River King: A Wonderful Journey?

Meine Beziehung zu den River-King-Spielen ist kompliziert. Mir ist immer mal wieder nach einem Angelspiel. Aber keines von jenen, die sich wirklich an Hobby-Angler in Spe richten, mit realistischem Gameplay, welches gutmöglichst versucht die Sportart einzufangen. Da kommt River King natürlich immer recht. Nicht umsonst ist River King: A Wonderful Journey das achte Spiel der Franchise, welches ich bespielt habe. Problem an der Sache ist dann immer, dass ich sie nach den Credits reflektierend oftmals doch nicht so geil fand wie ich mir das erhofft hatte.

A Wonderful Journey richtet sich dabei als PS2-Spiel nach den anderen Konsolen-Vertretern. Statt wie in den Handheld-Spielen also einen Charakter vorgegeben zu haben, stellt A Wonderful Journey einem vor die Auswahl einer ganzen Familie. Vater, Mutter, Tochter, Sohn. Alle mit leicht unterschiedlichen Anfangswerten und theoretisch auch individuellem Text was denn ihr Ziel ist. Das ist natürlich etwas Schall und Rauch, denn letztendlich geht jeder von ihnen in gleicher Reihenfolge durch die gleichen Gebiete, bekommt die gleichen Quests angeboten, und ihr Ziel und damit die Credits sind erreicht, wenn der River King gefangen ist.

Neu im Gegenzug der vorigen Teile ist allerdings, dass es keine zufälligen RPG-Kämpfe mehr gibt. Die haben mich ja eh immer ziemlich genervt. Weil die Wildtiere immer nur sporadisch aufgetaucht sind, und sie ziemlich langweilig waren, so dass das Leveln für sie wie eine Tortur wirkte. Ohne sie ist das Quest in den späteren Teilen wesentlich flüssiger. In A Wonderful Journey springen einem aber dennoch immer mal wieder Tiere, erneut sehr sporadisch, vor die Füße. Statt zu kämpfen stellen die einem allerdings Quiz-Fragen und stehlen bei falscher Beantwortung einen Fisch aus der Box, sollte man bereits welche gefangen haben.

So schön es ist, dass auf die Kämpfe verzichtet wird, so macht leider A Wonderful Journey bei fast allem anderen ziemlich viel falsch. Das Fischen und ich haben an sich schon immer eine komplizierte Beziehung. Ich fische gern in diesen Spielen. Es ist auch sehr einfach einen Fisch zu fangen. Leine geben, wenn er gegensteuert, und einholen, wenn er pausiert, und schon sind die meisten Fische ziemlich einfach gefangen. Allerdings bringe ich häufig nicht ganz die Geduld mit, die diese Spiele von einem verlangen. Zumindest wenn es darum geht, einen ganz bestimmten Fisch fangen zu müssen. Welche Angel mit welchem Köder muss in welchem Bereich des Areals ins Wasser geworfen werden, damit er überhaupt anbeißt? Dann immer die Ungewissheit, ob die Kombination richtig ist, genau wie die Stelle, aktuell aber einfach nicht die richtige Sorte reingespawnt ist, und deswegen nicht beißt. Oder der Fisch einfach mal keinen Bock zum Beißen hatte, obwohl der Köder der richtige ist. Die selteneren und größeren Fische schwimmen nämlich auch gern mal dran vorbei und gehen nur selten an die Angel, auch wenn man alles richtiggemacht hat. Bei A Wonderful Journey kam erschwerend hinzu, dass die einzelnen Gebiete gigantisch sind, aber häufig nur wenige Fische ins Wasser spawnen, was zu noch mehr Warterei und Ungewissheit, ob alles richtig ist, führt. Die Angel zu nah werfen, und er schwimmt weg, zu weit weg und er bemerkt den Köder nicht. Wenn dann nicht nur ein seltener Fisch, sondern auch noch in der richtigen Größe gefangen werden soll, ist bei mir das Gefluche schnell da. Zumal sobald man die Angel ausgerüstet hat, die Blick- und damit Wurfrichtung des Charakters nicht mehr geändert werden kann.

Es gibt ein paar Dinge, die bis zum Ende hin mysteriös für mich waren. Neben einem Level, für das man Erfahrungspunkte durch Fischfänge bekommt, gibt es beispielsweise eine Fishing Technique. Wie genau die sich erhöht, konnte ich selbst mit Internet nicht wirklich finden. Nur der Hinweis, dass man im finalen Gebiet kaum etwas, und schon gar nicht den River King, eingeholt bekommt, wenn sie nicht auf 5 ist. Als ich drei Viertel durch das Spiel war, war ich zwar bereits bis Level 19 gestiegen, meine Fishing Technique aber immer noch auf 1 und ich hatte schon bedenken, dass sich da mal wieder ein Bug eingeschlichen hat. Dafür ist ja gerade die Schwesterserie Harvest Moon mehr als bekannt. Kurz vor Spielende erhöhte sie sich dann doch auf 2. Und damit konnte ich auch den River King ohne Probleme fangen. Dennoch weiß ich bis Heute nicht, was sie genau macht und wodurch sie sich erhöht. Ein Level an Kochkünsten gibt es übrigens auch, die Macher inkludieren das ja gern mal in ihre Spiele. Hier scheint es einem nicht viel zu bringen, sondern nur aus Spaß an der Sache dabei zu sein. Gerichte können nicht verkauft werden, Fische, die man kocht, sind also verloren. Durchs Essen bekommt man Stamina zurück, aber ehrlich gesagt lief ich nie Gefahr das jene mir zur Neige gehen würde. Es scheint mehr zum Selbstzweck dazusein, ganz wie die Koch- und Angeltourniere, die nie wirklich angegangen werden müssen, obwohl sie wichtig klingen.

Progression durch das Spiel ist wie üblich. Wir starten im Gebiet direkt um das Wohnhaus des gewählten Charakters und müssen diversen NPCs ihre Quests erfüllen, damit sie uns ins nächste Gebiet lassen. Und ins nächste. Und ins nächste. Bis irgendwann der geheime See entdeckt ist, in dem der River King rumschwimmt, weil man den nämlich immer in einem See fängt, ich glaube die allererste Gurke auf dem NES war das einzige mal, dass der Flusskönig auch im Fluss zu finden war. Aber auch hier wird viel falsch gemacht. Warum auch immer kann man in A Wonderful Journey immer nur ein Quest gleichzeitig laufen haben. Wenn mit einem NPC gesprochen wird, und das verwickelt einen in eine Quest-Cutscene, dann hat man die jetzt auch an der Backe und muss sie beenden. Aufgeben kann man nicht. Andere NPCs offerieren nur Standard-Sprüche, selbst wenn sie eigentlich auch ein Quest haben. Einige Quests sind wesentlich nerviger als andere, und teilweise auch optional. So kann man schnell mit einem dämlichen Quest geschlagen sein, nur um nach Erledigung herauszufinden, dass es einem beim Weiterkommen null geholfen hat. Und darf dann die riesigen Gebiete anschließend erneut ablaufen, um einen weiteren NPC mit Quest zu finden, weil man mit aktivem Quest ja nicht mitbekommt, wer noch eines hätte. Warum der Spieler nicht einfach alle Quests annehmen und nach eigenem Belieben abwickeln kann, ist mir echt ein Rätsel. Führt auch zu so tollen Situationen, wie das man einen Fisch verkauft hat, den man für das aktuelle Quest nicht brauchte, nur um zwei Quests später genau jenen für den NPC fangen zu sollen, um dann mitzubekommen, das es ein seltenes Vieh ist und man ne Stunden für den nächsten Fang aufbringen muss.

