Adventure Week: Dark Fall

Dark Fall ist eines jener Adventure Games, welches als Indie-Projekt Anfang der 2000er erschien, als das Genre angeblich tot war. Was ja schon immer nur hieß, dass es eben nicht mehr die großen Verkaufszahlen lieferte. Aufgehört Adventures zu machen hat nie jemand. Ein offizieller Publisher hat es dann auch irgendwann aufgegriffen, als Dark Fall: The Journal in die Läden gebracht, und seitdem haben wir mehrere Sequels zu sehen bekommen. Es ist also eine kleine Erfolgsgeschichte.

Die Ursprünge machen das Spiel natürlich zu einem stark limitierten Erlebnis. Narrativ gestaltet es sich so, dass wir eine Mailbox-Nachricht von unserem Bruder bekommen. Der wurde von seinem Architekturbüro zu einer lange verlassenen Bahnstation geschickt, um auszukundschaften, wie man die touristisch aufbereiten kann. Dort hat er zwei Geisterjäger getroffen. Und dann fingen die merkwürdigen Ereignisse an. Gehetzt und verängstigt bittet er uns nun, doch mal vorbei zu kommen, und ihm zu helfen.

Wir erreichen die verlassene Station, wenn auch etwas verunglückt, so dass wir hier jetzt erst Mal festhängen. Netterweise hilft uns aber ein Junge weiter, den wir nicht sehen, der aber mit uns spricht und sich hier super auskennt. Bei der Suche durch die Station und das dazugehörige Hotel werden wir so einige Stimmen hören, aber niemand anderen zu sehen bekommen. Außerdem viele Notizen, Zeitungsartikel und Sonstiges finden, was in Horrorspielen immer den Narrativ voranbringt. Dadurch erfahren wir zum Beispiel, dass unter der Station ein alter Tempel war und jemand dort das Böse beschworen hat. Nur das Aufsagen von 12 Runen kann es wieder versiegeln.

Das ist dann der Hauptpunkt des Spieles. Dass der Bruder verschollen ist, ist nur der Aufhänger, warum wir hier angekommen sind. Die Kleinigkeiten, die wir über das Leben der anderen hier ansässigen Geister herausfinden, ist schmückendes Beiwerk. Dark Fall ist eine Puzzle-Box. Nach ein paar Dutzend Minuten in den wenigen Räumen der Bahnstation und eines Schuppens geht es in das Hotel, auf dessen vier Stockwerken mit jeweils einem halben Dutzend Räumen der Rest der 3 Stunden Spielzeit stattfinden werden. Mit viel pointen und klicken, um Hinweise zu finden, die beim Lösen von Rätseln helfen, um weitere Hinweise zu weiteren Rätseln zu finden. Und so weiter und so fort, bis alle 12 Runen und ein Weg in den Ritualraum gefunden wurde, um sie dort aufzusagen.

Hierdurch hat das Spiel ein wenig etwas von The 7th Guest und ähnlichen Konsorten. Es spielt sich hauptsächlich in einem überschaubaren Gebäude mit sehr hoher Rätseldichte pro Raum ab. Nur dass die Aufgaben in Dark Fall etwas traditioneller sind und weniger wie in sich abgeschlossene Minigames wirken. Wie viel Sinn es hat, diese Runen in Rätseln innerhalb von Rätseln innerhalb von Rätseln zu verstecken, so mal objektiv betrachtet, wollen wir nicht unbedingt auseinandernehmen. Hauptsache es gibt was zu tun.

Und die Struktur bietet sich halt echt für ein Indie-Spiel an. Ein in First Person zu erkundendes, verlassenes Gemäuer bedeutet, dass eben nur die Umgebung modelliert werden muss, da nie auf lebende Menschen getroffen wird. Ein wenig Atmosphäre wird auch hineingebracht, wenn geisterhafte Stimmen plötzlich einem ins Ohr flüstern, ein Bild von einer Wand fällt, oder Geräusche ohne eine identifizierbare Quelle gehört werden. Die Lichter eines Zuges an den Hotelfenster vorbeihuschen, obwohl die Strecke stillgelegt ist. Ein Telefon in der Lobby klingelt, obwohl es keine Verbindung hat. Unheimlich ist Dark Fall nie, zumal einem auch nichts etwas anhaben kann, aber all diese kleinen Dinge helfen dem Spiel nicht zu trocken und statisch zu wirken.

Allgemein gibt es soweit ich mitbekommen habe übrigens keine Möglichkeit zu verlieren. Puzzle können nicht falsch gelöst werden. Es gibt keine Fallen auszulösen. Solange an der Lösung nicht hängengeblieben wird, und zugegeben ist es manchmal echt schwer diese auszutüfteln, geht es immer weiter. Es kann sich ganz darauf konzentriert werden das Hotel zu erkunden und darüber nachzudenken, wie die neueste gefundenen Hinweise jetzt schon wieder interpretiert werden sollen, statt ein Game Over über irgendwas befürchten zu müssen.

Insgesamt ist Dark Fall also ein kleiner und traditioneller Happen an Adventure-Kost. Nie nach den Sternen greifend, sondern immer bodenständig bleibend. Ein Snack für Zwischendurch.