The Dragon and the Wolf

Das Ende naht. Mit einer verkürzten siebten Staffel, die nur sieben statt der üblichen zehn Folgen beinhaltet, dafür deren Länge teilweise auf über eine Stunde zieht, statt konstant knapp darunter zu bleiben, sind wir im Vorfinale angekommen. Was natürlich bedeutet, dass verbliebene Storylines und Charaktere weiter zusammengetunnelt werden.

Wobei die drei Stark-Kinder Arya, Sansa und Boredom etwas ab des Geschehens sind. Aber fast die interessanteren Etappen haben. Arya beginnt die Staffel eh ziemlich cool, indem sie jeden Mann des Hauses Frey ermordet, um sich für die Rote Hochzeit zu rächen. Und auch Sansa darf direkt erst Mal Jon Snow vorwerfen, dass Ned und Robb an ihrem eigenen dämlichen Gutmenschtum gestorben sind, welchem Jon vehement nachgeht. Das beweist mal wieder, dass die Starks eigentlich gar nicht so blöd und langweilig sind, denn die Stark Frauen waren schon immer ziemlich stark und toll in der Serie, es sind nur die Stark Männer, bei denen ich Sekunden in eine Szene mit jenen das Interesse daran verliere, was gerade geschieht. Brandon hat es irgendwie geschafft, nun da er der Three Eyed Raven ist, sogar noch langweiliger zu werden. Aber hey, wie Littlefinger versucht die Mädels gegeneinander auszuspielen, und diese ihn letztendlich loswerden, war eine interessante B-Handlung der Staffel.

Dummerweise dreht sich die A-Handlung nun maßgeblich um Jon Snow, den ich wohl tatsächlich bis ins Finale der Serie ertragen werden muss, obwohl seine Figur bereits zehn Mal hätte tot sein sollen, und es einmal sogar bereits war. Der hat mir echt die siebte Staffel mit seiner Präsenz ein wenig verdorben, um ehrlich zu sein. Ich verstehe nicht, was die coole Daenerys in dem kolossalen Langweiler sieht, außer einen optisch ansprechenden One-Night-Stand vielleicht. Und das wir nun herausgefunden haben, dass er nicht nur wie die sechste Staffel offenbarte neben dem Stark-Blut auch Targaryen-Blut in sich hat, sondern auch noch in heimlicher Ehe gezeugt wurde, also legitimer Erbe ist, lässt mich schlimmes ahnen. Wenn Jon Goddamn Fucking Snow am Ende der Serie auf dem Iron Throne landet, kippe ich jeden Tisch in diesem Hause um. Vielleicht erbarmt sich mir auch einer, und macht daraus eine tragische Plotline, in der Daenerys ihren Geliebten ermorden muss, damit er ihr besagten Thron nicht streitig machen kann. Aber dafür hat Jon Snow mittlerweile glaube ich zu viel Plot Armor an. Ich meine mal ernsthaft, es war schon etwas lächerlich, wie er mit seinen Merry Man in den Norden gegangen ist, um einen White Walker zu fangen, sie von einer Übermacht umzingelt wurden, und Jon Snow gleich zwei Mal innerhalb zehn Minuten hintereinander in letzter Sekunde gerettet wurde, zuerst durch Daenerys Dragon Ex Machina, und dann in seinem heroischen Last Stand direkt darauf erneut.

Es ist übrigens erneut niemand gestorben, den ich als Save eingestuft hätte. Littlefinger war eventuell etwas überraschend, aber so richtig die absoluten Zentralfiguren sind noch alle da. Selbst Jaime überlebt gleich zwei Instanzen, zunächst wenn Daenerys mit ihren Drachen seine Armee zerstört, und dann, wenn er sich von Cersei am Ende abwendet, obwohl ich ihm beide Male gute Sterbemöglichkeiten eingeräumt hätte. Aber zentrale Figuren sterben in Game of Thrones halt partout nicht mehr, zumindest nicht in Staffel 6 und 7.

Der Hauptkonflikt der Serie ist nun natürlich der Krieg zwischen Daenerys und Cersei, wer hätte gedacht das im Finale sich mal zwei Königinnen gegenüberstehen würden. Wobei Daenerys so ziemlich das gleiche Problem hat, wie schon die ganze Serie über: Sie könnte so einfach mit ihrer Übermacht die Macht an sich reißen, aber um eben kein Despot wie diejenigen vor ihr auf dem Thron zu werden, kann sie halt nicht einfach alles schnell niederbrennen. Dann verliert sie hier auch noch die Häuser Dorne und Tyrell und einen ihrer drei Dachen, so dass wir mal sehen müssen, ob ihre Entscheidung fair zu spielen nicht ins Wanken kommt. Während der einen Schlacht lässt sie ja bereits eine Hölle aus Feuer und Stahl auf die Lannister-Armeen herniederregnen, was definitiv ein Vorgeschmack dessen ist, was geschehen könnte. Cersei ist sowieso bereit alles und jeden zu ignorieren und zu hintergehen, weswegen sie am Ende der Staffel selbst die Unterstützung ihres Bruders Jaime verliert und nun tatsächlich ganz alleine dasteht. Das politische Geplänkel zwischen den beiden Damen, wann immer Jon Snow sich nicht eingemischt hat, war definitiv auch nicht uninteressant.

