Universal Monsters – The Last Warning

ava-1640Mit The Last Warning haben wir es mit dem letzten Film in den 1920ern, sowie dem letzten Stummfilm der Universal „Horror“ zu tun. Und außerdem der letzte Film von Paul Leni, der hiernach verstarb.

Zum Abschluss gibt es einen weiteren Film basierend auf einem Theaterstück (basierend auf einem Buch), was man auch irgendwo merkt. Es gibt einen kleinen, überschaubaren Cast, klar auszumachen wenige Hauptrollen und eine Hand voll wiederkehrender Statisten. Das Szenario ist beschränkt auf drei Räume eines Bauwerks und das beliebte Whodunnit Murder Mystery. Vibes von The Cat and the Canary schleichen sich ein, was ja auch auf einem Bühnenstück basierte, auch von Paul Leni gedreht war, und sogar einen Großteil der gleichen Schauspieler verwendete.

Das Spukgemäuer im hiesigen Film ist ein Theater. Genau genommen beginnen wir mit einem Pre-Spuk Prolog. Es wird nämlich gerade das beliebte Stück „The Snarl“ aufgeführt, mit Theaterteilinhaber Woodford in einer der Hauptrollen, der plötzlich tot umfällt. Der Verdacht der Polizei fällt sofort auf das Pärchen Richard und Doris, jedoch kann ihnen nichts nachgewiesen werden, dadurch begünstigt das die Leiche bereits kurz nach der Tat spurlos verschwunden ist.

Jahre später will ein Freund von Woodford das Theater wieder eröffnen. Als erste Aufführung soll erneut „The Snarl“ herhalten, und er versucht, durchaus auch durch Erpressung, die ehemalige Crew wieder zusammenzuführen. Eindeutig führt er im Schilde doch irgendwie Richard und Doris überführen zu können. Doch gleichzeitig fangen Drohungen des Geistes von Woodford an aufzutauchen, der sein Theater nicht neu eröffnet sehen will.

Eigentlich sollte es jedem ziemlich schnell beim Anschauen klar werden, dass wir es hier erneut nicht mit Monster-Horror zu tun haben, sondern mit einem Krimi der Marke Scooby Doo meets Cluedo: Der Geist ist nur der verkleidete Mörder, und wer hat damals Woodford mit welchem Motiv umgebracht. Auch das es Doris und Richard wohl nicht sein werden, ist ziemlich offensichtlich, schon alleine durchs Framing der beiden Figuren – in 1929 waren Twists, wo die als eindeutig unschuldig dargestellten eigentlich nur tolle Lügner und doch die gerissenen Mörder waren, eher noch selten.

Was bleibt ist ein Film, der immerhin mit seinen schlanken 70 Minuten die simple Sache nicht überstrapaziert, aber der auch nicht so wirklich besonders ist. Kein „muss man gesehen haben“, kein „meide wie die Pest“, sondern einfach ein „eh, warum nicht?“ Ding.

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Universal Monsters – The Man Who Laughs

ava-1636Für The Man Who Laughs sehen wir drei alte Bekannte der Universal „Monster“ wieder. Regie führte Paul Leni wie schon bei The Cat and the Canary, spielen tut die Hauptrolle Conrad Veidt wie bereits in The Last Performance, und basieren tut das Ganze wie The Hunchback of Notre Dame auf einer Geschichte von Victor Hugo.

Eine Konstante in Geschichten von Hugo scheinen dann auch die ausgenutzten, aber eigentlich gutherzigen Außenseiter/Enstellten zu sein, sowie eine Anklage der Obrigkeit. Das hiesige „Monster“ ist der Titelgebende Lachende Mann, der so ist, seitdem ein König zur Strafe eines rebellierenden Lords dessen Sohn an die Zigeuner gegeben hat, mit dem Auftrag, eines ihrer schrägen Experimente mit ihm durchzuführen: Als Ergebnis haben sie dem Tropf ein ewiges Grinsen ins Gesicht geschnitten.

Die Zigeuner jedoch wurden letztendlich des Landes verwiesen und der kleine Gwynplaine kam mit dem in der Kälte gefundenen Waisenkind Dea beim Einsiedler Ursus unter. Die Jahre vergingen, das Trio verdingt sich mittlerweile durch Aufführungen, die den als „Lachender Mann“ berühmten Gwyn als Clown darbieten, so sehr ihn es auch verletzt vom Volk ausgelacht zu werden. Und die erwachsenen Gwyn und blinde Dea reifen zu einem Liebespaar. Zumindest bis die aufsässige, lebensfrohe Baronin Josiana, deren Wankelmut der Königin ein Dorn im Auge ist, sich die berühmte Attraktion ansehen will, jedoch so gar nicht begeistert vom Lachenden Mann ist, ja eventuell sogar was für ihn empfindet. Was Gwyn hoffen lässt das sogar eine Frau, die seine Entstellung sehen kann, sich in ihn verlieben könnte.

Doch mittlerweile hat die Königin herausgefunden, dass Gwyn eigentlich der Sohn und somit Erbe des Lords ist, dessen Anwesen Josiana nur besitzt, weil man ihn für Kinderlos hielt. Und um der verhassten Baronin ein wenig Demut beizubringen, plant sie Gwyn in den Adelsstand zu erheben, seine Grafschaft zurückzugeben, und Josiana zur Heirat mit ihm zu zwingen, wenn sie den unrechtmäßigen Reichtum behalten will.

