neu geschmiedet am Ende des Buches so richtig rein haut. Geralt und Yennefer tun derweilen eigentlich nicht viel, außer zu versuchen sie ebenfalls einzuholen und/oder ihr anderweitig zu helfen, während Geralt zumindest eine Prophezeiung hört, die sich wie immer um Ciri dreht, aber diesmal nicht mehr so vage gehalten ist, und seiner Reise keinen guten Ausgang bevorsieht, auch wenn ihn das natürlich nicht wirklich von ihr abbringt.

Was ich ehrlich etwas seltsam am Buch fand, ist, dass es tatsächlich fast ausschließlich in Flasbacks erzählt wird. Nicht nur von Ciri, Geralt, und Yennefer aus gesehen, sondern später beispielsweise auch unter Verhör stehenden Verfolgern von Ciri. Aber so wirklich viel daraus macht es nicht. Abgesehen natürlich vom Aufhänger, dass am Anfang dieses Buches alles dramatisch anders ist, und man nun darauf gefixt ist, lesen zu wollen, wie es dazu kam. Aber wenn die Rückblicke dann erzählt werden, sind jene ganz normal geschrieben. Objektiv, in dritter Person, und mit regem Wechsel zwischen den involvierten Charakteren. Man sollte meinen, wenn schon ständig ein Charakter am Nacherzählen von Ereignissen ist, bei denen er oder sie anwesend war, wäre das eher in der Ich-Perspektive geschrieben und ein guter Grund, aber das geschieht tatsächlich vergleichsweise wenig. Zumindest nicht mehr, als in den vorigen Büchern, die nicht den Rückblick-Aufhänger haben.

Baptism of Fire

ava-1898Mit Baptism of Fire ist nun also auch das dritte Buch der Witcher-Saga hinter mir, und damit über die Hälfte der Handlung geschafft. Ehrlich gesagt hatte ich gedacht diese Bücher wären etwas episodischer, nur lose aufeinander aufbauend, gerade wo die Anfänge ja wirklich zwei Kurzgeschichten-Sammlungen darstellen, doch es ist tatsächlich eine komplett durchgängige Handlung.

Was dazu führt, dass Baptism of Fire diesmal gar nicht wirklich so einen richtigen Höhepunkt hat, auf den sich alles langsam aber sicher zuspitzt, sondern eher ein Road Trip ist, auf der hier noch nicht abgeschlossenen Suche von Geralt nach Ciri, nachdem ja im Finale des letzten Buches alles anders ist: Nilfgaard ist erstarkt, Ciri angeblich dort, während Ciri wirklich wo ganz anders auf der Welt ist, Yennefer ebenfalls verschwunden, Geralt verletzt, und die Fronten zwischen den Reichen und den Zauberern sind wieder erhärtet.

Die meiste Zeit des Buches verbringen wir diesmal allerdings wirklich bei Geralt als einzigen der üblichen Hauptcharaktere – soweit man Dandellion nicht dazu zählt. Der wird zunächst bei den Dryaden etwas gepflegt, begibt sich dann aber auf die Reise nach Nilfgaard, um Ciri zu retten, wie auch immer er plant dies schaffen zu können, wo sie doch fest in den Klauen des Imperators sein soll. Dabei wird er zunächst begleitet von der Bogenschützin Milva und Troubadour Dandellion, zeitweise schließen sie sich einer Truppe Zwerge an, recht spät kommt ein Vampir-Doktor hinzu, sowie Cahir, der schwarze Nilfgaard-Reiter, vor dem Ciri solche Alpträume hatte, und der endlich Geralt offenbaren kann, dass die Ciri in Nilfgaard eine Doppelgängerin und die echte ganz woanders ist. Diese Gruppenzusammenstellung liest sich fast wie das Setup zu einer Sitcom, oder? Jedenfalls ist der Großteil des Buches deren Reise durch die Gefahrengebiete der immer noch kämpfenden Truppen, inklusive hier oder dort gefangen genommen zu werden oder eine angebliche Hexe vor dem Scheiterhaufen zu retten, bis am Ende das Buch doch tatsächlich auf einen Witz endet, denn Geralt of Rivia, der diesen Titel genau wie seine Witcher-Regeln nur erfunden hat, um seine Auftraggeber zu beruhigen, wird tatsächlich mehr zufällig als willentlich zu Geralt of Rivia.

