GameGearing: Bishoujo Senshi Sailor Moon S

Nicht nur der GameBoy hat Sidescroller zu DER Magical Girl Anime-Serie der 90er bekommen, sondern auch Segas Handheld konnte beglückt werden – mit genau einem einzelnen Spiel, Bishoujo Senshi Sailor Moon S in 1995. Im Gegensatz zu Nintendos monochromen Hosentaschenbackstein nimmt es sich also, wie der Titel schon besagt, den Geschehnissen der dritten statt ersten beiden Staffeln an.

Mehr oder weniger zumindest, so richtig eine Handlung gibt es nämlich beispielsweise nicht, sondern nachdem im Titelmenü entweder Sailor Moon oder Chibi Moon ausgewählt wurden, geht es direkt ins Spielgeschehen der 5 in jeweils 3 Etappen plus Bosskampf unterteilten Stages. Die beiden Protagonistinnen haben dabei grundsätzlich den gleichen Spielverlauf, Chibi Moon allerdings das einfachere Spiel, da die Gegner schneller fallen und am Ende von 5-3 nur einer statt zwei Bossencounter auf sie warten. Zumindest soweit ich das sagen kann, denn ich habe nur kurz mit ihr hineingespielt, nachdem ich eh schon das ganze Spiel als Sailor Moon hinter mir hatte.

Mit der war das Unterfangen nämlich ehrlich gesagt schon unspektakulär genug. Das Spiel bietet beispielsweise fast kein Platforming, außer mal über einen Abgrund zu springen, oder hier und dort ein paar Stege zu einem optionalen Powerup zu nehmen. Lediglich Stage 4, wo es gilt das Gerüst eines im Bau befindlichen Wolkenkratzers zu erklimmen, offeriert wirkliche Vertikalität, und selbst dort heißt es eigentlich einem geraden Pfad bis zum Sprung auf die nächste Ebene darüber zu folgen. Vielleicht ein geheimer Segen, denn Sailor Moons Sprung ist luftiger, als man meinen sollte, so dass leicht über das Ziel hinausgeschossen wird.

Gegner stellen sich hierbei eher sporadisch in den Weg und existieren nur in vier Formen. Drei davon könnte ich nur optisch voneinander differenzieren. Denn da sie immer auf ihrem vorgegebenen Weg patrouillieren, sind alle drei damit besiegt, sich dorthin zu stellen, und den Attack-Knopf zu hämmern, damit Sailor Moon mit drei Tritten/Schlägen sie umnietet, bevor sie ihre eigene Attacke herausgeholt bekamen. Etwas tricky ist nur der vierte Reifengegner, der wie ein Flummi über den Bildschirm bounced, sowie die immer mal wieder herabfallenden Gegenstände, da erneut der kleine Bildschirmausschnitt mit den großen Sprites dies etwas unvorhergesehen geschehen lässt.

Neben dem normalen Tritt/Schlag kann Sailor Moon noch im Sprung treten, was hauptsächlich die Bosse vereinfacht, sowie ihre Attacke aufladen. Ohne Powerups führt das zu ihrem bekannten Tiara-Wurf, hat sie über Zepter und Broschen allerdings noch Spezialattacken übrig, wird daraus ihr Zepter-Finisher der Serie. Von dem man meinen sollte, da er nach allen Richtungen geht, wäre dies gut für Crowd-Control, aber das Spiel kennt wie gesagt eigentlich keine Situation, in der mehr als ein Gegner auf einen eindringen würde. Rote Rosen machen zusätzlich kurzzeitig unsterblich und manchmal, sind alle drei Talismane automatisch am Ende eines Teilstages eingefangen, gibt es eine kurzzeitige Verwandlung in Super Sailor Moon via dem Heiligen Gral. Dann erledigen sich die normalen Gegner ganz wie als Chibi Moon bereits mit einem Fuß ins Gesicht. Ein Zeitlimit das Stage rechtzeitig zu beenden existiert nicht.

Ähnlich wie der erste GB-Ableger endet allerdings auch Sailor Moon S für Game Gear ein wenig verfrüht. Am Ende eines jeden Stages stellt sich eine der Witches Five in den Weg, nach Stage 5-3 also die Zwillinge Cyprine und Petilol. Als Sailor Moon dann anschließend noch Kaolinite… und dann gibt es lediglich ein kurzes Standbild von Professor Tomoe, der weiteren Schabernack verspricht, und das Spiel endet. Für ein Stage 6 mit ihm und Mistress 9 war wohl kein Budget mehr übrig, um alle Staffelbösewichter abzudecken.