Ich muss ehrlich gestehen dss mich The Man Who Laughs etwas verwirrt hat. Ich wusste immer was gerade passiert, allerdings haperte es häufig – besonders auf die letzte halbe der fast zwei Stunden Spielzeit – an dem „Warum“. Irgendwo fehlte mir mehr Text, der erklärt warum Szene A zu Szene B geführt hat. Warum Charaktere auf eine gewisse Art handeln, was ihr Plan ist, und warum andere Charaktere dort mitspielen.

Warum ist Gwyn an Josiana interessiert, wenn er doch schon Dea hat? Warum ist Josiana an ihm interessiert? Verliert jenes Interesse aber sofort, als sie herausfindet, wer er wirklich ist? Wenn sie ihn eh haben will, kann es ihr doch egal sein, ob sie ihn heiraten muss oder nicht. Zumal sie ja auch nicht wahnsinnig groß Interesse an ihrem aktuellen Mann hat oder sich von jenem einschränken lässt. Warum lässt man Gwyn ins Gefängnis werfen, wenn man ihn eh am nächsten Tag zum Lord machen will? Warum die Heirat erzwingen, wenn man Josiana auch damit demütigen kann, dass sie mittellos gemacht wird? Warum widerspricht Gwyn der ganzen Sache nicht bis es fast zu spät ist? Auch sehr schizophren ist die Darstellung des gemeinen Volkes, die zunächst wie eine quälende Masse erscheinen, die sich an der Entstellung Gwyns amüsieren, nur um ihren Lieblings-Clown dann im Finale helfend zur Seite zu stehen. Ne, irgendwo war mir der Film einfach zu sehr ein Durcheinander, vielleicht eignet sich Hugo halt doch nicht so für Stummfilm-Adaptionen, sondern braucht ein paar mehr Worte, um adäquat umgesetzt zu werden. Es gibt immer zu viele Charaktere mit zu vielen Agendas in seinen Geschichten für die paar Texttafeln.

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Anders als die Anderen

ava-1629Homosexualität war schon immer ein heikles Thema und im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit, jedoch gab es auch immer wieder kulturell-aufgeschlossene Zeiten, in denen es akzeptierter war, als in anderen. Eine davon ist (oder besser war zumindest auf dem Weg dorthin) die Zeit der Weimarer Republik. Nachdem im davor herrschenden Deutschen Kaiserreich das Ausleben jener Neigung per §175 als Straftat festgelegt wurde, kam jener in der Weimarer Republik wiederholt unter Beschuss, wurde weniger häufig wirklich geahndet, und in großen Städten wie Berlin gab es schwule Magazine und Clubs. Und auch einen Film gab es in 1919, Anders als die Anderen (§175), frühes Schwulenkino welches in den 30ern als The Third Sex und den 50ern als Anders als du und ich erneut erzählt werden sollte (immerhin war damals durch das Erstarken der Schwulenfeindlichkeit im Nazi-Regime der §175 immer noch bestehend – offiziell abgeschafft wurde er erst in den 90ern).

Natürlich war der Film dennoch in seiner Zeit ein kritisierter Skandalfilm. Und nachdem er in der NS-Zeit dann verboten und Kopien vernichtet wurden, liegt er heutzutage auch nicht mehr komplett vor, sondern in einer restaurierten Fassung von knappen 50 Minuten (immerhin gelten so einige Filme aus jener Frühzeit als [teilweise] verschollen, ohne das sie direkt großflächig geahndet wurden). Und jene hat einige Standbilder zu bieten plus mehr Texttafeln als Stummfilme üblich haben, da ganze verlustig gegangene Szenen quasi erklärt werden.

Conrad Veidt spielt Paul Körner, einen angesehenen Violinisten, der mit sich ziemlich im Reinen ist, denn als seine Eltern ihm eine Verlobte unterjubeln wollen, schickt er die auch schon mal prompt zum Sexualforscher, der ihnen die Sache mit der Homosexualität ihres Sohnes erklären soll. Kurt Sivers derweil ist einer von Pauls größten Fans und wird zu dessen Protege und Liebhaber. Zumindest solange, bis ein Erpresser es auf die beiden abgesehen hat, Kurt sich davon macht, während Conrad die Erpressung zur Anklage bringt, aber andersrum deswegen auch wegen Verstoß gegen §175 selbst verurteilt wird.

Das wohl Interessanteste am Film ist, abgesehen von seiner progressiven Botschaft und filmhistorischen Wertes als erster Film über Homosexualität, sind dann tatsächlich die „Szenen“ mit dem Sexualforscher (die hier nur noch als erklärende Texttafeln vorliegen). In denen nämlich tatsächlich schon 1919 ganz unvoreingenommen erklärt wird, dass wenn es auch nicht die Norm ist, so Homosexualität ein absolut natürliches Vorkommen in einer Spezies ist und es alle Bevölkerungsschichten „treffen“ kann, Heilung keine Option darstellt, da es keine Krankheit ist. Etwas überholt ist lediglich die Annahme, dass Schwule solche sind, weil sie einen Überschuss an weiblichen Hormonen haben, der Film also davon ausgeht, dass die Norm bei Homosexuellen tatsächlich unmännlich-weibisches Verhalten ist – so souverän Veidt dann auch den Körner spielt, so mimt er auch prompt die Gestik einer Queen. Abgesehen davon ist der Film, wenn auch etwas dramatisch dick aufgetragen, ein Appell an Toleranz in der Gesellschaft und Abschaffung des §175, wogegen man wohl kaum etwas haben kann. Zumindest heutzutage, wo dies kein progressives Denken mehr erfordert, sondern lediglich Denken.

anders

Universal Monsters – The Last Performance

ava-1627Über das Release von The Last Performance scheint sich das Internet nicht so ganz sicher zu sein. Wikipedia listet 1929, fast überall sonst steht es mit 1927, und IMDB führt lieber gleich beide Daten. Übrigens ein weiter Film mit einem deutschen Export: Nach dem Regisseur Paul Leni in The Cat and the Canary haben wir hier in der Hauptrolle den Star der monochromen Filmära Conrad Veidt, den wir beispielsweise im Cabinet des Dr. Caligari bereits hatten, und der auch im folgenden The Man Who Laughts wieder für Universal vor der Kamera stehen wird.

