The Love of Siam

ava-1855Zufälle gibt es. The Love of Siam ist ein thailändischer Film von 2007, bei dem eine homosexuelle Beziehung im Mittelpunkt steht. Alles auch zutreffend auf Bangkok Love Story, dem einzig anderen thailändischen Film, den ich bisher gesehen habe (so Erinnerung nicht trügt).

Ansonsten sind sich die Filme nicht sonderlich ähnlich, denn The Love of Siam ist wesentlich mehr die übliche Geschichte einer Coming of Age Story, wie gefühlt 90% an Queer Cinema, was gebündelt bei der Laufzeit von fast 3 Stunden schnell die Augenbrauen hochfahren lassen mag, ob das Ding nicht langweiliger ist, als dem Gras beim Wachsen zuzusehen. Was die lange Laufzeit aber wirklich bedeutet ist, dass viele Dinge, die in jenen Filmen meist nur angerissen werden, und Beiwerk zum Coming of Age Homo-Drama sind, hier wesentlich mehr Platz haben.

Das beginnt schon mit dem Prolog, der die beiden Jungs Mew und Tong zeigt, wie sie sich kennenlernten – Mew wird in der Schule gehänselt, Tong hilft ihm –, in welcher familiären Umgebung sie aufwachsen – Mew allein mit der Großmutter, Tong in einer sehr lebensfrohen Familie –, bis eine Katastrophe das Glück zerstört – Tongs Schwester verschwindet auf einem Ausflug mit Freundinnen spurlos und die Restfamilie beschließt wegzuziehen. So ein Kindheitsfreund-Setup ist sicherlich sehr üblich, inklusive des Wegzugs um sich später als Teenager wiederzusehen und zu merken, dass die Gefühle plötzlich nicht mehr nur freundschaftlich sind, doch The Love of Siam lässt sich mit jenem Teil satte 30 Minuten Zeit, bevor die Opening Credits überhaupt laufen. Mehr Zeit mit Charakteren und ihren Vorgeschichten zu verbringen hilft immer in Filmen, bei denen sich alles um die Charaktere dreht.

Die Familiengeschichte bleibt dann auch den kompletten Restfilm über stark präsent. Meist kommt ja einer der Jungs aus einer Problemfamilie, hier ist es im Prinzip Tong, bei dem wir dank des langen Prologs sogar die besseren Zeiten der Familie sehen durften. Jedenfalls ist sein Vater starker Alkoholiker, der das Haus nicht verlässt, und kurz vorm Tod durch Leberversagen steht. Während seine Mutter diejenige ist, die alles zusammenhalten muss. Den Vater irgendwie am Leben halten. Das Brot der Familie verdienen. Und Tong halbwegs auf Spur halten. Das die Frau eigentlich stark gestresst, total überfordert ist, aber sich selbst keine Schwäche eingestehen darf, weil ihr starker Wille und Einsatz der einzige Grund ist, warum die kaputte Familie nicht komplett auseinanderfällt, ist einem über den Film über mehr als deutlich, einfach weil wir so viel Zeit mit der Familie und besonders auch speziell mit ihr verbringen. Bestechend vor allem die Szene, in der Tong ohne Bescheid zu geben bei Mew übernachtet, und sie halb wahnsinnig wird auch noch ihr anderes Kind könnte verloren gegangen sein, die ganze Nacht die halbe Stadt absucht, aber wenn sie ihn am nächsten Morgen schlafend in seinem Zimmer vorfindet, einfach nur glücklich ist und ihm nicht mal sagt, was er für einen Mist gebaut hat, sondern das wie üblich in sich frisst.

