Universal Monsters – Invisible Man

ava-1782Mit dem Unsichtbaren kommen wir zur dritten Universal Monster Ikone, die uns die 30er brachten. Das wird auch die letzte sein, es sei denn man zählt Frankensteins Braut hinzu, denn der Wolfmensch und die Kreatur kommen erst je ein Jahrzehnt später aufs Tablett. Das Ding basiert übrigens auf einem Buch von niemand anderem als H. G. Wells.

Was vielleicht auch zeigt, warum der Film etwas komplexer ist, als sonst. Oder auch nicht, wir hatten ja schon einige Monster, die nicht wirklich solche waren. Jedenfalls ist der Unsichtbare ein brillanter Wissenschaftslehrling, der eben ein Tonikum entwickelt hat, welches ihn unsichtbar machte. Dummerweise hat er noch kein Gegenmittel entwickeln können, und das ist auch schwer, wenn man sich bei seinem Professor und dessen Tochter und eigener Verlobten ob des aktuellen Aussehens nicht mehr zeigen kann. Auch abgeschieden komplett einbandagiert fällt man ziemlich auf, vor allem wenn man dann noch herrische Gewaltanfälle hat. Denn die Nebenwirkung zu den Wirkstoffen der Unsichtbarkeit ist auch ein langsamer Verfall in den Wahnsinn.

Da kommt man schon so auf einige Ideen, was man damit anfangen könne, wenn keiner einen sehen kann. Beispielsweise sich monetär bereichern. Oder aus Spaß an der Freude jemanden umbringen, nur um zu zeigen, dass man es kann und damit davon kommt, wenn man dabei nicht gesehen wird. Man kann sogar so mutig sein, dies alles direkt unter den Augen andere zu machen, Identifikation muss ja nicht gefürchtet werden. Und dann natürlich die Implikation dessen, was das Militär alles mit unsichtbaren Armeen anfangen kann, wenn ihnen das Tonikum verkauft würde.

Das ist ein interessantes Konzept, sicherlich, allerdings muss ich sagen das ich den Film von der Umsetzung her weite Strecken über langweilig fand. Dafür scheint er im Mittelteil etwas zu ziellos zu sein, und so wirklich warm mit einem Charakter wird man auch nicht, um gegen oder für den Unsichtbaren, seinen Kollegen, oder die Verlobte fiebern zu können.

Dafür ist die Technik natürlich für die damalige Zeit bahnbrechend. Es wird eben nicht nur permanent Luft gefilmt, ein Schauspieler unter Bandagen, oder an Drähten schwebende Gegenstände. Nein, es gibt auch Szenen, bei denen der Unsichtbare sich entkleidet und langsam darunter das Nichts zum Vorschein kommt, in einem Vorreiter zum Bluescreen-Effekt. Das ist schon recht cool, wenn man bedenkt, dass der Film von 1933 ist. Aber eben, sobald jene tricktechnische Leistung ob ihres Alters nicht mehr den Wow-Effekt bringt, kommt ein etwas blasser Film darunter zum Vorschein.

universal1933

Universal Monsters – Old Dark House

ava-1759In den 30ern war der Universal Horror mehr als lebendig, The Old Dark House ist beispielsweise bereits der dritte Film, der alleine im Jahr1932 raus kam, nach The Mummy und Murders in the Rue Morgue. Und ein weiterer weniger bekannter Eintrag, da ein weiterer Punkt in der Universal-Monsters-Liste, bei dem es per se kein wirkliches Monster im klassischen Sinne gibt.

Woran mich The Old Dark House allerdings stark erinnerte, war das 1927er The Cat and the Canary. Teilweise auch einfach, weil es das gleiche Bühnenstück-Gefühl verbreitet. Bei The Cat and the Canary lag das sicherlich daran, weil es eben auf einem basierte, was bei The Old Dark House nicht der Fall ist, allerdings kommt Regisseur James Whale vom Theater, von daher ist es wohl ihm zu schulden.

Denn auch hier haben wir es mit einer Gruppe illustrer Menschen zu tun, die lediglich für den Zeitraum einer Nacht in einem Haus eingesperrt sind. Das ganze Ding findet also mit dem gleichen, beständigen Grüppchen an Charakteren, in den gleichen drei oder so Räumen statt, die mehr oder weniger viel Grund haben, sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen, während sie darauf warten, dass der Sturm, der sie hier hat stranden lassen, vorüber zieht. Das ist tatsächlich sehr Stage-Play-esque aufgezogen.