Wo wir bei Wikipedia sind und der Tatsache, dass jenes immer nur so gut ist, wie diejenigen, die kontribuieren: Manchmal bin ich über deren Liste der Universal Monsters echt überrascht. Ich mein Hunchback und Phantom würde ich eher als Drama denn Horror einstufen, aber wenigstens hatten die „Monster“ zu bieten, so sehr man deformierte Menschen als solche bezeichnen will, was heutzutage sicher alles andere als politisch korrekt ist, besonders beim gutherzigen Glöckner. The Cat and the Canary war fast mehr eine schwarze Komödie denn Horror, und hatte ungefähr 5 Sekunden einen als Monster Verkleideten geboten. The Last Performance bietet weder Monster noch Horror, sondern eigentlich ein Drama mit Todesfall. Nicht mal ein Monster im übertragenen Sinne gibt es, als das der Magier ein besonders böser, monströser Mensch wäre. Mir drängt sich doch mehr und mehr auf, dass das Universal Monster Label eher in den 30ern dank Dracula, Frankenstein, die Mumie und Co. entstanden ist, und nachträglich auf die 20er-Filme ausgeweitet wurde, die man damals als Horror vermarktet hatte.

Im Film geht es essentiell um ein Liebesdreieck: Erik der Große ist ein berühmter Zauberer und Hypnotiseur mittleren Alters, der sich in seine junge Assistentin verliebt hat. Die erwidert die Zuneigung zu ihrem Gönner auch, erklärt sich bereit ihn zu heiraten, sobald sie ihren 18. Geburtstag feiert. Zum Filmbeginn nun steigt allerdings ein hungernder Einbrecher beim Zauberer in die Suite ein und vergeht sich an dessen Abendessen. Erik und Julie haben Mitleid mit jenem und machen Mark zum Assistenten des Assistentens (ernsthaft, braucht ein Magier wirklich 3 Leute, die ihm seine Utensilien reichen?). Erik, Julie und Mark sind durchaus wie ein kleine Familie, sind doch beide von ihrem Gönner eingenommen, während Assistent #1 dadurch nur noch eifersüchtiger wird, als er eh schon war. Als er rausfindet, dass Mark und Julie Gefühle füreinander entwickeln wittert er jedoch seine Rache, ist allerdings überrascht, als Erik auch dies mit Großmut nimmt und den beiden seinen Segen gibt. Oder plant Erik vielleicht bereits ganz anderes?

Das Konstrukt der Handlung ist sicherlich ziemlich schlicht und mit wenigen Personen gesegnet, weswegen The Last Performance die Angelegenheit auch nicht überstrapaziert, sondern in einer knappen Stunde abgelaufen ist. Das ist durchaus eine gute Idee gewesen, denn viel mehr gibt die Handlung wie gesagt eh nicht her, und so bleibt es relativ zügig und spannend, statt endlos ausgewalzt zu sein. Wie erwähnt hat der Film von Horror selbst beim großzügigsten Bemessen mal rein gar nichts, aber als durchaus nettes Krime-Drama geht es gut und flott durch. Sauber geschauspielert, sauber präsentiert, aber eben ohne den wirklich besonderen Pfiff in Handlung oder filmischer Ästhetik.

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Call of Cthulhu

ava-1621Seitdem ich vor endlosen Äonen mal Der Hexer von Salem gelesen habe, habe ich dennoch bis Heute nicht nachgeholt mir mal eine Geschichte des Cthulhu-Mythos durchzulesen, die tatsächlich vom Urvater Lovecraft gekommen wäre. Immer noch nicht, denn statt seine Kurzgeschichte mit gleichem Namen zu lesen (ist das nicht sogar eine der wenigen, in denen Cthulhu überhaupt vor kommt, was es fast etwas seltsam macht, dass er zum Poster Child des Lovecraft-Horrorrs wurde?), sondern einen gar nicht mal so alten Indie-Film mit gleichem Namen.

Die Sache mit mir und dem Lovecraft-Horror ist ja immer, dass ich ihn konzeptionell schon ganz Ok finde. Das Konzept des von Menschen nicht verstanden werden könnenden Gottes und eventuell auch seines nicht-Interesses auf die Spitze gebracht, in dem die Götter einfach Äonen-alte Aliens sind, die so über unsere Verstandesgrenzen hinaus gehen, dass wir sie nicht mal adäquat in Worte fassen können und ihr direkter Anblick uns in den Wahnsinn treibt. Nicht zu vergessen, dass es ein Kampf ist, der nicht gewonnen werden kann, da man die Lovecraft-Schrecken nicht vernichten kann, höchstens die geringe Chance hat sie für eine weitere Weile in Schlummer zu versetzen. Nihilismus pur. Mein Problem mit Lovecraft-Horror hingegen ist, dass man um eine Geschichte zu haben, dass Unbeschreibliche dann doch zu beschreiben versuchen muss, in Wort oder Bild. Natürlich kann man auf Suspens-Horror machen, aber früher oder später muss doch mal ein kleiner Einblick gewährt werden, und dann finde ich Giganten mit Tentakelbärten ehrlich gesagt nicht sonderlich unheimlich. Ich mein, würde mir einer wirklich begegnern, würde ich vielleicht sogar den Verstand verlieren, aber so wie sie in Fiktion bisher gezeigt und beschrieben wurden, fand ich Lovecrafts Kreaturen nicht sonderlich respekteinflößend.