Sie ist übrigens auch die Einzige, die über die beiden herausfindet, und ein Problem damit hat. Was ich sehr erfrischend fand, dass es tatsächlich noch einen solchen Film gibt, bei dem nicht das große Problem das Homo-Bashing des Umfeldes ist, und wie sie damit zu leben lernen müssen, sondern tatsächlich alle ganz cool mit umgehen können. Klar, Mews Freunde machen mal ein paar Witze über ihn, aber auf die Art und Weise, wie Freunde halt übereinander witzeln, nicht weil sie wirklich ein Problem damit haben, dass er schwul ist. Mew und Tong jedenfalls, obwohl beide mal eine „Was stimmt mit mir nicht?“-Szene bekommen, scheinen zumindest ziemlich Ok damit zu sein, dass sie auf einen Kerl stehen, besonders wo jener die Gefühle ja erwidert, anstatt das einer der Beiden den ganzen üblichen „Ich bin aber nicht schwul, also bleib mir fern“ Gesang und Tanz macht. Nur Tongs Mutter halt. Aber da wir so viel Zeit mit ihr verbracht haben, wissen wir auch hier besser, was ihr Problem damit ist. Sie hat nichts gegen Schwule, sie will nur das ihr Sohn keiner ist. Klingt natürlich zuerst genauso homophob, aber sie hat halt schon ein Kind verloren, sie ist jene, die immer für die Familie zurückstecken musste, und verdammtnochmal, jetzt will ihr Sohn kein guter Christ sein und ein nettes Mädchen heiraten und ihr Enkel zeugen, kann denn aber auch gar nichts in der Familie mal so laufen, wie sie es sich wünschen würde?

Eigentlich fühlt sich The Love of Siam ein wenig an, als würde man hier einen Zusammenschnitt mehrere Folgen einer Daily Soap schauen. Das liegt vielleicht auch etwas am zwar nicht schlechten, aber auch nicht herausragenden Schauspiel, und vor allem an der recht schnöden Optik, die nie sonderlich besonders ausschaut, nie sonderlich kreativ wird, sondern einfach alles recht banal einfängt. Ist aber für den Film vielleicht nicht unpassend, denn er ist kein großes aufregendes Werk, sondern ein langsam und beschauliches – die ersten zwei Stunden sind fast nur Fluff, erst auf die finale Stunde passiert das richtige Darma non-stop – und überraschend nett und herzallerliebst. Man muss halt echt Sitzfleisch mitbringen.

lovesiam

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Garuda

ava-1385Nicht nur Japan macht Monsterfilmchen, die Südkoreaner haben beispielsweise mit The Host auch ein recht gutes Ding abgeliefert. Auch die Thailänder waren 2004 am Start und haben ihrem Wappentier gleich mal ein gleichnamiges Stück Leinwand spendiert.

Der Film gibt uns erst mal vor einem coolen Schattentheater eine Legende: Vor 80.000 Jahren lebten Götter, halb Tier halb Mensch auf der Erde, bis Garuda auftauchte und anfing jene zu fressen. Daraufhin wurde er von ihnen eingesperrt. 1975 findet ein französischer Wissenschaftler im Nahen Osten eine Garudakralle bei einer seiner Ausgrabungen.

In der jetzigen Zeit ist seine Tochter deswegen davon überzeugt, dass der Garuda einfach eine Evolutionsstufe zwischen den Dinosauriern und Vögeln war, allerdings will keiner in Thailand ihre Forschung unterstützen, da sie zur Hälfte Ausländerin ist und der Garuda ein religiöses Symbol, das nur von echten Thais untersucht werden darf. Nur wird bei einer Bohrung unterhalb Bangkoks just ein weiteres Fossil gefunden und die Spezialeinheit, die darauf trainiert ist Halbgötter zu beseitigen, holt sie dann doch dazu.

Warum ist mir nicht klar geworden, da sie ihr erneut nur rassistische Geringschätzung entgegenbringen, sie nichts tun lassen, nie auf sie hören, und ihr eigenes Ding tun. Nicht, dass sie wesentlich netter oder kooperativer wäre, aber dann wiederum macht bekanntlich der Ton die Musik. Ist auch egal, es kommt, wie es kommen muss, der eingesperrte Garuda entkommt und macht erst Mal Kleinholz aus dem Großteil der Einheit, bevor er in den nächtlichen Himmel Bangkoks entkommen kann.

