InuYasha V

Der fünfte Block an Episoden hat den Opening Song One World, One Dream zu bieten. Der ist ganz Ok. So super Erinnerungswürdig sind die ja alle nicht, aber der hier macht auch nicht wirklich was falsch. Mit Episoden 128 bis 153 sind wir dabei auch fast am Ende des Originallaufs gelandet.

Ich würde ja sagen, jetzt wo Naraku wieder da ist, kann es so richtig los gehen, aber ganz so viel bekommt man ihn in diesen Folgen gar nicht zu sehen. Stattdessen ist sein neuer Abkömmling Hakudoshi wesentlich präsenter, den Kagura durch die Gegend karrt, und der mit Entei sogar auf einem Feuerross Stilsicher die Szene betreten bekommt. Was es genau mit dem Baby zu tun hat, welches mit der Wiederkehr von Naraku hinzu kam, und nun sogar zweigespalten ist, finden wir natürlich trotzdem noch nicht raus.

Dennoch ist die Serie auf jeden Fall wieder auf Spur, nachdem sie während des ganzen Zeugs um die Band of Seven doch einen deutlichen Durchhänger hatte. Im hiesigen Block werden reichlich Story Arcs geboten, die sich über zwei oder mehr Episoden erstrecken, und viel mehr oder weniger Wichtiges, doch zumindest meist Interessantes, darf geschehen. Auch wenn viel davon nur wiederholt, wie Charaktere zueinander stehen und was die Prämisse der Serie mal war, bevor sie leicht entgleist ist.

In Episode 132 beispielsweise dürfen sich Miroku und Sango endlich so richtig aussprechen, sich ihre Gefühle zueinander, die eh ein offenes Geheimnis waren, eingestehen, und es kommt sogar zu einem Antrag! In bester Manier heißt das natürlich nicht, dass Miroku nicht weiterhin als Running Gag jedem Rock hinterher steigt, aber immerhin, so eine richtig konfrontative Aussprache hätte ich gar nicht mal erwartet gehabt, sondern dass der ermüdende Tanz um die Gefühle des jeweils anderen herum, deren man sich bewusst ist, die man aber nicht wirklich eingesteht, immer einfach so weiter läuft.

Ganze vier Episoden, nämlich 137 bis 140, drehen sich um den Charakter Akitoki. Zunächst war ich etwas überrascht, da die Serie ihn eindeutig als jemanden behandelt, den die Truppe vorher bereits angetroffen hatte und den ich kennen sollte. Ich dachte echt, ich hätte da was verpasst gehabt. Stellt sich allerdings heraus, dass er in einem der Kinofilme vorgekommen ist, die ich ja noch nicht gesehen habe. Schon ein leichter Fauxpas, deren Besichtigung als gegeben vorauszusetzen, statt sie von der TV-Serie zu lösen, oder zumindest Flashbacks zum Nötigsten erklärend zu bieten. Ist allerdings zu verzeihen, weil die Storyline der Folgen dramaturgisch dicht und gut ausgearbeitet ist, und die Sache auch so gut animiert daher kommt, wie die Serie selten ist. Dann wiederum hat man mit 4 x 20 Minuten natürlich praktisch eine Filmlaufzeit zur Verfügung. Die Geschichte des Antagonisten spiegelt sogar die von Inuyasha und Kikyo ein Stück wieder.

Der Elefant im Raum ist allerdings Suzaku, der bisher erst zweite als homosexuel gezeichnete Charakter der Show, der genau wie sein Pendant bei der Band of Seven ein weibischer Stereotyp ist, dessen Verhalten die anderen anwidert. Nicht nur ist das nicht wirklich witzig, sondern reflektiert auch nicht bestens auf die Serie. Als Vergleich hierzu ziehe ich gerne Fischauge aus Sailor Moon an, welcher nämlich der gleiche Stereotyp ist. Nun gibt es natürlich Kerle, die einen auf Teekesselchen machen, der Unterschied ist hier, dass Fischauge nur ein queerer Charakter in Sailor Moon ist. Wir haben bereits in der ersten Staffel das Pärchen Zoisite und Kunzite gehabt, und ab der dritten mit Sailor Neptun und Uranus die besten Charaktere der ganzen Show. Wenn eine Serie hingegen wie InuYasha nie Queer-präsentierende Charaktere aufwartet, außer als dieser Nebencharakter-Stereotyp aus Witz und Freak, ist das einfach weniger schön. Zum Glück ist er ziemlich schnell weg vom Fenster, so dass ich fast schon wieder vergessen hatte, dass er überhaupt existierte.

Episode 143 darf sich dann dem Sidekick Shippo widmen, der statt sich nur mit Inuyasha zu zoffen und feige zu sein, wie in vielen anderen Folgen bisher, mal wieder ein wenig Charakter haben darf, wenn ihm die Geschichte eines Dämonenkindes, das seiner eigenen sehr nahe kommt, richtig zu schaffen macht. Es mag einem fast verziehen sein, bisher ganz vergessen zu haben, unter welchen Umständen Shippo überhaupt ursprünglich zur Truppe gestoßen ist. Selbst der Vater von Miroku und Fluch des Windtunnels ist wenigstens noch ein oder zwei Mal angesprochen worden, im Gegensatz zu Shippos. Außerdem eine Folge, die uns erneut zeigt, wie stark sich doch Sesshomaru seit seiner Einführung verändert hat, nachdem er nun mit einem Menschen durch die Lande streift.

