The Wind Rises

ava-1735Wie der Wind sich hebt ist ein ganz besonderer Film, denn er ist das letzte Werk von Hayao Miyazaki. Zwar sagt der bereits seit 15 Jahren, dass er in Rente gehen will, und macht dann doch immer wieder einen weiteren Film, doch da Studio Ghibli nach dem diesen Sommer erschienenen When Marnie Was There auf unbestimmte Zeit eine Pause von der Filmproduktion macht, und Miyazaki nun auch schon über 70 ist, wird dies diesmal wohl ernstzunehmen sein.

Wofür hat Miyazaki bekanntlich ein Faible? Schweine und Flugzeuge. Und zumindest einem der beiden widmet er sich in seinem Abschiedsfilm. Wobei er überraschend davon überredet werden musste, seinen Manga zu verfilmen, statt mit Ponyo 2 auszuklingen, da Miyazaki dachte die Thematik von Wie der Wind sich hebt interessiere das Ghibli-Zielpublikum, nämlich Kinder, nicht.

Damit mag er vielleicht grundsätzlich nicht ganz Unrecht gehabt haben. Aber worum geht es genau? Wie der Wind sich hebt ist eine fiktive Biographie des existenten Flugzeugbauers zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, Jiro Horikoshi, der den Teil dessen Privatlebens frei erfindet, und statt der Realität lieber aus einem Buch über eine Tuberkulose-Patientin nimmt. Für Kinder, die sich nicht für Flugzeuge oder das Ingenieurswesen begeistern können, ist im doch relativ bodenständigen und vor allem in der ersten Hälfte leicht trockenen Film vielleicht nicht so viel Unterhaltungswert zu ziehen, ein paar launig visualisierte Träume um Jiros Traumflugzeuge und Treffen mit anderen, legendären Flugzeugbauern vielleicht mal abgesehen.

Ich muss sagen mir persönlich war die erste Stunde des Filmes auch etwas zu lang. Sobald das Mädel, welches er beim Großen Kanto-Beben gerettet hat, Jahre später wieder in sein Leben tritt, und die tragisch endende Romanze zwischen den beiden beginnt, war ich dann doch an Bord, da ich dort emotional leichter zu investieren war, als am Traum das stromlinienförmigste Flugzeug aller Zeiten zu bauen. Das liegt natürlich auch daran, dass ich mich ebenfalls nicht wirklich für Technik oder Flugzeuge interessiere, aber irgendwo hat mich das ja auch bei Porco Rosso nicht gestört. Wahrscheinlich, weil dort die technische Seite eher ausgeblendet wird, und der Mix besser ist. In Wie der Wind sich hebt hingegen ist die erste Stunde fast komplett Jiros Begeisterung zum fliegenden Fortbewegungsmittel gewidmet, die Romanze hingegen nimmt den Großteil der zweiten Stunde ein. Das hätte man vielleicht bereits etwas früher etwas besser miteinander mixen können.

Ich mein, Miyazaki hat sicherlich mit einem Film geendet, der ihm absolut liegt, genau damit allerdings halt für mich persönlich auch mit einem, der mir nicht komplett gefällig ist. Nicht, dass ich ihn nicht gemocht hätte, die erste Stunde hat auch seine Momente und super anzusehen ist das Ding so oder so, aber eine volle Stunde hätte das eben für mich nicht gehen müssen. Ab der Halbwertszeit bin ich dann allerdings doch wieder voll dabei, wenn das Flugzeugbauen und Blaupausen-Zeichnen etwas in den Hintergrund tritt. Da gefällt mir in der Gesamtheit einfach ein Action-reiches Abenteuer a la Chihiro oder ein emotionales Charme-Fest a la Totoro besser.

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