VirtualBoy Ventures: Tetris & Space Invaders

ava-1976Ein Nintendo-Handheld ohne eine Version von Russlands bekanntestem Gaming-Export ist glaub ich gegen das Gesetz. Und so hat natürlich auch der Virtual Boy trotz seiner kurzen Lebensdauer den Block-Puzzler zu bieten, und das sogar in zwei Varianten: das Japan-exklusive V-Tetris und das US-exklusive und dort letzte Release fürs System darstellende 3-D Tetris.

Das Grundprinzip von Tetris sollte wohl jedem klar sein, hier aber dennoch mal: Verschiedene Formen fallen vom Himmel und müssen so gedreht werden, dass sie eine komplett durchgehende Linie vom linken zum rechten Spielfeldrand ergeben, woraufhin jene Reihe verschwindet, bei mehreren auf einmal zu klären gibt es entsprechende Bonuspunkte, wenn der obere Bildschirmrand beim immer schnelleren Spielverlauf erreicht wird, heißt es Game Over.

3-D Tetris nun spielt sich ganz anders. Oder fast zumindest. Denn das Spielfeld ist hier nun dreidimensional, statt einer simplen Reihe von rechts nach links muss stattdessen ein kompletter Boden aufgefüllt werden. Das Spielfeld ist dabei übrigens 5 Ebenen tief und die Spielsteine können nicht nur in ihrer horizontalen sondern auch vertikalen Ausrichtung gedreht werden. Ein langer 4er-Block kann also nicht nur 1×4 Felder des einer Ebene füllen, sondern auch ein einzelnes Feld in vier Ebenen gleichzeitig.

Neben jenem normalen Modus gibt es noch einen, in dem gewisse Formen mit vorgegebenen Steinen gelegt werden müssen, Puzzle genannt, und einen Modus, in dem rund um ein Mittelstück Formen angelegt werden müssen, die dann mit einem Schluss-Stein versiegelt werden. Den meisten Spaß hat man aber wie gewohnt beim „originalen“ Endlos-Modus.

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Das wesentlich klassischer geratene V-Tetris bietet ebenfalls 3 verschiedene Varianten des Spieles an, wobei A und B diejenigen sind, die tatsächlich aus dem Klassiker bekannt sind. Sprich in Modus A werden gewohnt auf dem 2D-Feld endlos Reihen gebildet, bis man irgendwann ein Game Over sieht, während in Modus B die Reihen gebildet werden, um einen Score zu erreichen.

Neu hier ist dann Modus C, der etwas komplizierter wird. Zunächst schaut alles ganz gewöhnlich aus, denn auch hier sind Blöcke und Spielfeld in 2D gehalten und fallen gewohnt von oben herab, es muss eine durchgehende Linie gebildet werden. Die Besonderheit offenbart sich, wenn man L oder R drückt, denn dann verschiebt sich die Reihe jeweils in jene Richtung und man merkt, dass man letztendlich eine Reihe bilden muss, die durchgängig den Vorder- und Hintergrund des Spielfeldes abdeckt!

Beides sicherlich ganz launige und überraschend unterschiedliche Herangehensweisen, wenn es darum geht, Tetris auf das 3D-System zu bringen, erneut vielleicht etwas vom deprimierenden Farbschema zurückgehalten, jedoch muss ich ehrlich gestehen, dass ich das simple Original doch insgesamt noch immer favorisiere, statt in der dritten Dimension oder um die Ecke denken zu müssen, wenn ich meine Steine lege.

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Und wo wir schon bei klassischen Videospiel-Meilensteinen sind: Space Invaders Virutal Collection, ebenfalls nur in Japan auf den Markt gekommen, und eines der rarsten Spiele des Virtual Boys. Erneut bekanntes Spielprinzip: Vom oberen Bildschirmrand trudelt ein Geschwader an Aliens ein, während das auf den unteren Rand beschränkte eigene Schiffe nach links und rechts gesteuert wird, und von hier aus die ganze Formation nach und nach abschießen muss, bis kein Alien mehr lebt. Die feinde schießen dabei gegen und werden nach und nach schneller. Game Over wenn sie den unteren Bildschirmrand erreichen, oder einem die Leben ausgehen.

Ähnlich wie V-Tetris hält sich auch Space Invaders VC ziemlich stark am bekannten Original. Und auch hier gibt es drei Spieloptionen. 2D-Mode ist schlichtweg 1:1 wahlweise Space Invaders bzw. dessen Sequel aus den Arcades von 1978 bzw. 1979. Der 3D-Mode bietet genau die gleichen zwei Spiele, winkelt das Kampffeld allerdings an, so dass die Invader nicht mehr von oben nach unten fliegen, sondern von hinten nach vorn. Der dritte im Bunde sind die Challenges, in denen einzelne Stages auf Zeit oder Score gespielt werden können.

Und joa, dat war es auch schon gewesen an der Space Invaders Virtual Collection. Im Gegensatz zu Tetris verbinde ich mit dem Klassiker keine Kindheitserinnerungen, und vielleicht lies es mich deswegen auch etwas kalt. Mir persönlich ist das Spiel ehrlich gesagt von der Gangart zu langsam, und erneut hilft natürlich der schwarz-rote Screen nicht dabei, das Unterfangen weniger monoton wirken zu lassen.

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Damit wären wir beim Ende der VirtualBoy Ventures angelangt. Das System an sich mag nicht zu Unrecht einen schlechten Ruf genießen, denn ich kann mir das Spielen auf dem eigentlichen Gerät nur als enorm unhandlich und Haltungs- wie Augendverschlechternd vorstellen, zumal wie hier bereits mehrmals erwähnt die Farbwahl mit wenigen Ausnahmen (Horror und Space Shooter) sein Übriges leistet. Das die Spielbibliothek hingegen automatisch auch als Mist betrachtet wird, kann ich nicht unterschreiben.

Nach 16 der 22 herausgekommenen Spiele hab ich doch einen recht guten Überblick bekommen, und keines davon war eine totale Katastrophe, wie das gern hingestellt wird. Man merkt halt eben schon stark, dass das System so kurzlebig war, und quasi dementsprechend nur Launch/Close Launch Window Titel erschienen. Viel ist simples und schnell gemachtes, wie Puzzler oder Sport (die zwei Genere decken schon die halbe Bibliothek ab), und ein paar späte Releases, die doch etwas unfertig rausgehauen wirken, weil das System so plötzlich fallengelassen wurde. Die schlechtesten Spiele sind immer noch näher am Mittelmaß statt Totalausfall, bestenfalls als langweilig zu bezeichnen, und selbst hier gibt es noch ganz interessante Vibes in Beispielsweise Red Alarm oder Innsmouth no Yakata zu verbuchen.

Waterworld und Virtual Lab sind die einzig beiden wirklich schlimmen Dinger, und selbst die wären durchaus auf Durchschnitt zu retten gewesen, wenn sie fertig programmiert worden wären. Dann wiederum, was absolute Highlights angeht, bei denen es wirklich schade ist, dass sie hiermit untergegangen sind, wären auch wiederum nur Jack Bros. und Wario Land nennenswert. Die Bibliothek im Ganzen ist schon eher auf einer relativ gleichbleibenden Qualität vom schwammigen „ganz nett“ einstufbar. Die von mir nicht bespielten 6 sind neben Pinball übrigens ausschließlich Sportspiele, denen ich mal alle ungesehen attestiere ähnlich Virtual Fishing ganz brauchbar zu sein, wenn man sich für den jeweiligen Sport interessiert, und schlimmstenfalls langweilig, wenn nicht.