Aber weg vom Mythos an sich, und hin zum Film, um den es ja eigentlich gehen soll. Ähnlich wie bei Poe hat Lovecraft eben hauptsächlich Kurzgeschichten geschrieben, die häufig ordentlich Ausschmückung benötigen, oder nur als grundsätzliche Inspiration dienen, um einen vollen Film draus zu machen. Call of Cthulhu hingegen geht den Weg des Kurzfilmes, ist das Machwerk doch nur knackige 45 Minuten in Länge. Als weiteres Gimmick gibt der Film vor, ein Produkt der 1920er Stummfilm-Ära zu sein. So ist das Ding ohne Ton und in Schwarz-Weiß gedreht, sowie in Bildschirmauflösung 4:3. Natürlich sind die Bewegungen etwas zu flüssig und das Bild zu klar, um wirklich als alter Film durchzugehen, auch wenn man sogar extra ein paar Altersschlieren aufs Bild und blecherne Aussetzer in den Ton gesetzt hat, die ein neuer Stummfilm gar nicht hätte, sondern erst durch den Zahn der Zeit hinzu kommen. Das gibt dem Film natürlich eine besondere Atmosphäre, die ganz gut zum Lovecraft-Horror passt, sowie ist es selbstverständlich auch Budget-sparend – Pappkulissen und magere Special Effects filmen sich in s/w bekanntlich besser als in palstischer wirkender Farbe.

Ansonsten, joa, ist es eine Erzählung so alt wie die Zeit. Verrückter übergibt seine Dokumente, in denen er die Erzählungen seines Großvaters, der mit Artefakten des Cthulhu-Kults in Berührung gekommen ist, und seine eigenen Investigationsresultate ob dessen, wie ein Seemann mit dem Horror selbst Auge in Auge kam, weiter, damit sie hoffentlich vernichtet werden und so zumindest keinen anderen mehr in ihren Wahnsinn offerierenden Bann ziehen können. Alles sympathisch altmodisch mit expressionistisch-schrägen Pappsets für R’lyeh und einem Stop-Motion-Cthulhu. In eine kompakte Dreiviertelstunde gepackt, so das eigentlich immer was los ist und keine Langeweile aufkommen kann. Was schon ganz cool ein Film.

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Universal Monsters – The Cat and the Canary

ava-1610Der ekzentrische Millionär Cyrus West verstirbt. Und auch sein Testament ist nicht ganz normal: Es soll erst 20 Jahre später eröffnet werden. Also treffen sich seine Angehörigen an jenem Tage in der Spukvilla, um zu erfahren, dass er es gar nich toll fand, dass sich alle wie die Katzen um einen Kanarienvogel versammelt hatten, nur auf sein Ableben und das Millionerbe wartend, ihn auch noch für hochgradig verrückt hielten. Deswegen vermacht er alles an Annabelle, die am entferntesten mit ihm verwandt ist. Aber nur unter der Voraussetzung, dass ein Arzt ihre mentale Gesundheit feststellt. Sollte sie für verrückt erklärt werden, geht das Erbe an den nächsten.

Damit sollte ziemlich schnell klar sein, dass Annabelles Verwandtschaft ein recht großes Interesse daran hat, dass die junge Dame für geistig ungesund erklärt wird. Und da alle die Nacht im unheimlichen Gemäuer voller Geheimgänge, verschwindender Leute, und aus dem Nichts auftauchende Klauen verbringen, ist das vielleicht gar nicht mal so schwer.

The Cat and the Canary ist ein wirklich interessanter Film. Anscheinend basiert er eh auf einem Bühnenstück, welches keine Horrorelemente hatte, sondern eine schwarze Komödie ist. Und das merkt man doch stark. Denn die Geschehnisse und die Verwandten sind teilweise schon etwas strange, die Manierismen hin und wieder komödiantisch. Das Ding ist tatsächlich eine trocken Komödie über eine Familie von Erbschleichern. Da sollte es dann auch nicht überraschen, dass dieser Eintrag in die Universal Monsters strickt genommen nicht wirklich ein Monster beinhaltet, sondern alle übernatürlichen Ereignisse tatsächlich nur inszeniert sind, um Annabelle in den Wahnsinn zu treiben, oder zumindest sie so wirken zu lassen. Es ist also mehr ein schwarzhumoriger Krimi denn ein Horrorfilm. Als solches aber doch recht unterhaltsam.

Interessant ist aber vor allem auch die Optik von The Cat and the Canary. Wohl weil als Regisseur der deutsche Expressionist Paul Leni hier sein US-Debüt gibt – drei weitere Filme fürs Universal Studio sollten folgen. Der Mann weiß, wie man die Atmosphäre des Gemäuers nutzen kann, mit den vielen Winkeln, Bögen, Schatten und altmodischer Möblierung, und so haben wir einige Wide Angle Shots, in denen die Charakere regelrecht verloren wirken. Dazu einige Kamerafahrten, die in den Gängen wehenden Vorhänge, sowie verschiedene Perspektiven-Ebenen, und schon ist das für einen Stummfilm eine überraschend dynamische Optik, statt immer nur die starren Kamerawinkel vieler Vorgänger zu bieten. Selbst die Texttafeln offerieren manchmal Effekte.

