Sadako vs Kayako

7 Ring-Filme und 8 Ju-ons später, und das rechnet nur die japanischen Inkarnationen ohne die amerikanischen Remakes und deren Sequels, sollte es also zum großen Crossover kommen: Sadako vs. Kayako. Mit ordentlich Marketing dahinter den persönlichen blassen Lieblings-Geist zu wählen, oder das anhand des Popcorns, welches man zur Vorstellung kauft, festzumachen.

Das Versus im Titel kann dabei schnell täuschen, denn für den Großteil der 100 Minuten an Film treffen die beiden Franchises nicht wirklich aufeinander, sondern laufen gemütlich aneinander vorbei. Hauptcharaktere sind zwei Studentinnen im Ring-Part und eine Schülerin im Ju-on-Part des Filmes. Deren Namen ich allerdings schon wieder vergessen habe, also nennen wir sie einfach mal A-Ko, B-Ko und C-Ko.

A-Ko und B-Ko sind es jedenfalls, die direkt zu Beginn des Filmes bei einer Vorlesung am Wegdösen sind. Kann man ihnen kaum verübeln, denn der Professor doziert was über Memes und urbane Mythen. Wobei er eine besondere Manie dem verfluchten Video gegenüber hat. Übrigens wird er auch den weiteren Filmverlauf über besessen davon sein, auf Sadako zu treffen, man sollte aber nicht erwarten, dass diese Fixation jemals wirklich erklärt würde.

Um das Hochzeitsvideo der Eltern von B-Ko von Kasette auf DVD zu überspielen besorgen die beiden sich einen alten Videorekorder, in dem praktischerweise noch das verfluchte Video drin steckt. Wie wir später herausfinden war den Verkäufern des 2nd-Hand-Shops dies durchaus bekannt, und sie fanden es drin zu lassen einen coolen Gag, die Idioten. Ach ja, und wir bekommen auch mit, dass aus irgendwelchen Gründen Sadakos Fluch im Film geändert wurde: Sie tötet nun innerhalb von 2 Tagen statt 7 und das Video zu vervielfältigen und jemand anderem zu zeigen ist nur ein Mythos und funktioniert nicht wirklich. Das Video an sich ist auch ein ganz anderes, viel kürzer, und ziemlich lahm, was aber auch daran liegen kann, dass der Film es uns die ersten paar Mal nicht zeigt, sondern nur die geschockte Reaktion der Zuschauer, und somit einen ziemlichen Hype und nichts aufbaut.

C-Ko derweil zieht mit ihren Eltern in eine neue Nachbarschaft und das Haus auf der anderen Straßenseite ist natürlich ausgerechnet das verlassene Horrorhaus, in dem Herr Saeki seinen Frau und Sohn ermordet hat (hier wird die Katze ausgespart), die seither die Treppen des Gemäuers hoch und runter rasseln, um jeden umzubringen, der das Anwesen betritt.

Hauptsächlich folgen wir im Film allerdings den frisch von Sadako verfluchten A-Ko und B-Ko, die das Video dem Professor zeigen, der die Hilfe eines Mediums heranzieht, wobei Sadako allerdings alle umbringt bis auf einen besonders spirituell begabten Rebellen mit miserabel schauspielernder blinden Loli im Gepäck. Der kommt auf die glorreiche Idee sowohl Sadakos Fluch auf A-Ko wie Kayakos Fluch auf C-Ko loszuwerden, in dem er beide im Saeki-Haus das Video erneut schauen lässt, damit die Geister sich gegenseitig angehen.

Das ist dann aber auch erst im Finale des Filmes und Sadako und Kayako Versus-en sich nur für kurze 5 Minuten am Ende, bevor sie zu einem Super-Rachegeist verschmelzen und der Film uns mit einem Cliffhanger an Sequel-Bait hinterlässt.

