Shark Week – Jaws

ava-1528Fuck yeah! Oh, so viele Haifilmchen gibt es mittlerweile, dass man sicherlich gut ein „Shark Movie a Day“-Blog eröffnen könnte, ohne Not zu laufen, in den kommenden Jahren kein Material mehr zu haben. Ein ganz gewisser letztjähriger Film, der am vierten Tag drankommen wird, hat mich dazu verleitet, da ich ihn nicht zeitig geschaut habe, wenn schon verspätet doch gleich eine ganze Woche draus zu machen. Und wie kann man eine Shark Week schon lostreten, wenn nicht mit dem absoluten Klassiker von Stephen Spielberg schlechthin? Der Film, der ihn berühmt gemacht hat. Der Film, der den Prototyp zum Summer-Blockbuster darstellt. Der Film, der nachdem er wegen Produktionsproblemen fast gecancelt wurde, den höchsten Gewinn eines Kinofilmes aller Zeiten einspielte, bevor er von Star Wars – ein weiterer Film, von dessen Popularität zunächst nicht jeder überzeugt war – übertrumpft wurde.

Handlung sollte ja bekannt sein, oder? Selbst wenn man den Film nie gesehen hat, weiß man ja so im Groben die Gangart, besonders wenn man einen anderen Killer-Wasserbewohner-Film in den letzten Jahrzehnten sich angeschaut hat, da die sich alle schön brav nach dem Väterchen richten. Wir haben eine Kleinstadt, die am Meer liegt, und deren Existenz stark an die Sommertouristen geknüpft ist. Deputy Brody, der ein Außenseiter der Gepflogenheiten und Mentalitäten des Städtchens ist, weil er erst vor einem Jahr aus New York her kam, um den Job des Polizisten zu übernehmen. Ein oder zwei Menschen kommen um, die Obrigkeit will sich das Geschäft nicht versauen und schiebt deswegen die Möglichkeit des Haiangriffes von sich, bis das Vieh dann wirklich mit eigenen Augen gesehen wird, und dann heißt es Mensch vs. Ungetüm im Finale.

Der Film ist und bleibt dabei zu Recht ein Klassiker, denn Spielberg beweist hier schon ein gutes Händchen. Und vor allem ein Händchen für Charaktermomente. Die Einwohner der Kleinstadt mit ihren schrägen Angewohnheiten, die Alltagsgespräche und -problemchen, mit denen sie zu Brody kommen… die Charaktere in Jaws sind kein Fischfutter, sondern wirklich realistisch agierende Menschen, die auch wie normale Leute sprechen. Das macht die Lokalität lebendig, statt eben nur zum Ziel eines Haiangriffes. Und auch die Hauptcharaktere viel sympathischer, als das solche Filme normalerweise für nötig halten, da sie so Gespräche führen wie den späteren Schwanzvergleich in Form wer die coolste Narbe hat, oder Bodys Angst vorm Wasser. Allgemein eine super Idee, gleich drei von der Persönlichkeit aneinander reibender Männer am Ende auf dem Boot zu haben, um den Hai erlegen zu wollen, statt Brody als einzigen Alleskönner mit unnützer Entourage.

Allerdings ist der Film dennoch gealtert, man merkt ihm seine 40 Jahre an. Teilweise ist das nicht die Schuld von Jaws an sich, sondern all den Copycats, die anschließend kamen. Es ist wie den Proto-Slasher Halloween zu schauen, nachdem man die drölfzigionen Slasher der 80er und 90er geschaut hat: Das Original wirkt etwas Barebones und vorhersehbar, weil es so oft geklont war, und was in den 70ern frisch war nun nicht mehr ist. Und wie viele Filme der 70er-Jahre ist er etwas überlang. Ich mochte die zweite Hälfte mit den drei Kerlen auf dem Boot, die den Hai jagen, sehr – aber die erste Stunde hätte für mich gerne um 20 Minuten gekürzt sein können. Ich habe wie gesagt nichts gegen die Charaktermomente des Filmes, noch etwas dagegen, dass der Hai in der ersten Hälfte so gut wie nicht zu sehen ist (das gibt ihm, zusammen mit der Stalker-Erkennungsmelodie, tatsächlich ein wenig was von einem Slasher – und ist komplett aus der Not entstanden, da der mechanische Hai einen Großteil des Filmshoots über kaputt war), nur ein wenig flotter hätte es für mich schon gehen können.

Längen jedoch beiseite gelassen, Jaws ist immer noch ziemlich sehenswert ein Film.

jaws

Not Kubrick Wednesday – A.I.

Es ist die Zukunft, die Erdbevölkerung ist geschrumpft und künstliche Intelligenz ist das neue In-Thing, weil die einmal gebaut werden und dann bei guter Pflege quasi nix mehr kosten. Und nun haben die Wissenschaftler eine neue Wahnsinnsidee: Künstliche Kinder, Mechas die wirklich fühlen und lieben können, ideal für die vielen Paare, die nicht die Erlaubnis bekommen, echte Kinder haben zu dürfen.