Und zum Schluss, der zweite A-Plot, der uns theoretisch die ganze Serie über bereits begleitet, von dem man aber keinem vorwerfen kann, wenn jener ständig wieder zwischenzeitlich vergessen wurde, ist die Bedrohung durch die White Walker. Frost Zombies sind halt einfach nicht so interessant wie Charakterintrigen, und wann immer sich die Serie um sie dreht, geht es mir ein wenig so, wie wann immer ein männlicher Stark die Szene betritt, nämlich mein Interesse fällt deutlich ab. Immerhin hat Jon Snow jetzt mal alle davon überzeugt, dass jene wirklich existieren, Daenerys mit ihrem Drachenfeuer will ihm helfen, und die Viecher haben nach schier endloser Wanderung doch tatsächlich den Wall überquert und Dringen in Westeros ein. Meine Hoffnung ist dennoch, dass jener Part eher einen kleineren Teil der sechs Folgen der Finalstaffel einnimmt, weil ich Game of Thrones ehrlich nicht einschalte, um eine weitere Zombie-Serie zu sehen, auch nicht eine im Mittelalter-Fantasy.

Und das war Staffel 7 für mich. Weiterhin kann ich das Gefühl, welches sich bereits in Staffel 6 eingestellt hat, nicht ganz abschütteln, dass sie nun, wo sie von den Büchern weitestgehend getrennt verläuft, sicherer und vorhersehbarer geworden ist. Investiert bin ich dennoch voll ins Geschehen, solange Jon Snow nicht alles ausbremst, was er hier leider viel zu häufig macht. Auf das er in Staffel 8 sterben mag. Aber vorher wird sein magisches Sperma erst mal Daenerys Unfruchtbarkeit heilen, nehme ich mal an.

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The Winds of Winter

Ab April diesen Jahres wird mit der achten Staffel Game of Thrones sein Ende finden, und ich hinke immer noch hinterher. Vor fast drei Jahren habe ich die Serie zum letzten Mal gesehen, und zwar nicht die damals aktuell laufende sechste, sondern erst die fünfte Staffel. Habe ich da überhaupt noch eine Chance mitzukommen?

Ja, absolut sogar. Von vielen Charakteren wollte mir vielleicht nicht sofort der Name mehr einfallen, sobald sie zum ersten Mal den Bildschirm betraten, aber insgesamt ist die Serie jetzt, wo es rapide gen Finale geht, eine ganze Ecke unkomplizierter geworden. Ich möchte geradezu sagen etwas gewöhnlicher sogar, oder bilde ich mir das nur ein, weil ich weiß, dass sich nicht mehr auf die Bücher gestützt werden kann, sondern die Drehbuchautoren auf eigenem Glatteis schreiben müssen?

Zugegeben beginnt die Staffel für mich nicht unbedingt an den motiviertesten Stellen, sondern bietet in den ersten drei Folgen unter anderem direkt all jene Charaktere, die ich lieber nicht mehr in der Show hätte. Wir beginnen mal wieder an diesem unsäglichen Wall, von dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der langweilige Stark-Abkömmling, der seit gefühlt dreihundert Jahren im Visionen-Baum hockt, ist wieder mit dabei und hockt weiterhin schier ewig im Baum rum. Aus irgendwelchen Gründen gibt es immer noch Szenen mit Jon Snows fettem Freund und seiner Trulla, die ich eigentlich für erfolgreich aus der Serie herausgeschrieben erachtet hatte. Und Jon Snow ist zurück, um wie gewohnt hübsch auszusehen, permanent wie ein getretener Welpe in die Kamera zu blicken, und massiv das Publikum zu langweilen.

Was wäre es so geil gewesen, wenn der wirklich einfach weiterhin tot wäre. Nicht nur, weil ich mit ihm noch nie was anfangen konnte, sondern weil es einem als Zuschauer auch zeigen könnte, dass weiterhin jeder Charakter Fair Play ist, wenn es um ein mögliches Ableben geht. Stattdessen fühle ich mich persönlich so, als hätte ich mittlerweile ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wer ein zu zentraler und wichtiger Charakter ist, um wirklich noch je ernsthaft in Gefahr zu sein, zumindest bis in die finale Staffel überleben wird. Wenn Arya Stark von ihrem Javert durch die Straßen der Stadt gejagt wird, oder wenn Jon Snow im Battle of the Bastards in jede einzelne Falle von Ramsey tappt, hatte ich nie auch nur für eine Sekunde in Betracht gezogen, dass dies wirklich ihr Ende bedeuten könnte. Lang her sind die Tage der Hinrichtung von Ned Stark oder einer Roten Hochzeit.

Aber irgendwann wendet Jon Snow wenigstens dem Wall den Rücken zu. Und auch aus dem Baum kommen wir raus. Wobei das Ableben von Hodor zwar eine gute Szene war, die Begründung, warum er nur dieses eine Wort sagen konnte, aber sowas von dämlich ist. Ich habe aber allgemein Game of Thrones mehr gemocht, als es noch weitestgehend in schnöder Realität verankert war, statt das an jeder Ecke scheinbar ein Seher oder eine Priesterin steht, die irgendwelchen Wortbrei über Religionen, Prophezeiungen und Schicksale von sich geben und eine gewisse magische Vorbestimmtheit eingebracht wird.

Ich konnte die sechste Staffel zumindest nicht schauen, ohne einen leichten Geruch von Scriptwriting 101 in der Nase zu haben. Die Staffel wirkte häufig nicht mehr ganz so überraschend, nicht mehr ganz so fies, einfach etwas vorhersehbarer und mit mehr Genre-Tropes versehen. Wie häufig kommen Charaktere hier in eine extrem brenzliche Lage, nur um in letzter Sekunde gerettet zu werden? Es gibt gleich mehrere Szenen, in denen Daenerys cooles Showmanship zur Machterlangung hinlegt. Und mal ganz ehrlich, wäre dies hier noch Staffel 4 oder so gewesen, wäre Jon Snow mit seinem idiotischen und unüberlegten Heroismus im Battle of the Bastards gestorben und seine genauso dämlich agierende Armee gleich mit, statt mit viel Pathos und einer weiteren Unterstützung in letzter Sekunde zu siegen. Gutmenschentum und Pathos wurden in der Serie bisher häufig bestraft, weil es keine gute Überlebensstrategien sind, während sie in Staffel 6 geradezu zelebriert werden.

