Once Upon a Time

ava-1543Once Upon a Time ist eine recht erfolgreiche (bei 3 Staffeln und einer Wonderland-Spinoff-Serie kann man das glaub ich sagen), laufende Serie der Lost-Schreiber. Man kann also viele Rätsel und null Auflösung erwarten? Mal sehen, immerhin ist es eh ein ganz anderes Subject Matter.

Denn Once Upon a Time dreht sich – wie sollte es auch anders sein – um Märchen und Fabeln. Genau genommen bekommt die bodenständige, Familienlose Bostoner Emma Swan plötzlich Besuch von einem Jungen, der meint, er sei ihr Sohn, den sie damals zur Adoption aufgegeben hat, und der sie mit ins Städtchen Storybrooke bringt. Laut ihm liegt über jenem ein Fluch: Die Böse Königin hat alle Märchencharaktere in diese Stadt des realen Amerikas gebracht, und regiert nun als Bürgermeisterin über die ihr früheres Ich nicht kennenden Leute. Jedoch gibt es natürlich, wie in solchen Geschichten immer, einen Auserwählten, der den Fluch aufheben kann, nämlich das Kind von Snow White und ihren Prince Charming: Emma.

Märchen einen neuen Blickpunkt zu verpassen ist zwar bei weitem keine neue Idee, aber eine, die immer funktioniert. Einfach dadurch, dass wir als ein westliches Publikum einen Großteil jener Geschichten im populärkulturellen Unterbewusstsein verankert haben, es schwer ist, nicht mit den Brüdern Grimm oder den Disney-Fabeln aufgewachsen zu sein. Jene Geschichten, die also so mit unserer Kindheit verankert sind, auf eine andere Art und Weise erzählt zu bekommen, regt quasi immer Interesse.

Dabei nimmt Once Upon a Time das Wort „Märchen“ recht großzügig, und inkludiert eben quasi jede Fabel, die mehr als hundert Jahre auf den Buckel hat. Neben den Grimm-Gestalten sollte man sich also nicht wundern, wenn plötzlich auch Alice im Wunderland oder Frankenstein auftauchen. Und da diese alle in den Rückblicken im selben Märchenland zur selben Zeit lebten, gibt es tatsächlich interessante Arten, wie sie miteinander verflochten werden. So wird die Geschichte von Rotkäppchen mit der von Peter und der Wolf zusammen geworfen, und als Würze der Werwolf-Mythos drauf gestreut. Das Biest in die Schöne und das Biest ist Rumpelstilzchen.

Das Hauptaugenmerk liegt aber definitiv auf dem Märchen von Schneewittchen. Die meisten Rückblenden drehen sich darum, wie sie und ihr Prinz sich getroffen haben, und was die Böse Königin dazu verleitet hat, sie so sehr zu hassen, dass sie es auf sich nimmt, in eine Welt ohne Magie zu transferieren, nur um ihr Glück endgültig zerstört zu sehen. Wobei nach wenigen Folgen schnell klar wird, dass zudem Rumpelstilzchen ebenso eine große Rolle spielt, als derjenige, der eventuell wirklich die Fäden im Hintergrund zieht.

Immerhin haben wir es hier mit den Lost-Schreibern zu tun, ein ordentliches Mysterium ist denen natürlich nie zu schade, auch wenn erneut die Auflösungen vielleicht nicht immer ganz befriedigen. Case in Point: Die Backstory hinter Schneewittchen und der Bösen Königin. Die ganze erste Staffel ist ein Build up dazu, was sie ihr wohl angetan haben könnte. Was die Böse Königin überhaupt erst Böse gemacht hat. Was da so unverzeihlich ist. Schneewittchen selbst gibt zu, deren Leben ruiniert zu haben. Wenn wir dann endlich herausfinden, was es ist, war ich aber doch ziemlich enttäuscht, da es doch ein gut gemeintes Missverständnis ist, welches nur schwere Folgen mit sich zog. Ich hatte gehofft Schneewittchen hätte da tatsächlich etwas Schwerwiegendes gemacht, statt das ihre gute Intention schlichtweg schief lief.

Den Fieslingen wie Rumpelstilzchen und der Königin ordentlich tragische Geschichten zu geben, die sie überhaupt erst zu den Antagonisten gemacht haben, ist natürlich modern-gefällig. Letztendlich sind die beiden tatsächlich mit meine Lieblingscharaktere der Serie, weil sie eben die interessanteste Geschichte mit sich bringen, aber in ihrer aktuellen Inkarnation auch so herrlich unterhaltsam böse sind und sich gegenseitig auszuspielen versuchen. Der verrückte Hutmacher war auch ganz cool, so als Serienmörder im stylischen Goth Chic.