Es hat auch ein wenig was von Poe, denn die beiden unfreiwilligen Gastgeber in diesem Haus sind zwei ältere Geschwister, die ziemlich fremdeln und offensichtlich-mysteriöse Andeutungen machen. Dazu noch ein stummer Hüne von Butler (Boris Karloff), der über 100 Jahre alte bettlägrige Vater, und eine verriegelte Dachkammer, und schon haben wir die Ingredienzen für ein gehütetes Familiengeheimnis, das die darin involvierten über die Jahre an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Unser hiesiges „Monster“, wenn man das denn so will, ist dann auch schlichtweg ein Verrückter.

Was ich an The Old Dark House gut fand, und was mich erneut erwähnend an The Cat and the Canary erinnerte, ist das sich das nicht alles so super ernst nimmt, sondern nur halb, während der Film unter seinem Geschehen immer so etwas trockenhumorig bleibt. Sowohl was die Dialoge der Charaktere angeht, als auch wie überspitzt er die ganzen Haunted House Klischees abgrast. Dennoch war mir das Ergebnis aber doch etwas zu spröde. Es dauert mir einfach viel zu lang, bis wirklich was im Film geschieht, während man die Charaktere ganz unprovoziert ihre tragische Lebensgeschichte Wildfremden erzählen, und die Szenenwechsel schon fast fragmentiert denn organisch wirken.

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Universal Monsters – Rue Morgue

ava-1744Nach den drei ikonischen Monstern Dracula, Frankenstein und der Mumie, ging es anschließend bei Universal im Horror wieder mit nicht ganz so popkulturell bekannten Filmen weiter. Beispielsweise war noch im gleichen Jahr wie The Mummy der erste von drei Filmen mit Bela Lugosi basierend auf einer Geschichte von Edgar Allan Poe am Start: Murders in the Rue Morgue.

Der Film findet in Paris 1845 statt, und startet auf einer Freak Show, bei dem sich Pierre und seine Verlobte die schrägen Attraktionen anschauen, wie exotische Bauchtänzerinnen („glaubst du deren Haut ist wirklich so braun, oder malen die sich nur an?“) oder amerikanische Ureinwohner („rothäutige Barbaren“). Da zieht sie der Dr. Mirakle in sein Zelt mit dem Affenmenschen Erik, der sich als einfacher Gorilla herausstellt (gespielt mal von einem Schimpansen und mal von einem kleinen Mann im Kostüm), mit dem Mirakle meint sich unterhalten zu können.

Was keiner weiß ist, dass der verrückte Dr. Mirakle plant, eine Gefährtin für seinen Erik zu finden, aber dafür erst mal testen muss, ob deren Blut rein genug ist, denn der moderne Mensch ist wesentlich unwürdiger denn ein rein-animalischer Affe. Dies tut er, in dem er sich Prostituierte von der Straße schnappt, in seinem Labor fesselt, und dort Affenblut in die Venen injiziert, um die Kompatibilität zu prüfen, was bereits 4 Leichen mit sich gezogen hat. Doch jetzt ist er davon überzeugt in Pierres Verlobten die Richtige getroffen zu haben.

Poes auch in der Regel nicht allzu ausschweifend lange Geschichten bieten sich glaub ich eher für kürzere Projekte an, und Murders in the Rue Morgue geht auch nur ziemlich genau eine Stunde. Kurioserweise scheint allerdings der Originalschnitt wesentlich länger gewesen sein, Universal war jener aber zu brutal und lies vor Veröffentlichung ordentlich kürzen. Das ist etwas schade, denn etwas mehr Biss hätte der Film haben können. Es gibt einige beunruhigende Settings, wie wenn die Hure auf der nebligen Straße angegriffen wird, oder wenn das Opfer im Labor gefesselt da hängt, aber die sind häufig so kurz oder anderweitig schwer das Geschehene zu erkennen, besonders das Finale kann man verpassen,wenn man zur falschen Zeit blinzelt.

Ansonsten ist ziemlich interessant, wie viel Stereotypen von Detektivgeschichten hier doch drin sind, wenn man mal bedenkt, dass die Originalgeschichte von Poe eigentlich erschienen ist, bevor es dieses Genre richtig gab, also prägend gewesen sein wird. Unser Detektiv Pierre ist ein kluges Forscherhirn, der eigentlich zu schnell auf Zusammenhänge kommt. Er lebt zusammen mit einem Sidekick, der sich wie eine Ehefrau aufführt. Der verrückte Wissenschaftler als obsessives Gegenstück zum begabten Pierre.

Macht auch Murders in the Rue Morgue zu einem kurzen, sehenswerten Happen, wenn man sich in die schwarz-weiße Zeit der Horror- oder Detektivfilme verirren, oder als Fan von Bela Lugosi dessen Oeuvre verfallen will.