Der schale Beigeschmack des Filmes bleibt dann auch insgesamt hängen. Statt die beiden urbanen Mythen um Sadako und Kayako wirklich miteinander einen Film zu verweben, laufen halt zwei unterdurchschnittliche parallel zueinander. Und das, obwohl bei beiden nicht viel an Hintergrundstory dahinter steckt, so dass es sicherlich einfach möglich gewesen wäre. Zu Kayako und Toshio gab es eh noch nie viel zu wissen, und bei Sadako kommt eben auch nur rum, wie der Fluch (hier) funktioniert. Gerade die beiden Flüche auch als Gerücht und Geistergeschichten bestehen zu haben, hätte man nutzen können, um die Charaktere denen aktiv nachgehen zu lassen, statt das die erneut einfach so zufällig in die Flüche hinein stolpern. Horror kommt eh keiner so richtig auf, da weder wirklich Atmosphäre aufgebaut wird, und die Todesarten hier schon eher was komödiantisches haben, statt wirklich ernstzunehmend zu sein. Dieser unfreiwillige Humor sind jedoch schon die einzigen kurzen Highlights des ansonsten lahmen Filmes.

Sadako 2

ava-1908Die wohl nie endende Ring-Saga nun also im Addendum Teil 2, mit der Fortsetzung zu Sadako 3D, welcher bereits eine alternative Fortsetzung zum zweiten Ring-Buch Rasen/Spiral war, auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, wie das an jenes Ende hat passen sollen, vielleicht macht ja der Roman S dies eindeutiger.

Is ja auch egal, Sadako 3D war sowieso, wie man so schön umgangssprachlich sagt, gequirlte Scheiße. Nicht nur qualitativ ziemlich unterirdisch, sondern einfach auch narrativ ein höllische Durcheinander ohne roten Faden oder Sinnigkeit hinter dem, was geschah. Dem bleibt sich Sadako 3D 2 treu.

Akane, hinter deren Körper zur Wiedergeburt Sadako im vorigen Teil her war, ist gestorben, hat vorher aber noch Nagi auf die Welt gebracht. Das mittlerweile 5-jährige Mädchen wird von ihrer Tante betreut, und ist ein Super-Creep. Malt verstörende Bilder, hat keine Freunde, schaut immer fies von unten unterm schräg geschnittenen Pony hervor. Der Film will uns natürlich auf die Fährte locken, dass sie die wiedergeborene Sadako ist, zumal Leute, denen sie besonders creepy gegenüber ist, auch sterben, häufig wie sie es in ihren Bildern gezeichnet hat, aber eigentlich können wir uns denken, dass sie nur unverstanden und gemobbt ist, weil sie die Tode durch Sadako vorhersieht, aber nicht zwangsläufig oder zumindest nicht freiwillig herbei beschwört. Doch dann dauert es doch wirklich fast bis ins Finale, bis der Film dies auch wirklich auflöst und erst im Epilog wissen wir, wer wirklich Sadakos Kind ist, während die Charaktere die Suche nach ihr ganz zu vergessen zu haben scheinen.

Der Vater von Nagi kommt auch vor, ist aber unwichtig. Ein Polizist wird im Finale wichtig, den wir vorher vielleicht in zwei oder drei unzusammenhängenden Szenen gesehen haben. Außerdem springt der Mörder aus dem vorigen Teil rum, bzw. sitzt ein und wartet auf die Todesstrafe, und ist ebenfalls relativ unnütz, außer um Nagis Tante zu sagen, entweder stirbt sie oder bringt Sadakos Kind um. Dann gibt es noch eine seltsame Lady in Weiß, die zu Beginn und Ende des Filmes kryptisch brabbeln darf, aber auch nicht wirklich was tut. Sadako taucht tatsächlich auf, fürs Finale, stirbt aber eine halbe Sekunde später auch schon und grunzt dabei wie ein Wal.