Keine Ahnung, gefallen hat mir die Serie schon, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich direkt die nächsten Staffeln auch brauche. Vielleicht versuch ich mich erst mal an denen, auf die alle momentan so extrem geil sind, wie House of Cards, Orange is the New Black, oder tatsächlich Sherlock.

Snow White, Round Three

ava-1157Wenn Schneewittchen 200 Jahre alt wird, ist es mit zwei Hollywood-Blockbustern natürlich noch nicht getan. So gibt es beispielsweise noch einen spanischen Film, einen Direct-to-DVD Horrorfilm und wo wir schon bei trashigen Direct-to-DVDs sind – überraschen sollte es eigentlich nicht, springen sie mit ihren Mockbustern doch auf jeden Trend schnell auf – eine Version von unser aller geliebten Asylum, denen wir so Schmankerl wie Sharktopus oder die Mega Monster zu verdanken haben.

Gesehen haben sie anscheinend den Trailer zu Snow White and the Huntsman (das Asylum-Schneewittchen ist das erste, welches released wurde), denn auch diese Version geht stark Richtung „ich wär so gern Herr der Ringe“. Sprich in die Richtung High Fantasy („Epic“ kann man die hiesige Version schlecht bezeichnen).

Vor langer, langer Zeit ist ein Stern vom Himmel gefallen und hat ein magisches Licht hervorgebracht. Aus jenem wiederum sind die magischen Rassen der Elfen und Drachen entstanden (der Film nennt sie Riesenechsen, aber abgesehen davon, dass sie nicht fliegen oder Feuer spucken, sind’s Drachen). Die böse Königin nun will jene Macht der Flamme für sich und nebenbei, um weiterhin die Schönste zu sein und damit der Prinz sie heiratet, auch das dreist-hübschere Schneewittchen (die eher wie eine Alice aussieht) los werden. Die aber landet bei den Elfen und zieht mit einer Armee von jenen, die gut ein ganzes Dutzend zählen mag, gegen die Dutzendschaft an Schlosswachen, um ihr Reich zurückerobern zu können.

Überraschend ist zunächst, dass Grimm’s Snow White (hätte man gleich Asylum’s Snow White nennen sollen, was hat das schon noch mit dem Grimm-Märchen zu tun) ziemlich undoof ist. Hier bekommt man tatsächlich die Vibes, dass jemand zumindest halbwegs was auf die Beine stellen wollte. Die Sache mit den Filmen von Asylum und warum sie so schlecht sind, ist nämlich nicht mal unbedingt wegen dem Magerbudget oder weil sie schrecklich dämlich sind, nein die Filme sind einfach so unglaublich halbherzig gemacht, so eine faule Angelegenheit. Grimm’s Snow White bringt da etwas mehr Ambition mit, will gar kein blöder Trash sein, sondern ernst genommen werden.

Leider funktioniert er aber dennoch nicht, sondern ist auch hier mal wieder schreckliche Langeweile vorprogrammiert. Einfach weil er so enorm Standard ist. Die nicht ganz so Budget-gesegnete Uminterpretation eines bekannten Stoffes mag zunächst noch an TV-Miniserien a la Tin Man und Alice erinnern, doch Asylums Film fehlt es da einfach an wirklicher Kreativität. Dies hier ist alles so ein Fantasy-Einheitsbrei, so absolut nur Altbekanntes zeigend, dass man schnell jegliches Interesse verliert. Witz und Charme gibt es nicht. Ein Budget auch nicht, ist aber (fast) nie wenigstens billig-unfreiwillig-komisch. Episch sowieso nicht. Grimm’s Snow White ist irgendwie so mal… gar nichts wirklich.

grimmsnow

Snow White of Thrones

ava-1156Snow White and the Huntsman hat ein Casting-Problem. Nicht grundsätzlich mal jenes, dass Kristen Stewart eine Hauptrolle hat, aber nicht schauspielern kann. Nein, der Dreh-und-Angelpunkt des Märchens ist nun mal, dass diese unglaublich schöne Königin langsam altert, immer noch enorm gutaussehend sein mag, aber die junge, frische Schönheit Schneewittchen ihr den Rang abgelaufen hat. Da castet man nicht Kristen Stewart als Schneewittchen. Kristen Stewart ist ein normaler Girl-next-Door Typ, keine herausragende Schönheit. Eine Charlize Theron als böse Königin bekäme nie gesagt, eine Kirsten Stewart ist hübscher. Der verdammte Jäger (Chris Hemsworth) ist hübscher, als das hiesige Schneewittchen!

