Academy Weekend: Into the Spider-Verse

Wenig überraschend kommen wir auch dieses Jahr bei einem der Oscar-Gewinner zu der Kategorie Animationsfilm. Den hat im letzten Jahr Spider-Man: Into the Spider-Verse abgeräumt. Was durchaus nicht einfach war, lief doch sowohl ein Pixar- wie ein Disney-Film in Konkurrenz, an welche die Trophäe häufig scheinbar schon rein pro forma geht. Wir ignorieren mal, dass theoretisch alle drei Filme eigentlich Disney sind, da zu denen sowohl Pixar wie Marvel gehört. Immerhin verdiente an Spider-Verse auch noch Sony mit, da die ja die Filmrechte am Superhelden halten.

Comics sind ein altes Medium, und Spider-Man ist ein alter Superheld. Das bedeutet natürlich, dass es dutzende an Geschichten gibt. Wann immer der alte Ballast zu viel wird oder man eine neue Kundschaft ansprechen will, gibt es halt einen Reboot oder ein Spinoff, welches die Sache modern neu von vorn erzählt. Der tituläre Superheld mag mal Nazis kloppen, mal schwarz oder weiblich sein, mal einen Packt mit dem Teufel eingehen. Theoretisch ist alles möglich. Selbst die Filmfranchise ist damit geschlagen, haben wir in den letzten 20 Jahren doch rein auf die Live-Action-Franchise bezogen drei verschiedene Spinnenmänner zu sehen bekommen. Spider-Verse nutzt dies geschickt für seine Storyline: Was wäre nämlich, wenn all diese Spider-Menschen in parallelen Universen existieren?

Was aber nicht bedeutet, dass es nicht auch so schon zwei Spider-Men in einer Welt geben könnte. Dies nämlich hier im Film. Peter Parker ist Spider-Man, er rettet die Stadt nun schon seit 10 Jahren, macht es immer noch gern und mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Aber als hübscher, blonder Kerl, der mit seiner Mary Jane verheiratet ist, könnte es ihm auch nicht besser gehen.

Miles lebt auch in New York und hat aktuell das Problem, dass er die Schule wechseln muss. Von einer öffentlichen zu einer privaten, weil sein Genie dort besser gefördert werden kann. Dadurch wird er seine Freunde weniger häufig sehen, und außerdem wirkt die Eliteschule zunächst elitär und kalt auf ihn. Zuflucht sucht er beispielsweise bei seinem coolen Onkel, mit dem er seiner künstlerischen Graffiti-Ader freien Lauf lassen kann, ganz im Gegensatz zum Polizisten-Vater. Währenddessen beißt ihn aber auch eine radioaktive Spinne. Miles macht nun die üblichen Spider-Man-Erwachens-Probleme mit, weil die neu entwickelnden Kräfte zunächst unkontrollierbar sind.

Hilfe erhofft er sich vom Parker-Spider-Man, immerhin lebt der bereits eine Dekade mit den Kräften. Bei der Suche nach ihm platzt Miles allerdings mitten in einen Kampf Spider-Man gegen Handlanger des Kingpin, der mit einer Maschine seine tote Familie aus einem Paralleluniversum ziehen will. Der Plan kann zunächst vereitelt werden, doch Spider-Man stirbt an seinen Verletzungen. Durch den Kontakt mit der Maschine sind allerdings bereits ganz andere Spider-Men, -Women und –Pigs auf dem Weg.

Einen etablierten Charakter umzubringen ist in Comics und der Animationsfilm-Peripherie solcher Superhelden-Franchises nicht unbedingt neu. Es sind nur die Live-Action-Filme, die immer die möglichst sicherste Route fahren und dies wegen ihrer wiedereinzuspielenden Budget eventuell auch einfach so tun müssen. Ganz so lang hält sich Spider-Verse am Tod von Peter Parker eh nicht auf. Immerhin ist der so gesehen kein etablierter Charakter, zumindest in dieser hiesigen Version sehen wir ihn ja zum ersten Mal.