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Universal Monsters – The Mummy

ava-1730Nachdem die 30er Jahre für Universal direkt mit Dracula und Frankenstein gut losgingen, und die ersten beiden ikonischen Monster ihrer Universal Monsters Linie hervorbrachten, wurden 1932 direkt drei Filme rausgeschossen. Einer davon mit einem weiteren mittlerweile klassischen Monster: The Mummy.

Immerhin ist das alte Ägypten und vor allem sein Totenkult nicht nur an sich schon interessant, sondern zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auch ordentlich geboomt, dank so einiger archäologischer Entdeckungen im Land des Nils. Eine solche wird zu Beginn des Filmes direkt gemacht, denn Forscher des britischen Museums, die eben noch eine Diskussion darüber hatten, ob man das des Ruhmes oder der Wissenschaft wegen macht, da sie außer ein paar Tontafeln nichts fanden, stoßen auf den Jackpot: Eine namenlose Mumie, und ein angeblich verfluchte Kiste. Kiste aufgemacht, Mumie erwacht, und direkt mal davon gewandert, springen wir 10 Jahre weiter.

Hier haben wir ein weiteres Duo an Archäologen, deren Expedition keine sonderlichen Resultate brachte, bis ein mysteriöser Ägypter – unsere nicht mehr bandagierte Mumie von Imhotep – sie auf das Grabmal einer Prinzessin aufmerksam machen. Der Fund schlechthin, geht aber vertraglich ans Museum in Kairo statt London, zu dumm. Warum Imhotep die Schätze seiner Zeit an Briten verhökert? Weil er seine ehemalige Geliebte widererwecken will, mit einem verbotenen Ritual, das erst dazu führte, dass er namenlos lebendig begraben wurde. Netterweise stolpert Imhotep in der Begleitung der beiden Archäologen auch noch auf deren momentane Reinkarnation Helen.

The Mummy ist die erste offizielle Regiearbeit von Karl Freund, der schon in einigen damals hoch brillierten Filmen als Kameramann tätig war, darunter auch Dracula (1931), bei dem er wohl bereits viel Arbeit dem eigentlichen Regisseur abnahm. Seine Herkunft merkt man glaub ich ein wenig an den dynamischeren Shots des Filmes, besonders der Kamerafahrt, wenn Imhotep für Helen im Flashback-Spiegel ihre Geschichte wiedergibt. Ansonsten ist die ägyptische Kulisse natürlich schön, und das Mumien-Make-up auch gut gemacht, aber der Film jetzt nicht besonders optisch vervorstechend.

Was mir hingegen schon etwas mehr aufgefallen war, ist das Schauspiel von Zita Johann als Helen, die doch ziemlich durch den Film zu schlafwandeln scheint. Das mag durchaus sogar eine bewusste Entscheidung sein, um rüberzubringen, dass sie als Reinkarnation der altägyptischen Prinzessin etwas von der Moderne losgelöst ist, zumal sie weite Teile des Filmes unter Gedankenkontrolle steht oder krank ist, doch so wirklich will ihr Ansatz für mich nicht wirken. Boris Karloff als Imhotep spielt beispielsweise auch etwas weltfremd/losgelöst understated, und das weite Teile des Filmes auch ohne (viel) Maske, funktioniert in seinem Ansatz aber wesentlich besser.

Zwei interessante Eigenarten bei so alten Filmen: Zum einen ist der finale Klimax mit fixen 3 Minuten ungefähr zehn Mal schneller gegessen, als in einem modernen Film; und dann natürlich die Sprache, die sich doch mit der Zeit wandelt, und wo so ein Film schon mal den Satz „Maybe he got too gay with the vestal virgins“ raus haut, ob des Sinnierens, warum Imhotep bestraft wurde.

Ansonsten, joa, guter Film. Mag natürlich mal wieder, dass das „Monster“ ein wenig einen Grund hat, warum es Übles tut, auch wenn ein 1932er Film sicherlich die tragische Liebe nicht so hoch spielt, wie das modern geschehen würde, was ich glaub ich auch mal ganz schön finde. Sicherlich ganz gute Unterhaltung durch und durch.

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Universal Monsters – Frankenstein

ava-1689Mit den 30ern kommen wir nicht nur in Universals Zeiten der Sprechfilme, sondern auch in deren Monster-Filme, die wirklich das offerieren, an was man bei „Universal Monsters“ denkt. In 1931 sogar gleich an doppelter Front mit Dracula und Frankenstein, deren beiden größten Ikonen überhaupt.