Jedoch, letztendlich ist das für diesen Film gar nicht so wichtig, wagt sich diese Interpretation des Märchens doch sehr weit von ihrem Ursprung weg und scheint viel mehr Herr der Ringe sein zu wollen. Die anfänglichen Minuten des Wunsches der Königin nach einer hübschen Tochter, deren Geburt, Tod der Mutter und dann Wiederheirat des Königs mag da noch nahe dran sein, ja sogar das Märchen zitieren, doch dann wird alles anders. Die neue Königin ermordet noch in der Hochzeitsnacht den Angetrauten, lässt ihre Armee einfallen und übernimmt so mit eiserner Macht das Land, welches wegen ihrer bösen Aura zugrunde geht. Schneewittchen wird weggesperrt. Doch gerade als die Hexenkönigin Jahre später einen Nutzen für sie findet, kann sie entfliehen, ausgerechnet in den Dunklen Wald, in den sich niemand wagt. Niemand, außer der Jäger.

Im zweiten Blockbuster-Eintrag zum Jubiläum des bekannten Märchens, wird daraus also ordentlich eine Epic Fantasy von zwei Stunden (ohne Credits) gedreht. Somit haben wir hier ein starkes Kontrastprogramm zur bunten Klamotte Mirror Mirror, geht Huntsman mit seiner ernst-düsteren Mittelalterfantasy in die ganz andere Richtung.

Als solches würden natürlich die eindimensionalen Märchenfiguren schlecht standhalten und so werden sie hier nuancierter dargestellt, allen voran erneut die Show stehlende Königin. Ihre Motivation an sich ist nicht mal, dass sie halt einfach so böse ist und schrecklich eingebildet, so dass sie keine Schönere neben sich gestattet. Nein, sie ist in einer Welt aufgewachsen, in der Frauen keine Macht haben, in der ihre Schönheit ihr einziges Gut ist, die einzige „Waffe“, mit der sie sich behaupten kann. Und durch den magischen Pakt auch der Garant ihrer erlangten Macht. Die „Wer ist die Schönste“-Schoße hat weniger damit zu tun, ob jemand wirklich ein paar Falten weniger hat, sondern mehr mit einer Prophezeiung, dass eine noch Schönere jene sein wird, die sie stürzt. Ihr verlangt es nach Schneewittchens Herzen, weil dies ihr Unsterblichkeit erbringen kann. Der Jäger lässt sich darauf ein, Schneewittchen für sie zu jagen, weil sie ihm die tote Frau zurückverspricht. Schneewittchen ist nicht einfach nur ein hübsches Gesicht und das war es, sie ist diejenige, die ihr Land retten kann und stellt sich als Kriegerin im Finale der Königin.

Aber noch mal zurück zu Kristen „Halbschlaf“ Stewart und ihrer schauspielerischen Leistung. Nun ist es so, dass es unfair wäre, von ihrer Rolle in Twilight auf das arme Mädel zu schließen. Ist ein Charakter schlecht geschrieben und die Dialoge mies, kann da auch ein Schauspieler nicht mehr viel dran retten. Man siehe sich die diversen Preisnominierten Leute in den Star Wars Prequels als Beispiel an, eine Natalie Portman mag für andere Filme einen Oscar gewinnen, ihre Padme ist trotzdem schrecklich. Ich hab mir sagen lassen, dass Robert Pattinson in anderen Filmen beispielsweise echt gut ist. Kristen Stewart nicht. Zumindest hat sie es hier nicht beweisen können und das in einer Rolle, die durchaus Leistung zulässt. Eben weil das hiesige Schneewittchen nicht nur kopflos durch einen Wald stolpert, ein paar Zwergen ein Liedchen trällert und dann bis zum Erlösungskuss wegdämmert. Hier will sie ihr Königreich zurückerobern, muss eine Motivationsrede gegenüber einer kleinen Armee, die sie ins Feld führen will, halten. Da hätte etwas Ausdruck und Charisma durchaus sein dürfen. Dinge, die Kristen Stewart nicht bringt. Nicht zuletzt auch ihretwegen ist das Finale etwas Emotions- und Adrenalinlos.

