Vampire Hunter D XX & XXI

Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 habe ich im zweimonatlichen Rhythmus die ersten neunzehn Bände von Hideyuki Kikuchis Erfolgs-Romanreihe besprochen, die seit 35 Jahren beharrlich läuft. Und war den sehr ähnlichen Kurzgeschichten über den zu perfekten Hauptcharakter doch irgendwo dabei leid geworden. Ob drei Jahre Abstand etwas Frische dort hineingebracht haben, müssen nun die nächsten beiden Geschichten zeigen.

Scenes of an Unholy War ist der zwanzigste Band in der amerikanischen Auflage, während die japanische erst die Nummer 14 ziert. Das liegt an deren unterschiedlicher Publikations-Durchnummerierung. Zum einen sind die Bände eh nicht identisch, denn wo die japanische Auflage sich immer in relativ ebenmäßig lange Bände splittet und längere Geschichten damit auch schon mal auf 4 Parts verteilt sein können, zieht die amerikanische davon gern mal zwei Parts in einen längeren Band zusammen. Gleichzeitig ändert sich in Japan die Nummer aber auch nur mit jeder neuen Story, während Amerika jedem neuen Band auch eine neue Nummer gibt. Mysterious Journey to the North Sea ist also in Japan beispielsweise Vampire Hunter D 7 Part 1 und Vampire Hunter D 7 Part 2, während es in Nordamerika als Volume 7 und Volume 8 betitelt wird.

Es dauert wenn ich mich recht erinnere übrigens keine volle Seite, bis zum ersten Mal erwähnt wird, dass D so wunderhübsch und majestätisch ist, dass jeder Frau sofort das Höschen nass wird, und jeder Mann seine Sexualität in Frage zu stellen beginnt. Da war ich ja direkt wieder raus, Es-leid-sein schoss sofort von 0 auf 100.

Jedenfalls ist D bereits dreimalig auf ein merkwürdiges Pärchen getroffen, in einem sehr fragmentierten Anfang des Romans, bis er zum dritten Mal auf die beiden treffen und die eigentliche Geschichte beginnen darf. Nämlich in einer kleinen Stadt, die von einer Gang mit Namen Black Death terrorisiert wird. Hierfür sind einige Kämpfer rekrutiert worden, um gegen sie anzutreten, darunter auch D. Während das ungleiche Pärchen Rust und Lira vorübergehend den Sheriff und seine Helferin abgeben.

Und… öhm, so wahnsinnig viel passiert über die wenigen hundert Seiten des Buches nicht. Wir haben ein wenig was über Pseudo-Nobilität, sprich von Vampiren gebissene Menschen, die nicht vollkommen zu Vampiren werden, aber doch viele ihre Charakteristiken annehmen. Die Black Death Gang wird von so einem angeführt, der natürlich sehr gefährlich ist. Rust stellt sich auch als einer heraus, allerdings hat er sich unter Kontrolle, und Lira einen Vertrag mit ihm, sein Dasein zu beenden, sollte er durchdrehen. D darf mal schnell dem Sonnensyndrom anheimfallen, was ihn extrem schwächt, weil er zu lange in der sengenden Sonne war, aber irgendwie wirklich was daraus wird nicht. Sein Erschaffer taucht kurz auf, wird aber immer nur mystisch umschrieben, statt Dracula genannt zu werden, und verschwindet auch wieder ohne selbst was zu machen außer die Black Death Gang zu wandeln.

Ich weiß nicht, irgendwie fand ich die Geschehnisse in Scenes of an Unholy War ziemlich fragmentiert. Dinge Geschehen, Charaktere werden aktiv, und es war immer klar was und aus welchem Grund, aber so richtig eine befriedigende, schlüssige Narration wurde nicht draus. Ich musste häufiger überlegen, was denn vorher geschehen war, und dann war klar, warum dies zum Aktuellen geführt hat, aber so wirklich organisch war der Ablauf eher nicht. Kikuchi nennt übrigens im Nachwort, dass Futaro Yamadas Reihe The Kouga Ninja Scrolls ihn zum Autor gemacht hat, und das Scenes of an Unholy War im Speziellen von den verschiedenen zur Schau gestellten Kräften der dortigen Charaktere inspiriert wurde. Vielleicht hat der gute Mann schlichtweg sich Krieger mit verschiedenen Superkräften ausgedacht und erst dann die notdürftige Vampire Hunter D Handlung drumherum gebaut. Würde zumindest einiges erklären.

