VirtualBoy Ventures: Teleroboxer & Panic Bomber

ava-1969Zum Launch des Virtual Boys standen Japanern 5 Titel zur Verfügung, in den USA hingegen waren es 3 davon, plus Mario’s Tennis, welches dort dem VB bereits bei lag. Neben T&E Softs Red Alarm und Intelligent Systems Galactic Pinball wären da noch Nintendos Teleroboxer und Hudsons Panic Bomber.

Teleroboxer von Nintendo selbst ist im Prinzip Punch Out für den Virtual Boy, inklusive Showcase dessen 3D-Technologie. Nur hat das hier einen neuen Anzug bekommen, oder besser gesagt eine neue Hülle. Denn Teleroboxer spielt in irgendeiner Zukunft oder sonstwas, in der Boxkämpfe nun mit schrägen Robotern durchgeführt werden. Zusammen mit dem dunklen Bildschirm des Virtual Boys kommen direkt Cyberpunkt-Feeling auf, hat etwas vom Running Man Segment in Neo Tokyo/Manie Manie.

Das Kontroll-Schema ist dabei allerdings ziemlich komplex. Denn sowohl beide Steuerkreuze wie auch der L und R Button werden genutzt, bedienen die entsprechende Hand des First Person Boxers, von dem wir nur die Fäuste sehen. Je nachdem in welche der vier Richtungen gedrückt wird, und ob eine der Schultertasten dabei aktiv ist, blockt bzw. attackiert man die verschiedenen Bereiche/Schläge des Gegners. Das braucht gelinde gesagt mehr als nur ein wenig Eingewöhnungszeit, und bei den doch ziemlich bald sehr schnell werdenden Gegnern auch ziemliche Reflexe.

teleroboxer

Ähnlich wie Punch Out mit seinen verschiedenen Landes-Stereotypen (auch in Telerboxer kommen theoretisch die Bediener der Roboter aus diversen Nationen der Welt), sind auch die Designs der Robo-Boxer hier ziemlich over the top. Die Französin hat beispielsweise einen weiblichen Roboter mit Wespentaille, Röckchen, Titten, und aufgemachter Frisur, die sie ehrlich gesagt ein wenig wie die Robo-Version des weiblichen Gremlins aus Gremlins 2 wirken lässt. Auch einen Ninja, ein Känguruh, oder eine wandelnde Zeitbombe stellen sich einem entgegen. Diese Designs sind schon sehr launig, genau wie die expressiven Animationen der Roboter, und der KO-Bildschirm ist auch eine fesche Idee.

Der enorme Schwierigkeitsgrad täuscht wohl ähnlich wie bei Punch Out darüber hinweg, dass hier allerdings auch gar nicht so viel Spiel drin steckt. 7 Opponenten gibt es und dazu keine verschiedenen Schwierigkeitsgrade. Wer zusätzlich noch gegen den geheimen 8 Champ spielen will, muss sogar die vorigen ohne einen einzigen Verlust (das Spiel offeriert immerhin unlimitierte Continues) durchstehen.

Bomberman: Panic Bomber gehörte zwar zum Launch-Lineup in Japan, Nordamerika sah es seltsamerweise aber erst gegen Ende des VB-Lebens. Vielleicht war ursprünglich gar kein Release dort geplant, und der akute Spiele-Mangel auf dem System lies im letzten Push für den VB dann doch eine Entscheidung zu dessen Gunsten fallen. Ist ja nicht so, dass ein Puzzle-Game großartig Lokalisations-Kosten mit sich bringt.

Panic Bomber ist ein Port des PC-Engine-Spieles, welches auch noch diverse andere Systeme unsicher machen sollte. Statt eines normalen Bombermans haben wir es hier übrigens mit einem Spinoff zu tun. Wir legen also nicht in Labyrinthen Bomben, in der Hoffnung, dass der Gegner in der Explosion gefangen und zu Asche verstaubt wird.

Nein, stattdessen ist Panic Bomber ein Match-3-Game, bei dem Formen von oben fallen und angeordnet werden müssen auf das sie verschwinden, bevor der Stapel den oberen Bildschirmrand erreicht. Nicht wirklich ganz Tetris, sondern eher vergleichbar mit Puyo Puyo oder Colums, da ja wie erwähnt drei gleiche Icons beisammen landen müssen (vertikal, horizontal und diagonal sind erlaubt), um sie verpuffen zu lassen, stat ganze Reihen aus diversen Formen zu legen.

panicbomber

So weit, so gut, doch wo kommt da Bomberman rein? Drei oder mehr gleiche Formen zu legen lässt nämlich nicht dem CPU-Gegner etwas in den Weg werfen, sondern stattdessen tauchen Bomben auf dem eigenen Spielfeld auf. Erst wenn man eine gezündete Bombe zieht, und diese mit jenen kollidiert, explodieren gewohnt in der Kreuz-Form Teile des eigenen Spielfeldes, und erst dann kommt dies auf die gegnerische Seite. Zusätzlich baut das klären der Icons langsam eine große Bombe, die eingesetzt werden kann, um das eigene Spielfeld etwas zu entrümpeln.

