GitS Week – Solid State Society

Stand Alone Complex geschieht scheinbar im 2-Jahres-Rhythmus, denn erneut dauerte es genauso lange nach der Ausstrahlung der zweiten Staffel 2nd GIG, bis die dritte Inkarnation über die japanischen Bildschirme flimmerte. Während die beiden vorigen allerdings 26-teilige Staffeln waren, von denen lediglich alternativ eine Filmvariante existiert, so wurde Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society gleich als solcher von nicht ganz 2 Stunden Laufzeit realisiert.

Interessant ist hier übrigens erneut die Parallele zu Innocence. Denn auch bei Solid State Society ist Major Kusanagi zu Beginn MIA. Nur statt das sich hier Section 9 auch ohne sie weiterdreht… nun ja, weiter geht deren Arbeit schon, allerdings erinnern uns die Charaktere beständig daran, wie wichtig sie doch war, und das sie hoffentlich bald zurück kommt. Während wir reichlich Szenen sehen, die uns zeigen, was sie währenddessen macht. Im SAC-Universum ist sie schon eindeutig das Zentrum, im Oshii-Universum ein schon fast austauschbares Zahnrad.

Togusa ist hier derjenige, der die Teamleitung übernimmt, während Batou dies abgelehnt hat, und stattdessen lieber seiner BFF Kusanagi hinterher trauert. Die aktuelle Investigation dreht sich um die plötzlichen Suizide mehrerer Mitglieder einer gewissen Republik, inklusive deren Diktator. Scheinbar steckt ein gewisser Puppenspieler dahinter, hat sie in den Selbstmord getrieben, und kidnappt Kinder, um sie anschließend mit einem Virus zu infizieren. Und da Kusanagi in wechselnden Körpern hinter den Szenen herum hüpft, fällt der Verdacht ob der wahren Identität des Pupeteers auf sie.

Es stellt sich sogar raus, dass es eine Diskrepanz ganzer 20.000 Kinder gibt, die verschwunden sind, und alle Noble Rots zugeteilt wurden. Das sind Alte, die wegen der Probleme der Überalterung der Gesellschaft und Wegfallen der sich um sie kümmern könnenden Familien an medizinische Geräte angeschlossen wurden, die sich selbstständig um sie kümmern sollten, an die sie jedoch nun gefesselt sind. Und im Cyberspace dieser verbundenen Maschinen hat sich die Solid State Society gegründet, welche die Kinder aus schlechten Familienverhältnissen herausbringen will.

Sich mit denen anzulegen führt dazu, dass selbst die Familie von Togusa in Gefahr gerät, so dass Kusanagi doch eingreifen und zur Section 9 zurückkehren muss, um den wahren Kopf hinter dem Pupeteer und der Solid State Society zu konfrontieren.

An die etwas anderen Vibes von Solid State Society gegenüber der TV-Serie muss man sich schon irgendwie gewöhnen. Wobei ja auch dort zwischen der ersten Staffel und 2nd GIG ein gewisser Bruch war. Schon alleine optisch ist in Solid State Society alles ziemlich ausgewaschen und grau, sowie das Charakterdesign etwas realistischer designt. Auch so bleibt wenig Zeit für humorige Einlagen oder schneidige Sprüche, und auch Action gibt es nur vereinzelt kurz explodierend. Die meiste Zeit des Filmes wird geredet. Über die Investigation und deren diverse Sackgassen, über die Probleme der japanischen Gesellschaft, über politische Motivationen, über das Zentrum des Universums Kusanagi. Weniger Philosophieren über das Thema Mensch vs. Maschine wie sonst in Ghost in the Shell, und mehr Gerede über moralische Zwickmühlen in der menschlichen Gesellschaft an sich.

Ich gehe mal davon aus, dass dies zwangsläufig so sein muss, da man diesmal ja nur knapp 2 Stunden Zeit hat, um die Handlung erzählt zu bekommen, statt das dies auf 26 Folgen gestreckt ist und dementsprechend genug Lücken zum Füllen offen sind. Vielleicht sind die Filmversionen der ersten beiden Staffel auch vergleichsweise trocken zu deren Serienform. Solid State Society ist dabei, obwohl die Beschreibung dies eventuell zunächst so klingen lässt, vom Vibe her nicht wie die Oshii-Filme. Dafür fehlt es zu sehr an den philosophischen Anspielungen und dem schlauen Zitate-Bingo. Außerdem nicht einen Gastauftritt eines Corgi oder Basset.