Auch von der halbschlafenden Normalheit in der Hauptrolle abgesehen mag der Film nicht immer ganz geglückt sein. Der Mittelteil wirkt etwas ziellos. Der Exkurs in den verwunschenen Wald mit einem Treffen auf die Feen aus Berserk und den Waldgott aus Mononoke im Rest des Filmes deplatziert wirken, auch wenn es etabliert, dass Schneewittchen die Auserwählte ist, die das Land heilen kann. Das Liebesdreieck bleibt so ungenutzt, dass es gleich rausgelassen hätte sein sollen. Das Finale ist etwas zu routiniert umgesetzt, nach dem Built up kommt nicht das ganz erhoffte Pay off. So weit, wie Epic Fantasy geht, ist Snow White and the Huntsman ein brauchbarer Vertreter geworden, jedoch etwas arg Standard manchmal.

huntsman

Once upon a time, exactly 200 years ago to be precise…

ava-1155…sammelten zwei Brüder, deren Namen Grimm, Folklore in den Weiten des Landes, sie zu bündeln in einer gemeinsamen Sammlung, auf das sie überdauern die Zeiten da kommen. Und überdauern sie taten. Darunter auch, eine der populärsten der Geschichten, Schneewittchen und die Sieben Zwerge. Einhundert Jahre nach den Gebrüdern aus der alten Welt, gefasst in ein Stück dargeboten auf den Bühnen der glitzernden Stadt, dem Neuen York, errichtet an der östlichen Küste der neuen Welt. Eine weitere Hundertschaft derer Jahre darauf, zur Feier jenes Jubiläums, diesjährig derer Filme auf der großen Leinwand der Welt, gar zwei erschaffen, durch die Traumfabrik des Palmenwaldes der Küste im Westen.

So, das Märchen von Schneewittchen, zumindest wie es von den Gebrüdern Grimm dargebracht wurde, wurde dieses Jahr also genau 200 Jahre alt. Natürlich hat sich da die Filmindustrie der Sache angenommen und Neuinterpretationen des Werkes auf die Welt losgelassen. Tarsem, der Visionär hinter so Filmen wie The Cell und The Fall, lieferte den ersten Beitrag ab, Mirror Mirror.

Statt uns nun aber einen surrealen Arthouse-Film zu präsentieren, überschwanger voll Symbolik und abgedrehter Bilder, lässt sich Tarsem hier voll aufs Hollywood-Märchen ein, bietet einen gar bodenständigen Film ab, sicherlich voller Farben und opulenten Kostümen, mit schick aufeinander ausgeklügelten Szenerien, die den Ästhet in ihm durchscheinen lassen (bewusst etwas fake nach Bühnenbildern aussehend, 1939er-Oz-Vibes hervorrufend), aber doch im Grunde einem sehr normalen Märchen (modernisiert natürlich mit einem Schneewittchen, die tatsächlich aktiv was unternehmen darf und selbst die Königin besiegt, statt von ihrem Prinzen errettet werden zu müssen). Nimmt es und macht eine Komödie daraus, überspitzt bis zum Gehtnichtmehr, herrlich getragen vor allem vom Show Stealer der Julia Roberts als alternde Schönheitskönigin, überkandidelt gespielt, voller schnippischer Dialoge und humorigen Exkursen. Kein unterschwelliger Humor, kein bös-schwarzer, kein intelligent nuancierter, nein ein Witz, der ziemlich direkt auf die Nase sich richtet, den Film teilweise geradezu lächerlich und kindisch macht. Und ich habe ihn voll genossen. Klar, manchmal ist es etwas blöde und albern eine Klamotte, aber es kommt von Herzen, ist so sichtlich gewollt und self aware, geradezu niedlich. Immerhin endet das ganze Ding in einer Bollywood-esquen Sing-und-Tanzeinlage, um auch sicher zu gehen, dass der Kitsch und die Albernheit bewusste gewählt sind. Der Film ist einfach unglaublich kurzweilig und launig, tolle Unterhaltung.

Allerdings mochte ich den Filter nicht, den sie über das Bild gelegt haben, der schon zum Standard von Fantasy-Filmen geworden ist und alles recht ausgewaschen wirken lässt. Das mag für ein Fantasy-Epos passen, aber so einem kunderbunten Film wie Mirror Mirror zieht er etwas die Energie ab und lässt die tollen Kostüme nicht so schön hervorstechen, eben weil er ihnen Farbe aussaugt.

mirrormirror