Allerdings basiert Frankenstein (1931) nicht wirklich auf dem Buch von Mary Shelley, sondern auf einem Theaterstück, welches lose auf dem Buch basiert. Das zeigt sich auch ziemlich schnell, denn der Film hat kaum was mit dem Roman am Hut, abgesehen von einem Doktor Frankenstein, der mit Blitzelektrizität ein von ihm aus Leichen zusammen gesetztes Monster belebt.

Macht auch fast wieder Sinn, denn genau genommen ist auch Frankenstein kein Buch, welches sich besonders gut als Horror-Film macht. Frankensteins Kreatur ist nämlich kein Monster, sondern intelligent, pazifistisch veranlagt, Veganer, und auf der Suche nach Zuneigung. Es ist nur die wiederholte Verweigerung dessen, alles komplett nur basierend auf den ersten Blick auf sein monströses Aussehen, die ihn ausrasten lässt. Weite Teile des Buches gehen weg von Frankenstein als Protagonisten, und widmen sich stattdessen seiner Kreatur und dessen Gefühlslebens.

Also zieht der Film das alles ganz anders auf, mehr oder weniger zumindest. Kein langes Geredes Frankensteins darüber, wie die Konstante des Todes ihn in einen nihilistischen Abgrund gleiten lässt, bis er sich wie besessen daran macht, dem Tod entgegen zu wirken, nur um eine Kreatur monströser Statur zu schaffen, die er sofort verstößt, ohne sich auch nur mit ihr auseinander setzen zu wollen. Frankenstein hat seinen Igor (hier Fritz) in dieser Version, sie buddeln Leichen aus, konstruieren die Kreatur, und beleben sie. Statt dies geheim zu halten, sogar vor den Augen der schnüffelnden Verwandtschaft, die damit Ok ist.

Das Monster hier ist nicht intelligent, aber auch hier gibt es gewisse „Nature vs. Nurture“ Untertöne. Denn das Gehirn, welches Fritz geklaut hat, ist nicht das „normale“ Gehirn, sondern das „abnormale“ Gehirn eines Kriminellens, dessen anderes Aussehen den Studenten in den Vorlesungen gezeigt wird, als Beweis, dass man quasi so geboren wird, Straftäter von Natur aus anders sind. Das Monster ist aber nicht wirklich fies, sondern nur desorientiert und wird von Fritz misshandelt, von Frankenstein vernachlässigt, bis es eben genug hat. Und auch nach seinem Ausbruch will es erst Mal nur mit einem kleinen Mädchen spielen, ganz ungefährlich und so, und ertränkt es versehentlich, was das Dorf gegen es aufbringt. Das hat der Film dann also doch wieder mit dem Buch gemein, die Tatsache das die Kreatur eben nicht von Grund auf Böse ist.

Interessant an Frankenstein ist aber vor allem auch die schnieke Optik des Streifens. Das hier ist der Film, den Tim Burton machen will. Die Szenerien haben oft einen starken Einschlag des aus den 20ern aus Deutschland rüber geblutenden Expressionismus, mit schrägen Winkeln, hohen Decken, und überfülltem Dekor. Man nehme nur die anfängliche Beerdigung oder Frankensteins Labor als Beispiel. Im starken Kontrast dazu stehen dann die fast schon übertrieben kitschigen Einwürfe, wenn Frankenstein mit seiner verlobten Picknickt oder die Kreatur auf das Mädchen trifft. Sogar das Finale findet in einer hölzernen Windmühle statt.

Tolle Optik, passendes Spiel (vor allem natürlich von Boris Karloff), brauchbare Handlung, unterschiedlich genug um Buchkennern spannend zu bleiben, und mit 70 Minuten auch schnell genug über der Bühne ohne Längen zu bilden… was will man mehr?

universal1931

Universal Monsters – The Last Warning

ava-1640Mit The Last Warning haben wir es mit dem letzten Film in den 1920ern, sowie dem letzten Stummfilm der Universal „Horror“ zu tun. Und außerdem der letzte Film von Paul Leni, der hiernach verstarb.

Zum Abschluss gibt es einen weiteren Film basierend auf einem Theaterstück (basierend auf einem Buch), was man auch irgendwo merkt. Es gibt einen kleinen, überschaubaren Cast, klar auszumachen wenige Hauptrollen und eine Hand voll wiederkehrender Statisten. Das Szenario ist beschränkt auf drei Räume eines Bauwerks und das beliebte Whodunnit Murder Mystery. Vibes von The Cat and the Canary schleichen sich ein, was ja auch auf einem Bühnenstück basierte, auch von Paul Leni gedreht war, und sogar einen Großteil der gleichen Schauspieler verwendete.