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Les Vampires

ava-1605Wisst ihr was es bereits 1915 schon gab, noch bevor Filme selbst Farbe oder Ton kannten? Als abendfüllende Länge noch selten und neu war? Als der Soundtrack noch mit einem Orchester im Kinosaal aufgeführt werden musste? Snobistische Filmkritiker, die bereits damals verurteilten, wenn etwas auf einem niedrigen Budget gedreht war, nicht künstlerisch genug rüber kam, dem Medium keine innovative neue Richtung gab. Und ganze Subgenre für als nicht betrachtenswert hielten, wie beispielsweise das Crime Serial. Denn all dies trifft auf das zum Kultklassiker avancierten Les Vampires zu, welches damals ziemlich verrissen wurde, und das mit 400 Minuten beträchtliche Länge aufweist. Dann wiederum befinden wir uns hier in der Zeit vor der Erfindung des Fernsehens, viele der längsten Filme aller Zeiten sind damals natürlich nicht komplett aufgeführt worden, sondern in ihre einzelnen Kapitel unterteilt wie eben heutzutage eine TV-Serie produziert worden. Les Vampires bietet da schon beispielsweise wesentlich verdaulichere 10 Brocken von 15 bis 60 Minuten an.

Und ja, es ist eine Crime Serial. Trotz des Namens „Die Vampire“ und Folgentiteln wie „Der abgetrennte Kopf“, „Der Ring, der tötet“, „Satanas“ oder „Die schreckliche Hochzeit“ handelt es sich hier nicht um Horrorfilme. Und ich dachte mir endlich einen weiteren Eintrag in mein Early Horror Cinema zu haben, das ich weiterzuführen vergessen habe, gerade jetzt, wo die Universal Monster ihren eigenen Titel haben.

Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Verbrechenorganisation, die sich nur „Die Vampire“ nennt, um die Allgemeinbevölkerung einzuschüchtern, sich diversen Tricks bemüht, um sich eine übernatürliche Aura zu geben, und komplett in schwarzem Spandex durch die Nacht kreucht. Unsere dramatis personae währen da Philipe Guerande, ein Reporter, der auf den Spuren der Vampire ist; der trottelige Mazamette, der in den ersten Folgen bei den Vampiren ist, dann aber überläuft und sie zu fassen hilft; der Obervampir Satanas und sein Nachfolger Venoumous; die mysteriöse Irma Vep, die ab Folge 3 zum Aushängeschild der Vampire wird (gespielt von einem damaligen Stummfilmstar); und Moreno, der dazu da ist, die Sache zu verkomplizieren, weil er ebenfalls ein Verbrecher ist, aber nicht mit den Vampiren zusammenarbeitet.

In 400 Minuten gibt es natürlich wesentlich mehr Rollen, aber dies sind wirklich die wenigen Hauptakteure, und das ist selbst bei den Obervampiren etwas fraglich, weil wir über die zehn Folgen gleich drei Kerle geboten bekommen, die dort häufig im Hintergrund bleiben. Ansonsten, joa, ist eine ziemlich übliche Crime-Story eigentlich. Es wird spioniert, intregiert, Totgeglaubte kommen zurück, Fallen werden gestellt und fliegen auf, Leute werden gefasst oder entführt und entkommen wieder, das Übliche halt. Und das alles in einem bedächtig kleinen Paris, in dem sich ein halbes Dutzend Charaktere permanent zufällig über den Weg laufen (und wo jeder eine Knarre in der Schublade zu haben scheint). Genau genommen haben viele der Folgen sogar einen bestechen ähnlichen Ablauf: Die Vampire haben einen neuen Plan, wie sie an Wertsachen kommen bzw. später ihren Erzfeind Guerande stummzustellen sich erhoffen; Guerande oder später auch Mazzamette stolpern über jene Pläne und versuchen die Vampire im Gegenzug in eine Falle zu locken; und dann wird entweder einer der Vampire gefasst oder einer der Guten, nur um dann doch noch rechtzeitig zum Folgenende von den Mitstreitern wieder rausgeboxt zu werden; bzw. für ein paar Folgen haut Moreno beide Parteien übers Ohr, in dem er den Vampiren ihre Beute unter der Nase weg schnappt.

Die Sache mit Les Vampires ist einfach jene, dass das Ding natürlich sicherlich nicht satte 400 Minuten gehen hätte müssen, sondern die Hälfte der Spielzeit wenn nicht weniger es auch gut getan hätte. Zumal angeblich viele Szenen (halb) am Set improvisiert sind, es für mehrere Drehs nur eine generelle Outline der Geschehnisse gab, und viele Dialoge der Texttafeln dann erst nachträglich drauf passend geschrieben wurden – was ich durchaus glaube, da es sich nämlich zeigt, denn viele Szenen gehen wesentlich länger, als nötig wäre, haben überraschend knappe Texte zu all dem Gefuchtel zu bieten, so dass Teile der Folgen tatsächlich improvisiert und verwässert wirken. Immerhin ist es natürlich in kleinen Brocken genießbar, da es in 10 Parts unterteil daher kommt, doch ich glaub ein Großteil des Novums ist wirklich einfach nur das Alter. Schaut mal wie posierlich die Stummfilmzeit der frühen Filmära doch war. Und stumm und monochrom dichtet man Vielem natürlich auch gleich mehr Klasse an. Ist aber eben doch tatsächlich so, dass Les Vampires heutzutage gesehen ganz putzig ist, aber nicht wahnsinnig viel hergibt, da doch zu lang, die Handlung zu Standard, und es weder wirklich filmhistorisch wichtig wäre, noch artistisch interessant ist, wie das ein Dr. Caligari ist. Da hatten die Kritiker doch ein wenig Recht, auch wenn eher rückwirkend, denn für ein Publikum in 1915/1916 war Les Vampires sicherlich wesentlich unterhaltsamer. Nicht jeder Film muss wirklich etwas herausragend besondres sein, aber dann gibt es eben auch eher weniger Grund, das Ding hundert Jahre später noch unbedingt sehen zu müssen.

