The Tale of Princess Kaguya

Wird langsam Zeit, dass die Akte Ghibli geschlossen wird. Nachdem bereits Hayao Miyazaki mit Wie der Wind sich hebt seine Abschlussvorstellung ins japanische Kino brachte, durfte auch Mitbegründer des der Leinwand entsagenden Studios Isao Takahata einen großen, letzten Film machen. Sein erster Ghibli seit 1999s Meine Nachbarn die Yamadas und seine erste Regie-Arbeit seit jenem Film abgesehen eines Segmentes in einem Kollaborationsprojektes. Insgesamt hat uns Takahata von den über 20 Ghiblis tatsächlich „nur“ 5 gebracht, aber er war auch nie ganz der gleiche Kinokassen-Garant wie Miyazaki und ist bekannt Deadlines schlecht einhalten zu können. Bis zum Ende, denn Die Legend der Prinzessin Kaguya sollte ursprünglich als Double-Feature mit Wie der Wind sich hebt in die Kinos Japans kommen, sozusagen gleichzeitig die beiden großen Ghibli-Regisseure verabschiedet werden, stattdessen musste er allerdings um einige Monate verschoben werden.

Ein etwas abseits eines kleinen Bergdorfes lebender Bambusschneider findet jedenfalls eines Tages einen übernatürlich leuchtenden Sprössling, aus der ein Puppenhaftes Mädchen fällt, welches sich kurz darauf in ein Baby verwandelt. Der gutmütige Kerl, der sie für eine vom Himmel geschickte Prinzessin hält, zieht die Kleine mit seiner Frau groß. Und groß wird sie schnell, denn das Prinzesschen hat ein beschleunigtes Wachstum, welches alle Bauern der Gegend ziemlich gutmütig einfach so hinnehmen.

Doch als das Mädchen langsam (oder doch schnell) größer wird, und der Bauer im leuchtenden Bambus Gold und schöne Kleider findet, setzt sich in seinem Kopf die Idee fest, dass der Himmel von ihm will, dass sie tatsächlich wie eine Prinzessin aufwachsen kann. Also baut er mit dem Vermögen ein großes Anwesen in der Stadt und reißt die Familie aus dem bescheidenen aber ruhig-besinnlichen Leben in den Bergen, um dort einen Hofstaat aufzubauen.

Gerade das wilde Mädchen, der es Spaß macht durch die Gegend zu tollen und mit den Jungs Abenteuer zu erleben, wird dort nicht glücklich. Eine Dame tut dies, eine Dame tut jenes, und vor allem eine Dame tut viele Dinge gar nicht, ist was ihr schnell von der Zofe beigebracht wird. Nach ihrer Namensfeier darf sie sich Kaguya nennen, und bekommt prompt wegen ihrer Schönheit die Aufwartung von Edelleuten gemacht. Die kein wahres Interesse an ihr haben, und ihr unhaltbare Versprechungen machen, die das gewitzte Mädel allerdings einfordert, bevor sie zur Heirat willig ist.

Es ist eine schöne Erzählung geworden, mit dem Drama und der Melancholie, die wir aus Takahata-Filmen wie Die letzten Glühwürmchen und Tränen der Erinnerung kennen, aber auch mit etwas des Witzes aus Pom Poko und Meine Nachbarn die Yamadas. Es ist ein Appell daran das Glück in den kleinen Dingen zu suchen, mit weniger zufrieden zu sein statt immer noch nach mehr zu verlangen. Das Leben in den Bergen mag nicht immer leicht sein, immerhin war gerade in dieser Ära arm zu sein auch kein Wunschkonzert, doch dies spricht der Film eher kurz an und zeigt dies nie in Bildern. Stattdessen ist das Leben dort, zumindest für Hauptfigur Kaguya, hauptsächlich Spaß und Spiel und die Natur gibt reichlich um zufrieden sein zu können. Das Leben in der Stadt, vom fälschlicherweise nach immer mehr Ansehen strebenden Vater, der dies durchaus fehlgeleitet fürs Glück seiner Ziehtochter hält, hingegen bringt einen Überfluss aber auch beklemmende soziale Zwänge mit sich. Gerade für ein Mädchen in der Ära, aber es ist ja jetzt nicht so, dass die japanische Gesellschaft nicht bis heute von tausend beengenden ungeschriebenen Gesetzen geregelt wäre.

Ist allerdings nicht alles tragisch, was im Film geschieht. Nicht nur hat Kaguya viel Spaß als Kind in den Bergen, sondern wie in Takahatas Heidi für Toei Animation, hat sie sich etwas von jener Leichtigkeit auch mit in die Stadt genommen. Einige kleine humorige Stellen bietet der Film auch, wie wenn der Ziehmutter plötzlich magisch die Milch einschießt, um Kaguya großziehen zu können, oder wie sie ihre Verehrer austrickst. Und Kaguya kleine Zofe mit dem Breitmaulgesicht ist sowieso der heimliche Star des Filmes.

Das funktioniert natürlich so oder so, selbst wenn man kein Japaner ist, eben dadurch das Kaguya langsam aufwächst. Wer erinnert sich nicht gern verklärt an die Kindertage, in denen das Leben simpler und das Glück einfach zu greifen war? Während mit dem Erwachsenwerden mehr soziale Konventionen und Verantwortungen auf einen warten. So findet sich jeder ein wenig in der Legende der Prinzessin Kaguya wieder.

Der Animationsstil derweil erinnert an Meine Nachbarn die Yamadas, denn auch Kaguya hat einen minimalistischen Stil mit viel Bleichstift-artigen Outlines und einer Kolorierung in dezenten Wasserfarben zu bieten. Allerdings ist das Design an sich realistischer und nicht so cartoonig wie die Yamadas. Wenn es dann doch mal zu einer schnellen Sequenz kommt, ist das geradezu eine Explosion an Dynamik, verlieren sich die Details gern noch mehr in schnellen Strichen, Bewegungen.

Einen runden Film hat das letzte Werk von Takahata ergeben. Zeigt seine beiden Stärken sehr gut, sowohl das Drama als auch seinen Humor, die beide gern eher subtil daher kommen.