Hin und wieder schaltet das Buch mal zu Ciri, die bei der jugendlichen Diebesbande der Ratten nicht nur ihre lesbische Seite, sondern auch die Freude am Töten entdeckt hat, aber sie ist im Buch wirklich mehr als sekundär, und die Einschübe mehr um zu zeigen, dass es sie noch gibt, und das sich wenig geändert hat, abgesehen vom Blutrausch natürlich. Yennefer kommt sogar nur auf das letzte Viertel wieder in die Geschichte, wird dahin hineingezogen, dass die Magierinnen sich eine kleine Loge aufbauen, in der sie endlich unpolitisch und Grenzüberbreifend nur für die Förderung der Magie sich zusammensetzen wollen. Heimlich natürlich.

Zu Beginn des letzten Kapitels, wenn alle drei Stränge noch offen sind – Geralts Reise, Yennefers Flucht, und was auch immer Ciri macht -, lässt sich Andrzej Sapkowski sogar ein kleines Schmankerl einfallen: Er beginnt das Finale einfach mit einem Geschichtenerzähler, der jene Ereignisse in der Zukunft einer Gruppe Kinder abends erzählt. Aber es ist ja schon spät, also müssen sie sich aussuchen, welche der drei Baustellen bearbeitet wird. Die Wahl fällt natürlich auf Geralt, weil das hier wirklich sehr sein Buch ist.

Das finde ich auch ganz gut, um ehrlich zu sein. Ciri und Yennefer nerven mich beide nicht, obwohl ich mit anderem gerechnet hatte, als ich anfing die Bücher zu lesen, doch folge ich dennoch lieber Geralt als einer jener beiden. Wenn es die weiteren Bücher so handhaben werden, dass ihre Eskapaden wirklich nur kleinere Einschübe sind, oder sie mit Geralt zusammen reisen, dann fände ich das jedenfalls wenigerschlimm. Aber wir werden sehen wohin die Geschichte sich wirklich noch entwickelt.

Time of Contempt

ava-1878Witcher Saga Buch Nummer Zwei, diesmal mit mehr Geralt und weniger Ciri. Oder auch nicht, oder doch, das Buch wechselt ein wenig zwischen seinen zentralen Figuren.

Zu Beginn verfolgen wir sogar lange nur einem königlichen Boten bei seinem Weg durch die Lande, und wie er ein paar Nachrichten hin und her trägt, da die Könige ja ein wenig was planen wenn es darum geht den Friedenspakt mit Nilfgaard nicht wirklich von ihrer Seite aus zu brechen, aber dennoch einen Kampf entbrennen zu lassen. Ganz zu schweigen davon, dass natürlich jeder Ciri in die Finger bekommen will als rechtmäßige Cintra-Thronerbin, und wenn nur als Schachfigur.

Genau genommen geht die erste Hälfte des Buches ziemlich gemächlich von dannen. Ciri und Yennefer machen sich auf den Weg in die Stadt, wo sich die Magier zu einem Ball und Beratungen treffen wollen, und wo Ciri demnächst auf die Schule für angehende Zauberinnen gehen soll. Dadurch, dass sie ausbüchst, stößt sogar Geralt dazu, und darf ebenfalls am Ball teilnehmen, als Begleiter seiner Yennefer, deren komplizierter Beziehungsstatus mal wieder auf on statt off steht.

Und dann, so ungefähr wirklich zur 50%-Anzeige beim Kindle, nach einigen Seiten belanglosem Geplänkel und Zickereien auf dem Magierball, geht es plötzlich so richtig rund. Dann steht die Zitadelle auf einmal in Flammen, weil drei Fraktionen der Magier ihre Pläne gegeneinander auf einen Schlag auszuführen versuchen. Die Verräter, diejenigen, die sie fangen wollen, sowie diejenigen, die einfach mal schnell die aufmüpfigen Elfen eingeschleußt haben, die nun alles niederschießen, was keine spitzen Ohren hat.

Ist jener ereignisreiche Abend beendet, verliert das Buch leider wieder etwas an Schwung, da sich alle sozusagen die Wunden lecken müssen. Von Yennefer hören wir erst mal gar nicht mehr. Geralt, der bei den Dryaden gepflegt wird, bekommt Besuch von Dandelion, der ziemlich trockene Exposition darüber brabbelt, welches Reich wie mit dem Angriff von Nilfgaar umgeht, wer wen hinterging und opferte, damit man selbst den Thron behalten kann etc. Ciri hingegen kämpft sich lange durch eine Wüste und kommt dann bei den Ratten unter, einen Bande Teenager, die sich ausgestoßen alleine durch die Welt kämpfen und ordentlich den Gesetzeshütern einheizen.