Technisch gibt’s auch absolut nix zu holen beim Spiel. Es ist tatsächlich eines der hässlichsten PS2-Spiele, welche ich je gespielt habe. Die Charaktermodelle sind immerhin stark stilisiert, haben aber so gut wie keine Animation, sondern werden nur hin und her gedreht in den meisten Szenen. Das übrigens in einem Spiel von 2005, also nicht gerade zum Launch-Zeitraum. Warum man die Engine aus dem zwei Jahre vorher erschienenen und besser aussehenden Harvest Moon: A Wonderful Life nicht verwertet hat, bleibt ein Rätsel. Auch sind alle Charaktere sehr schräg und over the top designt, was anfänglich ganz interessant ist, aber auch nie so wirklich witzig werden will. Die Übersetzung ist Natsume-üblich ebenfalls sehr schwankend und weißt viele merkwürdige Formulierungen auf, als wäre das über Google Translate aus dem Japanischen rübergebracht und dann nur ganz schnell von jemandem, dessen Zweitsprache Englisch ist, aufs Gröbste drübergelesen.

Ich war jedenfalls ganz froh, dass ich nach 12 Stunden das Ziel vom Vater erreicht und den River King gefangen hatte. Wenn alles gut lief, dann machte das Angeln schon Spaß. Aber es gibt einfach zu viele Schnitzer und Nervfaktoren im Spiel, als das ich meine Zeit im Schnitt gesehen wirklich groß genossen gehabt hätte. Ich würde sogar sagen, dass A Wonderful Journey das schlechteste River King ist, was ja gut dazu passen würde, dass A Wonderful Life auch das schlechteste Harvest Moon ist. Jedoch ist es dann doch nicht ganz so schlimm wie das NES-Original, schon alleine dank der fehlenden Gegnerkämpfe, wenn auch wenig mehr.

GameBoy Obscurities: Kawa no Nushi Tsuri 5

Und schon bin ich wieder vereint mit meiner Hassliebe Kawa no Nushi Tsuri. Auch bekannt als River King für das halbe Dutzend oder so Einträge, die in den Westen gekommen sind. Der letzte in Japan nummerierte Teil ist derjenige, welcher zwischen dem Ende des ersten gescheiterten Versuchs die Serie hier populär zu machen, Legend of the River King 2 für GBC, und dem Anfang des zweiten gescheiterten Versuchs in Mystic Valley für DS, steht.

Als solches ist das Ding tatsächlich so ein wenig eine Mischgeburt. Denn Kawa no Nushi Tsuri 5 hat weiterhin HP, gibt einem EXP für Level Ups, wie das die vorigen RPG-Hybriden taten, streicht allerdings wie die späteren Teile rundenbasierte Kämpfe gegen Wildtiere komplett aus seinem Repertoire. Gestaltet sich von daher eher als reines Adventure Game mit Angeln.

Die nicht übersetzte Story, die bei der Serie eh drittrangig ist, hat was damit zu tun, dass wir auf Sommerurlaub in einen Teich fallen und statt erbärmlich zu ertrinken in einer Fantasywelt rauskommen. Die strikt thematisch getrennt wird in fünf Kingdom-Hearts-Welten: Altes Japan, arabisches Wüstenkönigreich, skandinavisches Schneestädtchen (merkwürdigerweise keine Iglu-Siedlung), polynesisches Fischerdorf, und einer europäischen Mittelalterstadt. Rassisches Vermischung sieht der River King wohl ungern. Und hat allgemein zwischen ein paar bis allen Bewohnern der jeweiligen Siedlung in Fische verwandelt. Um den lokalen Leutchen auszuhelfen, müssen also die entsprechenden verschollenen Bewohner wieder herausgefischt werden, woraufhin sie unmittelbar wieder zu Menschen werden.

Dies fünf Mal wäre vielleicht doch etwas langweilig, und so wird auch mal hineingewoben, dass ein falscher König auf dem Thron sein Terrorregime ausübt, und man stattdessen den echten wieder angeln muss, oder dass ein Romeo und Julia Liebespaar sich lieber in Fische verwandelt haben, statt getrennt zu werden. Viel Gelaber mit den Bewohnern und hier und dort mal ein Item statt nur das Fischen sind nötig, um durch das Spiel zu kommen. Denn das ist leider super gescriptet. Wer nicht mit den richtigen Leuten in der richtigen Reihenfolge spricht, kommt nicht weiter, weil der nächste darauffolgende nicht weiterhelfen wird.

Selbst die Stadtbewohner, die zu Fischen verwandelt wurden, müssen genau in der richtigen Reihenfolge geangelt werden. Was natürlich immer total witzig ist, wenn man einen super seltenen Fisch an der Angel hat, der sich nicht verwandelt, weil man vorher noch zwei andere fangen soll, und wenn der seltene endlich an der Reihe ist, das Mistvieche einen auf ausgestorben macht.

Beim Angeln an sich hat sich wenig bis eigentlich fast gar nichts geändert. Angel, Leine, Haken und Köder wählen und auswerfen – erst dann sieht man auch die Schatten der Fische im Wasser. Sind alle geangelt, muss in einer Herberger übernachtet werden, damit neue spawnen. Den Köder lässt man nun treiben, bis ein Fisch anbeißt, und per Knopfdruck geht es ins Tauziehen in der Unterwasseransicht. Immer Leine geben, wenn ein Fisch gegensteuert, und einholen, wenn seine Kraft nachgelassen hat. Neu in Kawa no Nushi Tsuri 5 ist lediglich, dass die größeren Fische gerne mal an die Wasseroberfläche schwimmen, um dort einen auf Kapador mit ihrem Platscher zu machen. Lässt man das zu oft zu, schütteln sie den Haken ab.