Oder anders gesagt: Auch Sadako 2 3D, wenn auch immerhin schon etwas geradliniger und simpler als sein Vorgänger, macht narrativ ebenfalls wenig Sinn, weder darin, wie die Hauptereignisse wirklich passen sollen, wie die Revelation gegen Ende Sinn machen soll (typisch nur zur Überraschung und Sequel Bait da), und vor allem mit jede Menge Nebenzeug, das nie wichtig wird und heraus editiert gehört hätte. Der Film ist dabei auch erneut genauso unheimlich wie sein Vorgänger, sprich eigentlich gar nicht, erschrecken tut man höchstens mal an einem billigen Jump Scare, aber Atmosphäre muss man im penetrant blau getünchten Film nicht erwarten.

sadako2

Sadako 3D

ava-1417Nach einer Woche der Spiele geht es zurück zu den Filmen, allerdings weder zu einem Slasher, noch zu den Vampiren, sondern zu Japans Horror-Ikone. The Ring ist eine Konstante in meinen Oktoberfesten, sowohl die Bücher, wie die Japan-Kinofilme, wie die US-Remakes und auch den koreanische Eintrag gab es bereits. Damit ist der Brunnen noch längst nicht erschöpft, es gibt noch Manga, TV-Filme und was weiß ich – und auch seit letztem Jahr Sadako 3D, welches vor wenigen Monaten in Japan bereits ein Sequel hervorbrachte.

Um das Ganze übrigens noch etwas verwirrender zu machen, scheinen die Sadako 3D Filme auf Rasen aufzubauen, dem eigentlich zweiten Ring-Film, den keiner leiden konnte. Aber dann auch wiederum auf Koji Suzukis Roman S zu basieren. Nicht das einem beim Anschauen der Zusammenhang zum schwarzen Schaf der Ring-Filme auffallen würde. Und der Film ist natürlich schlau genug, kein Vorwissen vorauszusetzen, sondern erklärt uns Sadakos Vergangenheit schnell erneut. Zumindest behauptet das Wikipedia, was nicht immer allzu viel heißt, denn wie es vom Spiral-Ende zu dem hier kommt, find ich eher fragwürdig.

Man muss den Japanern schon eines lassen, ihre Horrorfilme passen sich an und gehen mit der Zeit, wenn es darum geht, Gefahren zu verallgegenwärtigen. In den Ring-Romanen der 90er verbreitet sich ein Fluch per kopierbarer Kassettentapes, in Takashi Miikes One Missed Call von 2003 per SMS, in Jigoku Shoujo bekommt man eine Leitung zu Hölle direkt per Internet-Homepage, in Hitori Kakurenbo wird das Erlebte direkt über Message Board geteilt. Und so geht auch das Ring-Virus seiner modernen Wege, nämlich als verfluchtes Video im Internet. Schlaue Sache, denn nicht nur ist quasi die ganze Welt vernetzt, sondern wenn erst Mal was im Internet ist, ist es da nicht mehr raus zu bekommen, und dank PC, Notebook und Handy das Portal ins Netz sowieso allgegenwärtig.

Sadako 3D beginnt dann auch mit einer Live-Ausstrahlung auf Nico Douga (Japans Youtube), in dem ein japanischer Jugendlicher (gespielt von einem extrem attraktiven Kerl ohne jegliches Talent) Selbstmord begeht – ganz so, wie es geschehen soll, wenn man das verfluchte Video sah. Nur bringen sich anschließend auch alle um, die ihm zugesehen haben, was die Polizei auf den Plan ruft.

Wir folgen allerdings keinem Polizisten, sondern einer Lehrerin, deren Schülerin sich ebenfalls umgebracht hat, während eine zweite sich in Gefahr befindet. Zudem fängt Sadako an sie über jeden Bildschirm der Stadt zu verfolgen, kidnappt sogar ihren Freund, weil sie die ebenfalls telekinetisch begabte Lehrerin als neuen Wirt zur Wiedergeburt nutzen will.

