Spiral on Celluloid

Ando hat seinen Sohn verloren, worüber der Arzt nie hinweg kam. Durch die Obduktion seines alten Studienkollegen Ryuji, Reikos Ex-Ehemann, kommt er auf die Spur von Sadakos tödlichen Virus-Fluchs. Nur lernen Viren eben, sich anzupassen und so geht das Ding schon längst andere Wege, als nur über die ineffektive Videokopiererei. Genau genommen führt das ganze sogar dazu, dass Sadako durch die unfreiwillige Hilfe Andos – und später auch dessen freiwilliger, in der Hoffnung seinen Sohn zurück zu bekommen – erneut auf die Welt losgelassen wird.

Spiral ist ein wenig das schwarze Schaf in der Filmfranchise, dabei ist es so gesehen das „richtige“ Ring 2, da es auf dem zweiten Roman basiert. Der Film wurde nämlich zeitgleich mit The Ring gedreht und in die Kinos gebracht, wenn auch von Großteils unterschiedlichem Team. Während The Ring allerdings zu enormen Erfolg gelangte, wurde Spiral eher weniger gut aufgenommen.

Das liegt vielleicht auch daran, dass das Buch nicht ganz so gut als Film funktioniert oder man im Gegensatz zum Team um The Ring sich nicht getraut hat, genug zu verändern, um es dem anderen Medium passender zu gestalten. Zumindest versucht Spiral möglichst alles aus dem Buch irgendwie unterzubringen, was aber alles wegen des Zeitlimits arg kurz kommt. Genau genommen ist das Ergebnis sehr fragmentiert und geradewegs verwirrend, wenn man die Romanvorlage nicht schon kennt, um die Zusammenhänge zu verstehen. Es fehlt an Stringenz und irgendwie auch an Spannung. Zumal im Medium Film der trashige Faktor, den die Romanreihe hier eingeschlagen hat, noch stärker heraus kommt. Es fehlt ihm etwas an der Eleganz und Schlichtheit, und schon mal ganz an der Atmosphäre, des Vorgängers.

Spiral

Der zweite Ring-Roman setzt direkt nach dem Ende des ersten an. Er greift etwas auf, was es im Film gegenüber des Buches nicht gab: Hier ist der Fluch Sadakos nämlich nicht einfach nur ein übernatürliches Phänomen, sondern hat sich mit einem Virus verbunden. Deswegen verbreitet sich der Fluch auch wie eine Krankheit, in dem er von Person zu Person durch das Zeigen des Videos weiter übertragen werden will. Ein neuer Hauptcharakter betritt das Rampenlicht, der mit der Obduktion des Freundes des Hauptcharakters aus The Ring betraut ist und darüber in das Geheimnis der unerklärlichen Tode verwickelt wird.

So gesehen haben wir also wieder einen männlichen Hauptcharakter, der mit Hilfe eines Freundes das Geheimnis um Sadako und den Ring-Virus herausfinden will. Nur das dieser keine Deadline von einer Woche hat, weil er sich ein unheimliches Video angeschaut hätte. Allerdings hat Fluch/Virus mittlerweile bereits zu mutieren begonnen und sucht neue Wege der Ausbreitung.

Dadurch, dass sich Spiral wesentlich mehr auf die medizinische Seite der Geschichte stützt, die eher eine Fußnote in The Ring war, ist die Atmosphäre hier gleich ganz anders. Auch, weil der Hauptcharakter hier nicht ständig ein Damoklesschwert über dem Kopf hängen hat. Der Horror ist noch etwas da, aber zurück geschraubt. Und das, obwohl Spiral wesentlich pessimistischer endet, als der vorige Roman. Allerdings nimmt auch das philosophische und medizinische Geschwafel dadurch etwas zu und ehrlich gesagt ist das ganze Ende sehr abgefahren, im Versuch, ständig noch einen neuen Twist zu drehen. Doch unspannend ist die neue Richtung der Geschichte definitiv nicht. Der Vorgänger war halt… bodenständiger und einfacher.