Was irgendwo kurios bei der ganzen Sache ist, ist wie unwichtig die Angeln sind. Ich habe durch die ersten drei Welten hindurch die kleine, schlechte Standardangel mit Würmern als Köder benutzt gehabt, die man zum Spielstart umsonst bekommt. Einfach weil die anderen Angeln alle so extrem teuer sind, wenn man also nicht Fische zum Verkaufen grindet, sie sich nicht leisten kann. Dann hab ich mir aber mal das Geld für die beste Ausrüstung geholt, nämlich die große, besonders stabile Fliegenfischangel… und nicht ein Fisch hat angebissen! Ich habe alle 50 Fischspezies des Spieles mit der normalen Anfangsangel und Würmern erangelt! Was statt des Equipments viel wichtiger ist, ist das Level des Charakters. Der bekommt für jeden „Kampf“ mit einem Fisch ein paar EXP, levelt relativ zügig auf, und auf Max-Level 30 hat er ziemlich leichtes Spiel mit allen Fischen. Selbst der River King war kein großes Problem fürs Finale zu fangen.

Woran man sich definitiv auch erst gewöhnen muss, ist der schräg-isometrische Blickwinkel des Spieles. Man hat sich hier für einen stärker realistischen Stil entschieden, der stark mit den anderen Teilen der Franchise bricht, wahrscheinlich um besser zu den fotorealistischen Unterwasseransichten und Fischen zu passen. Aber ich konnte mich nie daran gewöhnen, dass man auch die Ansicht dabei schräg auf der Achse verschoben hat, wenn ich also Oben oder Unten auf dem Steuerkreuz drücke, der Charakter stattdessen nach Oben-Links oder Unten-Rechts geht.

Ich glaube Legend of the River King 2 bleibt unangefochten mein Favorit der Franchise. Kawa no Nushi Tsuri 5 hat wenigstens nicht mehr die dämlichen Random Encounter, aber wie immer hatte ich im finalen Drittel weniger Spaß, weil das Angeln der richtigen Spezies ein wenig zu frustend wurde. Bis dahin ist es aber echt Ok, und insgesamt sowieso ein sehr kurzes Spiel.

Kawa no Nushi Tsuri

ava-1968Dieses Blog dreht sich nun ausschließlich um Handheld-Spiele, die keinen interessieren, und Angel-RPGs, die keinen interessieren. Pluspunkte natürlich dann, wenn beides zutrifft. Im hiesigen Eintrag ist dem nicht der Fall, wir sind auf dem NES unterwegs, und zwar mit dem 1990er Kawa no Nushi Tsuri, dem ersten River King.

Es ist natürlich im Grundsatz bereits das vom dritten und vierten Teil auf dem GB/C bekannte Prinzip, aber doch ein wenig minimalistischer. Auch ein wenig RPG-iger. Beispielsweise sind hier noch die Städte ein eigener Bildschirm, während die 5 Areale am Flussufer sozusagen die Oberwelt darstellen, anstatt das wie später alles in eine durchgängige Welt integriert ist. Außerdem sind die Gebiete viel größer, bzw. wesentlich länger, denn von Nord-Süd her sind sie tatsächlich nur einige Tiles hoch, dafür läuft man sich einen Wolf den Fluss entlang, bevor das nächste Areal beginnt. Dadurch gibt es hier weniger Fischgründe, statt das es fast überall was zu fangen gibt wie in den Nachfolgern. Die sind in der Regel immer sehr klar abgesteckt (Blasen oder Stöcke im Wasser etc.) und können auch nur von bestimmten Tiles aus beangelt werden (Kiesstrand, Brücken etc.).

kawanushi1

Die Fischschatten gibt es noch nicht, dafür legt das Spiel eine kleine Großansicht des Köders im Wasser über den Hauptbildschirm, sind daneben Blasen zu sehen, gibt es hier Fische, wenn nicht dann nicht bzw. ist der aktuelle Punkt leer geangelt und muss per Übernachtung resettet werden. Wird der Köder unter Wasser gezogen gewohnt schnell B drücken und die Seitenansicht mit dem Tauzieh-Kampf gegen den Fisch beginnt. Meist zumindest, denn etwas kurios gibt es hier auch manchmal Echsen oder Schildkröten zu fangen, die stattdessen wie die Kämpfe gegen das Wildleben Erfahrungspunkte einbringen. Netterweise zeigt einem hier das Spiel sogar an, welche Köder am jeweiligen Fischgrund überhaupt was bringt. Außerdem ist das Arsenal viel übersichtlicher. Angelruten upgraden automatisch auf die jeweils beste, somit müssen die nicht mehr getauscht werden; Leinen und Haken gibt es nur in einer Variante bzw. noch einer speziellen nur für den River King (der in bester Serientradition nicht im Fluss ist, sondern der Riesenaal hier ins Meer gespült wurde); und an Köder gibt es auch nur 5 oder 6 verschiedene Arten, die wie gesagt bereits anzeigen, ob sie überhaupt sich am jeweiligen Angelspot lohnen. Die Köder brauchen sich auch noch nicht nach jedem gefangenen Fisch auf, sondern nur wenn jener einem entwischt.

Sollte das Angeln wesentlich angenehmer machen, wenn es nicht viel schwerer wäre. Genau genommen ist Kawa no Nushi Tsuri insgesammt ein vergleichsweise schweres Spiel und relativ grindy. Zunächst einmal müssen natürlich Fische gegrindet werden, um das nötige Geld zu bekommen, um mindestens einen von den zwei nötigen Gegenständen zu kaufen, die fürs Öffnen des nächsten Gebietes nötig sind. Um dann allerdings auch die Reise bis dorthin zu überleben, müssen zusätzlich noch Gegnerkämpfe für die Erfahrung gegrindet werden. Wobei die HP, die erneut als Stärke-Wert doppeln, jeweils nur um einen (1en!) einzelnen Punkt steigen. Am Ende hat man also schon mal 4000 EXP aber nur 57HP im Statusbildschirm stehen. Gegnerkämpfe sind zahlreich und hart. Fischkämpfe werden mit jedem Gebiet wesentlich schwerer, das Timing sie überhaupt an die Angel zu bekommen genauer, und es ist allgemein recht schwer im finalen Gebiet irgendwas rauszuziehen, bevor die Leine reißt. Mir ging das Spiel ehrlich gesagt ab der Hälfte häufiger mal gehörig auf den Sack, statt zu mich zu relaxen, wie ich das von einem Angelspielchen erwartet hätte.

kawanushi2

Ich kanns also eigentlich nicht empfehlen, um ehrlich zu sein. Doch lieber bei den Nachfolgern bleiben, denn Kawa no Nushi Tsuri ist ungefähr so eingeschränkt wie das erste lokalisierte Legend of the River King, dabei aber zusätzlich noch so clunky, wie das die meisten NES-RPGs sind, was nicht unbedingt die erfreulichste Mischung darstellt.