Direkt darauf trifft Miles nämlich auf Peter B. Parker, einen der Parallel-Spider-Men, und zwar einer, der im Prinzip die gescheiterte Version des hiesigen Peter Parkers ist, älter, einsam, und allgemein nicht mehr ganz auf der Höhe. Der wird letztendlich unfreiwillig zu Miles Mentor und zusammen mit Spider-Gwen eine der drei Hauptfiguren des Filmes. Es gibt noch einen coolen Noire Spider-Man, ein Anime-Girl mit Spider-Mech und ein WB-Cartooniges Spider-Pig (Simpsons-Referenz!), aber die sind eher blass und mehr als Gag dazu, wie anders und schräg die Spider-Wesen werden können.

Außerdem bringen sie wesentlich mehr optische Abwechslung, ein Punkt, in dem Into the Spider-Verse sowieso sehr gut ist. Das Schöne an Animation ist ja, dass viel mehr dargestellt werden kann als mit Live Action. Dinge, die sonst unmöglich oder unglaublich kostspielig wären natürlich. Aber auch einfach, weil Animation von Natur aus nicht realistisch ist, und das Publikum somit auch mehr Suspension of Disbelief mitbringt. Peter Porker und Peni Parker kommen in einem anderen Zeichenstil daher und sind anders animiert, um die Influenz von WB-Cartoons respektive Anime widerzuspiegeln. Der Film stilisiert immer wieder mit einem Comicbuch-Look, wenn der Bildschirm wie Comic-Panels designt wird, Gedankengänge in Denkblasen eingeblendet werden, wenn der Spidersense mit Wellenlinien visualisiert wird und allgemein alles sehr bunt und farbenfroh gestaltet ist. Die Animation ist mal weniger flüssig und abgehackter, um coole Posen einzufangen oder zu zeigen, dass Miles seine Kräfte noch nicht kontrollieren kann. Spider-Verse schöpft, besonders für eine amerikanische Produktion, enorm viel visuelle Kreativität des Animationsmediums aus.

Und ganz allgemein ist es einfach ein sehr spritziger und weitestgehend leichtherziger Film. Die Charaktere sind spaßig, agieren gut miteinander, es gibt reichlich Sprücheklopferei und einfach eine allgemeine Atmosphäre von Schwung und Leichtigkeit. Das macht den Film insgesamt zu einem super kurzweiligen und unterhaltsamen Genuss.

Spider-Man: Homecoming

Ob Spider-Man im MCU auftauchen würde, war lange nicht klar. Die Sache ist nämlich die, dass der Comicbuch-Charakter an sich zwar Marvel gehört, die Filmrechte allerdings von Sony gehalten werden, dementsprechend Marvel/Disney nicht einfach Filme mit ursprünglich ihrem eigenen Charakter drehen dürfen. Letztendlich hat man sich dann natürlich doch geeinigt, bei all dem Geld, welches die MCU-Filme einspielen, war das sicherlich nur eine Frage der Details, welche Kuchenstückgröße an wen geht. Und damit sah man 2017, 15 Jahre nach der Trilogie von Sam Raimi, mittlerweile die dritte Inkarnation des Netzschwingenden Superhelden auf den Leinwänden der Lichtspielhäuser.

Da er bereits in Civil War aufgetaucht war, und die Filme in der Chronologie spielen, in der sie released sind, gibt es hier keine Szenen, wie Peter Parker genau zu Spider-Man geworden ist, sondern er hat die Kräfte direkt schon. Nicht das er damit viel machen kann, er wird nämlich nach der Gaudi, die er im Kampf Team Stark vs Team Rogers hatte, wieder in New York abgesetzt, um sich auf die High School zu konzentrieren und vielleicht ein paar Bankräuber nebenbei zu stellen und alten Omis über die Straße zu helfen.

Ein hormoneller Teen mit Superkräften findet es natürlich gar nicht geil, an der kurzen Leine gehalten zu werden, und da dem beliebtesten Mädel der Schule hinterher zu lechzen und zu Internetpornos zu masturbieren auch nicht die kompletten Tage gefüllt bekommt, wenn man als Genie nicht lernen muss, lässt er sich auf gefährlichere Deals ein. Beispielsweise wenn er versucht eine Bande zu stellen, die mit der Alientechnologie, die bei den Avengers-Kämpfen abgefallen sind, Superwaffen unter die Leute bringen. Was natürlich nicht gut und mit einem Anschiss von Tony Stark endet. Peter muss sich anschießend also noch mehr beweisen als eh schon.