Der Titel Time of Contempt fällt dabei häufiger. Es ist ja eh die Zeit des Umbruchs, die Elfen werden von den Menschen niedergemetzelt, weil die freien Elfen sich nicht mehr unterdrücken lassen, und das gegenseitige Misstrauen wächst und wächst. Die Könige trauen den Magiern nicht mehr, die sowieso nichts und niemandem vertrauen. Ciri verliert das Vertrauen in die Welt, und kommt in einer Gang Gleichgesinnter unter. Und wir finden etwas darüber hinaus, was ihr Titel des Alten-Blutes mit sich bringt, ist sie doch viele Generationen von einer rebellischen Magierin abstammend, und soll die Mutter desjenigen werden, der die Weltordnung stürzt.

Ich hätte mir persönlich nur vielleicht ein wenig eine andere Struktur erhofft. Stellen im Buch sind wirklich spannend, aber das ist wirklich nur sehr punktuell zwischen viel Erklärungen über die politische Lage und wer mit wem und dann doch nicht. Das war ehrlich gesagt schon etwas, wo ich im The Witcher 2: Assassin of Kings Spiel etwas abgeschaltet hatte. Wenn es um die politische Lage der Welt geht, hat die Franchise so ein wenig das Problem, die Fakten auch interessant aufzubereiten, statt Charaktere scheinbar ewig trocken drüber zu reden, und dabei alle paar Sätze neue Namen aufzubringen, mit denen man nichts anfangen kann. Vielleicht muss ich auch einfach besser aufzupassen beginnen.

Blood of Elves

ava-1842Da sitze ich also hier mit dem ersten Buch der eigentlichen Witcher-Saga, die vorigen beiden waren ja nur Kurzgeschichten-Sammlungen, hier geht die Hauptstory los, und denke mir doch ernsthaft, es ginge um den Witcher. Dem ist nicht so, es geht viel mehr um Ciri, dass Buch ist sogar nach ihr benannt.

Doch, ist es. Ciri ist das Wunderkind der Reihe, und bringt mit sich ein gutes Dutzend an Titeln. Sie ist „das Löwenjunge“, denn sie ist die letzte Überlebende der Blutlinie der Herrscherfamilie des von Nilfgaard überrannten Cintra. Sie ist „die Überraschung“ und „das Schicksal“ von Geralt von Rivia, der sie an sich und mit nach Kaer Morhen, dem Unterschlupf der Witcher, gebracht hat. Sie ist „die Quelle“, denn es reicht natürlich nicht, dass das Mädel zu einer Schönheit heranwächst, dem Witcher-Training stand hält, und königliches Blut in sich trägt, nein magische Kräfte hat sie auch noch, und ist das Sprachrohr einer Prophezeiung. Und sie ist halt auch „das Blut der Elfen“, denn irgendwo in ihrem Ahnenstamm versteckt sich ein Vorfahre einer der Alten Rassen, um sie noch ein wenig mehr extra special zu machen.

Wenn man darüber nachdenkt, macht es fast etwas Sinn, dass Geralt nun etwas in den Hintergrund rückt. Denn genau genommen ist er ja unwichtig. Er ist ein Witcher. Witcher mischen sich nicht in die politische Lage ein. Witcher kümmern sich nicht um Kriege. Witcher werden angeheuert, um Monster umzubringen, und ziehen nach erfolgreich verrichteter Arbeit weiter. Die Witcher sind die Schweiz, nur blutrünstiger und mit niedrigerer Lebenserwartung. In den zwei Kurzgeschichten-Bänden, wo jedes Kapitel ein neuer Auftrag eines Witchers ist, ja da ist Geralt von Rivia die Hauptfigur. In der Hauptsaga nun allerdings geht es um Machtspiele. Nilfgaard hat Cintra eingenommen und bedroht die Grenzen der restlichen Reiche der Region. Nicht nur per militärischer Übermacht, denn zumindest diese Fronten sind zum Stillstand gekommen. Doch Nilfgaard ist nicht dumm, stattdessen stiften sie die Nicht-Menschrassen zur Rebellion an, auf das die Scoia’tael sie von innen heraus zermürben, sowie unterwandern deren Ökonomie und Moral der Zivilisten mit der Einfuhr von billigen Konkurrenzgütern und Privilegien der Einwohner ihrer neuen Provinzen. Kriegsführung an allen Fronten, nicht nur mit dem Schwert.