Die Doppelepisode 147 und 148 re-iteriert hingegen noch mal ausgeschmückt den Start der Serie. Wie Inuyasha und Kikyo aufeinander getroffen sind, wie sich sich zu trauen gelernt haben, und was letztendlich zur Tragödie geführt hat. Nun inklusive den Nebenstationen und Charakteren, die über den Serienverlauf zusammengekommen sind. Sozusagen, um das Publikum noch mal kondensiert die aufbereitete Fassung dessen zu liefern, was eigentlich das Rückgrat der Serie ausmacht.

Und zuguterletzt darf Kikyo ihr Gesicht in Episode 151 auch wieder zeigen und direkt wieder verschwinden. Ich glaube kaum, dass wirklich jemand ernsthaft daran geglaubt hat, dass sie tot ist, aber nun ist es auch offiziell bestätigt, dass sie weiterhin ein Mitspieler in den Ereignissen, die da kommen werden, sein kann.

Das macht die Episoden 128 bis 153 nicht nur zu einem ziemlich starken Block, sondern zum besten, den die Serie seit dem ursprünglich ersten Block in den Episoden 1 bis 34 gesehen hat.

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InuYasha IV

Grip! ist der Opening-Song, der die Folgen 96 bis 127 einleiten darf, und bisher definitiv der beste OP. Die Animationsabfolge dazu ist allerdings mal wieder ziemlicher Standard. Genau genommen kommt InuYasha hier mehr wie eine Endlos-Kinderserie daher, denn je, setzt vor das Opening, welches ohne große Kreativität alle Hauptprotagonisten und –antagonisten durchrattert, sogar noch eine vom den VAs eingesprochenen Abriss, worum es in der Serie allgemein geht mit kleiner Anheizer-Aussicht auf das, was in der eigentlichen Folge abgehen wird.

Dazu kommt ab Episode 99 auch noch ein neuer Animationsstil, denn statt handgezeichneter Cels wird nun auch die Hauptserie am Computer animiert, was für das Opening und Ending bereits eine Weile Standard ist. Das führt dazu, dass die Folgen, in die mehr Arbeit geflossen sind, so flüssig animiert daherkommen, wie noch keine zuvor, aber diejenigen, die spartanischer daherkommen, umso billiger wirken. Denn jetzt schaut das Bild halt einfach Detailarmer und von der Farbgebung viel heller aus. Was den Touch der Kinderserie auch unterstreichen kann.

Allgemein wirkt es alles jetzt so ein wenig, als ginge man durch die Standardbewegungen einer Kampf-Serie. In den einzelnen Auseinandersetzungen bekommt nun fast immer jedes einzelne Mitglied unserer Truppe etwas zu tun, selbst Shippo darf sein Fuchsfeuer etc. häufiger einsetzen. Und nachdem es wohl doch jemandem aufgefallen ist, dass mit Naraku aus dem Sichtfeld die Monster des Tages auf Dauer etwas wenig her machen, wird mit der Band of Seven eine Gruppe exzentrischer Antagonisten hergezaubert. Die voll bedrohlich wirken sollen und natürlich vom Charakterdesign wie Wesensart extrem unterschiedlich daherkommen. Die Romanze zwischen Inuyasha und Kagome liegt auf Eis, Kagomes Dialoge wird mehr und mehr zum ewigen Wiederholen von Inuyashas Namen, und auch zwischen Sango und Miroku geschieht nicht viel, wird sich mehr auf dessen lüsterne Gags bezogen.

Dass die deutsche Ausgabe ausgerechnet bei Episode 104 auslief, die nicht nur auf einem Cliffhanger endet, sondern auch noch, nachdem die Band of Seven gerade eingeführt werden, ist natürlich etwas unglücklich gewesen. Aber vielleicht auch nicht ganz von Irgendwo kommend. Ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass die Einschaltquoten echt gelitten haben, denn ohne Naraku fehlt wirklich etwas in der Serie, und es ist auch keine schnelle Besserung in Aussicht. Stattdessen fighten sich in Einzelschauplätzen nebeneinander Versatzstücke unserer Truppe, der immer handzahmer werdende Sesshomaru, oder Koga mit jeweils einigen der Band of Seven in und um den heiligen Berg Hakurei. Teilweise aufgepowert durch die Splitter des Heiligen Juwels, von denen man fast hätte vergessen können, dass die ursprüngliche Prämisse mal deren Einsammeln gewesen war. Selbst Kikyo zieht es bis zum Berg und darf sie den einen oder anderen Pfeil ins Getümmel schießen. Tatsächlich war ihre Reise um dem Dieb die letzte Ruhe zu gewähren, ein gutes Kontrastprogramm zur doch etwas lauwarm gewordenen Hautpstory der Episoden.