Was nicht bedeutet, dass es nicht auch viel Gutes in der Staffel gibt. Genau genommen ist die Serie weiterhin die meiste Zeit über sehr spannend und geil gestaltet. Ich liebe es beispielsweise, wie einfach die Lannisters absolut von der neuen Religion überrannt werden, weil sie es schlichtweg nicht gewohnt sind, es mit jemandem zu tun zu haben, der absolut ehrlich überzeugt von seiner Sache ist, oder was für eine Macht doch selbst einfache Menschen in der Masse erreichen können, wenn sie scheinbar nichts mehr zu verlieren haben, ganz davon abgesehen, wie sehr sich Kults eben um charismatische Anführer aufbauen. Daenerys ist weiterhin eine coole Lady, egal wie aufgesetzt einige ihrer Szenen sein können, ihre großen Gesten sind cool, und auch wenn sie etwas zu einfach aus dem Konflikt mit den Mastern geschrieben wird (sie greifen von sich aus an, statt dass sie hinterher wirklich noch unkomfortablen Frieden mit Sklavenhändlern schließen müsste), so bewegt sie sich auch endlich mal wieder. Einige Tode sind immer noch überraschend, wie beispielsweise die Machtergreifung in der ersten Folge in Dorne, und zeigt sehr gut, warum man die Serie zu schauen begonnen hatte. Die Machtverteilung ist nämlich eben nicht langfristig in Stein gemeißelt.

Dass Best Boi Jorah sich endlich seiner Daenerys offenbaren darf, oder die Freundschaft zwischen Jamie und Brienne sind sowieso ganz schnuckelige Szenen, die immer gehen. Auch hier glaube ich nicht, dass ich mich in früheren Staffeln bei zwischenmenschlichen Freundschaften je so sicher gefühlt habe, dass nicht mindestens einer davon den anderen eventuell zu betrügen plant, doch so ein wenig ernste Freundlichkeit kann auch Game of Thrones nicht schaden.

Und wir bewegen uns nun definitiv stark aufs Ende zu. Spätestens in der letzten Folge scheint alles in Bewegung zu sein. Daenerys ist endlich auf der Überfahrt nach Westeros. Cersei, die zuletzt etwas zum ohnmächtigen Zuschauer verkommen war, brennt im wahrsten Sinne des Wortes alles nieder. Dorne, Tyrell und Daenerys Abgesandter verbünden sich gegen die Lannisters. Jon Snow wird der König im Norden. Der Cast an Charakteren ist stark ausgedünnt, um einiges an Ballast loszuwerden.

Wenn ich also auch während des Verlaufes der zehn Folgen hin und wieder mal eine Augenbraue hochziehen musste (und diese leichte Schwächen im Schreiben sind mehr im Direktvergleich zu den fantastischen ersten Staffeln denn sonstwas), so war ich am Ende wieder voll und ganz gehyped, wie es denn weitergehen wird, wenn die verbliebenen Charaktere aufeinanderzutreffen beginnen.

The House of Black and White

ava-1997Mensch, Mensch, Mensch, wo ist die Zeit nur geblieben? Da läuft gerade die von allen hoch erwartete Season 6 von Game of Thrones an, und ich habe immer noch nicht die letztjährige Season 5 geschaut. Irgendwo zwischen „im Moment keine Muse dafür“ und „total vergessen“ ist sie untergegangen, egal wie häufig ich mir „nächstes Wochenende aber bestimmt“ vorgenommen habe.

Nun ja, die Staffel beginnt ganz traditionell damit, dass ein Stark ein Idiot ist. Diesmal darf Jon Snow beweisen, dass obwohl er ein Bastard ist, jenes Familienblut auch durch seine Adern fließt. Mehrfach durch die Staffel hindurch übrigens, denn diesmal ist seine Rolle recht ausgebaut, und die neuerlangte Macht nutzt er, um ein Gutmensch zu sein. Und wann immer ein Stark in Game of Thrones lieber vom moralisch-hohen Ross aus den Gutmenschen heraushängen lässt, statt mit allen anderen im Dreck zu spielen, wissen wir ja mittlerweile, was mit demjenigen geschehen wird. Der Julius-Cäsar-Moment im Finale der Staffel war dann auch das Highlight der ganzen Season. Ich bin noch nie so glücklich aus einer Folge Game of Thrones gegangen. Darf man darauf hoffen nie wieder den Langweiler sehen zu müssen? Weniger Handlung an der blöden Mauer mit den dämlichen Zombies?

Zumal die Staffel auch Sam endlich los wird, den fetten Nichtsnutz mit seiner umnachteten Tussi. Er wird einem hier sogar zum ersten Mal ein wenig sympathisch gemacht, bevor er abziehen darf. Wobei ich hier schon auf das Beste gehofft habe, denn wann immer ein Nebencharakter plötzlich seine Rolle vergrößert sieht… nun sagen wir mal, da passiert in der Serie normalerweise das, was Starks beim unreflektierten Gutmenschtum passiert. Ganz so endgültig ist sein Entscheiden dann leider zwar nicht gewesen, aber auch hier hoffe ich auf das Beste, nämlich ein Nimmerwiedersehen. Wir haben hier übrigens mehrere solcher Nebencharaktere, die plötzlich verdächtig viel Dead-Man-Walking Screentime bekommen, beispielsweise zwei ganz bestimmte Töchter.