Panic Bomber sieht übrigens verdammt gut aus und bringt viel Charme mit. Es gibt 4 Welten a 3 CPU-Kämpfen, die jeweils einen thematischen Hintergrund bieten, der in 3D langsam hinterm Kampffeld scrollt, zudem ist in der Mitte zwischen den beiden Spielfeldern der sehr expressiv animierte aktuelle Gegner zu sehen, der zu Beginn auch herrlich dämliche Taunts wirft. Das gibt dem Puzzler ordentlich eigene Identität und hält bei Laune.

Das einzige Problem bei Bomberman: Panic Bomber könnte sein, dass er einfach nicht so viel offeriert. Genau genommen nur den normalen Mode durch die 12 Kämpfe gegen die CPU, alternativ natürlich auf 4 verschiedenen Schwierigkeitsgraden, allerdings sonst absolut nichts. Keine weiteren Modi und natürlich, da der VB es nicht unterstützte, auch keine Kämpfe gegen andere Spieler.

VirtualBoy Ventures: Mario

ava-1963Während Wario auf dem Virtual Boy zu Hochtouren auflief und den besten, wenn vielleicht auch einen der einfachsten, Nintendo-Platformer auf Handheld bis dato ablieferte, wurde natürlich um das Ding an den Mann oder die Frau zu bringen auch Mario eingespannt. Zum einen als Launch-Titel Mario’s Tennis, welches in Nordamerika sogar mit dem Virtual Boy an sich ausgeliefert wurde, und dann knappe zwei Monate später in Mario Clash erneut.

Mario’s Tennis, das erste Spiel, in dem offiziell Mario-Franchise-Charaktere außerhalb von Rennwagen miteinander Sport treiben, hat natürlich wie viele Nintendo-Launch-Titel fast ein wenig was von einer Tech Demo. Die Tiefenwirkung auf dem Platz und der herumfliegende Ball sind natürlich wie dafür gemacht, um das 3D des Virtual Boys vorzuführen.

Dennoch ist es ein ganz launiges Spiel, an Sportspielen ist halt allgemein immer nicht ganz so viel dran, man muss dem Sport an sich schon etwas zugeneigt sein. Mario’s Tennis bietet immerhin neben Einzeln auch noch Doppel an, wobei der zweite Charakter natürlich von der CPU gesteuert wird. Neben zwei Schwierigkeitsgraden und der Einstellung der Match-Anzahl kann außerhalb der freien Matches natürlich auch noch ein Tournament gespielt werden. Die 7 wählbaren Charaktere spielen sich sogar etwas unterschiedlich.

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Trotzdem ist Mario’s Tennis selbstredend durch und durch etwas, was man heutzutage ein Casual Game nennen würde. Eben nichts, was man häufig in langen Sitzungen zockt, sondern ein launiges kleines Spielchen, welches bei Langeweile und/oder Gefälligkeit sporadisch rausgeholt wird, um mal eine Runde oder zwei zu spielen.

Nicht viel anders ist allerdings auch Mario Clash, welches nämlich kein Platformer ist, um jene Schiene zu bedienen war ja Virtual Boy Wario Land heiß in der Schmiede, sondern präsentiert ein wesentlich Arcade-igeres Feeling. Das kommt nicht von irgendwo, denn im Prinzip ist Mario Clash nichts anderes, als eine aufgebretzelte Version vom originalen Mario Bros., welches 1983 die Arcade-Hallen unsicher machte.

Das Spielprinzip noch mal erklärt: Mario muss alle Gegner eines jeden auf einen Bildschirm unterbringbaren Stages erledigen. Das geht, in dem er auf einen Koopa hüpft (alle anderen Gegner sind absolutes Berührungs-Tabu), und mit deren Panzer dann die anderen Gegner abwirft. Mehrere auf einmal zu treffen gibt natürlich Bonuspunkte für den Score, der sozusagen das einzige Ziel des Spieles darstellt, denn bei je 100.000 Punkten gibt es ein nettes kleines Mario-Bildchen, bei 999.999 ist das Maximum erreicht und das letzte Bild gesehen.

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Mario Clash bietet dabei schon durchaus ein verhältnismäßig langes Spiel, denn neben dem Ziel des fast siebenstelligen Scores bietet der Turm satte 99 Stockwerke, wobei von Anfang an eines der ersten 40 ausgewählt werden kann. Wer also theoretisch alles gesehen haben will, muss auch wirklich alle hundert Stages spielen. Danach macht das Spiel erneut das, was die meisten alten Arcade-Spiele machten: Es rollt einfach wieder aufs erste Stage zurück, ist nun aber etwas schwerer als der erste Loop. So gesehen kann man, auch wenn ich nicht wüsste, warum man es wollte, Mario Clash quasi endlos bespielen.

