Superhero Sunday – Captain America 2

ava-1897Nach dem zweiten Thor also nun zur zweiten Inkarnation seines Avengers-Kollegen Captain America, dem feinsten Knackarsch des Crossover-Teams. Ähnlich wie beim ersten Thor fand ich den ersten Captain America etwas unaufregend, wenn ich mich recht erinnere, trotz sympathischer Nostalgie-Optik und sympathischen Lead Actor.

Captain America: The Winter Soldier hingegen haut dicker auf die Pauke. Ja zunächst sieht es sogar so aus, als würde es mal ordentlich interessante Story geben, die in Superhelden-Filmen ja immer eher etwas spärlicher sind. Es ist schon interessant, wie die Figur des Captain America ursprünglich mal aus Kriegspropaganda in Form des Nazi-/Kommi-Prüglers geboren wurde, mittlerweile aber evolviert ist als eine Figur, die das amerikanische Wunsch-Ideal und nicht zwangsläufig die Realität widerspiegelt, durchaus eben auch gegen moderne Entwicklungen in der Regierung stehen kann.

So nämlich hier ein wenig, denn The Winter Soldier zieht sich erst Mal so auf, dass Steve Rogers sich zwar grundsätzlich mit dem Leben in der Moderne recht gut akklimatisiert hat, und gar nicht so sehr der „guten alte Zeit“ (TM) hinterher trauert, aber doch noch ein wenig damit aneckt, wie die moderne Kriegsführung sich gestaltet. Wo man eben nicht nur einem Ober-Nazi mit rotem Signalkopf eins in die Fresse hauen kann, um den Tag zu retten, sondern wo alles heimlich und elektronisch irgendwo ungesehen passiert, und auch die „Guten“ auf deren Seite man steht, einen ständig überwachen. Ja nachdem Nick Fury angeschossen wird, stellt sich sogar die Frage, ob SHIELD nicht selbst wenige Skrupel hat das ein oder andere unmoralische Ding zu drehen, nur um schneller ans Ziel des zumindest aus ihrer Sicht größeren Guten zu kommen.

Was entbrennt ist, zumindest in der ersten Stunde, ein Spionage-Thriller, in dem Steve und die russische Ex-Spionin Natasha mehr oder weniger als Staatsfeinde #1 vor SHIELD flüchten müssen, während sie versuchen auszutüfteln, was hier überhaupt hinter den Kulissen geschehen ist, um dies so werden zu lassen. Das ist der spannendste Teil im Film, zumindest von der Handlung her, weil man sich wirklich nicht so sicher ist, wo das alles hingehen könnte, vor allem nachdem man recht zügig rausfindet, das Fury selbst nicht immer koscher gehandelt hat, um die richtigen Ergebnisse zu erzielen.

Ungefähr halb durch den Film verliert sich das leider etwas, wenn herausgefunden wird, dass doch tatsächlich hinter allen größeren Konflikten auf der Welt in den letzten Jahrzehnten niemand anderes als die Ex-Nazis von Hydra stecken, die selbst SHIELD unterwandert haben. Da macht es sich der Film für meine Verhältnisse etwas zu einfach, so mal alle Konflikte auf eine Gruppe abzuwälzen, damit man im Finale ein festgestecktes Ziel hat, dem man den Gar ausmachen kann. Erst hier kommt der Titel-gebende Winter Soldier auch wirklich hinein, aber wer ein wenig am Anfang aufgepasst hat, weiß sowieso, wer sich hierfür am Besten als dramatischer Reveal hinter der Maske eignet. Sprich auf die zweite Hälfte verliert der Film zwar nicht an Struktur oder Ziel, aber irgendwie doch an Story.

Da ist es doch ganz gut, dass The Winter Soldier uns fast non-stop Action anbietet, um bei Laune zu halten. Selbst in der ersten Hälfte gibt es wenige Momente, die lange anhalten, ohne dass um sich geschossen wird oder der Cap sein Schild werfen muss, und dann in der zweiten Hälfte, in der die Handlung eh zweitrangig wird, geht es natürlich umso mehr ab. Was ich dabei auch mochte ist, dass dies hier alles etwas bodenständiger wirkt. Das hat sicherlich auch was mit der Art von Superheld zu tun, die wir hier im Film haben. Während andere Superhelden wirklich übernatürliche Superkräfte haben, oder die Normalos sich mit ihrem Geld unglaublich viele Gadgets kauften, so ist Steve Rogers doch etwas normaler geblieben, „nur“ ein besonders kräftiger und ausdauernder Supersoldat, und zur Seite hat er Natasha/Black Widow, die auch eine ziemlich „normale“ Superagentin zu sein scheint, und den Neuzugang Falcon, der ein stinknormaler Soldat ist, nur mit einer Flugapparatur am Rücken. Selbst der Winter Soldier ist von seiner Machart Steve gleich. Das bedeutet, dass es hier in der Action, trotz viel Geballer, Explosionen und natürlich auch Verfolgungsjagden, es doch wesentlich brachialer zugeht, wenn sich zwei davon direkt gegenüberstehen. Das passt zum Look und Feel des Spionage-Thrillers auch viel besser.

Also ist beim zweiten Captain America ganz wie beim zweiten Thor definitiv ein qualitativer und Unterhaltungs-technischer Anstieg gegenüber dem ersten Film zu verbuchen. Prädikat sehenswert.

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