Nein, nicht die beiden Stark-Mädels. Ich mein, durch sie fließt Stark-Blut, also passiert auch ihnen nichts Gutes in dieser Staffel, aber überleben tun sie bisher dann doch noch. Und was die anderen Stark-Jungs angeht, die sehen wir die ganze Staffel nicht, yay. Ernsthaft, wann immer es um Jon Snow am Wall oder um Krüppel-Stark mit seinen Visionen in der Serie ging, verlor ich immer sofort das Interesse, von daher schon mal schön, dass Season 5 mich zumindest vor einem davon bewahrt hat.

Cersei ist übrigens überraschend dämlich diese Staffel. In King’s Landing ist ein neuer religiöser Kult aufgetaucht, mit dem Sonnengott die zweite Parabel zum christlichen Glauben, die hier alle diese Armuts-Demuts-Schoße machen, den Unterprivilegierten helfen, aber auch ganz bös jene strafen, die gegen ihre eisernen Tugendsklauseln verstoßen. Cersei, sich voll und ganz bewusst das einer der Anhänger einer ihrer Cousins ist, mit dem sie rumgemacht hat, gibt ihnen doch tatsächlich die nötige Unterstützung, um dies auch im großen Rahmen durchziehen zu dürfen. Natürlich um zunächst unangenehme Hausgäste loszuwerden, aber das und wie dies auf sie selbst zurückfallen würde, war ja von Anfang an klar, und ich hatte die gute Frau für schlauer eingeschätzt, als sich so vorhersehbar ein Eigentor zu gönnen.

Okay, was sonst noch so… hmm. Übliche Dinge halt. Ein weiteres Haus fällt. Die Khaleesi hängt immer noch mit ihrem Befreite-Sklaven-Problem am anderen Ende der See fest. Wobei Season 5 sie ganz am Ende daraus Dragon-Ex-Machina-ed, und zu hoffen ist, dass sie in Season 6 dadurch wieder auf ihren ursprünglichen Weg statt zurück in den Stunlock findet. Dorne ist immer noch eine Enttäuschung. Mal ernsthaft, dieses exotische Nicht-Spanien mit seiner mächtigen Herrscherfamilie, die total mies auf die Lannisters zu sprechen ist, wird immer so von der Serie hochgehyped, aber dann geschieht doch nicht so viel. Apropos Lannisters, die fallen zusehends auseinander, jetzt wo das ungeliebte Oberhaupt nicht mehr die Zügel in der Hand hält. Natürlich gibt es auch diesmal wieder viel nackte Haut, wobei witzigerweise die Serie nicht so viele der berühmten Hurenhaus-Szenen dafür findet, sondern ausgerechnet durch die prüde Selbstgerecht-Sekte nun so einige einen nackten Marsch einlegen dürfen.

Um ehrlich zu sein bin ich weiterhin der Meinung, dass die beste Staffel Game of Thrones bisher Season 3 war. So ganz das gleiche Momentum und die gleichen Überraschungen kann die Serie seither nicht aufrecht erhalten. Auch Season 5 war interessant, wirkte aber wie Season 4 häufig etwas auf der Stelle tretend, bzw. die Schachfiguren für die wirklich wichtigen Ereignisse in Position bringend. So richtig Rund ging es eigentlich erst auf die letzten 3 der 10 Folgen.

The Lion and the Rose

ava-1612Okidoke, Game of Thrones: Season 4. Was geschah noch mal in der letzten Staffel? Die Lannister waren fies, aber interessant. Die Starks waren so pannend wie trockenes Weißbrot und sind durch ihre eigene Dummheit umgekommen. Daenerys hat Drachen, ist awesome, und nun dazu noch eine Armee, hat die Narrow Sea aber immer noch nicht überquert. Really, same business as usual.

Was Season 4 angeht muss ich sagen, dass ich etwas gemischter Gefühle bin. Wirklich. Game of Thrones ist und bleibt eine gute und komplexe Serie. Aber Season 4 reicht an die geniale Season 3 wirklich nicht heran. Die erste große „Oh Shit!“-Überraschung gibt es hier beispielsweise erst am Ende von Episode 8, statt durch die ganze Staffel. Ich mein in Game of Thrones läuft gewohnt nicht alles wie erwartet ab, aber so richtig große Überraschungen halten sich eher zurück. Und vielleicht war es auch keine so tolle Idee, Buch 3 in zwei Staffeln aufzuteilen, oder zumindest so, wie es geschehen ist. Denn scheinbar sind die interessantesten Dinge in Season 3 geschehen, während vieles in Season 4 eher wie die B-Plots, die über waren, wirkt.

Zwei wichtige Dinge passieren in dieser Staffel: Die purpurne Hochzeit, und der Kampf um den Wall. Erstere geschieht in Episode 2, letzteres in Episode 8. Der Rest fühlt sich häufig etwas wie Leerlauf an. Und so groß die Ermodrung von Joffrey ist, so wenig scheint daraus anschließend zu kommen. Ich mein in der Szene an sich schneiden sie immer wieder auf Sansa, ihren Befreier, die beiden Tyrells, Tyrion und natürlich den Prince of Dorne… man sollte also meinen, es wäre da so früh passiert das große Mysterium der Staffel, wer wirklich hinter dem Gift steckt. Aber nope, wir finden das ziemlich schnell und fast nebenbei heraus, und so wirklich für interessieren scheinen sich die Lannisters auch nicht, weil sie lieber die Gelegenheit nutzen, um Tyrion beseitigt zu bekommen. Und es scheint auch kein Machtvakuum zu kreieren, da sie einfach den Nächstgeborenen auf den Thron setzen, ja eigentlich sind alle ganz froh, dass sie jetzt jemanden auf dem Eisenthron haben, der einfacher zu manipulieren und kein wahnsinniger Tyrann ist. Immerhin finden wir heraus, dass das Haus Lannister vielleicht doch nicht so gut steht, wie es bisher erschien, sondern ihre Macht bald schwinden könnte, wenn sich Haus Tyrell nicht von ihnen umgarnen lässt. Und die Tyrells sind sowieso das beste Haus der Serie seit der letzten Staffel, von daher ist Dank ihnen und Tyrion fast jede Szene in King’s Landing gewohnt interessant.