Letztendlich dauert es bis Folge 123, bis Naraku neu erstarkt die Bühne betritt. Und was für ein Wiederkommen es ist. Es gibt einen neuen Look für den Schönling. Neue Mysterien darum, was er mit Kagura fortgeschickt hat, und was mit Onigumos menschlichem Herz geworden ist, welches bisher seine einzige Schwäche war. Und mit dem Ausscheiden von Kikyo kommt es zu einem richtigen Game Changer und dem Zwang von Inuyasha und Kagome doch wieder über ihre Beziehung reden zu müssen, mit einer nicht zu verpassenden Post-Credit-Szene nach dem Ending in Episode 126, die mehr emotionales Gewicht darbietet, als alle vorangegangenen Episode zusammen – und die auch viel besser gezeichnet und animiert wurde! Nicht zu vergessen, dass plötzlich die Splitter doch wieder wichtig sind, denn Naraku steht kurz vor der Vollendung des Juwels.

Bleibt zu hoffen, dass die kommenden 40 Folgen auf Spur bleiben, denn so kann es gern weitergehen. Man merkt halt gerade retrospektiv stark, dass sich die Serie ohne Naraku tatsächlich eher schlecht denn recht über Wasser gehalten bekommen hatte. Das müsste gar nicht sein, denn kreative Monster des Tages aus japanischer Mythologie einzustreuen würde sicherlich funktionieren. Hätte dann aber eventuell in Maßen statt in Massen geschehen sollen, und so wirklich ein interessanter Yokai wie die Haardämonin zu Serienbeginn war auch nicht mehr gerade dabei. Die Band of Seven fand ich eh eher lachhaft.

InuYasha III

Der dritte Block an InuYasha-Episoden spannt die Nummer 65 bis 95, die angeführt sind von erneut eher als durchschnittlich zu betrachtendem Song Owarinai Yume, oder auch Endloser Traum, was ein ziemlich passender Name für eine hunderte Folgen zählende Anime-Serie ist, die auf einem Manga von über 50 Bänden basiert.

Hier sind wir auch an dem Moment angekommen, wo InuYasha sich wirklich auf die Langstrecke einstellt und in Endlos-Serien-Modus wechselt. Allerdings noch nicht sofort, sondern zunächst ist Naraku als Hauptbösewicht dran etwas näher beleuchtet zu werden. Oder genauer gesagt, dass er als Halbdämon natürlich auch eine Zeit der Schwäche haben muss. Was sicherlich eine nette Idee wäre, unserer Truppe ein Mysterium aufzugeben, herauszufinden, wann denn die beste Zeit ist, ihn anzugreifen. Ist leider nicht so, denn Naraku kann scheinbar selbst bestimmen, wann jene Zeit ansteht, und eigentlich nutzt er sie auch nur, um zu schwache Dämonen, die ihn ausmachen, zu verbannen, damit seine Macht beständig steigt. Statt dem Bösewicht also eine wirkliche Schwäche zu geben, hat man sich stattdessen dazu entschieden, ihn progressiv stärker werden zu lassen. Zumal er den Teil, der so auf Kikyo fixiert ist, auch noch beinahe losgeworden wäre, was ihm fast wirklich die letzte Schwäche genommen hätte.

Genutzt wird das, damit auch Inuyasha ein Upgrade erfahren darf. Denn da sich Naraku gern unter seiner Barriere vor den Augen und Nasen seiner Feinde versteckt, bekommt das Tessaiga eine Aufstufung, wird seine Klinge rot, kann es nun durch alle möglichen Barrieren schneiden. Praktisch das, sicherlich, und in einem Kampf, in dem sowohl Inuyasha als auch Sesshomaru gegen Naraku antreten, wird Naraku sogar fast besiegt!

Das führt allerdings nur dazu, dass in den frühen 70er-Folgen Naraku aus der Serie verschwindet, um seine Wunden zu lecken.

Wir landen also nun offiziell in der Zeitschinden-Episoden-Anhäufung. In denen eben mehr oder weniger jede Folge ein neues kleines Übel von der Truppe besiegt werden muss. Natürlich alles nur auf der Spur von Naraku, die erwähnt werden muss, damit der Zuschauer beständig darauf bauen kann, es könnte eventuell doch jederzeit wieder weitergehen. Da es ein großes Geheimnis bleiben soll, wohin Naraku verschwunden ist, bekommen wir auch nicht mal Szenen mit ihm geschenkt, sondern er ist quasi wirklich komplett aus der Serie rausgefallen. Dafür gibt es jetzt am Anfang der Episoden häufiger eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Haupthandlung, damit man sie nicht vergisst – gern von einem der Charaktere, um die sich die jeweilige Folge drehen wird.

Denn immerhin werden die Folgen zumindest dafür genutzt uns mehr oder weniger interessante Hintergründe zu vermitteln. So gibt es zum Beispiel eine, die aufzeigt, wie Jaken zum Gefolge von Sesshomaru wurde, oder warum genau Sesshomaru von Inuyasha so enttäuscht ist. Der dämonische Schönling wird sowieso beständig sympathischer porträtiert, und die Kabbeleien mit Inuyasha wirken nun häufig mehr wie Geschwisterzwist statt Auseinandersetzungen auf Leben und Tod. Zusätzlich gibt es einen Rückblick in das Leben des Diebes, der zu Naraku werden sollte, und wie er zum Brandopfer wurde, welches Kikyo gepflegt hat. Genau wie wer das Heilige Juwel ursprünglich erschaffen hat und das es sowohl gleichermaßen gute wie böse Kräfte in sich vereint, deswegen je nach Besitzer in eine der beiden Richtungen kippt. Die den Episoden-Block endende Doppel-Episode ist sogar eine um einen Halbdämonen, der falsche Juwelen herstellt.