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Universal Monsters – Phantom of the Opera

ava-1588Zwei Jahre nach der Adaption von Victor Hugos The Hunchback of Notre Dame brachte Universal also mit der von Gaston Leroux‘ The Phantom of the Opera ihr nächstes Epos auf die Leinwand der Stummfilm-Kinos. Übrigens diesmal die erste Version des fünfzehn Jahre früher erschienenen Romans.

Und überraschend hurtig geht es in dieser hier zur Sache, dafür das der Film immerhin auch seine 105 Minuten geht. Nein, innerhalb der ersten 10 Minuten hat das Pariser Opernhaus seine Besitzer gewechselt, ist uns gesagt worden das Christine und Raoul verliebt sind, das Christine einen mysteriösen Gönner und Musiklehrer hat, ist Christine von der Ballerina zur Vertretung des Stars Carlotta geworden, und hat Carlotta vom Phantom den Drohbrief bekommen das sie besser Christine in der nächsten Faust-Aufführung singen lassen soll.

Der Rest geht natürlich seines gewohnten Weges: Das Phantom will Christine für sich. Christine bricht mit Raoul. Christine entdeckt die Entstellung des Phantoms. Christine und Raoul versuchen zu fliehen. Das Phantom wird rasend und willig selbst die Pariser Oper zu zerstören. Mit verbleibenden 90 Minuten lässt sich natürlich dieses Beziehungsdreieck ausreichen beleuchten, und wirklich langweilig wird es tatsächlich nicht, auch wenn ich mich mehrmals im Film gefragt habe, was denn in all den verbleibenden Minuten noch geschehen soll.

Das Phantom wird übrigens trotz 1925 erneut nicht als absolutes Monster dargestellt. Sondern eben als entstellter Mensch, dessen Einsamkeit das musikalische Genie in den Wahnsinn getrieben hat, und der in seiner Obsession über Christine sich einredet, er könne erlöst werden solange sie ihn nur zurück liebt. Wobei seine Hintergrundgeschichte hier zumindest doch ist, dass er wohl schon vorher wahnsinnig war und als Erwachsener in die Katakomben der Oper flüchtete, um zum dort herrschenden Phantom zu werden. Ich persönlich kenne natürlich nur die Webber-Version des von einer Gouvernante hierhin geretteten Jünglings, was nicht zwangsläufig dem Buch entsprechen muss (Wikipedia sagt mir, dass beide Versionen nicht die Hintergrundgeschichte des Romans wiederspiegeln).

Interessant in den Charakteren dieser Version ist allerdings Christine. Natürlich ist es für unsere heutige PR-getrimmte Mentalität etwas seltsam, wie sehr sie das Phantom anhimmelt, solange sie nur seine Stimme kennt, nur um sofort absolut abgestoßen zu sein, sobald sie von seiner Entstellung erfährt. Zumal er ihr eh davon abgeraten hat ihn zu demaskieren, und ihr auch später durchaus ein Out aus der erzwungenen Liebe gewähren will, solange sie nur auch Raoul aufgeben will. Und am Ende, wenn das Phantom ihr die Wahl lässt zwischen den zwei Knöpfen, von dem einer Raoul rettet aber ihr Ehe-Einverständnis bedeutet, der andere die ganze Oper über ihnen in die Luft sprengt, muss sie doch tatsächlich überlegen! Na die Liebe zu Raoul kann ja dann doch nicht so groß sein, wenn sie ihn beinahe draufgehen lässt, und die halbe Pariser Oberschicht mitzunehmen bereit ist. Ich mein, auf der Seite des Phantoms ist man immer noch nicht, denn im Gegensatz zum Hunchback ist der Außenseiter hier ja tatsächlich ein Irrer, der nur solange harmlos bleibt, wie er allen seinen absoluten Willen aufzwingen kann, aber die reinste Person ist Christine auch nicht.

Was mich am Film mal wieder besonders Beeindruckt hat, ist übrigens das Bühnenbild. Sicherlich, die monochrome Art dieser Filme verdeckt billig aussehende Dinge häufig ziemlich gut, macht so einen Pappaufsteller gleich wesentlich präsenter aussehend, aber der Hunchback und nun auch das Phantom haben schon was kosten müssen, mit den vielen auch großen Szenerien und Statisten. Und was ein tolles Spiel mit Licht und Schatten, gerade in den Katakomben, getrieben wird. Das lässt ihn doch erstaunlich episch rüber kommen.

Also tatsächlich immer noch eine sehr schauenswerte Version des Stoffes, definitiv interessanter als die Schuhmacher-Version, minus der guten Musik aus dem Musical. Und da die geradlinigere Geschichte holpert diese Adaption auch nicht so sehr wie die vorige zum Hunchback.