GameBoy Obscurities: Umi no Nushi Tsuri 2

ava-1962Wir sind noch längst nicht fertig mit dem virtuellen Fischen. Lasst und nämlich mal einen Blick auf Umi no Nushi Tsuri 2 werfen, welches auf den GameBoy in Japan aufschlug. Eine Lokalisation unter Legend of the Sea King war wohl, ganz wie bei Nushi Tsuri 64 fürs N64 und Kawa no Nushi Tsuri 5 auf dem GBA geplant, wurde dann aber doch nicht realisiert.

Wobei, viel gibt es zum Spiel eigentlich nicht zu sagen, denn River King und Sea King sind eigentlich absolut identische Serien, der Unterschied ist halt eben wirklich einfach nur, in welchen Gewässern geangelt wird: In Kawa no Nushi Tsuri in Seen und Flüssen, in Umi no Nushi Tsuri an Stränden und vom Boot auf hoher See aus. Und selbst da gibt es nicht immer Unterschiede, im letztlich besprochenen Kawa no Nushi Tsuri 4/Legend of the River King 2 wird ja letztendlich in beidem geangelt.

seaking1

Die Handlung versteh ich natürlich nicht, da das Spiel auf Japanisch verbleibt, jedoch sind die Alibi-Gründe fürs Fischen eigentlich fast immer a) ein krankes Familienmitglied kann nur durch legendäres Fisch-Sushi geheilt werden, oder b) man will sich als bester Angler beweisen, in dem man einen Fisch-König fängt. Umi no Nushi Tsuri 2 bietet recht wenig Anfangstext, und im Bett liegt auch keiner (oder noch nicht, eine Etappe des Quests ist es tatsächlich den kranken Vater mit einem Fisch zu heilen), von daher geh ich mal spontan davon aus, dass es Variante B der Geschichte ist.

Das Spiel ist übrigens 1998 erschienen und zwar noch für den klassischen GameBoy. Das erklärt wohl auch, warum es näher am auf gleicher Plattform erschienenem Legend of the River King des Vorjahres ist, statt an Legend of the River King 2 des Folgejahres. Was ich damit meine ist dabei nicht nur die optische Offensichtlichkeit das hier die netten Kolorierung fehlt, sondern das Spiel selbst im GBC-Modus nur ein paar wenige Einfärbungen bietet – die Unterwasserszenen und dadurch alle Fischarten sind beispielsweise ausschließlich in verschiedenen Blautönen gehalten. Nein, es ist auch ein wesentlich kleineres Spiel.

So gibt es nur 4 Areale, die relativ schnell durchquestet sind, bis der legendäre Schwertfisch gefangen ist, und nette Nebensammelei via Blumenpflücken und Käferfangen existiert hier noch nicht. Fischsorten sind auch nur gut halb so viele im Spiel. Dafür gibt es dennoch ein paar Dinge, von denen ich dachte, dass sie erst Legend of the River King 2 gemacht hat, aber wer weiß, vielleicht gab es die sogar schon in dessen Vorgänger, hier sind sie auf jeden Fall schon dabei. Damit gemeint wäre ein Wechsel zwischen Tag und Nacht (und im Gegensatz zu Legend of the River King 2 gibt es einige Fischarten nur zu gewissen Tageszeiten), was aber mit der auch bereits erhältlichen Uhr später manipuliert werden kann. Und auch das die HP in den Kämpfen als Stärke-Wert mit genutzt werden, ein Charakter auf gleichem Level also wesentlich weniger Schaden macht, wenn er nur noch 10HP hat, statt die vollen 80.

seaking2

Leider ist das Spiel auch wieder eine Ecke nerviger als Legend of the River King 2. Denn hier gibt es wieder zwei NPCs, die damit glücklich gemacht werden müssen, dass man eine bestimmte Fischsorte fängt, aber nur in einer Größe, die wesentlich über deren Normalwert hinaus geht. Eines davon ist sogar der letzte Stopp, bzw. die letzte Ziegelsteinmauer, bevor man das Item bekommt, mit dem Spielziel Sea King beschworen und sukzessive gefangen werden kann: Einen Bonito von 90cm oder mehr fangen. Die Viecher werden normalerweise zwischen 50 und 70cm oder so in der Richtung. Ich hatte doch tatsächlich meine ganze Large Box, die 32 Fische halten kann, voll, darunter natürlich auch mehrere, die zwischen 86 und 89cm waren, ohne den zu bekommen. Erst nach dessen Entleerung und einer weiteren Runde war das Vieh endlich in 90cm an die Angel zu bekommen. Ehrlich gesagt kann es gut sein, dass ich fast so viele Stunden ins Fangen jenes Super-Bonitos gesteckt habe, wie der komplette Rest des Spieles mich dauerte.

Also ja, wenn man unbedingt zu einem der Handheld-Spiele greifen will, dann ist wohl Legend of the River King 2 für GBC immer noch die beste Wahl. Wer dann noch mehr will, dem rate ich zu River King: Mystic Valley auf dem DS. Und erst dann sollte man Legend of the River King für GB/GBC oder Umi no Nushi Tsuri 2 für GB in Erwägung ziehen.

GameBoy Obscurities: Legend of the River King 2

ava-1960Dass sich Virtual Fishing gar nicht so ungleich zu Legend of the River King spielt, mag gar nicht mal so seltsam sein. Denn auch wenn es von Locomotive programmiert wurde, so war doch der Publisher Pak-in-Video, die später von Victor und jene dann noch später von Marvelous geschluckt werden sollten. Sprich das sind tatsächlich diejenigen, die die Nushi Tsuri Franchise, zu denen Legend of the River King gehört, herausbrachten.

Der zweite GameBoy-Teil, der in Japan eigentlich bereits den vierten Eintrag darstellt, ist dabei eigentlich eine Mischung der beiden Schwestern Kawa no Nushi Tsuri und Umi no Nushi TsuriRiver Master Fishing (a.k.a Legend of the River King) und Sea Master Fishing. Wie man sich das bereits denken kann, ist nämlich der einzige wirkliche Unterschied derjenige, dass man in den einen Spielen hauptsächlich in Binnengewässern fischt, im anderen hingegen auf offener See.