Da die Gefahr nicht mehr so akut ist, gibt es nun auch mehr Folgen, in denen Kagome zurück in ihre Zeit wechseln kann. Das hat die Serie sowieso nie so ganz vergessen gehabt, sondern lässt sie immer mal wieder ihre Familie besuchen, und dies sind immer ganz nette Momente, um sie als Charakter besser zu erden. Meist haben die Hauptcharaktere in diesen Geschichte, in denen sie in eine Fantasywelt gezogen werden, ja keinen Weg mehr zurück, da man so die Frage umgeht, warum sie sich weiterhin der Gefahr aussetzen, statt einfach wieder zurückzureisen. Bei Kagome, als einzige der Truppe, die die Juwelensplitter aufspüren kann, als Wiedergeburt von Kikyo, mit Interesse an Inuyasha, und als allgemein verlässlicher Mensch, ist allerdings klar, warum sie ihre neuen Freunde nicht im Stich lassen würde. Auch wenn das Sammeln von Splittern mittlerweile echt irgendwo ziemlich nebensächlich geworden ist.

InuYasha II

Weiter im Programm InuYasha, diesmal mit den Folgen 35 bis 64, die vom durch und durch durchschnittlichen Opening-Song I am angeführt werden. Die Ending Themes sind übrigens in der Regel besser, nur mal so am Rande angemerkt.

Beim letzten Mal verblieben wir ja mit einem Cliffhanger, als Inuyasha und Halbbruder Sesshomaru im Kampf miteinander verwickelt waren, aber wie sich herausstellt war das absolut unnötig. Die Serie macht es nur gern häufig so, dass obwohl wir keinen Zweiteiler vor uns haben, besonders wichtige Kämpfe erst direkt zum Anfang der nächsten Folge abgeschlossen sind. Damit man auch die nächste Woche unbedingt einschaltet. Wenn man natürlich nicht an einen solchen Ausstrahlungsrhythmus gebunden ist, sondern die zügiger hintereinander weg schaut, kommt einem das immer etwas schal vor, einen so gehypten Kampf in den ersten zwei Minuten schnell beendet zu sehen und dann geht die eigentliche Folge um was ganz anderes.

Die Serie hat dabei nun voll das Potential von charismatischen und erinnerungswürdigen Bösewichtern für sich entdeckt. Allen voran eben Sesshormaru, der in Folge 35 von einem kleinen Mädchen gepflegt wird, dessen Dorf von einer Bande Wölfe gemeuchelt wird, woraufhin er sie als neue Begleiterin mit sich nimmt. Der Schönling ist also doch gar nicht so schlimm. Naraku wird nicht sympathischer gemacht, hat aber dafür ebenfalls nun zwei beständige Begleiter in Kagura und Kanna, zwei Mädels, die er aus sich selbst gemacht hat. Eine davon beherrscht die Winde und die andere kann Seelen in ihrem Spiegel einschließen. Beide sehr interessante Designs. Und gleichzeitig öffnet die Möglichkeit, dass Naraku nun Abkömmlinge von sich schaffen kann, sowohl Monster des Tages zum Besiegen zu haben, die jedoch gleichzeitig wichtiger gehyped werden können, weil sie von unserem Hauptbösewicht selbst stammen. Die beiden unberechenbaren und selbst von Naraku nicht komplett kontrollierten Brüder Kageromaru und Juromaru waren auch ein sehr erinnerungswürdiger Kampf.

Ein bisschen merkwürdig ist dabei der Status von Koga, dem Anführer eines Rudels von Wolfsdämonen, der mit Episode 35 als wiederkehrender Nebencharakter eingeführt wird. Wer etwas im obigen Paragraph aufgepasst hat, wird sich bereits zusammenreimen können, dass sein Rudel das komplette Dorf an Menschen reißt, unter direktem Befehl von Koga. Nach dieser Folge und dem ersten Kampf gegen ihn unternimmt die Serie aber ihr Möglichstes, um komplett zu vergessen, dass dies je geschehen ist. Stattdessen wird aus Koga ein Quasi-Verbündeter, der aus seiner Liebe zu Kogame immer mal wieder aushilft, und sich humorig mit Inuyasha streiten darf. Fast ein wenig, als wäre er ursprünglich als ein Kurzauftritt eines Antagonisten geplant gewesen, sein Design aber dann populär genug gewesen, um ihn weiterverwenden zu wollen.