Die ursprünglichen Ring-Filme glänzten vor allem durch zwei Dinge: Zum einen waren sie echt atmosphärisch und ein Paradebeispiel von Suspens-Horror, in dem eigentlich fast nichts passiert, bei dem man aber ständig in Unruhe bleibt, weil was passieren könnte. Und dann natürlich durch die immer spannende Investigationsarbeit ob des Mysterium Sadako, warum sie ihren Fluch verbreitet, und wie man ihn abweisen kann. Leider ist davon in Sadako 3D absolut rein gar nichts mehr übrig. Die Schreckmomente beschränken sich alle auf reine Jump Scares, wenn ob des 3D-Effekts einem Zeug direkt ins Gesicht gedrückt wird, bis man es gewaltig leid geworden ist (und mit der Zeit immer weniger häufig einen aufschrecken lässt). Wirklich unheimliche Atmosphäre kommt nie im Film auf. Auch werden nie großartig Nachforschungen betrieben, da wir die Polizisten kaum zu sehen bekommen, und die Lehrerin eher über die Antworten stolpert, statt nach ihnen zu suchen. Auch ließe sich mit der Prämisse der Allgegenwärtigkeit von Internet und Bildschirmen viel machen, was aber eher selten geschieht. Das Ende des Filmes ist eh ein wildes Durcheinander aus „von Sadako-Spinnenmonstern durch ein Gebäude gejagt werden“ und „Was genau wollte Sadako? Wodurch ist sie jetzt besiegt?“. Immerhin ist er nicht langweilig, würd ich mal sagen.

Nein, Sadako 3D war kein sonderlich guter Film, weder als Eintrag in die Ring-Reihe, noch als Horrorfilm, noch als cineastische Erfahrung allgemein.

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The Ring Virus

Das Ring-Universum ist ein Großes. Vom Buch zum Film, zum Remake, zum Manga, zu Wasauchsonstnoch. Doch schon alleine nur die Filme betrachtet, gibt es mehr, als wahrscheinlich nötig wäre. Vor den 4 japanischen Kinofilmen gab es beispielsweise bereits TV-Filme. Und vor den zwei US-Remakes gab es mit The Ring Virus bereits ein koreanisches. Nicht zu vergessen das diesjährige Sadako 3D. Da kann ich noch ein paar Halloweens drauf zurückfallen.

Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass Ring beim Rewatch ordentlich an Interesse einbüßen muss. Denn plötzlich merkt man, was für ein verdammt langsamer Film ohne große Wow-Effekte und Horror-Ereignisse er doch eigentlich ist. In Ring dreht sich alles um das Mysterium, warum all dies passiert und wie man dies abwenden kann. Das macht beim ersten Sehen einen durchaus interessanten Film aus, nur beim wiederholten Schauen, wenn man all die Geheimnisse eben schon kennt, verliert er ordentlich an was.

Und nach Roman, japanischen Kinofilm und US-Remake ist The Ring Virus nun eben schon die vierte Version der gleichen Geschichte. Da verkommt das Ansehen leicht zu einem reinen Herausschauen der Änderungen gegenüber der anderen Versionen, als das man das eigentliche Geschehen an sich noch wirklich viel beachtet. Leider.

Irgendjemand involviert im Projekt hat hier auf jeden Fall nicht nur den japanischen Film gesehen, sondern auch den Originalroman gelesen, ist The Ring Virus doch wesentlich näher an jenem angesiedelt. Auch hier ist der verheiratete, männliche Protagonist auf eine alleinerziehende Mutter geändert, aber viel mehr schnappt er sich nicht von den vielen Änderungen des Filmes. Das Videotape und die darauf resultierende Investigation sind beispielsweise wesentlich näher daran, wie sie im Buch beschrieben werden, denn wie sie im J-Film ablaufen. Was durchaus ein Vorteil des K-Films ist, denn wenn man es mal genau betrachtet, hält sich der J-Film gar nicht so breit mit der Schnüffelei auf und man hat häufig das Gefühl, die Charaktere kommen auf Resultate, damit es weiter geht, nicht weil es wirklich immer die naheliegende Schlussfolgerung aus ihren Erkenntnissen ist. In Virus wirkt das Ganze viel schlüssiger und das Vorgehen organischer. Auch die Krankheit und der Hermaphroditen-Status Sadakos haben hier Einzug gehalten. Wie gesagt, The Ring Virus ist die wesentlich getreuere Verfilmung.

