Lasting Damage

ava-1739Zur Abwechslung zwischen den Kinder- und Jugendbüchern gibt es Heute mal wieder einen waschechten Krimi/Thriller, in Form von Das Fremde Haus der Britin Sophie Hannah. Wikipedia sagte mir im Nachhinein, dass es bereits Buch 6 von momentan 9 in der Waterhouse & Zailer Reihe ist, allerdings merkt man davon beim Lesen nicht wirklich was – scheinbar sind die Kriminalbeamten die Konstante.

Connie schleicht sich nachts heimlich aus dem Bett, um sich den virtuellen Rundgang des zum Verkauf stehenden Hauses Bentley Grove 11, Cambridge anzuschauen. Dort macht sie eine grausige Entdeckung: Mitten im Wohnzimmer liegt eine tote Frau in einer Blutlache. Doch als sie ihren Mann Kit aufweckt und der sich davon überzeugen soll, sieht das Wohnzimmer im Video komplett normal aus.

Bei der Polizei muss sie natürlich auch eine Aussage machen, warum sie überhaupt wie besessen heimlich das Haus observiert: Vor einem halben Jahr hat sie im Navi des Autos ihres Mannes Bentley Grove 11 als Heimatort eingespeichert entdeckt. Seither hegt sie den Verdacht, dass Kit ein Doppelleben mit der dortigen Bewohnerin Selina führt. Sie fährt immer mal wieder vorbei, verfolgt Selina, so dass jene bereits denkt eine Stalkerin zu haben, konnte bisher aber kein Indiz finden, dass ihr Recht geben würde. Dennoch ist sie Felsenfest davon überzeugt, ihr Mann sei schuldig, so wie sie davon überzeugt ist, für wenige Sekunden diese tote Frau gesehen zu haben.

Macht natürlich keinen Sinn. Warum sollte ein Makler ein solches Video von einem Haus online stellen, das er doch verkaufen will? Und welcher Mörder riskiert schon ertappt zu werden, in dem er gezielt sein Werk so zufälligen Fremden präsentiert? Natürlich kann Connie nicht wie zunächst von allen gedacht hysterisch sein, denn wenn da nicht wirklich ein Mord geschehen wäre, hätten wir kein Buch. Obwohl, eine hysterische Art hat Connie sehr wohl. Das Buch über, welches in den Szenen mit ihr aus ihrem Blickwinkel geschrieben ist, verstrickt sie sich wiederholt in mentale Widersprüche, weil sie zum einen ihren Mann noch liebt und glauben will, dann aber das Misstrauen sie sogar soweit treibt, ihn als Mörder der sie in den Wahnsinn treiben will in Betracht zu ziehen. Sie misstraut fast allen Beamten, außer dem ihr von ihrer Therapeutin angedachten Simon. Ihre sich gegenseitig erstickende Familie kann nichts sagen, ohne das Connie es so lange dreht, bis es für sie die möglichst attackierensten Implikationen hat. Das soll natürlich das Raten etwas offen halten, ob Connie nicht doch sich alles oder Teile nur eingebildet hat, doch macht sie das auch nicht unbedingt zu einem sympathischen Hauptcharakter.

Dazwischen gibt es übrigens immer wieder Einschübe zu Simon und seiner frisch Angetrauten Charlie, die eigentlich auf Flitterwochen sind, und eine seltsame Dynamik haben. Wenn man weiß, dass dies eine Reihe ist, merkt man dies wohl hier am Meisten, denn die beiden Polizeibeamten scheinen die Konstante zu sein in ihren Ermittlungen diverser Fälle. Sie kommen hier allerdings bis kurz vor Ende etwas kurz, und so wirklich durchsichtig ist ihr Beziehungszeugs auch nicht.

Was so richtig gut im Buch allerdings ist, sind eben nicht unbedingt die Charaktere, sondern ist das Mysterium. Bis auf die letzten knapp 150 Seiten dreht sich das Buch im Kreise, schlägt ständig Haken, und dies meine ich nicht unbedingt negativ, solange man keinen geradlinigen Krimi erwartet. Stattdessen werden die Ermittlungsergebnisse immer skurriler, passt immer weniger zusammen, kommen wiederholt Dinge heraus, die alles nur noch verwirrender machen. Wer hat denn jetzt was wieso weshalb warum gemacht und wie passen all jene Merkwürdigkeiten zusammen, dies hält die ersten 400 Seiten über wirklich gut bei Stange, ich war nie gelangweilt, evtl. von einem überlangen Besuch Connies bei ihrer Familie mal abgesehen, sondern wollte immer wissen, was da als nächstes kommen wird. Dass alles auf die schnelle in zwei großen Exposition Dumps rausgehauen werden muss, einer davon vom anscheinend fast hellseherischen Simon, will mich dann auch gar nicht so stören. Sicherlich, ein wenig unfein ist sowas schreiberisch gesehen, aber anders geht es in dieser Situation auch kaum.