Ein weiteres aufkommendes Thema im hiesigen Episodenblock sind übrigens Inuyashas Kräfte. Und unter welchen Restriktionen sie stehen. Diese sind nämlich in Shows immer sehr wichtig, da man nämlich zwar einen Notnagel haben will, um Charaktere auch aus den prekärsten Situationen zu mogeln, aber gleichzeitig erklären muss, warum sie jene Superkräfte ab nun nicht ständig nutzen. Mirokus Windtunnel ist da ein gutes Beispiel einer Kraft, die eigentlich so stark ist, dass sie jegliche Spannung aus einer Serie ziehen könnte, aber sofort abgesteckt wird, dass ihr Einsatz für ihn Selbstzerstörerisch ist, und Narakus Giftinsekten ihn unschädlich machen. Bei Inuyasha haben wir ja schon gewusst, dass er regelmäßig eine Nacht hat, in der er als Halbdämon menschlich wird und nicht mehr auf seine dämonischen Kräfte zählen kann. Nun finden wir aber auch das Gegenteil heraus, denn wenn er zu sehr in die Enge getrieben wird, übernehmen jene und er wird zu einer besonders mächtigen, da nicht an die Konsequenzen denkenden, animalischen Bestie. Es ist sein Schwert Tessaiga, welches diesen Wandel versiegelt, und zudem frisst der Einsatz jener Mächte an seiner Seele. Gleichzeitig bekommt das Erbstück seines Vater auch ein Power-Upgrade, denn neben der Windnarbe kann er mit dem Tessaiga nun auch die Umkehrwelle, die aber nur funktioniert, wenn der Gegner stark genug ist, um dessen Kraft überhaupt zurückstoßen zu können. Neue Kräfte und Techniken sind immer ganz gut, um so lange Serien frisch zu halten, und bisher war InuYasha ganz gut darin, es nicht mit deren Aufkommen zu übertreiben.

Dank der neuen Möglichkeit, dass seine dämonische Seite ihn übernimmt, bekommt Inuyasha natürlich auch ein wenig Zündstoff für die ernsteren Momente, in denen nicht gekämpft oder gespaßt wird. Immerhin will er nicht wie andere Dämonen sein und unkontrolliert morden, ganz zu schweigen davon Kagome in Gefahr zu bringen. Die noch sein Anker zur Realität ist. Gleichzeitig ist aber auch eine der herausstechenden Folgen diejenige, in der er mal wieder auf Kikyo trifft, aber diesmal eine Entscheidung zu treffen wollen scheint. Sehr interessant, weil es alle drei Charaktere des Liebesdreiecks zu einer Entscheidung zwingt. Inuyasha scheint Kikyo dann doch wichtiger zu sein als Kagome, zumindest vorerst, nachdem er sie vor 50 Jahren nicht beschützen konnte. Kikyo hingegen, ihre neue Freiheit genießend, nachdem sie nicht mehr die Hüterin des Heiligen Juwels ist, will sich von niemandem abhängig machen. Und Kagome findet heraus, dass sie dennoch weiter mit Inuyasha reisen und im helfen will, selbst wenn der sich nicht für sie entscheiden würde.

Diesmal enden wir bei Episode 64 übrigens wesentlich runder, nachdem eine seit Episode 60 anhaltende Mini-Arc um Tsubaki abgeschlossen ist. Die dunkle Priesterin, deren Verlangen nach dem Heiligen Juwel und Hass auf dessen Hüterin Kikyo sie zu einem Packt mit einem Dämon verleitet hat, und die versucht Inuyasha und Kagome so gegeneinander auszuspielen, wie Naraku es damals mit ihm und Kikyo gemacht hat.

InuYasha I

Es wird also tatsächlich geschehen, knapp 200 Folgen Inuyasha und 4 Filme werden beschaut. Weil es irgendwie schon ganz angenehm ist, so eine Folge pro Tag zu schauen, als kleine Konstante am Abend. Wobei sich natürlich direkt ein Problem offenbart: Wie unterteilen? Die Handlung ist ein Durchgang ohne voneinander abgegrenzte Arcs. Staffeln gibt es in dem Sinne anscheinend auch nicht. Die ursprünglichen 167 Folgen liefen in Japan an einem Band ohne Unterbrechung. Und jede „Staffel“-Box unterteil anders. HK-Raukopien in 18 Folgen, die US-Boxen in 27, und Deutschland hatte damals die 104 hier erschienenen Folgen als zwei Staffeln a 52 Folgen angepriesen.

Ich hingegen gehe einfach mal ganz ungleichmäßig nach Openings, von denen die Serie 6 gesehen hat. Der erste Bulk sind also die Folgen 1 bis 34, denen das schreckliche Change the World voransteht. Und an sich auch nicht wirklich gut abgetrennt, denn Folge 34 ist dann tatsächlich sogar der erste Part eines Zweiteilers, endet also auf einen Cliffhanger.

Vor Inuyasha haben sich die bekannten und lang laufenden Geschichten von Rumiko Takahashi ja dadurch ausgezeichnet, dass sie Love Comedys waren, mit mehr oder weniger abgedrehten Grundideen. Sie hat allerdings auch so einige kürzere Geschichten gezeichnet, in denen sie durchaus gerne Mal dem reinen Horror-Genre frönt, hiervon ist die etwas längere Mermaid Saga noch ganz bekannt. In Inuyasha scheint sie sich vorgenommen zu haben die beiden Vorlieben miteinander zu vermischen. So haben wir es hier zum einen mit einer sehr humorigen Serie und Liebeswirrwar zu tun, aber es gibt auch mehr ernste Momente und reichlich Monster zu erlegen.