Änderungen gibt es natürlich auch hier. Beispielsweise hilft hier bei der Investigation weder ein Freund wie im Buch, noch der Ex wie im J-Film, sondern halt einfach so ein Arzt, der die ersten Opfer untersucht hat und die Diagnose nicht schlüssig fand, von der Reporterin interviewt und so in die Sache reingezogen wird. Vom Typ her ist er allerdings erneut näher am intelligenten aber uncharismatischen Arschloch aus dem Buch.

Ja, bisher hab ich tatsächlich nur Änderungen und Gleichheiten der Versionen aufgezählt, nicht? Wie gesagt, im vierten Anlauf hat das Ring-Mysterium leider nicht mehr viel für einen zu bieten, Qualität des jeweiligen Filmes ganz außer Acht gelassen, denn The Ring Virus kann gar nicht wesentlich übler sein, als die anderen Versionen. Die Luft ist halt so oder so raus.

Ring Two

Erfolgreiche Filme bekommen Nachfolger, immerhin hat auch das japanische Original gleich zwei und ein Prequel. Für die US-Version von Ring Two ließ man dabei, wie das auch beim US-Remake von Ju-On: The Grudge der Fall war, den Regisseur der japanischen Filme einfliegen und das Ding drehen.

Rachel ist nun in eine Kleinstadt gezogen und arbeitet dort für deren unwichtige Zeitung, damit sie mehr Zeit für ihren Sohn Aidan hat. Doch der Videofluch geht weiterhin um und kaum hat Rachel dies herausgefunden, passieren mit Aiden auch schon mehr und mehr seltsame Dinge. Also ist es mal wieder Zeit, hinter Samara her zu schnüffeln und ihre Vergangenheit von vor der Adoption durch die Morgans zu erfahren. Alles, während ihr Geist versucht, von Aidan besitz zu ergreifen, weil Samara eine Mutter will.

Joa, Ring Two ist im Prinzip ein eigenständiges Sequel zum US-Film, nicht direkt ein Remake vom japanischen Nachfolger, auch wenn er von jenem die Grundidee nimmt, dass der Sohn von Samaras/Sadakos Geist in Besitz genommen wird. Der Rest ist aber komplett anders.

Es ist interessant, dass für diesen Film der japanische Regisseur verantwortlich zeichnet, passiert hier doch genau das, was man beim US-Remake befürchtet hatte: Der Grusel ist nicht genauso langsam schleichend, sondern es gibt viel mehr Samara-Szenen, sogar einige billige Jump Scares. Wobei hinter den visuell interessanten übernatürlichen Ereignissen eindeutig ein japanischer Kopf steckt, nur hier mit dem Budget sie auch entsprechen umzusetzen. Denn weitestgehend, trotz mehr akzentuierten Erschreck-Szenen, ist auch Ring Two noch kein lauter Film, kein großer Schocker, stützt sich erneut auch viel auf die investigative Seite des Geschehens.

Nur das er merklich bemüht ist, irgendwie noch eine auf den Vorgänger aufbauende Handlung zu setzen, die alles wieder ins Rollen bringt, sich nicht an jenem stößt und trotzdem noch komplett durcherklärt werden muss. Hier fällt der Film ein wenig auf die Nase, doch hatte der japanische The Ring 2 durchaus dasselbe Problem. Viel Logik und Sinn steckt hinter dem Geschehenen nicht mehr. Im japanischen Beitrag fällt das nicht immer ganz so auf, weil er allgemein sich nicht die Mühe macht, viel davon überhaupt erklären zu wollen. Im US Ring Two hingegen muss wieder alles durchdacht sein, jede Kleinigkeit einen Sinn ergeben und zusammen gehören. Nur das die ganzen Erklärungen es nur umso offensichtlicher machen, was für ein Blödsinn das doch eigentlich alles ist, wenn man sich mal die Zeit nimmt, darüber nachzudenken.