Und da ist Ciri natürlich plötzlich wichtig, als rechtmäßige Thronerbin von Cintra. Wollen die anderen Königreiche sie dort wieder einsetzen? Sie als hehren Ansporn zur Wiedereroberung des gefallenen Königreiches nehmen? Per Heirat vielleicht sogar eine Fremdkontrolle garantieren? Oder wollen sie das Mädel lieber aus dem Weg räumen, damit sie zumindest nicht zur Puppe Nilfgaards werden kann, die mit ihr verehelicht plötzlich einen gerechten Anspruch auf Cintra hätten, statt der Besatzer zu sein? Und da Ciri die Supertolligste ist, die auch noch die kosmischen Mächte channelt, interessiert sich die Magiergilde auch noch für das Kind. Oder kurz gesagt: Jeder will wissen, ob die Gerüchte wahr sind, dass Geralt Ciri an sich genommen hat. Das macht Geralt wichtig, aber nur weil Ciri wichtig ist, und er dessen Beschützer mimt. Im letzten Drittel des Buches, wenn die Könige ihre Pläne schmieden, und Ciri von ihrer Zeit mit Yennefer als Lehrerin berichtet, kommt Geralt eigentlich gar nicht vor.

Was ich dem Buch dabei echt Zugute halten muss, ist die Tatsache, dass mir Ciri dennoch nicht zum Halse heraushängt. Das Mädel ist gefährlich nahe an einem Mary-Sue-Status, und keiner mag Mary Sues. Aber Ciri ist soweit Ok gewesen, die flapsige Art des sich mehr oder minder gegen die Erwachsenen zu behaupten wissenden Mädels ist ganz nett. Überhaupt gefällt mir, wie die Charaktere in der Saga geschrieben sind. Denn jeder überrascht mit dem einen oder anderen smarten oder zynischen Kommentar, die doch unerwartet beim Lesen ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern kann, jeder dabei aber dies auf seine Art und Weise tut, so wie es zu deren etablierten Charakter passt.

The Last Wish & The Sword of Destiny

ava-1793Es ist das Jahr des Witchers, mit Wild Hunt geht die Fantasy-Trilogie des polnischen CD Studio Reds in die finale Runde, hat WRPGler es freudigst erwartend, gleichzeitig aber mit dem mulmigen Beigeschmack die beste Franchise der letzten Jahre anschließend zu verlieren. Doch den Witcher Geralt von Rivia gibt es bereits seit 1986, als Autor Andrzej Sapkowski seine erste Kurzgeschichte auf die polnische Leserschaft losließ.

Weitere sollten folgen, und letztendlich eine richtige Witcher-Saga mehrerer Bücher daraus werden. Doch die ersten beiden, The Last Wish und The Sword of Destiny, sind Sammelbände jener episodischen Geschichten, die diverse Erlebnisse des Wichters wiedergeben.

Darunter, wie das mittlerweile bei Fantasy zum guten Ton gehört, der Rassismus bzw. die allgemeine Angst vor der Andersartigkeit. Die Welt des Witchers ist eine im Umbruch, eine bei der sich die Menschheit über die Lande verbreitet hat wie eine Plage, die Fantasywesen und Monster verdrängend. Elfen, Zwerge, Dryaden und Co. sehen sich auf verlorenem Fuße im Kampf gegen deren Vordrängen, bestenfalls kann man versuchen sich in ihre Gesellschaft zu integrieren, aber eben wegen der langen Auseinandersetzungen wird man dort nicht zwangsläufig gut aufgenommen. Das betrifft auch den Witcher, nicht mehr wirklich Mensch, dank der Mutationen, die sie zu so guten Monsterjägern machen, und die den meisten der ihren Familien entrissenen Jungen das Leben kosten, bevor die Prozedur zum einsamen Jäger beendet ist. Die Witcher, die dazu gezüchtet wurden der Menschheit gegen die Monster zu helfen, werden häufig selbst als solche angesehen.

Alles trist ist allerdings nicht in den Exkursen von Geralt, denn er selbst pflegt sich einen trocken-zynischen Humor, genauso wie besonders besagte Fantasywesen ein recht lustiges oder zumindest interessantes Völkchen sein können. Und Geralt hat durchaus auch Freunde. Den Troubadour Dandelion beispielsweise, dessen flinke Zunge und Hurerei ihn gern in Schwierigkeiten bringt. Oder die Zauberin Yennefer, mit der er eine destruktive On-Off-Liebschaft pflegt. Und dann natürlich das Mädchen Ciri, welches erst zum Ende von The Sword of Destiny ins Geschehen kommt, und dessen Schicksal mit dem von Geralt verbunden zu sein scheint.