Grundsätzlich befinden wir uns im feudalen Japan. Allerdings gehört Hauptcharakterin Kagome hier nicht hin, sondern wohnt in unserer Zeit mit ihrer Familie in einem Schrein, fällt eines Tages in den verwunschenen Brunnen hinterm Haus, und reist so zurück in jene Zeit. Dort trifft sie auf den Halbdämonen Inuyasha, den sie aus der Versiegelung von einem Baum befreit, damit er sie vor einem Dämonen retten kann. Kagome sieht dabei genau aus wie die Priesterin Kikyo, die Inuyasha vor 50 Jahren an den Baum gefesselt hat, obwohl sich davor eigentlich eine Liebe zwischen den beiden angebahnt hatte. Kagome scheint die Wiedergeburt deren Seele zu sein, denn sie kann auch das mächtige Heilige Juwel aufspüren, hinter dem alle Dämonen her sind, um besonders mächtig zu werden. Darunter auch Inuyasha, um zum vollwertigen Dämonen zu werden. Dummerweise zerbricht das Artefakt allerdings im Kampf und die Splitter verstreuen sich übers Land.

Und schon hat Rumiko Takahashi eine Ausrede gefunden, um die Serie so lang laufen zu lassen, wie sie lustig ist. Denn ob es nun ein paar Dutzend oder ein paar Hundert Splitter sind, die eingesammelt werden müssen, ist natürlich nicht bekannt und selbst bereits gefundenen können ja jederzeit wieder den beiden enteignet werden.

Die ersten knapp drei Dutzend Folgen führen dann schon so ziemlich alle wichtigen Charaktere und alle Handlungsstränge ein. Beispielsweise kommt in Episode 5 Sesshomaru dazu, der komplett dämonische Bruder von Inuyasha, der ihn überhaupt nicht ab kann, und das mächtige Schwert des Vaters abnehmen möchte. Der Verwandlungskünstler-Fuchsdämon Shippo aus Episode 9 hingegen wird eher zum Sidekick-Charakter, der für den Humor zuständig ist. Ab Episode 14 erwacht Kikyo wieder zum Leben und darf ab nun die Handlung ordentlich verkomplizieren, da der aufkeimenden Zankliebe zwischen Kagome und Inuyasha nun seine alte Flamme in die Quere kommt und sie befreit von ihrem hehren Priesterinnen-Dasein auch ein wesentlich undurchsichtigerer Charakter wird, bei der nicht klar ist, auf welcher Seite sie nun steht. Der lüsterne Priester Miroku kommt in Episode 16 hinzu, und sucht die Juwelensplitter, weil sie ihn zum Erzfeind Naraku, der die Familie mit einem Fluch belegt hat, führen werden. Naraku ist im Prinzip ab Episode 18 dabei, so richtig wichtig wird er aber erst ab Episode 21, welche auch ein neues Ending Theme mit sich bringt. Er ist nämlich für die Geschichte besonders integral, da er es war, der vor 50 Jahren Inuyasha und Kikyo ausgetrickst hat sich gegenseitig zu bekämpfen, um an das Heilige Juwel zu kommen. Und in Episode 24 stößt dann letztendlich noch Sango zur Truppe, eine Dämonenjägerin, deren ganzes Dorf von Naraku zerstört wurde und der ihren wiederbelebten Bruder als Trumpfkarte bei sich behält.

Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, wie narrativ zusammenhängend Inuyasha dann doch ist. Irgendwie hatte ich mehr damit gerechnet, dass die Sache ziemlich episodisch vonstatten geht und Dämonen des Tages sich mit der Truppe einen Kampf um die Juwelensplitter leisten, während die Haupthandlung nur hin und wieder kurz angerissen wird, damit man die Lust nicht verliert. Es gibt zwar auch von sich unabhängige solche Exkurse, beispielsweise der Kampf gegen die hübsche Schädeldiebin Yura oder die ungleichen Brüder Hiten und Manten, die aus Japans Yokai-Folklore schöpfen, doch viel zumindest des Beginns von Inuyasha geht doch von aufs Wesentliche ein. Wie gesagt dauert es nicht lange, bis mit Sesshomaru die Familienverhältnisse von Inuyasha ins Licht gerückt werden, oder mit Kikyo die Vergangenheit zurückkommt um alles zu verkomplizieren, oder bis Naraku seinen ersten Auftritt hat und sowohl die Ereignisse von vor 50 Jahren in einem neuen Licht erscheinen, sondern der auch mit seiner eigenen extremen Entstehungsgeschichte daher kommt und über den Kikyo in Folge 33 sogar fallen lässt, dass er deswegen selbst nur ein Halbdämon ist.

Dass die Serie auf einen langen Zeitrahmen hinspielt, ist allerdings dennoch schon ersichtlich. So beeindruckend und Respekteinflößend sowohl Sesshomaru als auch Naraku als Gegner sein können, so klingen viele Folgen mit ihnen etwas unausgegoren aus, da sie sich immer noch mal wieder erneut zurückziehen müssen, damit der Ball im Rollen bleibt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere doch etwas arg an Ranma 1/2 erinnern. Sowohl die Hassliebe-Dynamik zwischen Inuyasha und Kagome ist ziemlich Ranma vs Akane und der feig-lüsterne Myoga ist praktisch schlichtweg Happosai. Witzigerweise sind selbst die Synchronsprecher von Inuyasha und Ranma sowie Kikyo und Akane die gleichen.