Doch wenn man sich einfach von der Atmosphäre leiten lässt, schwimmt man immer noch auf einem unheimlichen Film, der durchaus unterhalten kann, dabei mitdenken sollte man nur besser nicht zu viel.

Ring US

Nach der Eroberung Japans selbst durch den modernen, atmosphärisch-minimalistischen J-Horror in den späten 90ern, waren wir im Westen Anfang der 2000er dran. Natürlich auch hier angeführt von nichts anderem als The Ring, in Gore Verbinskis US-Version.

So sehr die Befürchtung auch steht, dass dies zu „veramerikanisiert“ wird, die Charaktere zu sehr geändert werden, die Mysterien von Knalleffekten kaputt gemacht wird… so unbegründet ist sie. Das US-Remake von Ring ist mit der japanischen Version praktisch identisch. Oh sicher, Änderungen größer und kleiner gibt es, doch im Grundprinzip ist’s der gleiche Film.

Die Handlung ist weitestgehend identisch: Reporterin Rachel investigiert das Gerücht um den Videofluch (allerdings hier konkret, weil ihre Nichte gestorben ist, nicht schon vorher), sieht das Band, bekommt Hilfe von ihrem Ex-Mann bei der Suche nach einer Auflösung des Geschehens und einer Rettung für sich und den Sohn. Sie finden Samaras Familie, die sie wegen ihrer übersinnlichen Kräften in den Brunnen geschubst haben und befreien deren Leiche daraus. Rachel überlebt, Kerl stirbt, das Kopieren des Bandes ist die Lösung.

Die US-Version hat allerdings fast eine halbe Stunde mehr Spielzeit, kann sich also Zeit lassen und etwas ausbauen. Gerade den Charakteren von Rachel und ihrem Sohn kommt das zu Gute, die uns hier viel näher gebracht werden, als in der japanischen Version. Und auch über Samara finden wir viel mehr raus, als über Sadako im Erstling – die US-Version bedient sich hier und dort nämlich auch an Sequel und Prequel. Das Rätselraten und Aufspüren von Hinweisen ist ebenfalls länger, kommt der Schnitzeljagd im Buch näher als die kurz gehaltene Version im japanischen Film.

Was den Grusel angeht, hält es sich auch überraschend stark am Original. Samara tötet am Anfang die Teenies und krabbelt anschließend erst wieder im Finale aus dem TV. Dazwischen gibt es viel Atmosphäre und Spannungsaufbau, die aber nicht in viel resultieren. Jump Scares und übertrieben viel Herzeigen des „Monsters“ gibt es also nicht. Der Film peppt die Schauwerte lediglich mit der Szene auf der Überfahrt auf, in der das Pferd durch geht und sich in den Tod stürzt und dem Selbstmord von Samaras Vater, dem Rachel beiwohnt. Die sind aber durchaus nicht schlechte Einfälle und passen gut ins stilistische Gesamtbild.

Die japanische Version macht natürlich auch Dinge besser. Hauptsächlich ist die US-Version gerade gegen Ende schwächer, auch weil sie alles übererklären muss. Jede Kleinigkeit hing zusammen, jede Szene hat ihren Sinn, das nimmt der Angelegenheit ein wenig das Mysterium des Originals, wo zwar auch gewisse Dinge und der Sinn hinter dem Geschehen herausgefunden werden, aber eben nicht jeder Furz, der passierte, auch eine tiefere Bedeutung haben musste. Und so stilsicher und visuell hübsch das US-Ring umgesetzt ist, hat auch die weniger gelackte, krude bis biedere Japan-Inszenierung seinen gewissen Reiz.

Von daher, schlechter als das Original ist die US-Version auch nicht. Eine definitive Version der Geschichte könnte ich zumindest nicht nennen. Höchstens das Buch, wobei die filmischen Versionen die sympathischeren Hauptcharaktere haben.