Das Spukgemäuer im hiesigen Film ist ein Theater. Genau genommen beginnen wir mit einem Pre-Spuk Prolog. Es wird nämlich gerade das beliebte Stück „The Snarl“ aufgeführt, mit Theaterteilinhaber Woodford in einer der Hauptrollen, der plötzlich tot umfällt. Der Verdacht der Polizei fällt sofort auf das Pärchen Richard und Doris, jedoch kann ihnen nichts nachgewiesen werden, dadurch begünstigt das die Leiche bereits kurz nach der Tat spurlos verschwunden ist.

Jahre später will ein Freund von Woodford das Theater wieder eröffnen. Als erste Aufführung soll erneut „The Snarl“ herhalten, und er versucht, durchaus auch durch Erpressung, die ehemalige Crew wieder zusammenzuführen. Eindeutig führt er im Schilde doch irgendwie Richard und Doris überführen zu können. Doch gleichzeitig fangen Drohungen des Geistes von Woodford an aufzutauchen, der sein Theater nicht neu eröffnet sehen will.

Eigentlich sollte es jedem ziemlich schnell beim Anschauen klar werden, dass wir es hier erneut nicht mit Monster-Horror zu tun haben, sondern mit einem Krimi der Marke Scooby Doo meets Cluedo: Der Geist ist nur der verkleidete Mörder, und wer hat damals Woodford mit welchem Motiv umgebracht. Auch das es Doris und Richard wohl nicht sein werden, ist ziemlich offensichtlich, schon alleine durchs Framing der beiden Figuren – in 1929 waren Twists, wo die als eindeutig unschuldig dargestellten eigentlich nur tolle Lügner und doch die gerissenen Mörder waren, eher noch selten.

Was bleibt ist ein Film, der immerhin mit seinen schlanken 70 Minuten die simple Sache nicht überstrapaziert, aber der auch nicht so wirklich besonders ist. Kein „muss man gesehen haben“, kein „meide wie die Pest“, sondern einfach ein „eh, warum nicht?“ Ding.

universal1929

Universal Monsters – The Man Who Laughs

ava-1636Für The Man Who Laughs sehen wir drei alte Bekannte der Universal „Monster“ wieder. Regie führte Paul Leni wie schon bei The Cat and the Canary, spielen tut die Hauptrolle Conrad Veidt wie bereits in The Last Performance, und basieren tut das Ganze wie The Hunchback of Notre Dame auf einer Geschichte von Victor Hugo.

Eine Konstante in Geschichten von Hugo scheinen dann auch die ausgenutzten, aber eigentlich gutherzigen Außenseiter/Enstellten zu sein, sowie eine Anklage der Obrigkeit. Das hiesige „Monster“ ist der Titelgebende Lachende Mann, der so ist, seitdem ein König zur Strafe eines rebellierenden Lords dessen Sohn an die Zigeuner gegeben hat, mit dem Auftrag, eines ihrer schrägen Experimente mit ihm durchzuführen: Als Ergebnis haben sie dem Tropf ein ewiges Grinsen ins Gesicht geschnitten.

Die Zigeuner jedoch wurden letztendlich des Landes verwiesen und der kleine Gwynplaine kam mit dem in der Kälte gefundenen Waisenkind Dea beim Einsiedler Ursus unter. Die Jahre vergingen, das Trio verdingt sich mittlerweile durch Aufführungen, die den als „Lachender Mann“ berühmten Gwyn als Clown darbieten, so sehr ihn es auch verletzt vom Volk ausgelacht zu werden. Und die erwachsenen Gwyn und blinde Dea reifen zu einem Liebespaar. Zumindest bis die aufsässige, lebensfrohe Baronin Josiana, deren Wankelmut der Königin ein Dorn im Auge ist, sich die berühmte Attraktion ansehen will, jedoch so gar nicht begeistert vom Lachenden Mann ist, ja eventuell sogar was für ihn empfindet. Was Gwyn hoffen lässt das sogar eine Frau, die seine Entstellung sehen kann, sich in ihn verlieben könnte.

Doch mittlerweile hat die Königin herausgefunden, dass Gwyn eigentlich der Sohn und somit Erbe des Lords ist, dessen Anwesen Josiana nur besitzt, weil man ihn für Kinderlos hielt. Und um der verhassten Baronin ein wenig Demut beizubringen, plant sie Gwyn in den Adelsstand zu erheben, seine Grafschaft zurückzugeben, und Josiana zur Heirat mit ihm zu zwingen, wenn sie den unrechtmäßigen Reichtum behalten will.