Doch bisher bleibt die Serie ziemlich gefällig. Wenn auch bekannt erscheinend, so sind die Charaktere sympathisch und unterhaltsam. Der Humor hat ein sehr gutes Timing, aber statt nur abgedrehtes Zeug zu liefern bemüht sich die Serie sowohl dramatische und spannende Momente einfließen zu lassen, immer wieder auf die Handlung und das Wesentliche zurückzuschwenken. Mit reichlich Möglichkeiten in den folgenden Folgen, um die diversen Charakterbeziehungen und -hintergründe noch zu ent- oder verwirren, denn für genug Zündstoff ist in dem Geflecht gesorgt.

Beautiful Dreamer

ava-2038Rumiko Takahashi ist eine der profiliertesten Mangaka aller Zeiten. Mangaka ist nicht unbedingt der einfachste Job, denn die Deadlines sind strickt, und wenn man nicht eine Hitserie erschafft verdient man auch nicht sonderlich gut. Rumiko Takahashi hingegen hat es geschafft Zeitweise eine der Bestverdiener Japans zu sein, und das nur durchs Zeichnen von Manga. Die gute Frau hat, neben durchaus kürzeren Geschichten, seit den 80ern eigentlich immer eine ewig laufende Serie am Laufen, die für diese Generation zu einem absoluten Klassiker wird, und in mehrere hundert Folgen TV-Anime, OVA und Filme adaptiert wird.

Von 1978 bis 1987 wäre das ihr erster großer Japan-Hit Urusei Yatsura in 34 Bänden, und nebenbei hat sie von 1980 bis 1987 auch noch mal schnell 15 Bände des dort ebenfalls Instant Classic Maison Ikkoku rausgehauen. Direkt im Anschluss lief die wohl für meine Generation weltweit bekannteste Serie Takahashis, nämlich von 1987 bis 1996 das 38 Bände umfassende Ranma 1/2. Um dann gleich anschließend von 1996 bis 2008 in 56 Bänden Inuyasha dranzuhängen. Seither zeichnet sie Rin-ne, welches auch schon bei 25 Bänden angekommen ist. Die gute Frau hat eigentlich nie keine Hitserie gezeichnet. Schön für sie.

Ihr früher Japan-Hit Urusei Yatsura sollte letztendlich in fast 200 Folgen TV-Serie, ein gutes Dutzend OVAs, und 6 Kinofilme adaptiert werden (von denen witzigerweise der Untertitel The Last Chapter für den vorletzten genommen wurde), herausgekommen in den zehn Jahren zwischen 1981 und 1991. Wir wenden uns hier dem zweiten Film zu, Urusei Yatsura 2: Beautiful Dreamer. Hier kommen wir zu einem weiteren großen Namen im Business: Mamoru Oshii. Das ist der hinter so Filmen wie der Kult-Klassiker Angel’s Egg, der die frühen westliche Anime-Landschaft mit prägenden Ghost in the Shell, die Patlabor-Filme, oder die Kerberos Saga zu der Jin-Roh gehört. Vorher bereits an einigen TV-Anime gearbeitet, war sein Durchbruch als Regisseur von Urusei Yatsura, bei dem er für die ersten zwei Filme verantwortlich zeichnet.

Dabei gestalten die sich ein wenig wie seine Arbeit an den ersten beiden Patlabor-Filmen: Der erste war eine relativ getreue Adaption der Serie ins Kinoformat ohne große Sprünge, dafür nutzte er dann seine Cloud, um sich beim zweiten Film wesentlich mehr zu trauen und vom Ursprungsmaterial zu entfernen. Deswegen besprechen wir auch Urusei Yatsura 2 und nicht auch den ersten Film, der erste ist scheinbar nur eine Filmadaption der TV-Serie, die üblich Rumiko Takahashi sicherlich charmant und witzig, aber auch seicht und stagnierend ist. Beautiful Dreamer hingegen war zu Release umstritten, da Fans sowie Takahashi wenig begeistert davon waren, dass er sich so weit vom Original entfernt, hat es über die anschließenden Jahrzehnte allerdings zu einem stark referenzierten Klassiker geschafft und gilt mittlerweile als der beste der 6 Filme, und als einer, der die Anime-Landschaft maßgeblich mit geprägt hat, der es regelmäßig in Listen bester Anime-Filme aller Zeiten schafft. Sprich es ist einfach der interessantere Film, und der mit mehr Prestige.

Urusei Yatsura, im Original, dreht sich übrigens um ein Alien in Form eines Bikini-Mädels, die zur Erde kommt, und über ein Missverständnis den lüsternen Ataru heiraten will, der sie zwar schon mag, aber lieber auch anderen Mädels nachstellen will, was sie zu übernatürlichen Eifersuchts-Attacken bringt. Plus um Atarus Schulklasse und Aufsichtspersonen, die alle die eine oder andere schräge Macke haben. Es ist eine Romcom von Rumiko Takahashi, wer irgendeine davon kennt, weiß ungefähr, wie alle davon ausarten. Wie fängt also Mamoru Oshii seinen zweiten Film zur Reihe an? Am Strand einer postapokalyptischen Ruinenstadt, an dem die Hauptcharaktere wortlos rumfaulenzen, während Alien-Dame Lum Wasserski fährt… ja, so viel mit der Original-Prämisse scheint der Film auf Anhieb nicht mehr zu tun zu haben.