Sapkowski scheint auch ein Faible für Fabeln zu haben. Denn viele der Geschichten stützen sich doch auf mehr oder weniger bekannte Märchen und Volksglauben, oder erwähnen zumindest einen kleinen Hint zu einem am Rande. So haben wir beispielsweise in einer Geschichte ein Liebespaar aus Menschenmann und Meerjungfrau, die darum streiten, wer weniger Hingabe ob ihrer Liebe zeigt, sie weil sie ihre Flosse nicht gegen Beine eintauschen will, oder er weil er nicht zum Meermann zu werden bereit ist. In einer weiteren geht es um einen verwunschenen Prinzen, der nun wie ein Biest aussieht, alleine in seinem Schloss im Walde wohnt, und nur die berüchtigte wahre Liebe ihn erlösen kann. Also lässt er sich gegen Bezahlung für ein Jahr junge Mädchen der Bevölkerung bringen, mit denen er Abenteuer auf vielfältige Arten verlebt, in der Hoffnung eine davon entwickelt mehr als nur das Verlangen danach Reisende zu erschrecken und animalischen Sex zu haben. Wieder eine weitere mag nur nebenbei mal erwähnen, dass Geralt einen anderen Charakter daher kennt, weil er ihn von einem Fluch befreite, der ihn in einen Spatz verwandelte, und dessen törichte Schwester auf den Irrglauben reinfiel, ein Hemd aus Nesseln würde ihn zurückverwandeln – Einwurf, dass Gechichtenerzähler wie Dandelion daraus sicherlich viel romantischer 11 Brüder machen würden, die sich in Schwäne verwandeln. Sprich die Geschichten haben auch ihren Spaß damit, mehr oder weniger direkt altbekannte Märchenerzählungen einzubinden, und sie dem raueren und weniger romantischen Ton der Reihe anzupassen.

Liest sich also wirklich eigentlich ganz gut, recht schnell und episodisch wie es ist, aber mit genug Charakterisierung gen Antiheld Geralt und der pragmatischen Welt, in der er lebt, um Interesse nach mehr zu wecken.

Assassins of Kings

ava-1637Okay, The Witcher 2, wo fang ich mal an? Ich habs schon vor einer Woche beendet, aber dann war ich schreibfaul, und dann hat mich Sims 3 wieder gefangen, und dann war ich etwas am Kränkeln und unmotiviert. Also ist das jetzt alles wohl etwas durcheinander.

Ich mag die Witcher-Reihe, The Witcher 2 hat mir da insgesamt noch besser gefallen als der eh schon gute Erstling. Ich liebe die Reihe nicht, sie ist mir jedoch sehr sympathisch. Das liegt wahrscheinlich weniger an ihr und mehr an mir. Ich bin mittlerweile 30 und habe Jahrzehnte Erfahrung was Spiele und auch andere Medien angeht, da wird es immer schwerer etwas wirklich zu „lieben“. Als Kind und früher Teen ist halt noch alles so neu und frisch, man leichter zu begeistern, zu prägen, der Geschmack ist noch nicht so ausgeprägt und man hat weniger Vergleichsmöglichkeiten, weniger Erfahrung. Sogar in den frühen Twens haben es einige Sachen noch vergleichsweise einfach einem vom Hocker zu hauen. Mit 30 hingegen ist es wesentlich schwerer einem noch den Wind aus den Fahnen zu nehmen, sich wirklich komplett zu hypen und begeistern. Mit 12-16 wäre ich beispielsweise auch total auf den Zug zu Xenoblade oder Ni no Kuni aufgesprungen, mittlerweile sehe ich aber zu viele kleine Kränkeleien, die mir die Dinger dann doch kurz vorm „Best RPG Ever!“-Ziel zum Erliegen kommen lassen. Doch die The Witchers würde ich jedenfalls schon zu den besten Spiele-Erfahrungen der letzten Jahre für mich einsortieren, nicht an die Spitze setzen, auch nicht zu meinen Lieblingsspielen aller Zeiten zählen – aber darunter würde sich wegen besagter Altersernüchterung glaub ich fast nichts wiederfinden, was ich in der zweiten Hälfte meiner Zwanziger gespielt habe.