Dafür gab es allerdings genug, um Minispiele einzufügen. Davon gibt es nämlich am Ende der ersten 4 Stages jeweils eines. Beispielsweise muss im Sailor Senshi Roulette schon mal das Rad auf dem passenden Bild angehalten werden, oder in Elevator Action die Türe gefunden werden, hinter der sich unser aller liebster nutzloser Quotenmann Tuxedo Mask verbirgt. Niedlich, aber irgendwo auch nutzlos. Wer die allerdings echt geil findet, bekommt sie anschließend separat im Hauptmenü anwählbar freigeschaltet.

Immerhin sieht es ganz nett aus. Einer Adaption der Serie ist es halt schlicht schon viel geholfen, wenn sie ziemlich Farbenfroh daherkommen darf. Dann sind die Sprites, zumindest der beiden wählbaren Protagonistinnen, auch noch ziemlich gut animiert und mit viel des Serien-üblichen Posings ausgestattet. Ja sogar ein kurzes Speech-Sample der Synchronsprecherin gibt es. Das war jedenfalls ganz nett.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Käufer des Spieles in 1995 nicht ein wenig ernüchtert waren, ihr ganzes Geld in ein so kurzes und belangloses Unterfangen investiert zu haben. Für meine Bedürfnisse, nämlich einfach etwas sich schnell von buntem Nonsens ablenken zu lassen, wenn ich von Dark Souls II zu sehr genervt war, hat es allerdings voll ausgereicht.

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Moon Spiral Heart Attack!, or Rewatching Sailor Moon S

ava-1379Dies ist wohl die Staffel, in der Kunihiko Ikuharas Einfluss am besten sichtbar ist. Die Rolle als Series Director übernahm er bereits für die Black Moon Arc von Sailor Moon R und wird diesen Titel auch noch für Sailor Moon SuperS tragen (nach Unstimmigkeiten ob der Richtung dieser Staffel verließ er Toei), doch in Sailor Moon S ist er wohl am durchscheinendsten. Vielleicht sollte man auch besser sagen, diese Story Arc liegt seinen Interessen am nahesten, immerhin kommen die Grundlagen aus Naoko Takeuchis Manga. Kunihiko Ikuhara werden wir im Blog übrigens auch nächstes Jahr wiedersehen, in Absolute Destiny Apocalypse!, or Rewatching Revolutionary Girl Utena.

Das Setup ist im Prinzip die gleiche Angelegenheit wie immer. Neue Böse (die Death Busters) tauchen auf und wollen ein Magical McGuffin, der ihnen genug Macht gibt, die Erde zu zerstören (hier der Heilige Gral – jepp, genau der, und er hat natürlich Herzchen und Flügelchen und ist Pink, BSSM-Kitsch muss man einfach lieben). Aber eigentlich steckt hinter der Organisation nur ein größeres Übel (Pharao 90), welches sie manipuliert. Die Sailor Senshi brauchen ebenfalls jenen McGuffin, um die Bösen wirklich aufhalten zu können. Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe (die Outer Senshi), die ihn ebenfalls wollen um die Bösen aufzuhalten, aber nicht mit den Inner Senshi zusammenarbeiten wollen, da die ihnen die Sache nicht skrupellos genug angehen. Oh ja, und natürlich spielt Moonlight Densetsu im Opening, nun aber remixed.

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Was Sailor Moon S für mich so speziell macht, ist aber wie das alles umgesetzt ist, von der Präsentation her, aber auch von den Charakteren. Schon alleine die erste Episode der Staffel ist ziemlich stimmig, beginnt sie doch damit, dass Rei eine ominöse Vision vom Weltuntergang hat. Später hat sie mit Usagi eine nette Diskussion darüber, was ihre Zukunftspläne sind, nur um prompt zum Opfer des ersten Daimons der Death Buster zu werden, der ihr den Herzkristall entreißt (womit die Gefahr hier schon höher ist, da Menschen diesmal nämlich nicht einfach nur ein wenig Energie abgezapft wird, sondern sich ohne Herzkristall quasi nicht lang leben lässt). Unsre Inner Senshi werden in einen Kampf verwickelt, den sie fast verlieren, nur um den Schatten der mysteriösen neuen Mitspieler Neptune und Uranus zu zeigen, bevor die Episode beendet ist. Wenn einen das nicht mal gut auf die neue Staffel einstimmt, dann weiß ich auch nicht.