Das Spiel versucht dabei durchaus sein Bestes um die Erfahrung möglichst frisch zu halten. Die Optik der Stages ändert sich, die Eisplattformen sind gewohnt schliddrig, es werden immer wieder neue Gegner eingeführt, die nur von gewissen Richtungen, zu gewissen Zeiten, nach mehreren Treffern, oder nur wenn Mario aus der jeweils entgegengesetzten Ebene (ganz Virtual Boy hat auch Mario Clash ein vorderes und hinteres Spielfeld zu bieten, die mit Röhren miteinander verbunden sind) nach ihnen wirf, umgenietet werden können. Dennoch kann ich mir nicht denken, dass das Spiel wirklich auf Dauer, geschweige denn für 99 Stages, bei Laune hält, sondern eher erneut was fürs kleine Spielchen zwischendurch ist.

VirtualBoy Ventures: Virtual Fishing

ava-1959Ich find es ja immer gähnend langweilig, wenn ein Spiel so einen unoriginellen Titel trägt wie [Teil des Systems] + [Spielgenre/Franchise]. Ob nun Super Castlevania, Mario 64, oder auch diverse Virtual Boy Titel. Dann wiederum ist Angeln natürlich auch nichts spannendes, von daher geht Virtual Fishing damit schon einher. Kann ja nicht jeder Legend of the River King heißen.

Legend of the River King ist dann auch schon nicht das schlechteste Stichwort, denn in Virtual Fishing fischt es sich nicht großartig anders. Leine auswerfen, warten bis was beißt, Button drücken, und schon kommt man in die Tauzieh-Ansicht unter Wasser, wo jetzt nur noch die Leine per Button-Halten eingeholt wird, wenn der Fisch ruhig ist, und per Loslassen wieder Leine gegeben wird, wenn er gegen steuert.

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Nur kommt Virtual Fishing halt nicht auf die Idee was besonders machen zu müssen, und lässt deswegen den nervigen RPG-Blödsinn weg. Genau genommen ist das Spiel eigentlich erstaunlich barebones. Es gibt keine unterschiedliche Ausrüstung, es macht keinen Unterschied, wo der Köder hingeworfen wird, und pro Areal scheint es nur eine einzelne Fischart zu geben. Dazu kommt noch, dass auch hier das Fischen bestechend einfach ist, wenn man erst mal raus hat, wann die Leine eingeholt gehört, was dann nämlich doch pro Einsatzgebiet anderes Timing benötigt, und abgesehen vom letzten Gebiet wird einem nie ein Fisch genug Kampf bieten, als das die Leine je reisen würde.

Eine Handlung gibt es glaub ich nicht. Ist ja alles in Japanisch. Stattdessen ist das hier eben ein kompetitives Sportangeln. In jedem Gebiet geht es nämlich darum, eine gewisse Maximal-Zahl an gefangener Fischlänge zu bekommen, um die fiktiven Gegenspieler auszubooten. Die werfen währenddessen immer mal wieder Kommentare ein, und das Spiel gibt einem bei 3 und 6 Minuten einen Zwischenstand, wie gut sie sich schlagen. Doch wie gesagt, sobald man den Dreh des jeweiligen Gewässers raus hat, ist es nicht schwer innerhalb der 8 Minuten genug Fisch zu fangen, um den Rekord zu schaffen und die Trophäe zu gewinnen. Anschließend kann sich immer noch an Time Attack probiert werden.

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Einer der Weiher ist übrigens komplett Wettbewerbs frei, sondern stattdessen gibt es hier mehrere Fische zu fangen, die nämlich dann in die Enzyklopädie eingetragen werden. Und nur die hier gefangenen. Davon gibt es letztendlich aber auch nur 18 Fische, was ich schon etwas schade finde. Wenn man bedenkt, wie viele verschiedene Spezies das eben bereits mehrmals zum Vergleich herangeholte Legend of the River King auf dem schwächeren GameBoy schaffte, sollte der VirtualBoy doch echt etwas mehr bieten können. Denn hübsch anzusehen und ganz ordentlich animiert sind die Viecher hier allemal (das Spiel nutzt seinen 3D-Effekt indem es mehrere Ebenen bietet, in denen das Unterwasserpanorama in Parallax Scrolling angelegt ist, während die Fische zwischen Vorder- und Hintergrund hin und her schwimmen), nur eben schade das es so wenig Abwechslung bietet.

Von daher bin ich geteilter Meinung über Virtual Fishing. Als ganz kurzer Zeitvertreib war es ordentlich, aber eben nicht besonders. Es leistet sich halt im Gegensatz zu River King keine herausstechenden Zierden, bietet dafür aber auch keine nervigen Genre-Zwitter dar.