The Evil Within

The Evil Within war das Hype-Spiel für Surival Horror Fans. Ein Genre, dass auf dein beiden vorigen Konsolengeneration einer der Darlings war, über die PS3-Generation aber langsam wegstarb. Zumindest was hochbudgetierte Nicht-Indies anging. Die neuen Break-Out-Hits FEAR und Dead Space waren schon wieder tot. Silent Hill, schon lange ein Problemkind, wurde auch endgültig zu Grabe getragen. Project Zero fristete ein Schattendasein in der Nintendo-Exklusivität. Resident Evil wurde nach dem sechsten Teil ebenfalls als Totalausfall abgeschrieben, und der alles retten sollende siebte war noch Jahre entfernt.

Und dann kam 2014 The Evil Within auf allen aktuellen Plattformen. Unter Führung von Großmeister Shinji Mikami und seinem Tango Gameworks Studio für die das ordentliche Budget bereitstellenden Bethesda produziert. Immerhin findet sich Mikamis Name in vielen von Capcoms beliebten Franchises wieder. Allen voran vom ersten bis zum vierten Resident Evil. Also denjenigen, die alle uneingeschränkt mögen. Richtiges Survival Horror ist zurück uns allen das Fürchten zu lehren.

Oder auch nicht. Oder auch doch? Bei Evil Within scheint es nämlich hauptsächlich zwei Gruppen an Leuten zu geben. Diejenigen, die den Erstling nicht so prall fanden, aber dafür den zweiten Teil mögen. Aber auch jene, die vom Erstling abgeholt wurden und vom zweiten Teil enttäuscht waren. Wenige bis gar niemand scheint beide Spiele so richtig leiden zu können.

Ich kann mich an die Haltestelle jener Leute stellen, die vom ersten Evil Within nicht abgeholt wurden. Scheinbar liegt auf den bekannten japanischen Spieldesignern ein Fluch. Nachdem sie sich endlich von ihren großen Firmen losgelöst und ihre eigenen Studios gegründet haben, um sich freier entfalten zu können, bekommen sie plötzlich nichts mehr hin. Vielleicht sollten wir echt aufhören die Qualität von einem in immer größeren Teams hergestellten Produkt wie Videospielen an einem herausstechenden Namen festzuhängen.

Was übrigens sofort auffällt, zumindest bei der PS4-Version die ich gespielt habe, ist die sprachliche Einschränkung. Wer die deutsche Version kauft hat auch tatsächlich nur die europäischen Lokalisationssprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch auf der Disc. English gibt es nur in der Version, die in Großbritannien und allen nicht-lokalisierten EU-Ländern herausgebracht wurde. Keine Ahnung, warum das getrennt ist, Uncut sind alle Versionen. Dem sollte man sich als Käufer zumindest bewusst sein, ich hab nämlich ein wenig dumm geschaut, als ich nicht wie gewohnt auf Englisch stellen konnte.

Auch ins Auge sticht schnell, dass das Spiel gar nicht mal so gut aussieht. Klar ist es nebenbei auch auf der PS3 erschienen, aber die ebenfalls von dieser Konsole stammenden Ports von Resident Evil 5 und 6 sehen beispielsweise besser aus. Was mich am Meisten störte war glaube ich einfach, dass alles sehr grau und ausgewaschen wirkt. Natürlich sind Horrorspiele gerne mal in wenigen und sehr grauen Tönen gehalten. Aber The Evil Within sah irgendwie überbelichtet und eindimensional aus, als würden Schatten und Kontraste fehlen. Besonders gut laufen tut es dennoch nicht mal, so hat das Spiel selbst auf PS4Pro immer wieder mit FPS-Einbrüchen zu kämpfen, welche die Action etwas unstet erscheinen lassen. Immerhin ist das Styling der Charaktere on point, Protagonist Sebastian und seine zwei Begleiter sind super adrett angezogen.