Die Handlung dreht sich diesmal nämlich nicht darum, dass der Protagonis den legendären Fisch fangen will, einfach um sich zu beweisen, oder weil dessen Verspeisen ein krankes Familienmitglied rettet. Nein, ein göttlicher Orb ist der kleinen Yuki in zwei Teile zerbrochen, die dann vom Flußgott und Berggott gestohlen wurden, die sich in die entsprechenden legendären Königsfische verwandelt haben. Man muss also sowohl den River King aus einem See in den Bergen, sowie den Sea King aus den tiefen des Meeres fangen, um das Ding wieder zu komplettieren. Wer ganz fleißig ist und alle 100+ Fischarten des Spieles fängt, darf im Post-Game sogar noch den King of Kings fangen, womit das Spiel also gleich drei Königsfische aufbietet, statt nur einen.

riverseaking1

Legend of the River King 2 splittet sich dabei auf zwei wählbare Protagonisten: Der Junge startet in den Bergen und bekommt von Yuki den Auftrag den River King zu fangen, der Teenager startet am Strand und soll den Sea King an Land ziehen. Zu wirklich wesentlich unterschiedlichen Quests führt diese Wahl jedoch nicht, egal mit wem begonnen wird, anschließend muss man dann doch auch auf die anderen Maps gehen und den zweiten King fangen. Die Aufgabe des Teens ist nur scheinbar zu Beginn ein klein wenig anspruchsvoller, dafür startet er aber auch auf Level 8, während der Junge auf Level 1 los legt.

Denn wie gewohnt mixt Legend of the River King 2 natürlich ordentlich RPG ins Fischen. Man wandert von Map zu Map, wo immer eine kleine Enklave an NPCs zu finden ist, denen geholfen werden muss, damit der Weg zum Königsfisch fortgesetzt werden kann. Und zwischenzeitlich springen einem auch immer wieder wilde Tiere wie Katzen, Vögel, Spinnen, oder Schlangen in den Weg, die einem die Fische klauen oder einfach allgemein schaden wollen. Jene Kämpfe sind trotz des Fehlens von Equip erstaunlich gut ausgearbeitet. Denn wenn Angriff gewählt wird, bewegt sich ein Cursor übers Bild, und ob man daneben schlägt, trifft, oder sogar kritischen Schaden verursacht, liegt daran, ob man A drückt wenn der Cursor auf dem Sprite ist (und auf welchem Teil des Tieres, der Schwachpunkt der Schlangen ist beispielsweise der Kopf) oder nicht. Auch macht man weniger und weniger Schaden, wenn einem die HP zur Neige gehen, weil die sozusagen als Stärke-Wert doppeln.

Das ist überraschend viel Ausarbeitung für Kämpfe, die nur sporadisch stattfinden, total aufgesetzt wirken, und wie immer nicht wirklich das Spiel bereichern, sondern besser hätten rausgelassen werden sollen. Deswegen empfehle ich es eigentlich auch als Teen zu spielen, denn da der mit einem Levelvorsprung anfing, musste ich im Gegensatz zum ersten River King nie grinden, um zu Beginn überhaupt vom Start weg zu kommen. Grinden ehrlich gesagt allgemein nicht, denn da ich mich daran erinnerte, wie gut das Fliegenfischen ist, hab ich auch schnell das Geld in die richtigen Köder investiert – Angeln gibt es übers Questen genug umsonst (die Starter-Ausrüstung ist tatsächlich Müll) – und musste somit hier auch nicht ständig nachkaufen.

Denn tatsächlich spielt sich Legend of the River King wesentlich angenehmer, wenn man eben sich keine großen Gedanken um die Gegner oder die Ausrüstung machen muss, sondern einfach so den NPCs in der Welt helfen und die verschiedenen Fische einfangen kann. Das macht einem Legend of the River King 2 auch einfacher so zu spielen, denn wie gesagt gibt es den Teen auf Level 8, Ausrüstung durchs Questen für umsonst, und allgemein scheint es etwas einfacher geworden zu sein den Leuten zu helfen und Geld zu verdienen.

riverseaking2

Das liegt auch daran, dass (fast) niemand mehr nur eine spezifische Gattung in der seltensten Größe haben will, sondern die verlangten Fische immer recht gut zu angeln sind. Außerdem lässt einen Legend of the River King 2 diverse Blumen und Insekten sammeln, sowie nach Meeresfrüchten tauchen, die relativ einfach zu holen sind (abgesehen der Tatsache, dass Insekten nachts und bei Regen nicht raus kommen), was zu noch einfacheren Quest-Erfüllungen führt.

Dafür sind die Fischkämpfe etwas schwerer? Wirklich mehr Skill brauchen sie eigentlich nicht, man wirft immer noch die Angel aus, bewegt sie auf den Fischschatten, und wenn der Köder stimmt beißen sie an, woraufhin es in die Unterwasseransicht geht, bei der man Leine gibt, wenn sie kämpfen, und einholt, wenn sie eine Pause einlegen. Alles sehr simpel und sobald man den Dreh raus hat erfordert es wie gesagt auch wenig Können. Doch diesmal schien es mir so, dass die großen Fische wesentlich häufig gegensteuern, als im Vorgänger, und man deswegen bei denen einfach wesentlich häufiger das Pech haben kann, nicht genug Einholchancen zu bekommen, bevor die Leine reißt. Das macht das Fischen wenn überhaupt schwerer, denn eigentlich nur langwieriger, schwerer aus den falschen Gründen. Glücklicherweise bleiben diese Ausdauerkämpfe selten. Und so hört man den rockenden BGM-Track, der währenddessen läuft, mehr.

Insgesamt würde ich Legend of the River King 2 auf jeden Fall einen echte Verbesserung gegenüber seines Vorgängers nennen. Es sieht besser aus, und auch wenn es nicht alle Nervfaktoren beseitigt, so dämmt es viele davon doch ein. Und allgemein bietet es einfach mehr von Allem. Mehr Maps, mehr NPCs in Not, viel mehr Fische, und die Möglichkeiten nebenher noch andere Flora und Fauna zu fangen. Es ist tatsächlich so, dass ich diesmal genug unterhalten war, um das Fischkompendium zu füllen und den King of Kings zu fangen. Wobei ich das Spiel dafür allerdings auch wie ein Pokemon gespielt habe: Einen FAQ an der Seite, der mir sagt, wo welche Fischsorte mit welchem Köder zu fangen ist.

GameBoy Obscurities: Kite no Bouken

ava-1589Halli hallo hallöchen, willkommen beim zehnten Eintrag in die Reihe der etwas weniger bekannten Spiele auf Nintendos monochromen Erstlings-Handheld und seinem kolorierten Upgrade. Zur Feier des Erreichens des zweistelligen Bereiches gehen wir zurück an die Anfänge. Der erste Eintrag war zu Legend of the River King, dieser hier ist zum Spinoff Nushi Tsuri Adventure: Kite no Bouken, frei übersetzt in etwa Fishing King Adventure: Kite’s Adventure – etwas redundant, nicht?

Was bekommen wir diesmal geboten? Natürlich immer noch ein River-King-Spiel, allerdings eines dessen Story sich wegbewegen darf von kranken Schwestern, die seltene Fischarten verspeisen wollen. Zudem eines, welches mehr Augenmerk auf die RPG-Mechaniken legt als seine Geschwister-Spiele.

