Adventure Week #18: The Last Door

Zurück zu den pixeligen Indie-Games. The Last Door ist ein ziemlich Publikumsbezogenes Spiel. Denn nicht nur ist es ein Kickstarter-Projekt, bei dem jede weitere Episode via Crowdfunding finanziert wurde, sondern die Community wurde auch herangezogen, um sie zu testen und Verbesserungsvorschläge einbringen zu können. Letztendlich kam es so zwischen Anfang 2013 und Anfang 2016 zu acht Episoden, unterteilt in zwei Staffeln.

Das erste Kapitel von Season 1 zeigt bereits das wirklich gute Timing der Serie. Wir starten mit dem üblichen Prolog, hier klicken wir eigentlich nur dreimalig den Stuhl, realisierend, dass wir dem Charakter dabei helfen sich zu erhängen. Später, als der von ihm hierherbeorderte Devitt, puzzeln wir uns langsam aber sicher durch das verlassene Heim von ihm. Ein Gegenstand, den wir aufsammeln, ist eine Schalplatte, die selbstverständlich am offensichtlichen Grammophon des stinknormalen Wohnzimmers benutzt werden muss. Die Schallplatte läuft und läuft und lässt sich nicht mehr ausstellen, sich sonst hier nichts machen. Aber sobald man aufgebend den Raum verlässt, verstummt sie plötzlich. Wieder hineingegangen ist der Raum komplett abgedunkelt und voller Krähen, die jede Bewegung von Devitt verfolgen. Was ein toller Reveal. Die Episode endet später, nach weiterem Puzzeln und ohne sonstige herausstechend unheimliche Vorkommnisse, auf dem Dachboden, wo die erhängte Leiche des Freundes aufgefunden wird. Und noch bevor wir was machen können, bricht der Schwarm Krähen in das Zimmer und stürzt sich auf ihn. Ende des Einstiegskapitels des Spiels. Wenn man da nicht sofort mit Episode 2 weitermachen will, weiß ich auch nicht.

Als Spiel an sich ist The Last Door reichlich simpel, eigentlich nur wenige aufgenommen Gegenstände und deren Einsatz woanders davon entfernt, ein Walking Simulator zu sein. Das liegt schon daran, dass die einzelnen Episoden nette kleine Happen sind, die in spätestens je einer Stunde bespielt sind, und das zwischen ihnen kein Inventar übertragen wird. Icons zeigen großzügig an, womit interagiert werden kann, und so dauert es eigentlich nie lang in der Exploration, bis man die benötigten Items oder deren Einsatzmöglichkeit gefunden hat. Selbst dann, wenn die Logik dahinter mal nicht so Hieb- und Sichtfest sein sollte.

Stattdessen ist The Last Door eher ein Mood Piece, stark inspiriert von den obligatorischen beiden Indie-Horror-Inspirationen Poe und Lovecraft. Die einsteigenden Kapitel sehen also Devitt in Staffel 1 und nach dessen Verschwinden seinen Psychiater in Staffel 2 im viktorianischen England dabei, den Tod des Freundes respektive besagtes Verschwinden zu investigieren. Das dann in Herrschaftlichen Häusern, auf grauen Friedhöfen, in schattigen Irrenhäusern etc., ganz gediegen und mit leicht hochtrabenden Charakteren und dem ständigen Hinweis des Wahnsinns unter der Oberfläche ganz wie in Poe-Werken. Nur um Herauszufinden, dass es hier um ein Ritual geht, um den Vorhang unserer Realität zu öffnen und dahinter den wahren kosmischen Horror wie in einem Lovecraft zu entdecken, durch den gerade die letzte Folge der sich beständig zuspitzenden Staffeln visuell trippiger werden. Nicht, dass nicht davor bereits durch einige Visionen und Einbildungen punktuell die Reise mit merkwürdigen Erscheinungen gespickt würde.

Ich war zumindest echt gut eingenommen von The Last Door. Die Angelegenheit ist sehr simpek gehalten natürlich, aber doch ziemlich effektiv wenn es darum geht, die richtige Atmosphäre zu beschwören. Erinnert mich ein wenig an den Chzo-Mythos, wahrscheinlich auch wegen der Kürze und dem Pixelart, nur spielerisch nicht so experimentell, dafür narrativer dichter gewoben. Lässt sich halt auch gut mal einfach ein Kapitel von 45-60 Minuten zwischendurch spielen, und die interessanten Cliffhanger bieten immer Motivation doch möglichst bald mit der nächsten Episode weiterzumachen. Ich bin restlos überzeugt.