Welche Art von Horror ist The Evil Within denn eigentlich überhaupt? Ja die Frage lässt sich ganz einfach beantworten, meine Lieben. Jede. Das wird einem ziemlich schnell klar. Wenn man im ersten Kapitel in einer Fleischerei im Krankenhauskeller aufwacht und vor dem großen Hühnen, der einen verhackstückeln will, fliehen muss. Ganz wehrlos wie mittlerweile durch Amnesia und Outlast beliebt gemacht. Nur um in einer Cutscene durch die Straßen der Stadt zu preschen, die um einen herum absolut zusammenfällt. Und im nächsten Kapitel plötzlich in einem europäischen Dorf a la Resident Evil 4 aufzuwachen, alle Wunden geheilt, und sich durch Zombies schießen zu müssen. Spätestens da denkt man daran zurück, dass das Spiel The Evil Within respektive in Japan Psycho Break heißt und weiß, warum das alles nicht zusammenpassen muss: Man befindet sich eindeutig in einem Dreamscape. Bis das Spiel dies zugibt werden noch 10 Stunden oder so vergehen.

Dies ist allgemein ein Problem der Handlung des Spieles. Sie ist eigentlich ziemlich schlicht und viel kann sich vorher gedacht werden. Sie wird aber sehr fragmentiert und durcheinander erzählt. Wenn wir Flashbacks zu Ruben haben, ist uns intuitiv klar, dass das der Antagonist Ruvik ist, der uns immer mal wieder verfolgt. Erneut Stunden später lässt dann das Spiel fallen, dass der Kerl eigentlich Ruben Viktor heißt und Ruvik ein Spitzname oder so ist. Da hielt sich wohl jemand für super clever. Wahnsinnig spannend macht es die eigentlich einfache Handlung aber nicht, wenn sie sich in solchen Versatzstücken Stunden nachdem man sich die Basics schon denken konnte, offenbart. Es führt eher dazu, dass früh abgeschaltet und ihr nicht mehr zugehört wird.

Aber eben dadurch, dass alles hier nicht real ist, haben die Macher eine perfekte Ausrede, warum sie alles inklusive der Spüle an die Küchenwand werfen können in der Hoffnung, dass was klebenbleibt und nicht alles wie eine nasse Nudel langsam impotent daran runterrutscht. Verfolgungsjagten gegen unbesiegbare Gegner. Langsame Schleichpassagen um wenige Gegner inklusive Stealth-Kills. Große Setpieces mit Cover-Shooter-Auseinandersetzungen gegen Gegnerhorden. Überlebenskämpfe, bei denen eine Zeit lang Gegner abgewehrt werden müssen, bevor der Fluchtweg sich öffnet. Räume, die komplett mit Fallen bestückt sind, um die sich herumgepuzzelt werden muss. Ganz Clock Tower sich vor dem immer mal wieder auftauchenden Ruvik verstecken zu müssen. Von einem Krankenhaus zu einem Dorf, in einen Friedhof, zu einem Untergrundtempel, in eine Raffinerie, zurück auf die Großstadtstraßen, in die Apartments, durch Wasserkanäle und hinein ins Hirn des Antagonisten geht es. The Evil Within scheint am laufenden Bande etwas Neues bieten zu wollen, in der Hoffnung man habe so keine Verschnaufpause und bemerkt nicht, dass keine Zeit war die vielen Ideen auch besonders gut auszuarbeiten.