Aber fangen wir doch mal mit dem an, was mir nicht so gefällig war. Eines gleich vorweg, was mich beschäftigt, obwohl ich wünschte, dies wäre nicht so. Ich möchte ja wirklich nicht zu den militanten Nervensägen gehören, die nicht erlauben wollen, dass eine Randgruppe auch im negativen Licht gezeigt wird, ohne direkt Rassismus/Sexismus/Homophobie zu schreien. Den Schurken Dethmold schwul sein zu lassen hat mich aber dann doch an der falschen Stelle gerieben. Nicht aus Prinzip wohlgemerkt. Schwul sein bedeutet sich zu anderen Männern hingezogen zu fühlen. Punkt. Ansonsten kann man als Schwuler so ziemlich alles sein, auch ein Bösewicht. Die Art und Weise, wie es in Witcher 2 präsentiert ist stört mich aber ein wenig, und ein wenig mehr je mehr ich darüber nachdenke um eine Ausrede zu finden, warum es mich nicht stören sollte. Die Sache ist die, dass seine Homosexualität aus dem Nichts plötzlich in Chapter 3 eingeworfen wird (die Bühne betritt er als Charakter bereist ab Chapter 2), und zwar in einer Cutscene direkt bevor man ihn konfrontiert und tötet, als ob noch mal schnell ein „btw, schwul ist er auch“ einzuwerfen ihn automatisch verachtenswerter macht. Er hat übrigens die Thronfolgerin entführt, und Roche meint dann auch noch direkt so das er hoffe der Degenerierte habe sich hoffentlich nicht auch am kleinen Mädchen vergriffen… ugh. Dazu kommt dann noch, dass man in Chapter 3 gleich drei Antagonisten stellt, Dethmold jedoch der einzige ist, der keine „aus meiner Sicht waren meine Taten gerechtfertigt“-Rede bekommt, die ihn zu einem grauen Charakter macht, und auch der einzige der drei, bei dem man nicht die Wahl hat, ob man ihn laufen lässt oder nicht. Hilft auch nicht, dass ich über beide Spiele in dieser Welt nicht einen Schwulen getroffen habe außer diesen plötzlich stereotyp foppisch-tuntigen Fiesling. Ich will ja nicht Wolf schreien, zumal ich kaum glaube das das Witcher-Team ernsthaft homophob ist, immerhin sprechen wir von Polen in 2011, nicht ein Dritte-Welt-Land das sich kulturell noch im Mittelalter befindet… doch irgendwo scheint hier im Framing der ganzen Angelegenheit was schief gelaufen zu sein, wodurch das einfach etwas unglücklich präsentiert wird.

Jedoch zu weniger unkomfortablen Dingen. Auch nicht so gemocht habe ich die neuen handgezeichneten Flashbacks. Wo The Witcher wirklich wunderschön detailliertes Artwork gezeigt hat, nimmt The Witcher 2 lieber edgy hässliche Sachen im Heavy Metal Look. Das friendly Fire war auch nicht die beste Idee, in den wenigen Auseinandersetzungen, wo einem ein Zauberer zur Seite steht, bekommt man schon mal einen Feuerball in den Rücken gebretzelt. Und auch ist nicht die Gänze von Chapter 2 so ganz meins gewesen, hauptsächlich die Sachen im Nebel waren mir etwas zu nervig.

Der Rest hat mir so ziemlich gefallen, auch wenn The Witcher definitiv etwas an die eigenen Grenzen stößt, was die Entscheidungsfreiheit angeht, zumindest wenn es um die Reihe an sich geht. Es ist schön das man so häufig sich entscheiden kann, was man tun, wen man unterstützen und wie man mit wem umgehen will, besonders in einer Welt der unkomfortablen Realitäten statt einfacher Schwarz-Weiß-Malerei. Das ändert natürlich nicht das komplette Spiel ab, aber in den Witchern doch wesentlich mehr, als in einem RPG von Bioware, gibt es doch teilweise komplett unterschiedliche Szenarien in den Dingern. Wohl sogar etwas zu viel für eine fortlaufende Geschichte – immerhin sind die Witchers nicht wirklich Open World RPGs sondern trotz vieler Sidequests insgesamt Story-fokussiert – und so haben die Dinge dann Spielübergreifend doch nicht maßgebliche Auswirkungen. Ja The Witcher 2 muss sogar die Entscheidung einer Gefährtin aus The Witcher non-canon machen, und nimmt einfach an, dass man mit Triss angebandelt hat, was etwas seltsam ist, wenn man die andere Ische sich ausgesucht hatte oder so wie ich Triss klar machte, dass hieraus nix werden kann.

Was mir an The Witcher 2 gegenüber The Witcher wohl am meisten gefallen hat, ist das es wohl doch einfach rundum moderner wirkt. Das Ding sieht natürlich besser aus, aber dadurch sind die Ereignisse und ingame Cutscenes auch wesentlich dynamischer. Alles hat mehr Umpf und Action, dazu gehört auch das neue Kampfsystem, welches zwar immer noch zwei Schwerter und zwei Stellungen plus Magien, Potions und Mutagene benutzt, doch wesentlich geradliniger wirkt, da es nun wirklich wesentlich wichtiger ist sich zu Positionieren, umher zu laufen, aus dem Weg zu rollen, Gegnern in den Rücken zu schlagen etc. (selbst auf Casual kann man sonst in arge Probleme laufen, wann immer Geralt es mit 3+ Gegnern zu tun bekommt). Auch ist das Spiel nun kürzer und auch wenn es immer noch gut viele Sidequests gibt, so hatte ich diesmal nie das Gefühl ob ihrer wirklich das Main Quest aus den Augen zu verlieren, oder als ob in jenem Stillstand vorherrscht. Ich mochte diesen geradlinigen und mehr fokussierten Gang dann doch etwas mehr. Das erste The Witcher, so sehr ich es wie gesagt auch mochte, wirkte dagegen eben einfach etwas altmodischer, The Witcher 2 ist einfach frischer.

