Disney Sunday – Tarzan

Die Robinsons entkommen mit ihrem Säugling einem sinkenden Schiff und bauen sich auf einer einsamen Insel aus dem Wrack ein fesches Baumhaus, nur um von einem Leoparden gefressen zu werden, der interssanterweise das hilfloseste und schmackhafteste Stück des Familienkuchens übersieht, so dass ein gerade ihr eigenes Junges verlorenes Gorillaweibchen den Kleinen aufziehen kann.

Tarzan hat natürlich beim Aufwachsen damit zu kämpfen, dass er irgendwie so ganz anders ist, als seine Gorilla-Familie und ist umso überraschter, als er plötzlich andere Fell-lose Vertreter seiner Art entdeckt. Denn Jane und ihr Vater machen eine Expedition in den Dschungel, um die Gorillas im Nebel zu erforschen, begleitet von Abenteurer Clayton zu ihrem Schutz, der als Wilderer in Wirklichkeit natürlich nur die Gorillas fangen und verkaufen will.

Tarzan und Jane freunden sich an, verlieben sich, und letztendlich gibt Tarzan besseren Wissens nach, sie zu den Gorillas zu führen, was natürlich darin resultiert, dass sie anschließend erst mal die armen Tierchen vor Clayton retten müssen, bis sich Jane und ihr Vater dazu durchringen können, nicht nach London zurück zu gehen, sondern mit Tarzan in den Baumwipfeln zu leben. Ach ja, und die Anerkennung des Gorilla-Klans und Platz als deren neuen Leittieres bekommt er auch endlich.

Tarzan markiert nach 10 Jahren das Ende der Disney Renaissance, die Ära der mit The Little Mermaid los getretenen Animations-Musicals (The Rescuers Down Under ausgenommen). Und die Zeit geht mit einem Hit. Es ist schon erstaunlich, wie es Disney doch häufig schafft, aus simplen Handlungen viel raus zu holen.

Hauptsächlich lebt Tarzan von seiner visuellen Aufmachung. Die tollen Naturszenen, unglaublich flüssige Animation und super rasanten Kamerafahrten durch die Baumwipfel. Die Handlung ist simpel, jedoch effektiv. Die Charaktere sind sympathisch und teilweise unglaublich humorig (Minnie Driver als Jane macht es fast schon zu einem Muss, den Film im O-Ton zu schauen). Tarzan ist ein runder Charakter, Clayton schön fies, Sidekicks Terk und Tantor witzig und der Wechsel zwischen spannenden und lustigen Einlagen garantieren, dass der Film zu keiner Minute langweilig wird. Sie funktionieren auch viel besser zusammen, da Tarzan im Vergleich zum Hunchback in der Gesamtheit keine ganz so ernste und dramatische Angelegenheit ist, obwohl es auch echt fiese Stellen gibt.

Das Einzige, was mir bei Tarzan häufiger nicht so gefallen hat, sind ausgerechnet die Songs. Der Film geht einen etwas anderen Weg, als die Vorgänger und anstatt das wie in einem Musical die Charaktere immer mal wieder in Gesangseinlagen ausbrechen, singt uns Phil Collins immer mal wieder das vor, was gerade thematisch passiert. Ich mag Phil Collins ja ungern dissen, aber Jesus Fucking Christ… die Songs sind schrecklich. „You’ll be in my heart“ mag noch ganz hübsch und „Trashing the camp“ ganz witzig sein, doch zum Großteil sind die Pop-Balladen echt schmerzhaft und beweisen keinerlei Sinn fürs Subtile, sondern hämmern dir ihre Kernaussage mit dem Holzzaun um die Ohren. Ganz zu schweigen, dass sie auch irgendwie Out of place wirken häufig. Meist fangen sie als Instrumentals an und sind wirklich für die Szene stimmig und dann, nach einer Minute oder so, setzen die Vocals ein und das ganze Ding wirkt aufgesetzt und unpassend.