Rune Factory 3

ava-1459Zur Weihnachtszeit gehört bei mir dazu, eine Tauch- oder Farmsimulation zu spielen. Keine Ahnung, hat sich irgendwie so ergeben das ich seit Jahren meist um diese Zeit rum zu einem solchen Spiel greife. Was Haupt-Harvest-Moon angeht hab ich meine Ladung allerdings mit DS Cute und Save the Homeland etwas früh verschossen. Also geben wir doch mal einem Rune Factory Spinoff eine weitere Chance, wo passend doch auch Hersteller Neverland vor kurzem bankrottgegangen ist. Ich war nicht unbedingt der größte Fan des ersten Teiles, und hab mir sagen lassen Frontier wird vom Runey-System kaputt gemacht, während Rune Factory 2 die meisten Gameplay-Sachen bis zur zweiten Generation vor einem verschließt, also bin ich direkt zu Rune Factory 3 mit seinem Werschaf gesprungen.

War übrigens wohl nicht die beste Wahl, wenn man die Sache mit der „Weihnachtszeit“ bedenkt, und ich sollte es lieber in „Dezember“ ändern, denn erneut ist das Spiel super einfach und in wenigen Nachmittagen schaffbar.

Warum? Aus den gleichen Gründen, die es schon beim ersten Rune Factory gab: Farmarbeit ist im Prinzip nutzlos, da es einem nichts bringt, und das wenige Geld, das man brauchen wird, auch gut auf andere Art und Weise verdient werden kann. Wenn die begrenzte Zeit pro Tag eben auch auf Dungeonarbeit, Forging, NPC-Befreundung und Questerfüllen verteilt werden will, wozu dann irgendwas an Feldfrüchte verwenden. Ich hab letztendlich wieder jede Menge mehr Geld gehabt, als ich je brauchen würde, weil ich einfach den Stall voller Tiere gestellt habe. Die sind schnell abgearbeitet und Pflegeleicht (1 Gras-Tile pro Raum von 4 Tieren). Und dies ist geschwind gemacht, denn nach dem ersten Dungeon kann bereits der Stall gebaut werden und die Tiere, die lukrative Sachen wie Honig, Wolle, Eier und Milch erzeugen, sind in den ersten zwei Dungeons fangbar.

Zum Anderen ist halt die Dungeonarbeit an sich auch total einfach und fast das schwächere Glied des Spieles. Im Gegensatz zum Erstling müssen die Monster-Spawner nicht mehr alle erledigt werden, um den Bossraum zu öffnen, sondern in der Regel gehört ein Puzzle absolviert. Das führt natürlich dazu, dass man dies tun kann, sich ausruht, und dann einfach an allen Monstern vorbei zum Bosskampf läuft, um volle Energie zu haben – die Dungeons sind so oder so nur wenige Bildschirme groß. Es ist dabei übrigens erstaunlich, dass man beim mittlerweile dritten Spiel auf der gleichen Engine am Kampfsystem wenig bis gar nichts verbessert hat. Immer noch ist es viel zu einfach von Attacken von Offscreen getroffen zu werden, oder das die Schläge der Bosse einen treffen, obwohl man ausgewichen ist. Weil die Sache mit dem „guten“ Spielen, also dem Lernen der Attack-Patterns zum Ausweichen und dazwischen eingreifen so eine 50:50-Chance hat, ob es wirklich was wird, ist die einfachste Strategie tatsächlich bei allen Bossen sich einfach vor sie zu stellen, den Schaden einzustecken, und wie blöde zu attackieren. Statt das Kampfgeschehen nämlich weniger clunky zu machen, hat Neverland das Spiel einfach erneut Pisseinfach gemacht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass potente Heiltränke schnell selbst gebraut sind, und das aus „Unkraut“, welches Dutzendfach auf dem Farmland wächst.