Ich muss ehrlich gestehen dss mich The Man Who Laughs etwas verwirrt hat. Ich wusste immer was gerade passiert, allerdings haperte es häufig – besonders auf die letzte halbe der fast zwei Stunden Spielzeit – an dem „Warum“. Irgendwo fehlte mir mehr Text, der erklärt warum Szene A zu Szene B geführt hat. Warum Charaktere auf eine gewisse Art handeln, was ihr Plan ist, und warum andere Charaktere dort mitspielen.

Warum ist Gwyn an Josiana interessiert, wenn er doch schon Dea hat? Warum ist Josiana an ihm interessiert? Verliert jenes Interesse aber sofort, als sie herausfindet, wer er wirklich ist? Wenn sie ihn eh haben will, kann es ihr doch egal sein, ob sie ihn heiraten muss oder nicht. Zumal sie ja auch nicht wahnsinnig groß Interesse an ihrem aktuellen Mann hat oder sich von jenem einschränken lässt. Warum lässt man Gwyn ins Gefängnis werfen, wenn man ihn eh am nächsten Tag zum Lord machen will? Warum die Heirat erzwingen, wenn man Josiana auch damit demütigen kann, dass sie mittellos gemacht wird? Warum widerspricht Gwyn der ganzen Sache nicht bis es fast zu spät ist? Auch sehr schizophren ist die Darstellung des gemeinen Volkes, die zunächst wie eine quälende Masse erscheinen, die sich an der Entstellung Gwyns amüsieren, nur um ihren Lieblings-Clown dann im Finale helfend zur Seite zu stehen. Ne, irgendwo war mir der Film einfach zu sehr ein Durcheinander, vielleicht eignet sich Hugo halt doch nicht so für Stummfilm-Adaptionen, sondern braucht ein paar mehr Worte, um adäquat umgesetzt zu werden. Es gibt immer zu viele Charaktere mit zu vielen Agendas in seinen Geschichten für die paar Texttafeln.

universal1928

Anders als die Anderen

ava-1629Homosexualität war schon immer ein heikles Thema und im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit, jedoch gab es auch immer wieder kulturell-aufgeschlossene Zeiten, in denen es akzeptierter war, als in anderen. Eine davon ist (oder besser war zumindest auf dem Weg dorthin) die Zeit der Weimarer Republik. Nachdem im davor herrschenden Deutschen Kaiserreich das Ausleben jener Neigung per §175 als Straftat festgelegt wurde, kam jener in der Weimarer Republik wiederholt unter Beschuss, wurde weniger häufig wirklich geahndet, und in großen Städten wie Berlin gab es schwule Magazine und Clubs. Und auch einen Film gab es in 1919, Anders als die Anderen (§175), frühes Schwulenkino welches in den 30ern als The Third Sex und den 50ern als Anders als du und ich erneut erzählt werden sollte (immerhin war damals durch das Erstarken der Schwulenfeindlichkeit im Nazi-Regime der §175 immer noch bestehend – offiziell abgeschafft wurde er erst in den 90ern).

Natürlich war der Film dennoch in seiner Zeit ein kritisierter Skandalfilm. Und nachdem er in der NS-Zeit dann verboten und Kopien vernichtet wurden, liegt er heutzutage auch nicht mehr komplett vor, sondern in einer restaurierten Fassung von knappen 50 Minuten (immerhin gelten so einige Filme aus jener Frühzeit als [teilweise] verschollen, ohne das sie direkt großflächig geahndet wurden). Und jene hat einige Standbilder zu bieten plus mehr Texttafeln als Stummfilme üblich haben, da ganze verlustig gegangene Szenen quasi erklärt werden.

Conrad Veidt spielt Paul Körner, einen angesehenen Violinisten, der mit sich ziemlich im Reinen ist, denn als seine Eltern ihm eine Verlobte unterjubeln wollen, schickt er die auch schon mal prompt zum Sexualforscher, der ihnen die Sache mit der Homosexualität ihres Sohnes erklären soll. Kurt Sivers derweil ist einer von Pauls größten Fans und wird zu dessen Protege und Liebhaber. Zumindest solange, bis ein Erpresser es auf die beiden abgesehen hat, Kurt sich davon macht, während Conrad die Erpressung zur Anklage bringt, aber andersrum deswegen auch wegen Verstoß gegen §175 selbst verurteilt wird.