Kite ist der Sohn des auf Reisen befindlichen Piratenkönigs. Eine Flaschenpost wird angeschwemmt, in der um Hilfe gebeten wird, weswegen der Nachwuchspirat und seine Freunde beschließen die Schule für unbgestimmte Zeit zu schwänzen, um ihn See zu stechen, sobald sie Undine ein Schiff abgeschwatzt haben. Damit geht es nun von Insel zu Insel, um wie üblich in relativ kleinen Gebieten jeweils den NPC zu finden, der neue Infos um Leviathan, den Wal des Lichtes, preiszugeben weiß – natürlich nur im Austausch mit einer beheimateten Fischsorte, die deren vielfältige Probleme lösen.

riverkite1

Das Angeln an sich ist übrigens identisch zu den zwei anderen Teilen auf dem GameBoy: Angel auswerfen, warten bis ein Schatten anbeißt, dann geht es ins Tauziehen, welches wirklich nicht viel Skill abverlangt, da schlichtweg drauf gewartet werden muss, bis der Fisch ermüdet, um die Leine einzuholen bis er wieder gegen hält. Der Kampf mit dem Fisch hat also erneut weniger mit Geschick zu tun, und mehr mit Glück, dass er beim Leine geben nicht weiter schwimmt, als die Leine zulässt und entwischt. Und ich muss sagen, dass ich immer noch kein großer Fan hiervon bin, da wie erwähnt nicht geduldig genug. Die Angel auswerfen und dann Minuten darauf warten, bis ein Fischschatten in Berührung mit dem Teil kommt, um endlich anbeißen zu können, ist schon etwas, was mich schnell zum FF-Button des Emulators greifen lässt. Zumal wenn der Fisch dann doch dran vorbei schwimmt, statt zuzulangen, das Rätselraten erneut beginnt, welche der 3 Angelsorten und 20+ Köder der richtige ist, damit er beim nächsten Versuch an den Haken springt. Die Einschränkungen der andern GB-Teile bleiben dabei bestehen: Man sieht die Fischschatten erst, wenn die Angel schon ausgeworfen ist, und verschiedene Größen gibt es nicht – man sollte meinen der Wal im finalen See wäre größer als die ganzen See-Engel, ganz zu schweigen davon, dass er als Säugetier ja sporadisch auftauchen müsste.

Dafür hat mir diesmal die RPG-Portion gefallen, weil sie nicht so störend nachträglich draufgeklatscht wirkt. In Kite’s Adventure ist man wesentlich häufiger in Kämpfe verwickelt, zudem gibt es sogar zwei oder drei Dungeons und ein paar Bosse zu erledigen. Sprich es ist mehr los, statt die mehr als sporadischen Kämpfe aus dem Nichts der Vorgänger, für die man ständig kriminell unterlevelt zu sein schien. Das System ist allerdings immer noch recht simpel. Es gibt keine Rüstung, kaum Itemeinsatz, und obwohl sich bis zu 6 Leute der Reise anschließen, kann neben Kite nur ein weiterer im Kampf sein. Zumal der Spieler nur einen der Charaktere übernimmt, während der andere nichts macht. Jedoch sind die Kämpfe immerhin etwas involvierend, denn Kite und der Gegner können sich in der Vertikalen bewegen, um sich Energiebälle an den Kopf zu werfen/auzuweichen, sowie ein paar Spezialattacken eingesetzt werden.

Neuankömmling im Spinnof, und einer der ihm das Genick bricht, ist allerdings die Seefahrt. Man sollte meinen es ist gegen das Gesetz in Japan, manuelle Seefahrt in einem RPG brauchbar zu gestalten. Wer von Etrian Odyssey III, Suikoden IV oder Wind Waker genervt ist, muss Kite’s Adventure gar nicht erst beginnen. Navigiert wird nach beständiger Strömung und wechselnden Winden. Jedes mal, wenn der Anker oder das Segel gewechselt werden muss, muss dafür natürlich wieder zurück aufs Schiff gesprungen werden, statt das in der Seefahrts-Übersicht machen zu können. Währenddessen greifen einen ständig Piraten an, die bekämpft werden müssen, wenn man sie nicht vorher mit den Kanonen versenkt. Und dann hat Kite’s Adventure auch noch einen Tag- und Nacht-Rhythmus und jedes Crewmitglied frisst pro Tag eine Ration. Die muss man selbst fischen, und es sind nur die großen Fischarten zugelassen. Wohlgemerkt hat man ab einem Punkt 7 Leute an Bord, verliert also täglich 7 Rationen. Das ist einfach super nervig. Als wäre die Navigation nicht schon schlimm genug, nerven ständige Piraten und das Nachfischen des Proviants einfach gehörig.

riverkite2

Ein echtes Kuriosum des Spieles ist übrigens die Musik, die zum Großteil aus Bliep-Renditions bekannter Klassik besteht. Außerdem hat der Fanübersetzer das Spiel gehackt, so dass er doppelt so viel Text in die Boxen bekommt (limitierter Platz für die Übersetzung ist ein bekanntes Nervkriterium bei GB-Spielen), was ihn allerdings super klein macht, selbst auf 2x angezeigt.

Das eigene Gedächtnis ist doch manchmal schon eine seltsame Sache. Ich habe das Spiel erst vor 2 Tagen beendet, und schon war es mir als kleines, unspektakuläres, aber ganz nettes Adventure in Erinnerung. Haptsächlich wegen der besser ausgearbeiteten Handlung und der vollen Implementation der RPG-Elemente. Und dann hab ich mal richtig nachgedacht und mir ist das Fischen und Seefahren wieder eingefallen, und sukzessive, dass ich eigentlich doch nicht wirklich Spaß mit dem Ding hatte.

River King: Mystic Valley

ava-1431Genau zehn Jahre nach dem ersten Handheld-Eintrag zu Legend of the River King erschien auf dem Nintendo DS River King: Mystic Valley, in Japan bereits der 9. Eintrag in die Reihe, bei uns nach zwei GBC-Spielen und einer PS2-Version erst der vierte. Hier in Europa wie der große Konsolenbruder in Harvest Fishing umbenannt, um die Anhänger der Bauernsimulation aus gleichem Hause zu fangen. Ich bin ja nicht unbedingt ein Freund des GB-Teiles gewesen, aber in zehn Jahren kann sich natürlich viel ändern, also hab ich spontan der Serie noch mal eine Chance gegeben.