Ganz ehrlich bringe ich Spider-Man: Homecoming stark gemischte Gefühle gegenüber. Manche Parts mochte ich, manche fand ich langweilig, und es war immer das gleiche Muster. Denn die Teile mit Spider-Man, mit dem agilen witzigen Kerl in der Spandex, der sich durch die Hochhausschluchten schwingt und darunter doch ein leicht tapsiger Teen ist, die fand ich gut. Seine Interaktionen mit Tony Stark als Mentor auch, gerade am Ende des Filmes. Seine Naivität und das Gutmenschentum passen zu so einem jungen Charakter auch viel besser, während es mich in einem Film mit einem älteren Helden sicherlich eher gestört hätte, aber Spider-Man ist halt wie ein gutmütig-niedliches Hündchen.

Die Parts die ich nicht mochte, waren hingegen die mit Peter Parker. Ich habe ja bereits mehrmals bei anderen Filmen geschrieben, dass ich die Origins Stories langsam leid geworden bin, weil sie alle gleich sind. Spider-Man hat so gesehen zwar keine Origins Story, was ich zunächst gut fand, aber da Homecoming sein erster Standalone-Film ist, grast er dennoch viele der gleichen Story-Beats ab. Abgesehen davon bin ich diese High School Handlungen eh mehr als leid. Er hat also einen dämlichen Freund, der ihn fast auffliegen lässt. Er ist ins hübscheste Mädel der Schule verschossen. Es gibt einen Neider, der ihn hänselt. Gähn. Ich mag Homecoming dafür gratulieren, dass er diese Klischees nie bis zum unerträglichen Ende ausreizt – Peter zerstreitet sich nie mit seinem besten Freund, oder mit den anderen aus seiner Gruppe, selbst als er sie in Washington sitzen lässt, um rum zu spidern, und auch das Mädel mag ihn eigentlich auch… aber das macht die High-School-Teile der Geschichte auch nicht interessanter.

Was ich erneut gern erwähnen will, ist das tolle Casting im MCU. Tom Holland ist perfekt als Peter Parker Spider-Man. Wie 15 sieht er natürlich nicht aus, aber er spielt ihn genauso, wie ein Laie wie ich mir einen Spider-Man vorstellen würde. Als weiteres Schmankerl wird der Bösewicht übrigens von Micheal Keaton verkörpert. Nachdem er also selbst mal einen Superhelden in Batman und Batman Returns verkörperte und in Birdman einer kritischen Auseinandersetzung dessen, ist er nun auch als Comicbuch-Bösewicht zu sehen gewesen (Name Vulture, er bleibt also bei den aviatischen Bezeichnungen).

Spider-Man: Homecoming ist also einer jener Filme, die ich mehr mögen möchte, als ich das tue. Oder gerne häufiger mögen würde. So gut mich einige Parts unterhalten hatte, bin ich halt bei anderen nicht ganz mitgegangen. Damit würde ich es also erneut eher ins Mittelfeld des MCUs setzen, nicht weil er durchschnittlich, sondern weil er durchwachsen ist.

Superhero Sunday – Amazing Spider-Man 2

ava-1930Wieder zurück bei den aktuelleren Superhelden-Filmchen kommen wir zum zweiten Eintrag in die Amazing Spider-Man Trilogie, die nun scheinbar doch keine mehr sein wird, da hiernach der dritte Teil gecancelt wurde. Stattdessen bekommen wir bald den dritten neuen Spider Man in 15 Jahren, beginnend im nächsten Captain America.

Okay, gut, Amazing Spider-Man 2 beginnt mit einem Flashback dahingehend, was wirklich die letzten Momente von Peters Eltern waren, etwas, was ich gedacht hätte, was man sich für Amazing 3 aufheben würde. Aber so wirklich was aufheben tut man sich eh nicht, Amazing 2 ist genug Material, um eine ganze Trilogie zu füllen.

