Universal Monsters – The Raven

ava-1847Hmm… entweder gleite ich langsam in den Wahnsinn ab, oder Wikipedias Liste der Universal-Monster-Filme wurde zwischenzeitlich ausgebessert. Ich schaute The Raven als ersten Film in 1935, auf der Liste ist er nun aber der letzte. Außerdem sind Secret of the Blue Room, The Mystery of Edwin Drood und The Invisible Ray aufgetaucht, die ich gar nicht auf dem Plan hatte.

Diese Timeline-Unstimmigkeit ist vor allem dahingehend wichtig, weil The Raven eigentlich das kurzzeitige Absterben des Horror-Phänomens einläutete, nachdem anschließend US-Horrorfilme vorübergehend in Großbritannien verboten waren, und nach dem gefloppten The Raven auch in den USA in den folgenden drei Jahren bis Son of Frankenstein fast kein weiterer Film erschien – eigentlich nur Dracula’s Daughter und zwei SciFi-Streifen, die ja technisch gesehen dann nicht Universal Horror sind, und eben vorher auch gar nicht auf Wikipedias Liste waren. So wie ich es nun gesehen habe, würde man das gar nicht glauben, da nach The Raven noch einige weitere Filme aus 1935 und 1936 kommen.

The Raven nutzt übrigens ganz wie The Black Cat den Titel nur, um die damalige Popularität von Poe auszunutzen, hat letztendlich aber herzlich wenig mit dessen gleichnamiger Geschichte am Hut. Mehr als The Black Cat, immerhin ist der hiesige Dr. Vollin (Bela Lugosi) ein Fan dessen Werke und zitiert The Raven auch zu Beginn, sowie sehen wir Love Interest Jean in einem Poe-Theaterstück spielen.

Jedenfalls hat Jean zu Beginn einen schweren Autounfall. Ihr Vater und Verlobter überreden nun den eigentlich unwilligen Dr. Vollin dazu, sie zu operieren. Jean geht es wieder gut, sie verehrt den Dr. anschließend, der sich weitergehende Hoffnungen macht, und es gar nicht gern sieht, dass Jeans Vater dem einen Riegel vorschieben will. Als ein Verbrecher (Boris Karloff) ihn überfällt, weil er von Vollin ein neues Gesicht für die Flucht vorm Gesetz bekommen will, willigt der nur zu gerne ein. Er entstellt den Mann, der seinen Wunsch vielleicht etwas spezifischer hätte ausdrücken sollen, denn streng genommen hat Vollin damit immer noch genau das gemacht, wonach verlangt war. Er soll nun helfen den Verlobten und Vater von Jean auf einer Feier Vollins unschädlich zu machen, damit seiner erhofften Liebe mit der Schönen nichts mehr im Wege steht.

Wie immer ist nach einer knappen Stunde der Spuk schon vorbei, wodurch der eigentlich gemächliche Film dennoch theoretisch gesehen nicht langweilig wird, aber ein absoluter Reißer ist es erneut nicht. Es ist schon ziemlich kurios, wie das hier in der damaligen Zeit als kontrovers gegolten hat, weil er angeblich so brutal ist. Denn das ist der Film nun wirklich nicht. Vollin ist fasziniert von Poe, Tod und Folter, sozusagen ein Proto-Goth, aber so wirklich explizit beschreiben tut er weder die Methoden, noch sehen wir was von seinem Folterkeller. Abgesehen von einem Pendel am Ende, welches langsam gen Jeans Vater sinkt, um ihn zu entzweien, es aber erneut eigentlich nie weit genug schafft, um nach heutigem Maßstab sonderlich viel Spannung zu bieten.

Aber an heutige Maßstäbe kann sich ein Film mit 80 Jahren auf dem Buckel auch kaum halten. Dennoch weiß ich nicht so recht, ich schaue die Universal Horror ja eigentlich weit genug auseinander voneinander, und dennoch kann ich mir ein wenig Ernüchterung bei The Raven erneut nicht verkneifen. Wie gesagt, die kurze Spielzeit macht ihn nicht direkt langweilig, aber ein wahres Highlight ist er einfach auch nicht. Dafür passiert dann trotzdem nicht genug.

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