Das Layout ist grundsätzlich zunächst mal gleichgeblieben: Unsere Schwester ist an magischer Narkolepsie erkrankt und das Verspeisen des River Kings die einzige Möglichkeit, dies zu heilen – auch wenn uns mal wieder keiner genau sagen kann, wie dies zusammen hängt. Auch weiß keiner so genau, wo besagter Superfisch ist, also müssen wir uns auf eine Reise durch die angrenzenden Gebiete begeben, bis wir den See gefunden haben, in dem er haust. Erneut gibt es in jedem Gebiet einen NPC, der ein Problem hat, oder uns eine Wegsperre beseitigen könnte, uns aber erst dann weiter lässt, bis wir seinen Auftrag erfüllen. Alles natürlich verbunden damit, eine gewisse Anzahl einer Fischart oder einen in bestimmter Größe zu fangen etc. Wir leben also mal wieder in einer Welt, in der alle Probleme mit Angeln gelöst werden können.

Und übrigens in einer ziemlich japanischen Welt, neben menschlichen NPCs treffen wir nämlich auch auf einen Kappa, eine Nekomata, einen Oni, und eine Nue, außerdem schließen sich drei Geistertierchen an, die zu Kitsune, Tanuki und Tengu heranwachsen. Diese drei sich anschließenden Partner haben, nachdem man sich an Fischnahrung großgezogen hat, helfende Spezialfähigkeiten (Kitsune heilt die Stamina fürs Angeln, während Tanuki und Tengu einen an sonstig unerreichbare Orte bringen, die nahe den selteneren Fischen sind).

Die erste Verbesserung gleich zu Beginn ist, dass das aufgesetzte RPG rausgeworfen wurde. Keine Level mehr, keine Kämpfe gegen Wildtiere mehr. Hat eh nur genervt. In River King DS wird geangelt und mehr nicht. Oder fast nicht, denn an gewissen Harvest Spots können noch ein paar Käfer und Pflanzen gesammelt werden, um neben dem Fischlexikon noch weitere Kollektionen zu haben. Genug einer Sorte eingetauscht können sogar Karten von ihnen eingesteckt werden. Viel bringen die nicht (abgesehen Verkauf und ein Sidequest), aber es gibt den OCDlern was zu tun – denn wer strack durchs Spiel geht kann erneut gut in einem Wochenende durch sein, da lässt sich natürlich mehr Zeit rausschlagen, wenn neben den 100+ Fischarten jene Spezies auch je X Mal gefangen werden müssen, um die Sammelkarte abzustauben.

Das Angeln ist jetzt auch eine Ecke angenehmer ausgefallen. Da die technischen Beschränkungen des GameBoys wegfallen, sind die Schatten der Fische beispielsweise schon sichtbar, bevor die Rute ausgeworfen ist, so dass man sich gleich einen geeigneten Fleck aussuchen kann. Zudem beißen die Fische nun schneller und sind ihn ihren Ködern weniger spezialisiert. Auch gibt es kaufbare Gegenstände, die das Auftauchen seltener Fische erhöhen können, damit es eventuell nicht ganz fünf Stunden dauert, bis man den fürs Quest nötigen an der Angel hat.

Gefischt wird eigentlich (fast) wie bisher: Angel auswerfen, warten bis ein Fisch anbeißt, einholen und es geht in den Tauzieh-Bildschirm. Hier nun die Leine einholen, wenn der Fisch schwächelt, Leine lassen, wenn er stark gegenzieht. Nur das jetzt alles Touchscreen only – dessen von Natur aus verzögert-ungenaue Eingabemethode wohl der Grund ist, warum die eh nie schwer gewesenen Kämpfe mit den Fischen nun noch einfacher gemacht wurden. Gerade mit den stabileren Angeln muss bei vielen Fischen quasi gar nicht mehr darauf geachtet werden, wann sie gegensteuern, sondern können einfach so konstant eingeholt werden. Ehrlich gesagt bin ich dadurch ganz schön auf die Fresse geflogen, da den River King zu fangen dann doch etwas Finesse benötigt und ich bis dahin die Feinheiten der Steuerung gar nicht wirklich gelernt (haben musste), was so einige fluchende Versuche bedeutete, bis er an die frische Luft geholt war. Und die Methode ihn erneut auftauchen zu lassen und an den Haken zu bekommen ist durchaus aufwändig.

Um ehrlich zu sein Verband mich auch mit River King: Mystic Valley eine gewisse Hassliebe. Optisch find ich es herzallerliebst, knudellig und fabenfroh, sowie ist mir natürlich der Einschlag in die japanische Mythologie bei den Bewohnern gefällt. Die verschiedenen Fischarten zu fangen und Blumen/Käfer zu sammeln kann durchaus immer mal wieder motivieren. Aber erneut eben nur dann, wenn es zügig geht. Wenn ich dann aber für einen NPC mal wieder 5 Fische Typ X, oder Fisch Y in Mindestgröße Z fangen sollte, die Drecksviecher aber partout nicht auftauchen wollten, obwohl mit richtiger Ausstattung zur richtigen Tageszeit an der richtigen Stelle geangelt… da ist mir das nach einer gewissen Zeit auch wieder zu doof. Sicher, die River Kings sind Spiele zum Entspannen, wie echtes Fischen halt, sich einfach zurücklehnen und darauf warten, das was beißt, aber dafür bringe ich glaub ich einfach nicht ganz die Geduld mit. Im Direktvergleich hätten wir mal Harvest Moon, auch Enstpannungsgaming mit extrem monotonen Ablauf – aber eben stetigem Ablauf, ich tu ständig was auf meiner Farm, auch wenn die Arbeitsschritte immer die gleichen sind, bei River King hingegen hab ich die ständig gleichen Vorgänge plus viel tote Luft dazwischen beim Warten darauf, dass der richtige Fisch an den Haken hüpft. Als ich mir nach ner Stunde nebenbei Streams angemacht habe, ging das dann auch, River King ist halt ein Spiel, dass angenehmer ist, wenn man nur halb da ist.

GameBoy Obscurities: Legend of the River King

ava-1234Neben der Farmsimulation Harvest Moon hat Natsume noch ein weiteres etwas andersartiges Spielekonzept laufen gehabt, nämlich die Angel-RPGs (Legend of the) River King. Ich bin damals tatsächlich über Harvest Moon drauf aufmerksam geworden, da der zweite GBC-Teil eine mögliche Verbindung mit Legend of the River King 2 anbot, hab’s mir aber nie geholt, auch das spätere Harvest Fishing auf dem DS nach einiger Überlegung nicht. Genau genommen existiert die Reihe allerdings schon länger, Legend of the River King GB ist nämlich dort bereits das dritte Kawa no Nushi Tsuri nach je einem Teil auf NES und SNES. Ist aber wohl auch in Japan nie so erfolgreich wie Harvest Moon gewesen, während jene Serie nämlich mittlerweile alle zwei Monate einen neuen Teil bekommt, hat es Kawa no Nushi Tsuri „nur“ auf 8 Spiele gebracht. Plus das sehr kurzlebige Spinoff Umi no Nushi Tsuri in 3 Teilen. Im Prinzip lassen sie sich also alle paar Jahre mal, zwischen zehn Harvest Moons, zu einem neuen Teil hinreißen, wahrscheinlich aus purer Langeweile.