Ich jedenfalls schaue dann jetzt The Witcher 3: Wild Hunt nach The Witcher 2: Assassins of Kings stärker entgegen, als ich dies nach dem ersten The Witcher gedacht hätte. Mal sehen ob ich mich bis dahin mit den Büchern tröste.

The Witcher

ava-1619Ich bin dann also endlich mit dem ersten The Witcher fertig, doch tatsächlich noch vor dem Release des Endkapitels. Angefangen hatte ich vor einer Weile, bin dann aber in Chapter 2 steckengeblieben, bevor ich es vor Kurzem wieder rausgekramt und halbwegs durchgepowert habe.

Ich denk eines der größten Probleme war da auch einfach das Pacing, welches gerade im zweiten Kapitel besonders schlecht ist. Zum Überblick: The Witcher ist nicht open world, sondern beschränkt einen auf gewisse Gebiete in den Kapiteln. The Witcher hat eine zusammenhängende Handlung, die sich darum dreht, dass jemand ein Witcher-Hideout überfallen und Geheimnisse geklaut hat (Witcher sind quasi herrgestellte X-Men, per Mutation gemachte Supermenschen, die besonders stark sind, und durch den Einsatz von Zaubern und Tinkturen somit gegen die Monster ankommen, gegen die Normalos keine Chance haben), auf dessen Spur sich Geralt nun begibt, dabei in einen Krieg um die Macht im Königreich gerät, und Forshadowing ob der Ende-der-Welt-Prophezeiung um den White Frost (Winter is coming, eh?) gegen Spielende entgegen geexpositioned bekommt.

Doch gleichzeitig ist The Witcher strukturell auch ein wenig wie ein westliches Xenoblade, denn jedes Kapitel offeriert Dutzende an Sidequests, die besser Erfahrung bringen als Monster, und deswegen zumindest das Erfüllen eines guten Teiles zur Charakterentwicklung zuträglich ist. Die sind auch zum guten Teil launig, jedoch hat es halt den Nebeneffekt, dass man bei solchen Spielen immer häufig das Hauptquest aus den Augen verliert, weil man die letzten 3-5 Stunden nur Nebenaufgaben abgewickelt hat, und sich erst mal wieder besinnen muss, warum man eigentlich ursprünglich überhaupt ins hiesige Gebiet gekommen ist. Zumal die Gebiete auch echt groß sind, Chapter 4 besteht bespielsweise aus gleich vier recht leeren Arealen, während die Stadt von Chapter 2/3 im Gegensatz vieler RPGs tatäschlich wie ein Stadtteil wirkt, da es viele Häuser und Nebengassen gibt, und tagsüber eine halbe Hundertschaft an NPCs durch die Gegend läuft. Was aber teilweise auch wiederum bedeutet, dass viel Spielzeit auch einfach dabei drauf geht, zwischen Questgeber und Questlokalität hin und her zu laufen, zumal die Beschreibungen nicht immer ganz transparent sind, wo genau was wirklich zu tun ist. Und der Quest Tracker weist leider stoisch nur dorthin, was als Hauptlokalität für den NPC einprogrammiert wurde, selbst wenn dessen Tagesablauf bedeutet, dass er zum jetzigen Zeitpunkt ganz wo anders oder gar nicht aufzufinden ist.

Deswegen war wohl Chapter 2 wirklich das schwächste Stück des Kuchens, da es am meisten Sidequests offeriert, und die Haupthandlung eh noch nicht richtig ins Rollen gekommen ist. So dass man sich schnell am Spiel übersättigen kann, eventuell etwas nebengenervt vom vielen Backtracking und NPC nicht wieder auffinden. Danach wird’s aber definitiv besser, Chapter 3 ging trotz größerem Gebiet fluxer, und Chapter 4&5 ist, wenn die Handlung so richtig in Fahrt kommt (und die Gebiets-Nebenhandlung von Chapter 4 ist sowieso auch toll, mit dem Mordmysterium und einem Kampf gegen einen Lovecraft-Horror).