Dadurch haben wir es hier im Prinzip mit dem am wenigsten anstrengenden und stringentesten Fall von Section 9 zu tun. Es bleibt nicht die Zeit alles stark zu verkomplizieren wie in der TV-Serie, aber die üblichen luftigen Oshii-Ambitionen bremsen ihn auch nicht aus. Stattdessen haben wir eine bodenständige, zügig voranschreitende, und leicht zu folgenden Version von Ghost in the Shell. Ist auch mal was.

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GitS Week – SAC 2nd GIG

Zwei Jahre nachdem Ghost in the Shell: Stand Alone Complex ausgestrahlt wurde und auch zwei Jahre nach dessen Story-Ende angesiedelt, flimmerte 2004 Ghost in the Shell: Stand Alone Complex 2nd GIG über die japanischen Fernsehbildschirme. Währenddessen war übrigens auch Mamoru Oshii, der Regisseur des ersten Filmes, wieder in den Räumlichkeiten von Production IG, um den Nachfolger-Kinofilm zu erschaffen, und gab ein wenig Input in die Storyline der Staffel.

Das bedeutet nicht, dass Stand Alone Complex 2nd GIG plötzlich im Universum der Kino-Franchise angesiedelt ist, oder dass Oshii wirklich stark an der Produktion der Staffel beteiligt war. Aber dennoch ist es so, dass SAC2ndGIG doch stärker als die Vorgänger-Staffel vom Stil her an ihn und seinen Film von 1995 erinnert. Wir haben hier einen stark politischen Plot mit mehreren involvierten Regierungen und Regierungsorganisationen. Die Optik ist unterkühlter und dunkler. Es geht etwas brutaler und blutiger zur Sache. Die Charaktere philosophieren sogar noch mehr als in der ersten Staffel und haben weniger humorige Charakterzüge. Fehlt nur noch ein Corgi oder religiöse Symbolik, und die Sache wäre rund.

2nd GIG macht übrigens damit weiter, die Episoden unter verschiedene Begrifflichkeiten einzuteilen, diesmal gar drei verschiedenen. Den Bulk der Serie machen die Individual und Dividual Episoden aus, dazu kommen noch ein paar wenige Dual Episoden. Da die Handlung diesmal komplexer ist und auch alles eine stärkere Verknüpfung zueinander hat, sind es nur die paar Dual, die komplett losgelöste Einzelfälle behandeln, während sich die Invidiual und Dividual jeweils einer der Haupthandlungsstränge widmen. Aber auch jene beiden Stränge verweben sich miteinander, so dass in 2nd GIG wirklich jede Episode narrativ stärker wirkt, statt das es einen wirklichen Analog zu den Stand Alone Wegwerf-Episoden der ersten Staffel bestünde.

Die Hintergründe zum aktuellen Geschehen bilden dabei die beiden Weltkriege, die in der Vergangenheit der Stand-Alone-Complex-Kontinuität liegen. An deren Ende nahm Japan nämlich einen ganzen Bulk an Flüchtlingen auf, die seit Dekaden in ihrem eigenen Ghetto leben, und keine wirklichen Rechte und Möglichkeiten genießen. Vor jener angespannten Situation tauchen die Individual Eleven auf, eine Gruppe an Terroristen, welche die neue Ministerpräsidentin ermorden und die Flüchtlinge zu einem Aufstand aufwiegeln will. Scheinbar mit Section 9 zur Zusammenarbeit angehalten ist dabei Goda, der von Nachrichtenkabinett stammt, und mit ihnen gegen die Individual Eleven vorgehen soll, allerdings seine ganz eigenen Pläne schmiedet, in denen er die Lage ausnutzen und zuspitzen will. Gleichzeitig taucht Kuze auf, der zunächst zu den Individual Elven gehört, sich später allerdings von deren Ideologie löst, und als charismatischer Führer den Flüchtlingen helfen will. Und um der ganzen Sache eine persönliche Note zu verleihen, hat er auch noch eine Vergangenheit mit Major Kusanagi.