Jedenfalls nach dem eigentlich echt coolen Opener geht es zurück zu Peter und seiner Gwen und wir haben das ganze Spiel von wegen das er sie zwar liebt, sie aber nicht zusammen sein können, weil sein Lebensstil sie in Gefahr bringt und, blargh. Nebenbei rettet Spider Man noch einen Loser, der nun sein größter wahnhafter Groupie wird, und dann kommt ein ehemaliger bester Freund von Peter zurück, der der Sohn des Bösewichts vom ersten Teil ist, und eine unheilbare Krankheit wie jener hat, und Probleme mit den Machtstrukturen in der geerbten Megafirma bekommt.

Und jedenfalls so richtig los geht es erst nach einer Stunde oder so. Davor geht es viel hin und her. Sind Peter und Gwen nun auseinander, oder dann doch nicht, aber doch irgendwie, aber so richtig auch wieder nicht. Und drei potentielle Bösewichte werden aufgebaut, von denen zwei sogar welche sein werden, aber nachdem der Loser zu Electro wird und zu Ein-Stunden-Marke die erste große Auseinandersetzung mit Spider Man hatte wird der auch schon wieder aus dem Gefecht gezogen. Und kommt dann erst wesentlich später als echter Bösewicht zurück, und wird auch so ungefähr genau zur Zwei-Stunden-Marke besiegt, aber dann kommt so spät erst der Ex-Freund Peters als Green Goblin dazu, und statt zu enden geht der Film noch eine halbe Stunde, verpasst dabei eine zweite gute Chance ein Ende zu finden, nur um uneingelöstes Sequel-Bait zu präsentieren.

Amazing Spider-Man 2 schaut sich wie ein Film, der zehn Jahre in Developement Hell war, dabei fünfzig mal umgeschrieben wurde, und dann mit einem Frankenstein-Script endete. Denn das Ding ist sowas von unfokussiert. Es gibt viel so viele Charaktere, so viele Nebenhandlungen, viele davon werden spät oder gar nicht richtig eingelöst. Die Szenenfolge ist so bizarr und man hat immer so ein wenig das Gefühl kurz davor zu sein, nicht mehr so richtig mitzukommen, warum jetzt diese Charaktere dies tun. Amazing Spider-Man 2 ist schlichtweg ein heilloses Durcheinander. Das Ding hätte entweder Electro oder den Green Goblin raus lassen sollen. Stringentere Szenenfolge für Gwen und Peter, denn wenn wir den ganzen blöden „Ich bin nicht gut für dich, kann aber auch nicht von dir lassen“-Mist wieder abspulen müssen, und immerhin ist es hier fürs Finale wirklich wichtig, dann brauchte deren Plot wesentlich mehr Klarheit und Gewicht. Mehr Szenen mit Aunt May, dem Highlight der Filme. Eine halbe Stunde weniger Spielzeit, und auf dem Friedhof enden lassen.

Was man dem Film allerdings lassen muss ist, dass er ziemlich cool ist. Es gibt eine enorme Anzahl an echt cooler und großer Set Pieces. Das Gerangel im Flugzeug zu Beginn, dann wenn Electro Times Square lahm legt, selbst dazwischen wesentlich mehr bahnbrechende Akrobatik Spider Mans in den Straßenzügen. Und ein wuchtiger Score von Hans Zimmer.

Ich kann also nicht behaupten, dass ich während der fast 2,5 Stunden je gelangweilt gewesen wäre, dafür passiert zu viel Action, aber eben passiert auch sonstig viel zu viel im Film, dass er es einen schwer macht irgendwas außerhalb der Action wirklich auch nur richtig zu verarbeiten zu können.