The Ring 0

Was Geld macht, wird fortgeführt und Prequels tun sich immer gut, also kommt nun nach der (zweiten) Fortsetzung auch noch die Vorgängergeschichte. Diesmal wieder basierend auf einem Roman. Freilich nicht dem dritten Buch Loop, nachdem der Medizin-Horror von Spiral schon auf der Leinwand gescheitert ist, versucht man sich garantiert nicht mit SciFi. Stattdessen wird eine der Kurzgeschichten aus dem Birthday-Band erzählt.

Vor 30 Jahren gab er bereits schon mal eine Reporterin, die sich auf die Spurensuche nach Sadako gemacht hat, denn ihr verstorbener Ehemann ist jener Journalist, der damals bei der Vorführung von Sadakos Mutter gestorben ist. Sadako lebt auch noch, ist nun erwachsen und einer Schauspieltruppe beigetreten. Nur häufen sich mit ihrem Auftauchen dort auch die seltsamen Ereignisse und sogar zu Todesfällen kommt das. Was natürlich die Leute so ein klein wenig misstrauisch gegenüber dem eigenbrötlerischen Neuzugang macht.

Bei der Aufführung des ersten Stücks mit Sadako als Hauptrolle kommt es dann zur Katastrophe, von allen in die Enge gedrängt, greifen Sadakos Kräfte um sich, auch wenn sie beteuert, es käme nicht von ihr. Die Truppe erschlägt sie. Und fährt mit ihrer Leiche im Gepäck dann zu ihrem Ziehvater, da es noch eine zweite Sadako dort gibt, die ausgelöscht gehört – irgendwann als Kinder haben die sich mal in eine gute und böse Hälfte gespalten. War nicht die beste Idee, die Leiche mitzunehmen, ersteht sie doch wieder auf und bringt alle der Reihe nach um, bis ihr Vater sie dann in den Brunne schmeißt.

Tja, so ist Sadako also im Brunnen gelandet, wo sich ihr Hass und ihre Verzweiflung langsam in einen Fluch wandeln konnten. Für die Hintergrundgeschichte von Sadako, hatte das erste The Ring im Gegensatz zum Roman ja nie so ganz die Zeit. Schön, dass hier jetzt doch mal ein wenig was über sie ans Licht kommt. Gleichzeitig ist es dadurch auch mehr wie ein Drama, die Ring-Version von Carrie sozusagen, nur ohne das Schweineblut. Sadakos Geschichte ist eine tragische und Missverständnisse der Auslöser von allem. Immerhin haben die vorigen Filme Sadako immer nur als das Rache dürstende Monstrum portraitiert, hier bekommt sie auch endlich ihre menschliche Seite. Leider macht das den Film allerdings auch nicht gerade zum Spannendsten der Trilogie, wenn man ehrlich sein will.

The Ring 2

Reiko und ihr Sohn Yoichi sind verschwunden, ihr Vater und ihr Ex-Ehemann Ryuji sind durch das Videoband gestorben. Da ist die Polizei natürlich misstrauisch, befragt auch Mai, die Studentin Ryujis, die ihm persönich assistierte. Mai findet auf kurz oder lang sogar die untergetauchte Mutter und ihren Sohn wieder, wird von der Polizei erpresst, deren Aufenthaltsort preis zu geben.

Die Situation wird… suboptimal gehandhabt, auf der Flucht vor den Beamten wird Reiko überfahren und Yoichi bringt per Gedankenkraft beinahe einen der Verfolger um. Und dann gibt die Polizei Verfolgung und Ermittlungen anscheinend von jetzt auf gleich auf, zumindest werden wir sie den Film über nicht wieder sehen.

Stattdessen bringt Mai nun Yoichi zum Großvater von Sadako, wo sie sich Hilfe erwartet, wie man ihm seine Kräfte nehmen kann, die daher kommen, dass er als Medium für Sadako dient, sie ihn also sozusagen in Besitz genommen hat. Und sie schaffen es auch irgendwie im konfusen Finale, ihm das auszutreiben.

Was macht man, wenn die Verfilmung von The Ring bombig einschlägt, die des Nachfolgers Spiral aber kolossal floppt? Man tut einfach so, als hätte es ihn nie gegeben und setzt das Team des ersten Filmes daran, eine eigenständige Fortsetzung zusammen zu schmieden.