Derweil gehen die meisten Nebenplots irgendwie nirgendwo hin. Beginnen wir doch bei den gewohnt langweiligen Starks. Arya ist immer noch auf ihrer endlosen Odyssey durchs Nichts, immer einen Schritt davon entfernt, auf ihre Familie zu stoßen, was ihr gewohnt verwehrt bleibt. Sansa zumindest interagiert mit den interessanteren Charakteren in King’s Landing und schafft es nach ewigen Staffeln doch tatsächlich, aus der Stadt zu entkommen. Jon Snow…. ist Jon Snow und wird es immer bleiben. Ein Langweiler, gespielt von jemandem, der scheinbar nur einen Gesichtsausdruck drauf hat, und ständig an der blöden Mauer mit anderen uninteressanten Charakteren beschäftigt. Das ist wohl auch ein Problem der Staffel: Der Plot um Jon Snow ist plötzlich einer der A-Plots und wer interessiert sich schon für den Wall-Mist. Die Schlacht um den Wall nenn ich gern die Schlacht um Helm’s Deep, weil es a) ewig dauert, bis es endlich los geht und b) ewig dauert, bis es beendet ist. Die komplette Staffel gibt uns wieder und wieder Szenen, wie Jon Snow fruchtlos versucht, die Krähen mobil zu machen, oder wie die Wildlinge immer näher rücken, aber wirklich in beiden Lagern essentiell nicht viel spannendes geschieht. Erst in Episode 8 kommt es endlich zum Kampf, der dafür aber auch die vollen 50 Minuten dauert. Und ich mein, sicher ist der ganz spannend, und wohl das längste und größte Action-Setpiece in der Serie bisher, aber müssen wir für die blöde Wallverteitigung wirklich eine volle Episode opfern? Und am Frustrierendsten ist, dass bei all den toten Charakteren der Show, der nervtötende Sam und sein zurückgebliebenes Love Interest erneut überleben. Wie viele Szenen will die Serie noch an die beiden Charaktere verschwenden?

Daenerys derweil… kommt ebenfalls nicht voran, und ist ehrlich gesagt ein wenig dumm in dieser Staffel. Sie befreit also in mehreren Stadtstaaten die Sklaven. Warum? Weil Sklaverei doof ist und sie zu befreien sich gut anfühlt. Ähm, Daenerys, ich weiß ja nicht so sehr, ob du aufgepasst hast, aber unüberlegtes Gutmenschentum bringt einen in Game of Thrones schnell mal um. Jedenfalls merkt sie ziemlich schnell, dass sie die ganez Sache nicht gut durchdacht hat. Was macht sie denn jetzt mit all den Sklaven? Mit all den befreiten Städten? Mit dem neuen Machtvakuum dort? Eigentlich wollte sie ja ursprünglich nur die Unsullied befreien, damit sie eine Armee hat, mit der sie Westeros erobern kann. Nun hat sie sich drei Stadtstaaten an den Fuß gekettet, die sie nicht einfach hinter sich lassen kann. Fein gemacht.

Das ist einfach der gesamte Eindruck der Staffel: Die Sachen in King’s Landing, die sich um die Lannisters und Tyrells drehen, sind interessant wie eh und jeh, weil das die Charaktere sind, die am vielschichtigsten sind, bei denen immer was los ist, denen zu folgen spannend ist. Und gleichzeitig wird wieder und wieder zu anderen Charakteren geschaltet, sympathische wie langweilige, um uns daran zu erinneren, dass sie noch existieren, bei denen die Szenen aber häufig zu nichts wirklich führen, höchstens gegen Staffelende endlich mal ein Payoff kommt, wie im Falle von Stannis Baratheon. Dadurch wirkt die Staffel etwas unaufgeräumt und durcheinander auf mich.

Was ich ja auch immer leiden konnte an Game of Thrones, ist das man sich nie zu sicher sein kann. Danse Macabre, Valar Morghulis. Charaktere werden ohne weiteres umgebracht; lang eingeführt, bevor sie wirklich wichtig werden; nur weil sie gewissen Archetypen aus Erzählungen enstprechen, ist man nicht garantiert, dass sie jene Erwartungen auch hier erfülllen. In Season 4 hingegen fühlte ich mich viel zu sicher für Game of Thrones. Und die lang angelegten Charaktere, die lange nichts Wesentliches tun scheinen, oder groß mit ihren Racheplänen an den Lannisters aufgebauscht werden, nur um dann doch plötzlich zu sterben, bevor sie was in der Richtung getan haben, verwässern die Serie eben manchmal einfach auch.

Wie um für den etwas schwächeren Plot gutzumachen, ist Season 4 übrigens die bisher grafischste Staffel. So schließt die Serie zu Spartacus und True Blood darin auf, dass wir nun auch hier Full Frontal Male zu sehen bekommen, sowie mehr Gore-Details in den Kämpfen, besonders was The Mountain angeht.