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Amazing Spider-Man

ava-1275Erstaunlich, dass die ganze Superhelden-Film-Sache nach all den Jahren immer noch nicht am Abflauen ist. Wenn das so weiter geht, haben die doch irgendwann mal die ganze A-, B- und C-Liste durch und müssen einen Film um einen der schwulen Helden machen. Ich mein, abgesehen von Batman natürlich, dem Nolan aber ja auch sein Boy Toy genommen hat. Vielleicht muss man sogar wieder mal einen über einen weiblichen Superhelden machen, die bekanntermaßen nichts einspielen. Und wenn Hollywood, ganz ähnlich der Gameindustrie, eines hasst, dann ist es zu riskieren, einen Film zu machen, in dem der Hauptcharakter kein weißer, brünetter, Hetero-Kerl zwischen 20 und 40 ist. Um das zu kontern kann man aber natürlich auch einfach wieder einen Kreis ziehen und munter mit Reboots von vorn beginnen.

So geschehen in The Amazing Spider-Man, der genau zehn Jahre nach dem Erstling der Raimi-Trilogie die Film-Franchise rebootet. Warum auch nicht, Reboots passieren sowieso immer schneller in Medien und es ist ja nicht so, dass gerade die Comicszene nicht tausend verschiedene Timelines pro Superheld hätte, weil nach X Serien die aktuelle so ein Clusterfuck wird, dass man einfach von vorn beginnt. Und mal ehrlich, unantastbare Meisterwerke sind die ersten drei Filme nun auch wirklich nicht. Der erste ist ganz gut, der zweite sogar um einiges besser, während der dritte durchfällt, wenn ich mich vage zurückerinnere. Aber schon damals fand ich die Sache etwas overhyped. Es ist halt so, dass Superheldenfilme so Mitte der 90er angefangen haben, universell ziemlich scheiße zu sein, was sich bis zum Millennium nicht änderte, als dann X-Men und Spider-Man daher kamen und ganz brauchbar waren, und eben deswegen schon häufig rückwirkend etwas besser in Erinnerung gehalten werden, als sie denn wirklich waren.

Ach ja, The Amazing Spider-Man, fangen wir nach 300 Worten doch mal an, über ihn zu reden. Die neue Origins-Story ist bewusst natürlich etwas anders designt, aber doch der vorigen natürlich sehr ähnlich. Peter Parker, dessen Eltern hier einfach in einer Nacht- und Nebelaktion spurlos verschwunden sind, um für das Finale der neuen Trilogie noch ein Big Reveal zu haben, ist also bei Onkel und Tante untergekommen. Als das Superhirn anfängt, die Forschung seines Vater zu untersuchen, gerät er auch an die Evil Corp, für die jener mit einem Kollegen arbeitete, wo Peter prompt von einer genmanipulierten Spinne gebissen wird, die dem loserigen Teenager den Körper eines 28-jährigen Models gibt, ihm Kampfsport beibringt und Hauswände hochlaufen lässt. Jetzt, wo er heiß aussieht, wird auch sein Schwarm, von dem er etwas creepy gern heimlich Bilder macht, Gwen Stacey, auf ihn aufmerksam. Deren Vater der Cop ist, der nicht so begeistert davon ist, dass der Vigilante Spider-Man für ihn die Verbrecher einspinnt. Da steckt doch das Potential einer Sitcom drin!

Ach ja, Peters Onkel wird natürlich auch von einem Kerl erschossen, den jener hat entkommen lassen, weil der Idiot doch tatsächlich versucht, dem einen Pistole aus der Hand zu ringen. Obwohl sein Onkel somit ziemlich selbst Schuld dran ist, dass er über den Haufen geschossen wird, macht sich Peter dafür verantwortlich, und wird zum Superhelden. Weil dafür immer erst ein Familienmitglied umkommen muss.

Und der Kollege des Vaters, der übrigens nur einen Arm hat und dessen Forschung mit DNS-Crossbreeding zu tun hat, damit er wie weniger komplexe Organismen Körperteile einfach regenerieren kann, macht natürlich unter Zeitdruck den Selbsttest und wird zum Hulkigator (weil ein Seestern-Mutant nicht so toll kommen würde, wie eine Echse), was natürlich aufgehalten gehört.