Wer hier übrigens nicht aufpasst, hat ziemlich verloren. In Ghost in the Shell wird ja immer viel geredet und frei von der Leber weg philosophiert, und das ist in 2nd GIG keineswegs plötzlich anders. Nur wenn man hier an der falschen Stelle einer Episode nicht richtig aufgepasst hat, kann man auch echt schnell den Faden verlieren, warum jetzt was genau geschieht und braucht anschließend umso länger, um wieder richtig reinzukommen. Das macht die Serie, die selbst in den Action-Parts und sich immer mehr zuspitzenden Finale erstaunlich ruhig daherkommt, schon eher anstrengend und nichts für die kurzweilige Unterhaltung. Wer hingegen gut am Ball zu bleiben versteht, dem wird hier auch echt was geboten, besonders wenn demjenigen der Stil des Filmes gefälliger war als die erste Staffel Stand Alone Complex.

Von daher hat auch mir 2nd GIG durchaus besser gefallen. Allerdings kann ich auch sehen, warum man ursprünglich in der ersten Staffel eine andere Richtung eingeschlagen hat, die Handlung mit den Einzelepisoden aufgelockert und den Charakteren mehr Menschlichkeit verliehen hat. Denn quasi 26 Episoden im doch sehr dichten und unterkühlten Stil des Filmes sind manchmal etwas anstrengend und trocken. Keine Ahnung, wie die Japaner zur Erstausstrahlung mit einer Woche Lücke zwischen Folgen überhaupt noch klar gekommen sind, ohne sich ausgiebig Notizen zu machen. Ghost in the Shell macht sich glaub ich einfach etwas besser als Film oder Miniserie. Bei einer längeren Staffel wie in Stand Alone Complex läge vielleicht der Mittelweg zwischen der ersten und 2nd GIG ganz gut. Genau wie bei der ersten Staffel gibt es auch hier zwar eine Filmversion, Ghost in the Shell: Stand Alone Complex 2nd GIG – Individual Eleven, jedoch bin ich mir nicht so sicher, ob da nicht diesmal einige Nuancen verlorengegangen sind, um auf eine entsprechende Spielzeit zu kommen.

GitS Week – Stand Alone Complex

Sieben Jahre nach dem ikonischen Film nahm sich Production IG erneut Ghost in the Shell an, diesmal in Form einer TV-Serie. Mamoru Oshii war natürlich nicht mehr mit dabei, seine Rolle übernahm Kenji Kamiyama, der durchaus auch schon mit Production IG und an Werken von Masamune Shirow gearbeitet hatte, beispielsweise an Patlabor und Blood: The Last Vampire. Stand Alone Complex wurde letztendlich seine eigene Kontinuität, die weder im Universum des Filmes noch des Mangas angesiedelt ist, wobei Shirow allerdings weiterhin Script-Ideen beisteuerte und sein Ok unter die Storylines setzte.

Stand Alone Complex hat dabei gleich zwei Besonderheiten. Zunächst einmal wäre da das Ausstrahlungsintervall. Statt die 26 Episoden wöchentlich ins Fernsehen zu bringen, wie das üblich ist, wurde SAC stattdessen auf ein ganzes Jahr gestreckt und nur zwei Folgen pro Monat gesendet. Um etwas den üblichen Zeit- und Budget-Problemen entgegen zu wirken, die viele Anime zwischenzeitlich in der Hetzte, wöchentlich eine Folge abliefern zu müssen, schwächeln lässt. Und dann wäre da der Titel. Stand Alone Complex nennt sich nicht nur so, weil es eine eigene Kontinuität hat, sondern auch weil sich die Serie aus Stand Alone und Complex Episoden zusammensetzt.

Damit ist gemeint, dass die Serie sowohl episodisch als auch nicht ist. Es gibt einen übergeordneten Handlungsstrang in Form der Investigation um den Laughing Man, diese wird allerdings nicht durch die Serie hindurch immer mal wieder aufgeworfen, sondern gezielt in den 12 Complex-Episoden behandelt. In den restlichen 14 Stand-Alone-Episoden wird der Laughing Man nicht mal nebenbei erwähnt, sondern es sind komplett voneinander losgelöste Einzelfälle der Section 9, die jeweils alleinstehend in der gleichen Episode auch schon abgeschlossen werden.