Und so viel Instant Death bietet das Spiel. Finde dir einen Partner, der dich so sehr liebt, wie Evil Within Onehit Kills. Mindestens die Hälfte der Bosse haben wenigsten eine Attacke, die das sofortige Ableben von Sebastian bedeuten. Der Grudge-Boss hat nichts anderes außer Oneshots drauf und muss in ihrem Bosskampf 5 Mal in eine Falle gelockt und angezündet werden, bevor sie besiegt ist. Reichlich Zeit, um wegen eines Fehlers zu sterben. Sie wird einen später mehrmals erneut durch Areale verfolgen und man sogar mit ihr in Puzzle-Räume eingesperrt. Die Laura-Parts waren echt mein Low Light. Ruvik in der Clock Tower Villa? Instakill, wenn er einen erwischt. Und er kann direkt vor einen teleportieren, wenn er das für nötig hält. Spätere Ruvik-Klone, die als stärkere normale Gegner in den Finalleveln vereinzelt auftauchen am Besten sofort ausschalten. Und ich meine sofort. Sie haben eine Laura-Hände-Attacke, die ebenfalls sofort umbringt, schwer zu dodgen ist, und auch noch den vollen Verlauf nimmt, selbst wenn man den Klon währenddessen erledigt. Die Bärenfallen am Boden und Explosionsmelder an den Wänden, die teilweise echt schwer zu sehen und entschärfen sind, machen wenigsten nur Teilschaden, bei allen anderen Fallen im Spiel darf aber zur Vorsicht davon ausgegangen werden, dass sie ein sofortiger Kill sind, sollte man in ihnen gefangen sein. Was bei all den Instakills halt besonders nervt, ist, dass sich häufig das Gefühl einstellt über mehrere Trial und Errors erst herausfinden zu müssen, was im Gebiet gemacht oder wie sie umgangen werden sollen, bevor man es ohne von ihnen erwischt zu werden lösen kann. Mehrmaliges gekillt werden eingeschlossen.

The Evil Within liebt Oneshots so sehr, auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad Akumu killt jedes Nehmen von Schaden Sebastian sofort. Egal ob von Gegner oder Umgebung. Für diejenigen, die sich Videospiele für immer abgewöhnen wollen.

Dabei ist natürlich nicht jede Idee schlecht, die in The Evil Within verbaut wird. Wenn man einfach alles in einen Topf wirft, muss ja auch zwangsläufig was Gefälliges dabei sein. Also neben den bereits erwähnten Outfits der Charaktere natürlich. Beispielsweise finde ich das Waffenarsenal sehr cool. Neben der üblichen Pistole, Schrotflinte und dem Scharfschützengewehr gibt es nämlich noch einen Bolzenbogen. Bei dem verschiedene Bolzen aus gefundenen Parts gecraftet werden können. Einige davon frieren die Gegner ein, andere pinnen sie an die Wand, elektroschocken sie oder setzen sie in Brand. Das ist ziemlich launig. Und natürlich sind einige Segmente, Setpieces und Szenen im Spiel auf sich alleinstehend nett anzusehen und/oder coole Einfälle. Das anfängliche Wegrenn-Kapitel ist Adrenalin-heizend, die europäisch angehauchten Settings ganz hübsch, der Kampf gegen den Tresorkopf cool, und auch das Kapitel in der Villa mit dem folgenden Ruvik ist abgesehen von dessen unfairen Manövern gut gelungen. Es schien aber nie allzu lange anzudauern, nachdem ich gerade dachte endlich meinen Spaß mit dem Spiel zu haben, bis irgendwas im aktuellen von fünfzehn Kapiteln geschehen ist, was mich nervte und ihn mir wieder verdarb.

Vor allem aber auch hat das Spiel, weil es eben scheinbar beliebig Ideen aneinanderreiht, überhaupt gar keinen Flow. Es stellt sich gar kein Gefühl dafür ein, wie lang ein Kapitel schon geht und wie viel da noch kommen wird, weil irgendwie eh alles nicht so richtig zusammenpassen will. In dem immer noch ein neuer Einfall verwurstet und drangehängt wird, wird man schnell übersättigt. Die Kapitel sind alle gefühlt 150% so lang, wie sie sein sollten und es gibt zu viele von ihnen. The Evil Within ist definitiv für Survival Horror sehr lang und im Endeffekt strapaziert es einen nur. Hauptsächlich die Nerven, und zwar nicht auf die Art und Weise, wie Horror dies tun sollte.

Mehr ist eben nicht immer besser und es gibt im Surival-Horror-Genre kaum ein besseres Beispiel, auf das man hierfür deuten kann, als The Evil Within.