Nein, The Amazing Spider-Man ist kein Film der großen Überraschungen, aber das sind die wenigsten Superhelden-Filme, schon gar nicht, wenn man deren Origins-Story über die Bühne bringen muss. Die Laufen eh alle nach dem gleichen Schema ab und gerade bei Spider-Man hatten wir das Ganze eben gerade vor knappen 10 Jahren erst. Im Prinzip kommt halt alles so, wie man sich das denken kann. Aber wie gesagt, wer in einen Superheldenfilm geht und erwartet, dass die Handlung ihn aus dem Sessel fegt, der macht eh was falsch. Oder schaut Watchmen.

Doch das bedeutet natürlich nicht, dass der Film schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Ich würde sogar sagen, es ist die bessere Version der beiden Entstehungsgeschichten. Peters Onkel und Tante, sowie Peter und Gwen sind unglaublich süß hier. Andrew Garfield bringt wesentlich bessere schauspielerische Leistung, als Tobey Maguire, und sieht dabei auch noch knackiger aus. Der Film hat, recht viel Pathos im Finale mal abgesehen, wesentlich weniger gestelzte Dialoge oder wird zu kitschig und dämlich, wie das im Original so manchmal der Fall war. Man kann den Film wesentlich ernster nehmen, ohne dass er dabei vergisst, dennoch eine gewisse Leichtigkeit und den Spaß an so einem Superhelden zu erhalten. Und obwohl das Ding mal wieder mit 2 Stunden Plus Überlänge hat, herrscht hier nicht so viel tote Luft vor, wie in manch anderem. Ein paar Charaktere sind sogar nicht mal ganz so eindimensional, wie man das erwarten würde. Der Schulrabauke beispielsweise will Peter trösten, als der seinen Onkel verliert. Der Vater von Gwen mag zunächst gewohnt übertrieben hinter Spider-Man her sein (selbst als ein chaotischer Riesenechsenmutant mit einer biologischen Waffe durch Manhattan rennt, ist dessen oberste Priorität immer noch diesen verdammten Spider-Man zu schnappen, der ihm die Show stiehlt!), hilft ihm im Finale dann aber doch aus. Und sogar der Bösewicht ist kein so chargierender Typ, sondern nachvollziehbar und menschlich.

Was natürlich nicht bedeutet, dass der Film perfekt ist. Es ist sicherlich nicht der pompöseste und Augenöffnend spannendste Superhelden-Film, den wir in den letzten Jahren hatten. Und trotz der 2 Stunden ist er manchmal erstaunlich schlecht darin, Beziehungen zu entwickeln. Es kam mir fast so vor, als hätte ich zur Mitte hin zwei oder drei Szenen verpasst. Zuerst verliert Peter seinen Onkel und ist deswegen schlecht drauf, aber schon kurz darauf ist er grölend-freudig am sich durch Manhattan schwingen, weil Superkräfte nun Mal so geil sind. Und Gwen, die sich weder mit ihm je außerhalb der Schule getroffen, noch in der Schule bisher allzu viel mit ihm interagiert hat, ist plötzlich „Hey, willste meine Eltern kennenlernen?“. Und der Schulschläger ist in den Endszenen plötzlich anscheinend der neue beste Freund von Peter, obwohl der nach dem gescheiterten Tröstversuch einfach komplett aus dem Rest des Filmes verschwunden ist. Wann haben sich all diese Charakterbeziehungen genau entwickelt? Sicher nicht in den 2 Stunden 5 Minuten, die der Filme ohne Credits läuft.

Aber das macht alles nichts, der Film funktioniert trotzdem, schon alleine, weil wir erwarten, dass diese Beziehungen sich so entwickeln würden, stößt das gar nicht mal ganz so sehr auf. The Amazing Spider-Man ist nämlich tatsächlich einer der besseren Superhelden-Filme, die uns deren Renaissance gebracht hat, und davon gibt es nicht gerade wenige. Ich bin fast gewillt, zu behaupten, es wäre der beste der 4 Spider-Men, aber dafür müsste ich den zweiten Raimi-Teil noch mal sehen, besser als dessen erster und dritter Eintrag isser aber allemal. „Amazing“ mag es zwar immer noch etwas übertreiben, aber „Darn Good Spider-Man“ tönt natürlich nicht so gut.

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