In Record of the Blood Battle wird uns dann aber auch endlich mal was Neues aufgetischt! Wie Kikuchi im Nachwort erklärt, sollte die Nobility zwar immer fürchterliche Monster bleiben, doch irgendwie hat er sich über die Jahre ein wenig für sie erwärmt und wollte einen Vertreter schaffen, der nicht ganz so extrem ist. Scheinbar hat er vergessen, dass Mayerling im dritten Buch, Demon Deathchase, bereits ein Guter war, der nur für die (erwiderte) Liebe zu seinem Menschenmädchen gekämpft hat. Zwischen 1985 und 2004 liegen wohlweislich aber auch fast 20 Jahre, es sei ihm also vergeben.

Das schafft er, in dem er den hiesigen Noblen komplett widersprüchlich deren bisher präsentierten Bildes gestaltet, ein Kontra zum tragenden Titel, und ihn auch noch komplett aus dem Zeitgeschehen herausreißt. Es ist nämlich so, dass in einem Dorf ein merkwürdiges Objekt gefunden wird, welches sich als Grab eines Noblen herausstellt. Der hat sich satte 5.000 Jahre zur Ruhe gelegt und wird natürlich ausgerechnet hier und jetzt, in 5 Minuten, daraus emporsteigen, gerade als D dort ist. Dabei roch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer bereits die krasse Kohle, weil alles, was mit der Nobility zu tun hat, eigentlich in der Hauptstadt für die Forschung ordentlich Cash bringt. Ein Vertreter der Spezies an sich natürlich auch.

Was dort entsteigt würde allerdings niemand für einen Vampir halten. Denn der Kerl ist kleinwüchsig, kahl und korpulent. Mit einem enormen Ego und großen Maul, dennoch von niemanden wirklich für voll genommen. Und mit fast keinen besonderen Kräften, die er nämlich alle dafür geopfert hat, sich trotz seines Vampirismus in der Sonne bewegen zu können. Er war nämlich ein Forscher, und das sogar für den Ahnherren, im Versuch Vampire zu erschaffen, die sich nicht von jener Schwäche beeindrucken lassen. Dadurch kennt er natürlich auch D bereits.

Was folgt ist ein wenig ein Road Trip. D will den Noblen in die nächste Stadt mit Gerichtshof bringen, da seine Gräueltaten im Namen der Forschung nicht verjährt sind, was Verbrechen von Vampiren grundsätzlich nicht tun. Aber auf dem Weg dahin stolpern sie über ein paar Steine. Seien es nun diverse Banditengruppen, die hinter dem Geld her sind, welche die Auslieferung des Vampires an die Forschung bringen kann. Oder irgendwelche Monster, die in den Gebieten leben. Oder auch einfach Menschen, deren Hass auf die Vampire so lang einsitzt, dass sie ihn zerstört oder gepeinigt sehen wollen, obwohl sie Generationen von den ehemaligen Schandtaten entfernt sind. Dieser Zirkel des Hasses und aufzeigen, dass auch die Menschen zu Gräueltaten mächtig sind, liefe vielleicht etwas besser, wenn der besagte Noble sich eben nicht in der Vergangenheit zu so vielen Gräueltaten hinreißen lassen hätte und das auch noch als selbstverständlich ansieht, statt irgendwelche Reue zu zeigen.

Doch wenigstens sind die Vibes diesmal ganz andere. Einfach weil der besagte Noble so eine Lachfigur ist und selbst D manchmal an den Rand dessen gerät durch ihn aus dem Tritt zu kommen. Ja er geht sogar für ein paar Kapitel ganz aus der Geschichte raus, was doch mal erfrischen anders ist, als ständig den unfehlbaren Super-Dhampir als Fokus zu haben. Alleine jene Andersartigkeit hebt das Buch schon wesentlich aus seinen Brüdern hervor.

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