Wie ich es geschafft habe, mich so lange von einem Spiel fernzuhalten, welches sowohl ein RPG ist, als sich auch um Fische zu drehen, ist natürlich eines der großen Mysterien des Universums. Die Antwort: 42. Die echte Antwort: Ich interessiere mich nicht die Bohne für den Angelsport. Ich mag Fische nur in Aquarien und in Dokus. Selbst Angeln als Nebenaufgabe in Spielen kann ich nicht viel abgewinnen– eine gewisse Obsession mit dem in Breath of Fire III mal ausgenommen. Außerdem habe ich eine erstaunliche Toleranz gegenüber dem Fischen in Animal Crossing, was aber wahrscheinlich mehr daher rührt, dass es an ein Aquarium gebunden ist. Ich fische kaum noch, bis gar nicht mehr, sobald ich alle neuen Saisontiere an der Angel hatte.

riverking1

Aber jetzt endlich mal zum Spiel. Die Handlung ist schnell erzählt: Eines Morgens wachen wir zum heftigen Gestöhne unserer Schwester auf und Mami erklärt uns, dass die kein Power Masturbating betreibt, sondern krank ist. Ominöse Krankheit ohne Namen kann nur geheilt werden, in dem wir den Guardian fangen, einen ganz besonderen Fisch, der River King wenn man so will – wäre er in einem Fluss statt See zu finden, heißt das. Nun questen wir uns durch vier Gebiete am Flussverlauf, um den NPCs Infos zu entlocken, wo genau jener Guardian zu finden ist und wie wir dort überhaupt hinkommen. Ist er dann gefangen, ist das Spiel beendet. Wer will, darf aber noch alle Fischarten zusammen fangen (40 in der GB-, 48 in der GBC-Version) und bekommt dann ein zusätzliches Areal freigeschaltet, in dem alle Fischarten gleichzeitig ihr Unwesen treiben. Auch wenn ich es für eine sehr seltsame Belohnung finde, nach allen gefangen Arten einen See zu bekommen, in dem alle gefangen werden können.

Das Ding ist, Legend of the River King ist leider recht langweilig, teilweise auch nervig. Um Fische zu fangen, braucht es natürlich erst einmal die richtige Ausrüstung. Verschiedene Angelruten, Köder, Fliegen und Haken können eingekauft werden, zu verschiedenen Preisen. Geld gibt es nur durch verkauften Fisch, versteht sich. Und nur gewisse Fischarten mögen auch gewisse Köder, und rutschen nur bei einer gewissen Größe nicht vom Haken. Das kann recht schnell nerven, durch Trial und Error rauszufinden, was jetzt für die aktuellen nötig ist, zumal sich Köder und Haken auch mit jedem Versuch, egal ob gefangen oder entwischt, aufbrauchen (und nicht automatisch vom 9er-Stack ein neues gewählt wird, sondern im Menü mühsam jedes Mal der nächste, gleiche Köder erneut ausgerüstet werden muss). Das negiert sich netterweise etwas, wenn man herausfindet, das Fliegen nur beim Misserfolg verschwinden und sowieso mit Fly Rod und Stonefly 90% er Fische anbeißen. Dennoch kann man sich nie sicher sein, da Fische manchmal sofort beißen, manchmal auch 10 Minuten an der Angel vorbei schwimmen, bis sie sich dann doch erbarmen, man währenddessen ständig rätselt, ob es nicht vielleicht doch ein anderer Köder sein muss.

Die Mechanik des Angelns ist übrigens total einfach. Angel ins Wasser werfen – erst dann sieht man die Fischschatten -, warten bis einer anbeißt und der Köder entsprechend sinkt, und dann einholen. Das Spiel wechselt nun in eine Seitenansicht unter Wasser und das übliche Tug of War Gedöns so vieler Angelspiele beginnt. Einfach warten, bis der Fisch ausgelaugt ist, dann Leine einholen, wenn er wieder gegen geht, Leine lassen, wenn er ausgelaugt ist einholen etc. Das ist nicht wirklich schwer und hat auch keine Variablen, der Guardian ist nicht wirklich schwerer einzuholen, als die Fische im ersten Gebiet.

riverking2

Nun habe ich noch gar nichts von den RPG-Elementen erwähnt. Das liegt daran, dass sie unglaublich aufgesetzt wirken. Als hätte sich jemand gedacht „Mensch, Enix macht mit Dragon Quest all diese RPG-Moneyz, davon wollen wir auch was abhaben. Hmm… schmeißen wir einfach unnötige Kämpfe in unser in Programmierung befindliches Angelspielt!“ Sehr sporadisch wird man, während man durch die Gebiete geht, von Wildtieren angegriffen, wie Bienen, Schlangen, streunenden Katzen etc., die dann entweder besiegt werden müssen, oder man selbst besiegt wird. Letzteres ist nicht so unwahrscheinlich, weil sie wie gesagt nicht so häufig auftauchen, wenig EXP geben und man entsprechend für jeden Kampf unterlevelt ist, das ganze Spiel über. Vergesst Grinding btw, dafür kommen die Viecher nicht häufig genug. Immerhin gibt es keinen Negativaspekt des Sterbens, man erwacht im nächsten Gasthof, alles noch intakt, nur HP auf 1, also steht eine Übernachtung an. Dabei sind die Kämpfe sogar etwas interaktiv, wandert doch ein Faustsymbol über den Gegnersprite und man kann entsprechend rechtzeitig oder eben nicht gedrückt daneben schlagen aber auch einen Schwachpunkt treffen. Ausrüstung für die Kämpfe gibt es allerdings nicht, kein Geld zur Belohnung und das Level hat keinerlei Auswirkungen auf das Angeln an sich. Weswegen die Kämpfe eben so unglaublich aufgesetzt und unnötig wirken, da sie nur nerven, wenn sie doch mal passieren, zumal viele Tiere einem die geangelten Fische klauen können. Ich habe es bereits mehrmals gesagt, RPG und andere Genre mischen sich nicht immer zu guten Resultaten, Parasite Eve wäre als reines Survival Horror besser dran, Dissidia als reines Fighting Game und River King als schlichtes Angelspiel ebenso.

Tja, nette Konzept bei Seite gelassen, kann ich nicht behaupten, dass der Nachmittag, den es gebraucht hat, um den Guardian zu fangen, wirklich sonderlich erfreuend war. Die RPG-Mechaniken nerven, die Zufälligkeit wie häufig oder eben nicht die Fische sich anzubeißen hingeben, kann schnell langweilen. Ich mochte das Spiel nicht so. Unverbesserliche, die sich dennoch dran versuchen wollen, dürfen es übrigens demnächst aus Nintendos überteuertem e-Shop downloaden.