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Universal Monsters – Hunchback of Notre Dame

ava-1561Interessant an vielen der Universal „Monsters“ ist, dass sie eigentlich im Original nicht sonderlich monströs sind. Sowohl Frankensteins Adam wie das Phantom der Oper wollen geliebt werden und nur durch die unfaire Misshandlung der Außenwelt wurden sie zu den Monstern, die jene aus ihnen machten. The Hunchback of Notre-Dame basiert auf einem Roman von Victor Hugo, was bedeutet das das Ding unglaublich lang, unglaublich weitschweifend und mit einer halben Hundertschaft von unterliegenden, sozialkritischen Themen bestückt ist. Wie Les Miserables geht es dort auch mehr um einen Ensemble Cast denn hauptsächlich den Buckligen (der Originaltitel ist schlicht Notre-Dame de Paris, sprich es geht um die Kathedrale und das Leben in und um ihr). Und eines der Themen ist eben, dass man das Buch nicht nach dem Einband bewerten soll. Zigeunerin Esmeralda ist eben keine fiese, stehlende, Flüche sprechende Person. Frolo als Priester alles andere als rechtschaffen. Und der Bucklige eben kein Monster, sondern lediglich ein mit einer körperlichen Benachteiligung geborener Mensch.

Ist auch eine recht beliebte Geschichte, die 1923er-Version ist bereits der fünfte Film im frischen Medium, der das Buch adaptiert – und interessanterweise erst der zweite, der den Glöckner als Titel wählt, die vor ihm beziehen sich im Titel meist auf Esmeralda, wie es auch schon die vier Theaterstücke häufig taten. Hiernach allerdings ist jener durchgehend das Poster Child der Geschichte.

Es ist dann auch tatsächlich so, dass der Film dem Glöckner zwar eine der wichtigeren Rollen zugesteht, aber definitiv nur als eine Figur unter vielen hat. Ja zu Beginn des Filmes werden fast im Schnelldurchlauf so viele Charaktere mit Textafel-Namen vorgestellt, dass man fast schon wieder die Übersicht verlieren könnte. Teilweise welche, die zumindest hier im Film dann doch nur kurze Nebenrollen waren. Wie die „Königin der Zigeuner“, bei der ich nicht weiß, wo der Titel her kommt, da sie eine ehemalige Aristokratin ist, deren Tochter von Zigeunern geklaut wurde, woraufhin sie wahnsinnig wurde, und nun einen Hass auf Zigeuner hat. Besagte Tochter ist Esmeralda, allerdings stirbt ihre Mutter so ziemlich in der zweiten Szene, die sie hat, ohne das außer ihr je jemand die Wahrheit herausfindet, weswegen es etwas seltsam ist, dass ihr Charakter es überhaupt in diese Version geschafft hat.

Unsere Hauptakteure sind definitiv Esmeralda und Phoebus. Nein wirklich, ihre Liebesgeschichte ist quasi das Herzstück der Fabel und ganz Les Miserables gehören sie auch zu den wenigen Charakteren, die am Ende überhaupt überleben. Dabei ist Phoebus zunächst ein schleimiger Schwerenöter, der alles flach legt, was sich flach legen lässt. Erst die Interaktion mit Esmeralda führt ihn auf den richtigen Weg der monogamen Beziehung.

Übrigens traut sich auch dieser Film nicht, den Priester Frollo zum Antagonisten zu ernennen, sondern lässt diese Rolle von seinem weltlichen Bruder übernehmen, der Esmeralda für sich gewinnen will. Zuerst setzt er Quasimodo darauf an, sie zu entführen, was Phoebes verhindert und Quasimodo zur Strafe auspeitschen lässt, woraufhin Esmeralda ihn dann rettet. Später geht er dann dazu über, Phoebes zu erstechen und Esmeralda dafür büßen zu lassen, damit sie sich nur an ihn wenden kann, die stattdessen vor dem Todesurteil allerdings nach Notre Dame flieht, wo ihr Zuflucht gewährt wird. Und im Finale, wenn die Zigeneuer und Diebe den Aufstand proben und Notre Dame unter Beschuss nehmen, so dass Quasimodo mit den Abwehrarbeiten beschäftigt ist, wählt er den Tumult, um einen Vergewaltigungsversuch zu starten, nur um doch noch aufgehalten zu werden – Quasimodo darf den Bösewicht in der hiesigen Version tatsächlich von der Kathedrale werfen.

Ein weiterer halbwegs wichtiger Charakter ist der „König der Diebe“, der Esmeralda den Zigeunern abgekauft und als Tochter großgezogen hat, und der die herrschende Aristokratie mal so gar nicht leiden kann. So wirklich nicht. Wenn Phoebes Esmeralda mit auf einen Ball nimmt – witzigerweise auf einen, den die Tante seiner Fast-Verlobten zu Ehren seiner Beförderung gibt, und der Schmuck taucht doch tatsächlich mit einer anderen dort auf -, kommt der mit seiner ganzen Bande an Obdachlosen und Kriminellen um die Ecke, und crasht die Party, um Esmeralda wieder zu ihnen zu nehmen. Und nachdem er erfährt, dass Esmeralda in Notre Dame ist, stürmen sie erneut los, um sich umbringen zu lassen. Was ich auch nicht ganz gecheckt habe, weil sie ja nur dort Asyl vor dem Todesurteil hat und die Kathedrale recht wenig mit der weltlichen Herrscherklasse der Stadt zu tun hat. Dann wiederum sind sie Pariser – die starten eine Revolte, wenn ihr Baguette etwas zu kross ist. Muss wohl ein Überbleibsel aus dem Buch sein, wo der Priester der Bösewicht ist.

Ein paar Ungereimtheiten und zu schneller Wechsel zwischen Charakteren und Schauplätzen zu Beginn mal außen vor gelassen, macht The Hunchback of Notre-Dame allerdings doch eine recht gute Figur, die übliche Altersschwäche der Stummfilmzeit geflissentlich erwartend. Der Film hat viel zu bieten, wie gesagt manchmal fast etwas zu viel einweben wollend, Quasimodo wird nicht dämonisiert, der Vorwurf an die selbstgefälligen Reichen und Mächtigen bleibt bestehen. Für 1923 definitiv ein großer und ambitionierter Film.