The Rains of Castamere

ava-1378Da sind wir nun, Game of Thrones: Season 3, die Staffel, die das Internet in Flammen aufgehen lassen hat. Was etwas schade ist, denn so konnte ich Spoilern nicht ganz entgehen, was die angeblich schockierende Folge 9 anging. Dann wiederum hat mir Season 3 wieder gezeigt, warum ich es so handhabe, dass ich warte, bis eine Staffel abgeschlossen ist, bevor ich sie zu schauen beginne, denn ich hätte hier sicher nicht je eine Woche zwischen zwei Folgen warten können, um zu wissen, was als Nächstes geschieht.

Um ganz ehrlich zu sein fällt es mir momentan sogar etwas schwer, mich daran zu erinnern, was die Haupthandlung ist. Season 3 ist doch stärker Charakterbezogen, die „Karma is a bitch“-Staffel, die sich mehr darum dreht, dass die Charaktere die Nachwehen ihrer Handlungen in der vorigen Staffel zu spüren bekommen. Das Oberhaupt der Lannisters ist also zurück in King’s Landing und regiert seine Kids mit eiserner Hand, nachdem die bisher aller wild außer Ruder gelaufen sind. Die Starks sind dabei den Krieg zu verlieren, nachdem Robb sein Eheversprechen brach, und seine Mutter Jaime entkommen ließ. Jon Snow ist bei den Wildlingen untergekommen, nachdem die Krähen untergegangen sind. Winterfell ist niedergebrannt, die beiden jüngsten Starks auf der Flucht, und der dafür verantwortliche Theon wird gefoltert. Stannis Baratheon hat die Schlacht um King’s Landing verloren und gerät immer mehr unter die Fuchtel der Roten Hexe und ihres Lichtgottes.

Und die Mutter der Drachen ist plain awesome. Ernsthaft, in der ersten Staffel konnte ich sie ja nicht wirklich leiden, so als Randcharakter am anderen Ende der Welt, die total verschüchtert war, und hatte nicht gerade die schönsten Titten, muss sie aber ständig zeigen. Umso interessanter der Kontrast zu dem Charakter, zu dem sie mittlerweile geworden ist, mit Nichts begonnen hat sie nun Drachen und eine Armee zur Hand und ist bereit, Westeros in Flammen aufgehen zu lassen. Sollte das Mädel jemals die See überqueren, können wir uns auf viel mehr einstellen, als die Rote Hochzeit. Es hilft natürlich, dass jede Staffel mit einer letzten epischen Szene von ihr enden zu haben scheint. Ernsthaft, Daenerys Targaryen ist mittlerweile einer meiner drei Lieblingscharaktere.

Die anderen beiden wären Jaime Lannister und Brienne of Tarth, die beide hier eine unglaublich interessante Beziehung aufbauen. Und wer hätte das gedacht, dass Game of Thrones es doch tatsächlich schafft, Jaime nach all diesen Folgen sympathisch zu machen! Klar, dafür muss er erst mal gebrochen werden, aber egal. Ich hatte sogar recht befürchtet, dass er einer der Charaktere ist, die diese Staffel das Zeitliche segnen, jetzt wo er kein Arsch mehr ist. Besonders erwähnt werden sollen aber auch die beiden Newcomer Olenna Redwyne, die alte Lady, die mir scharfer Zunge das sympathische Haus Tyrell anführt, sowie Ramsay Snow, der sadistische Folterer Theons, der so herrlich fies und wahnsinnig ist, dass man nicht wegschauen kann.

Aber mal zurück zur Roten Hochzeit. Ich muss sagen viel gespoilert wurde mir nicht, ich wusste nur, dass das halbe Internet plötzlich am Rande der Fassungslosigkeit war, die „Game Changer“ Episode, sowie der angebliche Beweis von George R. R. Martins „Kill everyone“-Faibles. Anschließend war ich etwas enttäuscht, muss ich schon sagen. „Game Changer“ ist stimmig, in einer doch sehr dramatisch und stimmig inszenierten Szene gegen Ende sterben Charaktere, durch deren Tod der laufende Krieg so nicht weitergehen wird. Aber von einer Charakter-Seite? Es sterben 3 Leute und 1 Wolf. Mehr nicht (ok, gut, und eine kleine Armee an Anhängern, aber keiner zählt Statistenrollen). Und keiner von den drei interessanten Charakteren, sondern drei Langweiler. Ich würde drei Lannisters mehr vermissen, wenn auch (mit zwei Ausnahmen) alle ziemlich unausstehliche Fieslinge sind, so ist jenen zu folgen, herauszufinden was sie als nächste schreckliches planen, immer interessant. Meine „ho shit“-Episode hingegen war 304 „And Now His Watch is Ended“, die übrigends auch einen recht hohen Body Count bringt, und große Schatten wirft, deren Payoff wir wohl erst nächste Staffel erleben. Allgemein gab es in den anderen Folgen wesentlich mehr überraschende Momente für mich, denn zur Roten Hochzeit. Und das ist nicht nur, weil ich bereits wusste, dass wir hier Charaktere verlieren werden, sondern es wird auch meiner Meinung nach weit telegraphiert, was auf der Hochzeitsfeier passieren wird. Und mal ehrlich, wer zur 29. Episode immer noch nicht gewahr war, dass in Game of Thrones kein Charakter sicher ist, hat schlichtweg bisher nicht gut aufgepasst. Das ist ja einer der Gründe warum ich die Serie so sehr mag: Sie ist alles andere als vorhersehbar. Man kann sich nie sicher sein was als Nächstes passiert, wenn scheinbar große Plotpunkte sich doch nicht so auszahlen, wie erwartet war – und wenn Charaktere in Gefahr geraten, muss man echt um sie bangen, da auch Hauptcharaktere nie sicher sind.