Natürlich muss da erst Mal ein Testlauf her, bei einem Angestellten soll der erste „David“ eingesetzt werden. Und der passende ist schnell gefunden, hat doch einer einen eigenen Jungen, der im Koma liegt und nie wieder aufwachen wird, der ideale Einsatzort, für das erste Mecha-Kind. Das Paar muss sich natürlich der Verantwortung bewusst sein, sobald so ein Mecha-Kind erst Mal auf jemanden geprägt ist, kann es nie wieder jemand anderen lieben, will man es los werden, muss es, da es für den weiteren Einsatz unbrauchbar ist, der Fabrik zurückgegen werden, damit sie es verschrotten können.

Doch nach einer Eingewöhnungsphase läuft das Leben der etwas anderen Kleinfamilie eigentlich ganz rund. Bis das Unglaubliche geschieht: Ihr leiblicher Sohn erwacht. Selbstverständlich schmeißen sie David nicht gleich raus, doch die beiden Söhne kabbeln sich natürlich jetzt um die elterliche Liebe und nach ein paar Zwischenfällen ist für sie klar, dass David zu sehr zur Gefahr geworden ist. Doch einfach der Verschrottung anheimgeben können sie ihn auch nicht, sondern setzen ihn mit guten Ratschlägen im Wald aus. Von nun hat der mit dem Pinocchio-Märchen aufgewachsene Mecha-Junge nur noch ein Ziel: Die blaue Fee finden, damit sie aus ihm einen richtigen Jungen macht, auf dass die Mama ihn wieder liebhaben kann.

A.I. – Artificial Intelligence ist ein Projekt, das Stanley Kubrick lange umsetzen wollte, aber auch ewig in Developement Hell verblieb. Mitte der Neunziger wollte er es dann an Stephen Spielberg übergeben, der dann aber doch Kubrick davon überzeugte, am Ball zu bleiben. Beide machten letztendlich zunächst andere Filme, Kubrick widmete sich Eyes Wide Shut und verstarb, was Spielberg dann zum Anlass nahm, dass Projekt doch zum Seinigen zu machen und den Film in die Kinos zu bringen.

Und man sieht irgendwo, wo Kubrick aufhört und Spielberg anfängt. Die beiden machen recht unterschiedliche Filme. Kubrick ist ein Zyniker, macht unterkühlte bis inhumane Filme mit fiesen Enden. Spielberg ist der Positive, macht Familienfilme mit Happy Ends. A.I. ist irgendwo dazwischen. Die Geschichte um den Mecha-Jungen, der nicht anders kann, als zu lieben. Die „bedingungslose Liebe“ zwischen Eltern und Kind als etwas Programmiertes. Eine lange Reise, um endlich zu gefallen, die Liebe wiederzuerlangen. Der Film ist häufig zugleich rührend wie fatalistisch. Der Anfang mit David in seiner neuen Familie ist süß, aber durchzogen von Szenen, die ihn auch in einem leicht unheimlichen Licht darstellen. Das Festival of Flesh, in dem David landet, nachdem er ausgesetzt wird, und wo entlaufene Roboter von Menschen hingerichtet werden, ist doch sehr Kubrick. Und noch viel mehr ist es das „erste Ende“.

A.I. hat da so gesehen nämlich zwei von. Zuerst typisch Kubrick. David kommt endlich in New York an und muss herausfinden, dass das ganze Locken mit dem Märchen um die Blaue Fee nur dazu da war, ihn zu seinen Schöpfern zurückzubringen. Das Ziel, dem er gefolgt ist, gibt es nicht, sein Traum kann nicht erfüllt werden. Ja, er ist noch nicht mal einmalig, die Massenproduktion von Davids hat praktisch schon begonnen. In Raserei zerstört er einen anderen David, wankt verloren zwischen halb fertiggestellten weiteren. Und lässt sich dann einfach in die Tiefen der überfluteten Stadt fallen, wo er in einem Vergnügungspark ausgerechnet die Statue einer blauen Fee sieht. Und dort verbringt er einfach auf alle Ewigkeit ruhig stehend und darum bittend, dass sie ihn doch zu einem richtigen Jungen machen möge, damit Mami ihn wieder lieben kann. Hier hätte Kubrick geendet. Fies und tieftraurig.

Doch dann, für die letzte halbe Stunde, wird aus A.I. ein absoluter Spielberg. Aliens tauchen auf, entdecken David und schenken ihm seine frisch geklonte Mami wieder. Das wirkt etwas unnötig und aufgesetzt und mag nicht so recht zum restlichen Film passen. Sicher, eigentlich ist auch dies ein trauriges Ende. Es lebt kein Mensch mehr, 2000 Jahre sind vergangen. Und David hat nur einen einzigen Tag mit seiner neuen Mutter, bevor sie erneut und unwiderruflich stirbt. Aber es ist doch sehr Spielbergs Art ein Nicht-Happy-End zu machen, nämlich die nettere.

Das nimmt einem vielleicht nicht grandiosen, aber doch sehr guten Film doch aufs Finale noch ein wenig etwas. Aber dankenswerterweise nur ein wenig. Über jeden logischen Aspekt der Erzählung sollte man auch nicht unbedingt nachdenken (warum beispielsweise würde man die Mecha so programmieren, dass sie sich nur einmal prägen lassen), aber hier geht es eh nicht so um harte SciFi-Fakten und mehr um die emotionale Seite, dass „menschliche“ Drama. A.I. ist eher ein Märchen, die SciFi-Variante von Pinocchio.