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Universal Monsters – Dr. Jekyll & Mr. Hyde

ava-1549Ah, die Univeral Monsters, als klassisch trashige Hochburg des Horrors zusammen mit dem Hammer Horror zwischen den 30er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt. Doch genau genommen haben die schon in den 20ern mit jenen Filmen begonnen, auch wenn die allseits bekannten Filme tatsächlich wohl erst 1931 und später mit Dracula, Frankenstein und Co. begannen. Allerdings springe ich sogar noch ein wenig früher, denn der gute bipolare Doktor Jekyll Hyde hat seinen ersten Film bereits 1913 bekommen, als Universal noch nicht mal Universal hieß, sondern IMP. Jedoch ist er eines ihrer „Monsters“ und deswegen macht der hier den Anfang.

Ich muss dabei eingestehen, dass ich herzlich wenig Ahnung vom Kerl habe. Ich kenne weder die Geschichte von 1886, noch irgendeine filmische Inkarnation. Mein Wissen um jenen Charakter beschränkt sich also komplett darauf, dass aus irgendeinem Grund, wahrscheinlich ein wissenschaftliches Experiment, allerdings ist der Teil von mir bereits geraten, aus dem gutmütig-netten Doktor Jekyll der brutale Schurke Hyde wird. Eine gespaltene Persönlichkeit sozusagen, deren beide Seiten auf entgegengesetzten Schienen von Lawful Good und Chaotic Evil fallen.

Und die Sache ist die, dass der Film mir da leider auch nicht mehr Wissen beschaffen konnte. Wir sprechen hier eben von einem Film aus 1913, der somit bereits über hundert Jahre alt ist. Das ist nicht nur die Zeit vor der Farbe, nicht nur die Zeit vor dem Ton (die Public-Domain-Version, die ich geschaut habe, hatte nicht mal nachträglich einen Score eingefügt bekommen), sondern schlichtweg auch vor den Zeiten, als der kontroverse Erfolg Birth of a Nation die Feature Length erfand. In 1913 waren Filmen fast noch ein Novum, ein neuer Trend zur Beschaulustigung, und in der Regel zwischen 10 und 20 Minuten lang. Dr. Jekyll and Mr. Hyde ist also nach 26 Minuten bereits rum (wodurch er 15 Minuten an der eigentlichen Definition von Feature Length vorbei schrammt, aber heutzutage meinen wir damit eigentlich Filme von mindestens 70 Minuten).

Zur damaligen Zeit gab es viele Konventionen und Regeln des Filmemachens eben noch nicht, weil man jene erst herausfinden musste. Zumal es natürlich auch ein großer Unterschied ist, einen heutigen Blockbuster zu machen, im Vergleich zu einem Stummfilm von weniger als einer halben Stunde. Jene Filme funktionieren nun mal anders, weil die technischen Möglichkeiten damals ganz anders waren, weil sie nur mit dem gelegentlichen Einsatz von Texttafeln mit uns „sprechen“ können, alles andere muss im überdramatisierten Stummspiel rüber gebracht werden. Die Regel „show, don’t tell“ gab es damals sicherlich auch noch nicht, denn kurioserweise tut Dr. Jekyll and Mr. Hyde weder zeigen noch erzählen. Das ist mein ernst, die Texttafeln sind so selten eingeworfen, dass man sie such gleich hätte lassen können, zumal sie nie wirklich was erklären oder eine „Sprechblase“ darstellen, sondern meist nur beschreiben, was in der nächsten Szene eh passiert. Durch jene wissen wir immerhin, was die Charaktere gerade machen, jedoch nie warum.

Ich war ehrlich gesagt deswegen etwas verloren, was den Ablauf des Filmes angeht. Dr. Jekyll nimmt also diese schwarze Tinktur, um nachts zum animalischen Mr. Hyde zu werden. Dessen spastische Primatenbewegungen hat mich zunächst fast daran denken lassen, dass jener schlichtweg mental benachteiligt ist, jedoch scheint er sich notfalls sehr wohl den anderen Menschen gegenüber fein säuberlich artikulieren zu können. Und warum nimmt der gute Doktor überhaupt jene Tinktur? Auf einer Texttafel fällt dann tatsächlich mal, dass er ein „wissenschaftlicher Märtyrer“ ist – ich nehme also mal an, wenn man schon ein Mittel erfindet, welches einen in einen bösartigen Wilden verwandelt, dann ist man auch dazu verpflichtet des Wissendurstes wegen sie anzuwenden. Aber warum wiederholt? Warum so etwas überhaupt erfinden? Oder kommt die woanders her? Warum nimmt Hyde, der doch anscheinend Spaß an seiner Bösartigkeit hat, dass Gegenmittel, wenn er doch weiß, dass es ihn in den braven Doktor zurück verwandelt? Warum gerät die Wandlung zu Hyde außer Kontrolle, so dass dies auch ohne Trunk geschieht? Warum stirbt er, wenn ihm das Gegenmittel ausgeht – sollte er nicht einfach nur dauerhaft Hyde bleiben?

Ich kenne die Ausgangsgeschichte nicht, der Film erklärte mir auch nichts, deswegen war ich die meiste Zeit über mehr damit beschäftigt, ständig „Warum?“ zu denken. Was schade ist, denn man kann Geschichten auch komplett visuell rüberbringen, und für komplexere Konstrukte gibt es eben jene Texttafeln. So richtig nutzen tut Dr. Jekyll and Mr. Hyde aber beides nicht.

universal1913