Grundsätzlich ist die Idee sicherlich nicht ganz uninteressant, da die durchgehende Handlung somit nicht so langgezogen wird, während der Rest der Serie eben durch Fälle des Tages aufgestockt wird, sozusagen jedem was zu bieten hat. Allerdings fand ich dann 20 Minuten doch etwas arg kurz, viele der Investigationen schienen gerade erst so richtig ins Rollen zu kommen, als die jeweilige Episode schon nur noch wenige Minuten hatte, um alles auch schon wieder beendet zu sehen. Hier wäre es vielleicht doch besser gewesen, die jeweils 2 oder 3 Folgen beinhalten zu lassen. Wäre immer noch ein episodisches Format gewesen, man hätte aber jeweils etwas mehr in die Tiefe gehen können, statt so zu hetzen.

Dafür ist die Serie dann aber auch nicht ganz so verkopft, für diejenigen, die das am Film nicht so toll fanden. Sicherlich behandelt auch mal eine Folge, was geschieht, wenn ein Mensch seinen Cyborg vermenschlicht und für einen echten Partner hält; während andere Folgen Menschen sehen, deren Körper komplett mechanisch und auch gar nicht mehr vom Aufbau her humanoid sind, aber eben deren Bewusstsein eingepflanzt bekamen. Jedoch benutzt die Serie dies eher als World Building denn wirklich groß zu Philosophieren. Auch wenn die Charaktere gerne Schriftsteller, Filmemacher und auch Philosophen zitieren, um schlauer zu klingen als die ungewaschene Masse. Dahinter steckt dann aber nicht zwangsläufig viel.

Überhaupt ist die ganze Atmosphäre eines SAC bestechend anders gegenüber einem Film von Oshii. Es ist schon interessant, dass Mamoru Oshii ausgerechnet mit der quriligen Romcom Urusei Yatsura ins Business eingestiegen ist. Wenn man mal so vergleicht, was seine Filme später ausgemacht hat. Nämlich eine ziemliche Kühle, kompletter Absenz von Humor und wenig menschliche Charaktere. Da ist Stand Alone Complex durchaus auch stark kontrastierend. Die erweiterte Mannschaft der Section 9 haben alle ihre spezifischen Charakter-Quirks, ein Major Kusanagi lässt sich schon mal zu beißendem Sarkasmus herab, die Stadt ist Sonnenbestrahlt und Park-begrünt, und mit den Tachikoma-Tanks gibt es sogar schrille Sidekicks in der Serie. Alles sicherlich Änderungen, die zum Funktionieren in einer längeren Serie statt eines kurzen Filmes nötig sind, oder zumindest für nötig erachtet wurden. Und durchaus nicht schlechter, sobald man durch den ersten Schock hindurch ist.

Überrascht hatte mich dann auch, dass die Serie nicht als großen Knalleffekt mit Folgen um den Laughing Man beginnt, sondern tatsächlich ein paar von den unwichtigen Stand-Alone-Folgen vorschiebt, bevor es in Episode 4-6 zum ersten Mal um den Complex geht. Welche tatsächlich auch als guter Anheizer dienen, bis dann 20-26 den Löwenteil behandeln. Hier geht es um einen Hacker/Terroristen, der eigentlich nie geschnappt wurde, und nach 6 Jahren scheinbar erneut aufgetaucht ist. Bevor sich die Akte schließen lässt, wird das ganze Verfahren auch noch in unerwartete Richtungen gehen, letztendlich ist der Laughing Man natürlich gar nicht der Antagonist, sondern will nur politische Intrigen aufdecken, in die Section 9 nun mit hineingezogen wird.

Nicht zuletzt gibt es in Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – The Laughing Man einen Filmzusammenschnitt dieser Storyline in 160 Minuten. Wer also nur den übergeordneten Hauptfall mitbekommen will, ist eventuell hiermit besser bedient. Ich fand die Stand-Alone-Folgen und damit die Serie im Gesamten auch nicht schlecht, aber wie gesagt etwas kurz angebunden. Und dafür, dass der Ausstrahlungsrhythmus extra gestreckt wurde, gibt es zwischen den Folgen immer noch teilweise eklatante Unterschiede in Animations- und Zeichenqualität. Von daher ist durchaus auch noch Luft nach oben für die zweite Staffel gegeben, ich die erste zwar gut fand, aber restlos begeistern noch nicht konnte.