Doch nach dem Opener geht es erst mal zurück, ins Japan des Hier und Jetzt, in dem der schräge Haufen aus der Serie ein Schulfest vorbereitet. Drittes Reich Cafe haben sie ausgewählt… ich sag dazu jetzt mal nix. Komödiantische Eskapaden geschehen, Lum darf eifersüchteln, um sich lasern, und ihren Traum davon, ewig mit Ataru und seinen Freunden zu leben, preis geben – das scheint nur ein netter Nebensatz zu sein, wird aber tatsächlich für den Film sehr wichtig. Doch dann fängt Oshii schnell an, surreale Dinge einzustreuen. Wenn die Jungs nachts Snacks kaufen fahren, und ihnen plötzlich auffällt, dass die Stadt wie ausgestorben ist. Oder wenn der Lehrer und die Krankenschwester auf den Trichter kommen, dass es immer wieder der Tag vorm Schulfest ist, man sich also scheinbar in einer Zeitblase befindet. Wenn die Charaktere statt wie vorher in der Schule zu übernachten, um die Vorbereitungen rechtzeitig fertig zu bekommen, nach Hause geschickt werden, aber aus dem einen oder anderen Grund doch wieder alle beim Schulgelände ankommen.

Schnell erzählen sie uns auch eine japanische Legende, von der sich Oshii hat inspirieren lassen: Ein Fischer, der eine Schildkröte rettete, durfte zum Dank auf deren Rücken zum Palast des Drachengottes reisen, wo er einige Tage verbrachte, oder dies zumindest dachte, denn als er in sein Dorf zurückkam waren hunderte Jahre vergangen. Die Charaktere beginnen also darüber zu sinnieren, ob nicht nur im gewissen Umkreis um die Schule die Zeit sozusagen stehengeblieben ist, während drumherum alles normal weiterläuft. Und als sie auf einem Flieger tatsächlich versuchen das Viertel zu verlassen… ist dort nichts, es gibt lediglich die paar Häuserblocks um die Schule, getragen auf dem Rücken einer Schildkröte, mitten im endlosen All. Und dann beginnen immer mehr Menschen zu verschwinden, die Häuser zu verfallen, nur Atarus zu Hause seltsamerweise nicht, welches auch als einziges Gebäude weiterhin fließend Wasser und Strom hat, sowie der Conbini an der Straßenecke immer frische Lebensmittel bereit hält. Das ist im Prinzip der Opener gewesen, wenn die Gruppe an Freunden als letzte Überlebende in einer weitestgehend Ruinenstadt ohne jegliche Zivilisation ihre Tage vergammeln, weil es nichts zu tun und kein entrinnen gibt. Und dann fangen selbst die Freunde an zu verschwinden.

Holy shit, das ist eine erstaunlich nihilistische Welt, zu der die Stadt in Beautiful Dreamer zu zerfallen beginnt. Eine absolut aussichtslose Situation ohne jegliche Hoffnung auf Besserung. Aber, und das ist wirklich interessant, dennoch passt dies in den Canon der Franchise. Ich denke ich nehme niemandem was voraus, denn nicht allzu lang in den Film hinein, sich den Titel vor Augen haltend, ist klar, dass die hiesige Welt nur ein Traum ist. Deswegen darf sich Beautiful Dreamer so weit von der Hauptserie weg trauen, deswegen können die Ereignisse immer schräger und zusammenhangsloser werden, weil der Film im wahrsten Sinne des Wortes auf Traumlogik basiert. Schon ein sehr cleverer Einfall, den Mamori Oshii da hatte, um die ihm gegebene Plattform zu nutzen, um statt wie noch beim ersten Film das Erwartete zu liefern, lieber mit weitestgehend künstlerischer Freiheit stattdessen den Film zu liefern, den er lieber machen würde. Oshii wird immerhin später in Jin-Roh auch Traum und Wirklichkeit verwischen lassen, bei Ghost in the Shell in surrealem Cyberspace philosophieren, und gerade mal ein Jahr nach Beautiful Dreamer nichts anderes, als den sich komplett nicht erklärenden Arthouse-Film Angel’s Egg auf die Japaner loslassen. Ganz so tiefgründig ist Beautfiul Dreamer derweil nie, sondern mehr Style over Substance, wird dadurch aber nicht weniger interessant.

Das führt nicht nur zu einem narrativ sehr interessanten, wenn auch nicht immer ganz einfach zu folgenden (vor allem wenn man das Ursprungsmaterial halt nicht kennt), Film, wobei das natürlich so gewollt ist, sondern auch zu einem sehr interessant anzusehenden. Nicht nur weil er ein anständiges Animations-Budget hat, sondern weil er auch gern artistisch wird. Er sucht sich interessante Kamerawinkel, spielt mit Perspektiven und Farben, und erschafft so wirklich die passende Atmosphäre für diese Traumwelt, in der er spielt.

Sprich das Mamoru Oshii hier nicht geliefert hat, was gewollt war, sondern ganz egoistisch sein eigenes Ding durchgezogen hat, ist ein wirkliches Geschenk. Wer das „echte“ Urusei Yatsura erleben will, der hat mit der Vielzahl an Manga-Sammelbänden, TV- und OVA-Folgen, und fünf weiteren Filmen genug Stoff, um sich derer überdrüssig zu werden. Beautiful Dreamer ist speziell, und unerwartet, und interessant, und das ist auch gut so. Absolut sehenswerte 90 Minuten.

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