Garuda war irgendwo schon ganz Ok, ist aber definitiv ein Film voller Probleme. Keiner der Charaktere ist beispielsweise sympathisch, da der Militärfutzi unprovoziert arschig ist, während die Forscherin schrill und nervtötend bleibt. Und dumm, da sie sich beständig einem halben Dutzend an bewaffneten Männern wiedersetzt, die klar gemacht haben, dass ihr Überleben keine Priorität hat. Wie die es lebend aus dem Film geschafft hat, statt in der ersten halben Stunde erschossen zu werden, bleibt mir ein Rätsel. Und sie kann keine 5 Minuten das Maul halten, und hat sowas von einer nervigen Tonlage drauf. Macht den Film nicht gerade erträglich, wenn sie Screentime hat. Apropos unlogisch… der Film scheint sich nie so recht klar zu sein, was den Garuda nun schädigen kann. Im Prinzip macht das Militär die ganze Laufzeit über die gleiche Sache: Drauf schießen. Zuerst kratzt es ihn kein bisschen, dann im Finale doch ein wenig, nur um letztendlich von einer einzigen Kugel ausgeschaltet zu werden. Ja was denn nun? Wie das Vieh, ob nun antiker Gott oder nicht, genau weiß, was moderne Sprengsätze und Wärmesuchraketen sind, und wie man jene austrickst, will mir auch nicht ganz einleuchten.

Sicherlich ist Logik natürlich nie das höchste Gut in Monsterfilmen gewesen, man muss aber bedenken, dass Garuda kein Trash ist, sondern ernst genommen werden will. Der Beginn in den Tunneln, wenn Garuda nach und nach die Einheit ausschaltet, ist Borderline Horror-Film, und der komplette Rest bierernste Action. Abgesehen von einem Comic Relief Charakter ist der Film absolut Humorlos. Camp und Blödsinn sollte man also nicht erwarten. Zumindest nicht freiwillig. Ein paar der Actionszenen sind hingegen so voll Pathos, cool getrimmter Musik, stoischer Gesichtsausdrücke und Bullet Time, dass dies doch unfreiwillig komisch ist. Garuda ist das Filmäquivalent zu einem 12-Jährigen, der wirklich ganz doll versucht cool zu sein und sich dabei ein wenig zum Affen macht.

Es nicht ganz so hart zu versuchen, und vielleicht doch etwas mehr sich auf die Horrorschiene einzulassen, oder gleich gewollt Camp a la Godzilla: Final Wars zu liefern, hätte dem Film vom Ton her also sicherlich gut getan. Und straffer zu sein, denn das Ding ist mit 110 Minuten doch sehr lang, vor allem wenn der Garuda erst nach über einer halben Stunde erwacht und die Sektion im Untergrund bis kurz vorm Finale anhält.

Immerhin sind die Special Effects recht gut geraten. Der Garuda ist ein CG-Tierchen, was ich bekanntlich nicht so leiden kann, jedoch fällt er in den dunklen und digital gefilmten Szenarien nicht wirklich negativ auf, nur wenn er zusammen mit einem menschlichen Akteur komplett im Bild ist, fällt doch auf, dass das Vieh nur künstlich gerendert ist. Mit etwas über menschlicher Größe ist er übrigens auch nicht ganz, was man bei einem Kaiju-Film erwartet, auch wenn er als solcher gehandelt wird.

Ja er ist zu lang, ja er ist ungewollt häufig etwas doof, ja die Hauptdarstellerin nervt kolossal, aber so ganz scheiße finden kann ich Garuda nicht. Er ist auf jeden Fall wesentlich schaubarer, als die meisten Monsterfilme, die The Asylum rausgebracht hat, und jene sind gewollt trashig. War schon „ok“, oder „nett“ oder welchen kleinen Bruder von „scheiße“ man bevorzugt, wenn man nicht wirklich scheiße meint, sich aber nicht wirklich zu einem Lob durchringen kann. Denn gesehen haben muss man den Film nicht.

garuda