GameBoy Obscurities: Rolan’s Curse

ava-1738Der monochrome GameBoy war also wirklich hauptsächlich dafür genutzt, um die Konsolen-Franchises oder zumindest ähnliche Erfahrungen auch unterwegs auf dem Handheld spielen zu können, bei einer langen Autofahrt, oder auf einer langweiligen familiären Zusammenkunft. Was hatte man da 1990 zur Auswahl, wenn man Zelda unterwegs spielen wollte? Zelda: Link’s Awakening kam erst 1993. The Frog for Whom the Bell Tolls in 1992. Mystic Quest in 1991. Stattdessen musste man so früh zu Sammys Rolan’s Curse greifen – als Japaner oder Amerikaner zumindest, Europa blieb aus.

Das Spiel ist dann auch mit Worten wie „simpel“, „schlicht“ und „einfach“ (in mehrerer Hinsicht) gut beschrieben. Die Handlung ist kurz: Der böse Barius legt einen Fluch über das Land Rolan, und der namenlose, stumme Held zieht aus, ihm und seinen Monstern das Fürchten zu lehren. Text gibt es lediglich wenige Sätze zwischen den Kapiteln, die so Standard-Phrasen sind, dass sie weitestgehend in jegliches Spiel passen würden. Sowie kurze Zurufe der wenigen Stadt-NPCs, a la „You are awesome!“ und „Go and rock that turkey!“.

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Wie erwähnt ist das Spiel in Kapitel unterteilt, die alle recht gleich aufgebaut sind. Eine Stadt zum Start, ein Boss am Ende, dazwischen 40-50 kleine Screens mit Gegnern, unterbrochen von einer zweiten oder auch dritten Stadt fürs Verschnaufen. Klingt von der Anzahl her erst Mal viel, ist es aber nicht, die vier Kapitel sind locker in 2 Stunden Gesamtspielzeit zu schaffen.

Interessant in Rolan’s Curse ist, dass es neben den für Action Adventures üblichen festen Status-Upgrades an Lebensleiste und Angriffsstärke, jene auch noch mal in temporär gibt, die zwischen zwei Kapiteln wieder abgezogen werden. Man kann also ganz unüblich für dieses Genre auch jene temporären Verbesserungen zu Beginn jedes Kapitels an den Gegnern grinden, bis zumindest schon mal maximale Herzen schnell erreicht sind.

Nicht, dass das Spiel nicht sowieso schon ziemlich einfach wäre, besonders wenn man statt des Schwertes lieber den Distanz nutzenden Feuerstab in die Hand nimmt. Denn auch besonders an Rolan’s Curse ist, dass kein Gegner auf eigene Agenda hin agiert, sondern alle strickte Bewegungspatterns haben. Held bewegt sich zusätzlich etwas steif je in Halb-Tiles pro Schritt, kann dafür im Stand allerdings nicht die Richtung wechseln. Das führt zu einem überraschend taktischen Schreiten durch das Spiel, um sich im Prinzip genau so zu bewegen, dass Gegner gar nicht erst Schaden anrichten können. Macht es wie gesagt aber auch nicht sonderlich schwer, ziemlich unbeschadet zu bleiben, sobald man die Patterns raus hat, selbst die Kapitel-Bosse haben sehr eindeutige tote Winkel, in denen sie einen nicht, Held aber sie schädigen kann. Da braucht es der Hand voll helfender Items auf dem A-Knopf eigentlich gar nicht, so dass man dort das Spiel über konstant wohl die Axt haben wird, die gewisse Sperren durchbricht, hinter der wichtigere Sachen, wie die Permanent-Upgrades von Leben und Angriff, stecken.

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Die Musik ist allerdings mancherorts ziemlich nett, muss ich zugeben, für GB-Verhältnisse versteht sich, wo die Soundausgabe nicht so pralle war.

Und das ist Rolan’s Curse. Super kurz, super einfach, super simpel. Hat fast schon einen gewissen Charme, durchaus, und wirklich was komplett versauen tut das Spiel auch nicht. Schneller Happen, der nicht weh tut, für den ich aber auch kein Geld ausgegeben hätte haben wollen.