Wäre es nicht so einfach, wäre es halt auch echt frustend. Ist wirklich schade, denn etwas launig kann Rune Factory 3 durchaus erneut immer mal wieder zwischendurch sein. Das aber eher wenn man sich in den Nebensachen verlieren kann. Monster fangen, Charaktere befreunden, Quests erfüllen, sich in den drei Syntheseoptionen verlieren, Partner leveln, und natürlich eine Braut werben. Was hier an der Story gebunden ist.

Ach ja, apropos Story: Rune Factory war schon schwer ernst zu nehmen, und Rune Factory 3 macht es ziemlich offensichtlich, dass sich das Spiel selbst bewusst ist, dass das hier alles ziemlich dumm und generisch ist. Als Werschaf muss man halt die Menschen und Monster wieder zueinander führen, die übliche Rassismus-Sache in Fantasy-Settings halt. Mit den schrägen Dialogen und verqueren Charakteren ist klar, dass sich das Spiel selbst dabei nie wirklich ernst nimmt. Ansonsten müssten man ja zu hinterfragen beginnen, warum die Dorfbewohner den Gehörnten „Nicht-Menschen“ so schlecht gegenüberstehen, wenn sie selbst mit einer Meerjungfrau, Elfe und einem Zwerg leben. Als unser (natürlich!) mit Amnesie geschlagener Hauptcharakter herausfindet, dass er sich in ein Monster verwandeln kann, hat er mehr so eine nonchalante Reaktion a la „Hmm, ich sollte mich nicht im Dorf verwandeln, sonst denken noch alle ich bin merkwürdig!“. Doch, ich glaub ich kann Rune Factory 3 erneut unter die DS-Spiele stellen, die echt ganz witzig und charmant sind, und die ich deswegen mehr mögen wollen würde, als ich das tue, weil es eben am Gameplay harpert.

Das Spiel begeht natürlich auch schon das Grundverbrechen, einem den super sexy Carlos ins Dorf zu setzen, ohne eine Möglichkeit, ihn heiraten zu können. Und dann ist der Kerl auch noch so ein Cocktease! Im Sommer gibt es übrigens das Strandfest, welches als reiner Fanservice dient, da es kein Minispiel o.Ä. gibt, sich aber alle Mädels des Dorfes im Badeanzug am Strand versammeln. Und ratet mal, wer der einzige Kerl ist, der dort in Badehose auftaucht (zumindest hab ich nie einen der anderen Kerle am Strand gesehen). Salz in meine Wunde.

Und warum kann man eigentlich nicht als Mädel spielen, androgyn genug ist das Design, um nicht mal wirklich groß was ändern zu müssen. Bei Harvest Moon konnte man schon Jahre früher das Geschlecht wählen oder zumindest eine alternative Version kaufen, bei Rune Factory hat es bis 4/Oceans dauern müssen… weil es teils ein RPG ist? Anders kann ich es mir kaum vorstellen, man schaue doch auch nur mal in Richtung Atelier-Serie: Die Hauptreihe, die mehr Shopsimulator denn RPG-Kämpferei bietet, hat durchweg weibliche Protagonisten. Aber sobald mit Iris ein traditionelles RPG-Spinoff gemacht wird, haben wir in allen drei Teilen einen Kerl zu spielen. Soweit ich über das neueste Escha & Logy informiert bin, wird der Spieler, der Mädchen Escha wählt, ebenfalls mehr auf der Alchemie-Fährte sein, während Spieler vom männlichen Logy mehr zum Monsterprügeln kommen werden.

Die Sache mit den Rune Factories ist halt nicht mal die, dass sie scheiße wären, schlechtestenfalls sind sie wohl etwas „meh“. Kleine, charmante, aber ziemlich fehlerhafte Kurz-RPGs für Zwischendurch halt. Die Sache ist nur die, dass es eigentlich fast garantiert ist, dass man im Backlog mehrere bessere Spiele hat, in die man lieber seine Zeit investieren sollte, als wirklich je in Richtung Rune Factory schauen zu müssen.

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