Und dann wäre da natürlich Episode 110 „Death of Uranus and Neptune? Talismans Appear“, an die sich sicherlich jeder erinnern wird, der die Serie damals im TV gesehen hat (fun fact: Episode Director ist Kunihiko Ikuhara selbst). Staffel-Episode 20 von 38 ist das sozusagen der Half-Season Höhepunkt (dadurch verstärkt, dass sich hier das Opening ändert). Es ist die Episode, nachdem die Inner und Outer Senshi herausgefunden haben, wer die jeweils andren sind. Die Folge beginnt im Regen, mit den Inner Senshis am überlegen, was sie aus den Neuigkeiten machen sollen, während sich Haruka und Michiru bei sich daheim erneut darauf vorbereiten, alles für den Erhalt der Talismane (die zum Heilen Gral führen) zu machen, da sie spüren, dass ihr Erscheinen endlich nahe ist. Death Buster Eudial derweil hat nichts mehr zu verlieren und findet endlich raus, wer jene im Herzen trägt, lädt Michiru und Haruka zum Showdown ein – in eine Sagrada Familia auf einer Bohrinsel in Tokyos Bucht.. warum auch nicht, Stage Setting hat die Folge auf jeden Fall drauf. Und nachdem sie in die Falle gegangen sind, müssen die beiden merken, dass sie mit dem Erhalt der Talismane denjenigen verlieren, mit dessen Verlust sie nie gerechnet hätten, sind sie es doch, in denen sie stecken. Die ganze Serie hat keine besser inszenierte Episode zu bieten, als jene.

Auch die Death Buster fand ich übrigens außerordentlich charmant. Zum einen ist das dunkle Design in den Laboren schon recht respekteinflößend, aber dann haben sie alle so unglaublich sympathische Quirks zu bieten, dass man sie nicht nicht mögen kann. Eudial fährt wie eine Sau, Mimete sucht sich als Groupie nur Stars raus, Professor Tomoe mit seinen schrägen Sprüchen, die Witches 5 spielen schon mal Twister während der Arbeitszeit. Der trockene Humor in der Organisation ist einfach herrlich, ohne die Death Buster dabei je wirklich komplett ungefährlich werden zu lassen. Übrigens beweisen auch ihre Daimons gute Imagination, was ihre auf dem Gegenstand, aus dem sie erschaffen wurden, resultierende Manierismen und Attacken angeht. Außerdem ist Sailor Moon S die erste Staffel, die uns wirklich die tragische Hintergrundgeschichte von Professor Tomoe und seiner Hotaru, die dazu geführt hat, dass Pharao 90 sich ihnen annehmen konnte, ausgiebig zeigt – die vorigen Staffeln haben das eher kurz gehalten.

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Übrigens ist auch Chibi-Usa zurück und nun selbst eine Kriegerin in Training. Was ich allerdings erneut gar nicht halb so nervig fand, wie ich erwartet hatte. Meist taucht sie tatsächlich nur auf, wenn die Handlung sie benötigt, da sie der Link zu Hotaru ist mir ihrer Freundschaft, und ihr Kriegerinnen-Dasein wird zur Comedy und eher wenig häufig genutzt, statt sie unpassend wie eine echte Kämpferin darzustellen, die tatsächlich was von Nutze tun könnte. Das erste Drittel der Staffel ist sie eh noch nicht dabei. Ich denke mal, mein Hass ihr gegenüber ist hauptsächlich SuperS zu verdanken.

Wenn es allerdings was gibt, was ich an Sailor Moon S nicht super geglückt fand, dann ist dies das Ende der Staffel. Denn genau genommen ist die Handlung mit Episode 125 abgeschlossen, 126 und 127 ziehen dann nur den Abschied von Haruka, Michiru und Chibi-Usa (die dann aber doch nicht verschwindet) endlos in die Länge. Hatte da jemand vergessen, dass man 38 Episoden zur Verfügung hat, und deswegen das Wrapup, das normalerweise eine halbe Episode einnimmt, künstlich verlängern müssen?

Ansonsten meine neue Lieblingsstaffel der Serie, beste Atmosphäre, humorigste Einlagen, beste Charaktere, beste Handlung bisher. SuperS wird das auf keinen Fall toppen können, und das Sailor Stars dies schaffen wird bezweifle ich ebenfalls.