Das wohl Interessanteste am Film ist, abgesehen von seiner progressiven Botschaft und filmhistorischen Wertes als erster Film über Homosexualität, sind dann tatsächlich die „Szenen“ mit dem Sexualforscher (die hier nur noch als erklärende Texttafeln vorliegen). In denen nämlich tatsächlich schon 1919 ganz unvoreingenommen erklärt wird, dass wenn es auch nicht die Norm ist, so Homosexualität ein absolut natürliches Vorkommen in einer Spezies ist und es alle Bevölkerungsschichten „treffen“ kann, Heilung keine Option darstellt, da es keine Krankheit ist. Etwas überholt ist lediglich die Annahme, dass Schwule solche sind, weil sie einen Überschuss an weiblichen Hormonen haben, der Film also davon ausgeht, dass die Norm bei Homosexuellen tatsächlich unmännlich-weibisches Verhalten ist – so souverän Veidt dann auch den Körner spielt, so mimt er auch prompt die Gestik einer Queen. Abgesehen davon ist der Film, wenn auch etwas dramatisch dick aufgetragen, ein Appell an Toleranz in der Gesellschaft und Abschaffung des §175, wogegen man wohl kaum etwas haben kann. Zumindest heutzutage, wo dies kein progressives Denken mehr erfordert, sondern lediglich Denken.

anders

Universal Monsters – The Last Performance

ava-1627Über das Release von The Last Performance scheint sich das Internet nicht so ganz sicher zu sein. Wikipedia listet 1929, fast überall sonst steht es mit 1927, und IMDB führt lieber gleich beide Daten. Übrigens ein weiter Film mit einem deutschen Export: Nach dem Regisseur Paul Leni in The Cat and the Canary haben wir hier in der Hauptrolle den Star der monochromen Filmära Conrad Veidt, den wir beispielsweise im Cabinet des Dr. Caligari bereits hatten, und der auch im folgenden The Man Who Laughts wieder für Universal vor der Kamera stehen wird.

Wo wir bei Wikipedia sind und der Tatsache, dass jenes immer nur so gut ist, wie diejenigen, die kontribuieren: Manchmal bin ich über deren Liste der Universal Monsters echt überrascht. Ich mein Hunchback und Phantom würde ich eher als Drama denn Horror einstufen, aber wenigstens hatten die „Monster“ zu bieten, so sehr man deformierte Menschen als solche bezeichnen will, was heutzutage sicher alles andere als politisch korrekt ist, besonders beim gutherzigen Glöckner. The Cat and the Canary war fast mehr eine schwarze Komödie denn Horror, und hatte ungefähr 5 Sekunden einen als Monster Verkleideten geboten. The Last Performance bietet weder Monster noch Horror, sondern eigentlich ein Drama mit Todesfall. Nicht mal ein Monster im übertragenen Sinne gibt es, als das der Magier ein besonders böser, monströser Mensch wäre. Mir drängt sich doch mehr und mehr auf, dass das Universal Monster Label eher in den 30ern dank Dracula, Frankenstein, die Mumie und Co. entstanden ist, und nachträglich auf die 20er-Filme ausgeweitet wurde, die man damals als Horror vermarktet hatte.

Im Film geht es essentiell um ein Liebesdreieck: Erik der Große ist ein berühmter Zauberer und Hypnotiseur mittleren Alters, der sich in seine junge Assistentin verliebt hat. Die erwidert die Zuneigung zu ihrem Gönner auch, erklärt sich bereit ihn zu heiraten, sobald sie ihren 18. Geburtstag feiert. Zum Filmbeginn nun steigt allerdings ein hungernder Einbrecher beim Zauberer in die Suite ein und vergeht sich an dessen Abendessen. Erik und Julie haben Mitleid mit jenem und machen Mark zum Assistenten des Assistentens (ernsthaft, braucht ein Magier wirklich 3 Leute, die ihm seine Utensilien reichen?). Erik, Julie und Mark sind durchaus wie ein kleine Familie, sind doch beide von ihrem Gönner eingenommen, während Assistent #1 dadurch nur noch eifersüchtiger wird, als er eh schon war. Als er rausfindet, dass Mark und Julie Gefühle füreinander entwickeln wittert er jedoch seine Rache, ist allerdings überrascht, als Erik auch dies mit Großmut nimmt und den beiden seinen Segen gibt. Oder plant Erik vielleicht bereits ganz anderes?

Das Konstrukt der Handlung ist sicherlich ziemlich schlicht und mit wenigen Personen gesegnet, weswegen The Last Performance die Angelegenheit auch nicht überstrapaziert, sondern in einer knappen Stunde abgelaufen ist. Das ist durchaus eine gute Idee gewesen, denn viel mehr gibt die Handlung wie gesagt eh nicht her, und so bleibt es relativ zügig und spannend, statt endlos ausgewalzt zu sein. Wie erwähnt hat der Film von Horror selbst beim großzügigsten Bemessen mal rein gar nichts, aber als durchaus nettes Krime-Drama geht es gut und flott durch. Sauber geschauspielert, sauber präsentiert, aber eben ohne den wirklich besonderen Pfiff in Handlung oder filmischer Ästhetik.