Von daher, gerade auch wegen des Hypes darum, ist ausgerechnet die Rote Hochzeit einer der Punkte der Serie gewesen, zu der ich am Wenigsten gepackt war. In einer Staffel, die bisher definitiv die beste ist. Nicht nur gibt es hier die fiesesten Wendungen, sondern neben dem ewigen Gerede auch einen höheren Anteil an brachialer Action.

The North Remembers

ava-1345Ich muss echt aufholen. Jetzt ist doch sogar schon die dritte Staffel durchgelaufen, mit sich bringend eine Lawine von Youtube-Reaktionsvideos auf die Rote Hochzit, wie es sie seit 2 Girls 1 Cup nicht mehr gab, während ich noch nicht Mal die zweite gesehen hatte.

Als wir die Welt von Game of Thrones zuletzt verließen, war King Robert tot, wodurch der junge Joffrey auf dem Thron Platz nahm und prompt Eddard Starck köpfen lies, drohte der doch mit seinem Wissen, dass Joffrey gar nicht der Sohn Roberts ist, sondern wie alle Kinder dessen Ehefraus Cersei aus Inzest mit ihrem Bruder Jaime entstand. Dies brach einen Krieg zwischen den Starcks und dem Eisenthron von der Stange.

Doch ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht, gerade zu Zeiten einer Thronfolge, dann noch einer so turbulent-wackeligen, ziehen sich selbstverständlich schnell die Geier zusammen, und so sind wir mitten im „Krieg der fünf Könige“. Robb Starck hat den Norden für unabhängig erklärt und führt seine Armeen gegen die des Königs, deren Anführer Cerseis Vater Tyrwin Lannister ist. Haus Greyjoy ziehen derweil ihre Flotte aus, um den schwächer bewachten Norden anzugreifen, sich rächend an den Starcks, die sie sich Untertan machten. Währenddessen braut sich eine weitere Flotte zusammen, um gegen King’s Landing zu segeln, sind doch zwei weitere Söhne des Hauses Baratheon davon überzeugt, besser auf dem Eisenthron sitzen zu sollen, denn Joffrey – gerade wo dessen Abstammung gerüchteweise alles andere als rechtmäßig ist. Doch zunächst geraten die beiden mit ihren Armeen aneinander.

Nebenbei sehen wir noch, was Jon Snow, Bastard von Eddard Starck, in seinem Dienst an der Eismauer im hohen Norden erlebt; folgen Arya Starck, die nachdem sie die Hinrichtung ihres Vaters in King’s Landing miterleben musste, von dort geflohen ist; und natürlich was die letzte Überlebende aus dem Hause Targaryen, die Mutter der Drachen, am anderen Ende der Welt treibt.

Ich habe einen enormen Nachteil, wenn es um das Schauen dieser Serie geht. Ich habe nämlich ein miserables Namensgedächtnis, muss sehr häufig ein Gesicht zu jenem Namen präsentiert bekommen, bevor ich mir merken kann, wer gemeint ist. Game of Thrones hat nicht die Zeit, mir jene Nettigkeit zu geben. Zum einen hat es einen Cast of Thousands, es gibt enorm viele Mitspieler in diesem Spiel um den Eisenthron, viele davon erscheinen und entschweben dem Rampenlicht ständig, was ihre Wichtigkeit angeht (Jaime, ein Hauptcharakter in Staffel 1, hat hier beispielsweise kaum Screentime). Oder scheinen wichtig, nur um dann doch recht schnell zu sterben – eine Sache, bei der die Serie mehrmals bewies, keine großen Probleme mit zu haben, Charaktere endgültig los zu werden. Zudem ist es eine sehr wortreiche Serie, wir sind hier mitten im Krieg, aber bis auf die Schlacht um King’s Landing im Finale bekommen wir doch tatsächlich keine einzige Auseinandersetzung zu sehen, weil es viel zu viel Pläne, Verrate, Taktikten und Bündnisse im Hintergrund zu schmieden und brechen gibt, die in die 10 Folgen gequetscht werden müssen. Das resultiert schlichtweg dahin, dass viele Namen häufig in Konversationen auftauchen, ohne dass vorher die dazugehörige Person viel zu sehen war. Ich glaub ab der nächsten Staffel muss ich mir nebenbei doch mal einen Tab öffnen, in der ich eine jener Charakterkollagen aller Hauptpersonen und ihrer Verbindungen zueinander geöffnet habe.

Ich mag die komplexe Serie auf jeden Fall sehr, ist ziemlich packend, vor allem jetzt, wo wir das Vorgeplänkel in der ersten Staffel hinter uns gebracht haben, und die richtig großen Ereignisse zu sehen bekommen. Oder zumindest die Rädchen, die sich hinter ihnen drehen.

Besonders gefallen tun mir übrigens die weiblichen Charaktere der Serie, die alle sehr stark und mächtig sind, in einer Welt, in der Frauen eine solche eigentlich nicht haben dürften. Das macht sie häufig etwas interessanter und vielschichtiger, als die Männer, die ihr Ding tun, und denen keiner ernsthaft reinreden darf. Allgemein haben hier auch mehr der antagonistischen Charaktere – also quasi jeder, der nicht den Nachnamen Starck trägt – mehr Facetten, bekommt doch fast jeder mal einen „schwachen“ Moment, in dem mehr über ihr bisheriges Leben rausgefunden wird, wir also wissen, was sie zu dem gemacht hat, der sie sind. Besonders Daenerys Targaryen, mit der ich in der ersten Staffel gar nichts anfangen konnte, ist über die zweite Staffel zu einem meiner Lieblingscharakteren geworden – und das, obwohl sie nur am Rande des Hauptspieles ihr Ding tut bisher.