Vor allem aber ist The Witcher auch ein Spiel der Entscheidungen. Man trifft auf so viele Charaktere, und jedes Kapitel scheint ein oder zwei Nebenhandlungen zu haben, und wie man mit jenen umgeht, beeinflusst eben auch maßgeblich auf welchen von drei Fraktions-Storypfaden man sich bewegt. Und in The Witcher ändert sich verlgeichsweise wirklich viel. Ist aber auch definitiv ein Spiel der nicht einfachen Entscheidungen/üblen Konsequenzen. Ich glaube kaum, dass es wirklich möglich ist, Geralt als Gutmenschen zu spielen. Egal welchem Weg man folgt und welche Entscheidungen man trifft, irgendjemand kommt zu schaden. Mehr Realismus denn Wish Fullfilment ist, was The Witcher anstrebt.

Was sicherlich auch interessant ist, da das Spiel auf einer polnische Buchreihe basiert, und zwar nicht lose, sondern Geralt ist auch darin der Hauptcharakter. Man sollte also meinen, dass man Geralt nicht „seinen“ Geralt machen kann, weil sein Charakter und seine Handlungsweisen ja bereits aus jenen bekannt sind. Das lässt sich allerdings elegant mit dem RPG-Klischee der Amnesie lösen. Normalerweise so was von durch, ist dies hier halt doch eine gute Idee, da Geralt so bei Punkt Null anfängt, und es Sinn macht, dass er ganz Un-Buch-Geralt agieren kann, sondern wie der Spieler das will, da er nicht der gleiche Geralt ist.

Wie spielt sich denn aber das ganze Ding eigentlich? The Witcher ist ein Action-RPG. Alleinig Geralt wird mit seinen Schwertern in den Kampf geschickt und in Echtzeit sich vermöbelt. Wobei die Kämpfe quasi ein kleines Rhythmus-Spielchen sind. Gegner anklicken, Geralt haut ein paar mal drauf, doch rechtzeitig wenn der Mauscursor aufblinkt erneut gedrückt, und die Kombo geht weiter. Mit schnellen Doppeldruck auf WASD kann sogar eine Dodge-Roll oder ein Sprung ausgeführt werden. Das macht die Kämpfe wenigstens etwas aktiver als einfaches Klicken und warten, bis der Gegner umfällt. Wer schlau ist lernt sowieso früh den AoE-Feuerzauber Igni und pumpt seine Skillpoints in jenen und schnellere Regeneration, und ab Spielhälfte kann dann eh jede Monstergruppe per Brandstiftung schnell ausgeschaltet werden. Eigentlich lässt sich The Witcher wirklich einfach handhaben, auch wenn die Erklärungen zu Beginn etwas übertrieben komplex vermuten lassen. Denn Geralt hat 2 Schwerter, ein stählernes für Menschen, ein silbernes für Monster. Neben dem Wechsel zwischen jenen kann aber auch noch für jedes der Kampfstil zwischen Stark (für tankige Gegner), Schnell (für agile Gegner) und Gruppen (duh!) gewechselt werden. Dann noch Magielernen nur durchas Finden von magischen Zirkeln, das Brauen helfender Tränke durch finden von Rezepten wie Zutaten, und Monsterparts nur ernten zu dürfen wenn in einem Buch über ihre Anatomie gelesen wurde… und man kann schnell irregeführt sein, dass The Witcher unnötig verkompliziert ist. Es geht allerdings ziemlich schnell gut von der Hand, wirklich.

Was mir optisch wirklich gut gefallen hatte, waren ausgerechnet die 2D-Atworks, und damit meine ich nicht nur die Pinups der fickbaren Weiblichkeit. Beim Ladebildschirm für jede Lokalität gibt es ein handgeichnetes Concept Art zu ihr zu sehen, und ein paar Plotpunkte werden Budget-sparsam auch von jenen illustriert – doch ich fand die wirklich toll gezeichnet, und sogar ansehnlicher als die etwas seltsam ablaufenden ingame Cutscenes für die Story (denn leider wird man die tollen FMVs nur fürs Opening und Ending sehen). Was nicht bedeutet, dass die ingame Grafik schlecht ist, die ist schon Ok, wenn auch die Charaktere ziemlich steif und wenig attraktiv designt sind, was eben bei den Cutscenes erst richtig auffällt. Dafür hat die Welt von The Witcher wirklich viele Details zu bieten, die sie wirklich wie eine lebende Welt wirken lässt. Eben nicht nur durch die großen und bevölkerten Städte, sondern auch durch vorbeifliegende Vöge, im Wind wehendes Gras, einsetzende Wettereffekte, den Teich bedeckende Seerosen, durchs Unterholz laufende Wildtiere etc.

Der Anfang mag etwas träge sein und die Sidequests hätten etwas mehr Transparenz vertragen können, doch letztendlich, besonders nachdem es in der zweiten Hälfte so richtig los ging, war mir The Witcher definitiv gefällig. Schaue jedenfalls schon gen The Witcher 2, welches ja hübscher, Action-reicher, und vor allem entschlackter sein soll.