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Call of Cthulhu

ava-1621Seitdem ich vor endlosen Äonen mal Der Hexer von Salem gelesen habe, habe ich dennoch bis Heute nicht nachgeholt mir mal eine Geschichte des Cthulhu-Mythos durchzulesen, die tatsächlich vom Urvater Lovecraft gekommen wäre. Immer noch nicht, denn statt seine Kurzgeschichte mit gleichem Namen zu lesen (ist das nicht sogar eine der wenigen, in denen Cthulhu überhaupt vor kommt, was es fast etwas seltsam macht, dass er zum Poster Child des Lovecraft-Horrorrs wurde?), sondern einen gar nicht mal so alten Indie-Film mit gleichem Namen.

Die Sache mit mir und dem Lovecraft-Horror ist ja immer, dass ich ihn konzeptionell schon ganz Ok finde. Das Konzept des von Menschen nicht verstanden werden könnenden Gottes und eventuell auch seines nicht-Interesses auf die Spitze gebracht, in dem die Götter einfach Äonen-alte Aliens sind, die so über unsere Verstandesgrenzen hinaus gehen, dass wir sie nicht mal adäquat in Worte fassen können und ihr direkter Anblick uns in den Wahnsinn treibt. Nicht zu vergessen, dass es ein Kampf ist, der nicht gewonnen werden kann, da man die Lovecraft-Schrecken nicht vernichten kann, höchstens die geringe Chance hat sie für eine weitere Weile in Schlummer zu versetzen. Nihilismus pur. Mein Problem mit Lovecraft-Horror hingegen ist, dass man um eine Geschichte zu haben, dass Unbeschreibliche dann doch zu beschreiben versuchen muss, in Wort oder Bild. Natürlich kann man auf Suspens-Horror machen, aber früher oder später muss doch mal ein kleiner Einblick gewährt werden, und dann finde ich Giganten mit Tentakelbärten ehrlich gesagt nicht sonderlich unheimlich. Ich mein, würde mir einer wirklich begegnern, würde ich vielleicht sogar den Verstand verlieren, aber so wie sie in Fiktion bisher gezeigt und beschrieben wurden, fand ich Lovecrafts Kreaturen nicht sonderlich respekteinflößend.

Aber weg vom Mythos an sich, und hin zum Film, um den es ja eigentlich gehen soll. Ähnlich wie bei Poe hat Lovecraft eben hauptsächlich Kurzgeschichten geschrieben, die häufig ordentlich Ausschmückung benötigen, oder nur als grundsätzliche Inspiration dienen, um einen vollen Film draus zu machen. Call of Cthulhu hingegen geht den Weg des Kurzfilmes, ist das Machwerk doch nur knackige 45 Minuten in Länge. Als weiteres Gimmick gibt der Film vor, ein Produkt der 1920er Stummfilm-Ära zu sein. So ist das Ding ohne Ton und in Schwarz-Weiß gedreht, sowie in Bildschirmauflösung 4:3. Natürlich sind die Bewegungen etwas zu flüssig und das Bild zu klar, um wirklich als alter Film durchzugehen, auch wenn man sogar extra ein paar Altersschlieren aufs Bild und blecherne Aussetzer in den Ton gesetzt hat, die ein neuer Stummfilm gar nicht hätte, sondern erst durch den Zahn der Zeit hinzu kommen. Das gibt dem Film natürlich eine besondere Atmosphäre, die ganz gut zum Lovecraft-Horror passt, sowie ist es selbstverständlich auch Budget-sparend – Pappkulissen und magere Special Effects filmen sich in s/w bekanntlich besser als in palstischer wirkender Farbe.

Ansonsten, joa, ist es eine Erzählung so alt wie die Zeit. Verrückter übergibt seine Dokumente, in denen er die Erzählungen seines Großvaters, der mit Artefakten des Cthulhu-Kults in Berührung gekommen ist, und seine eigenen Investigationsresultate ob dessen, wie ein Seemann mit dem Horror selbst Auge in Auge kam, weiter, damit sie hoffentlich vernichtet werden und so zumindest keinen anderen mehr in ihren Wahnsinn offerierenden Bann ziehen können. Alles sympathisch altmodisch mit expressionistisch-schrägen Pappsets für R’lyeh und einem Stop-Motion-Cthulhu. In eine kompakte Dreiviertelstunde gepackt, so das eigentlich immer was los ist und keine Langeweile aufkommen kann. Was schon ganz cool ein Film.

callofcthulhu