Winter is Coming

ava-1195Eine weitere Serie, die ich schon gut ein ganzes Jahr lang sehen will, ist aus dem Weg. Zumindest die erste Staffel, gibt ja bereits eine zweite und die dritte startet diesjährig. Dabei handelt es sich um den neuesten Publikumsliebling, gerade was Fantasy-Fans angeht: Game of Thrones, wie so ziemlich jede Serie dieser Tage kein original concept, sondern basierend auf den Song of Ice and Fire Büchern.

Es ist definitiv ein interessantes Konzept, eine mutig Entscheidung zu verfilmen, denn es ist alles andere als das, was man normalerweise von High Fantasy erwartet. Es ist eine bodenständige Mittelalterfantasy-Welt. Es gibt keine Legende um einen Auserwählten und seine Gefährten, die gegen einen bösen Magier ziehen und Trolle erschlagen. Mythologische Wesen gibt es genau genommen fast gar nicht. Keine Elfen, keine Zwerge, keine Kobolde, lediglich große Wölfe und ausgestorbene Drachen werden genannt. Es gibt keine Magier. Game of Thrones ist da Dune etwas ähnlicher (obwohl es dort sehr wohl diese Auserwählten-Sage gibt), denn es geht letztendlich um Politik.

Die sieben Königreiche sind vereint, in Kings Landing regiert der König, die adeligen Familien der einzelnen Reiche sind zu Lords degradiert. Der wahnsinnige König ist vor geraumer Zeit erschlagen worden, nun sitzt Robert auf dem Thron, verheiratet mit einer Lannister, nicht nur die reichste Familie der Lande, sondern auch diejenige, aus der der Königskiller stammt. Den Norden, der die Reiche vor der Invasion jenseits der Mauer aus Eis schützt, regiert das Haus Stark, dessen Oberhaupt Eddard ein alter Freund Roberts ist. Doch als der König mit dem Hause Lannister zu Besuch beim Hause Stark ist, werden Feindschaften losgetreten, die dazu führen werden, dass Robert stirbt, der jüngste Lannister auf dem Thron Platz nimmt, Eddard köpfen lässt, während das Haus Stark in den Krieg gegen Kings Landing reitet. All dies, während jenseits des Meeres die letzte Überlebende des Hauses Targaryen, aus dem der wahnsinnige König stammt, sich bereit macht, den Eisenthron zurück zu erobern.

Wie gesagt, die ganze Angelegenheit ist wenig High Fantasy Sword and Sorcery und mehr Politik, Verrat, Pläneschmieden. Das ist natürlich grundsätzlich auch nicht uninteressant, führt aber zu eher langweiligen 3-4 Einstiegsepisoden, die hauptsächlich damit beschäftigt sind, einem die verschiedenen regierenden Familien mit ihren einzelnen Mitgliedern vorzustellen. Wer mit wem verbandelt, von wem der Bastard ist. Wer auf wessen Seite steht, oder nur so tut, offen feindselig steht, im geheimen Pläne schmiedet oder einfach nur ins Netz der Intrigen gezogen wird. Ähnlich wie in Legend of the Galactic Heroes kann das manchmal etwas auslaugend sein, wenn 90% der Episoden tatsächlich nur aus Gerede bestehen, das auch noch alles wichtig ist und bei dem man immer im Hinterkopf behalten muss, wer die Leute jetzt noch mal sind, über wen sie da genau reden und so weiter. Es ist nicht die einfachste Serie zu folgen, dem ist schon mal klar und die zehn Folgen der ersten Staffel scheinen tatsächlich hauptsächlich erst Mal nur Stage Setting zu sein für die Ereignisse, die da noch kommen werden.

Etwas schade fand ich es da schon, dass trotz der ganzen Ränkeschmiede die Charaktere häufig wenig grau sind, sondern schon weitestgehend unter relatives schwarz/weiß fallen. Hauptsächlich sind die Starks die Guten, weil sie ehrlich und rechtschaffen sind und alle anderen die Bösen, weil sie eben die Ränkeschmieder sind. So wirklich sympathisch ist da dann auch mir keiner geworden, auch das Haus Stark nicht, die mit ihrer Ehrlichkeit in diesem Netz aus politischen Irrungen und Wirrungen und der Weigerung auch unkomfortable und „schlechte“ Entscheidungen zu treffen, um dem größeren Ganzen zu helfen, eher wie Idioten daherkommen.

Da erhoffe ich mir von der zweiten Staffel doch noch etwas mehr Komplexität, denn diese offenkundige Stellungnahme, wer die Guten und wer die Bösen sind. Denn Potential hat die Serie definitiv und über die zweite Hälfte der Staffel bin ich auch langsam wirklich mit ihr warm geworden. Auch positiv zu erwähnen ist definitiv, dass sie es sich traut, Charaktere umzubringen, selbst welche, von denen man erwartet hätte, dass sie wesentlich länger dabei sind und größere Rollen spielen werden.

Angetan hat es mir übrigens auch das Opening, das über ein Modell der Welt fährt, während sich die Miniaturversionen der einzelnen Städte von selbst aufbauen. Es ist nebenbei auch ein echt cleverer Einfall, da man so einen guten Bezug gezeigt bekommt, wo sich in der Welt was befindet und dann später in der Folge immer gut Verbildlicht hat, wo genau sich diese Charaktere jetzt aufhalten und wie dies räumlich zu den anderen steht. Den Überblick über die Häuser zu halten ist nämlich zu Beginn anstrengend genug, ohne dass man sich auch noch fragen müsste, wie ihre Reiche zueinander liegen.