Diese ist selbstverständlich dem Stil der Erstlings wesentlich näher, das getreuere Sequel, wenn man so will. Kein Virus, keine Wiedergeburt, kein Medizin-Horror, nein es bleibt beim reinen übernatürlichen Fluch per Videoband. Und es ist auch der bessere Nachfolger, einfach interessanter, spannender, kohärenter. Auch unheimlicher, als The Ring war, da häufiger akzentuiert was mysteriöses passiert, nicht erst ganz am Schluss. Vielleicht kommt mir das aber auch nur wegen Rewatching so vor, The Ring 2 seh ich zum ersten Mal seit Release erneut, wusste also nicht mehr viel von dem, was da kommen mag, während The Ring durch Konsum von Buch x2, jap. Film x2, US-Film und Manga wesentlich ausgelatschter für mich war.

Spiral on Celluloid

Ando hat seinen Sohn verloren, worüber der Arzt nie hinweg kam. Durch die Obduktion seines alten Studienkollegen Ryuji, Reikos Ex-Ehemann, kommt er auf die Spur von Sadakos tödlichen Virus-Fluchs. Nur lernen Viren eben, sich anzupassen und so geht das Ding schon längst andere Wege, als nur über die ineffektive Videokopiererei. Genau genommen führt das ganze sogar dazu, dass Sadako durch die unfreiwillige Hilfe Andos – und später auch dessen freiwilliger, in der Hoffnung seinen Sohn zurück zu bekommen – erneut auf die Welt losgelassen wird.

Spiral ist ein wenig das schwarze Schaf in der Filmfranchise, dabei ist es so gesehen das „richtige“ Ring 2, da es auf dem zweiten Roman basiert. Der Film wurde nämlich zeitgleich mit The Ring gedreht und in die Kinos gebracht, wenn auch von Großteils unterschiedlichem Team. Während The Ring allerdings zu enormen Erfolg gelangte, wurde Spiral eher weniger gut aufgenommen.

Das liegt vielleicht auch daran, dass das Buch nicht ganz so gut als Film funktioniert oder man im Gegensatz zum Team um The Ring sich nicht getraut hat, genug zu verändern, um es dem anderen Medium passender zu gestalten. Zumindest versucht Spiral möglichst alles aus dem Buch irgendwie unterzubringen, was aber alles wegen des Zeitlimits arg kurz kommt. Genau genommen ist das Ergebnis sehr fragmentiert und geradewegs verwirrend, wenn man die Romanvorlage nicht schon kennt, um die Zusammenhänge zu verstehen. Es fehlt an Stringenz und irgendwie auch an Spannung. Zumal im Medium Film der trashige Faktor, den die Romanreihe hier eingeschlagen hat, noch stärker heraus kommt. Es fehlt ihm etwas an der Eleganz und Schlichtheit, und schon mal ganz an der Atmosphäre, des Vorgängers.

The Ring on Celluloid

Letztes Jahr die drei Ring-Bücher gelesen, dieses Jahr kommen die Filme erneut ran. Den Anfang macht logischerweise der allererste, der japanische Originalkinofilm. Zumindest der erste, der auch im Westen bekannt ist, da gab es ja wohl vorher bereits TV-Produktionen. Nicht zuletzt ist es eben dieser japanische Kinofilm, der das Ring-Phänomen und damit das Aufleben der J-Horror-Welle losgetreten hat, gerade außerhalb Japans.

Die Grundhandlung ist natürlich die gleiche wie im Buch: Sadako verbreitet über ein Videoband einen Fluch, durch den man nach 7 Tagen stirbt (warum eigentlich so häufig genau 7 Tage? Muss wohl irgendwas japanisches sein, vielleicht aus deren Mythologie). Unterschiede gibt es allerdings reichlich. Zuallererst ist es statt der Familienvater mit seinem unsympathischen Freund, der zugibt mal ein Mädchen vergewaltigt zu haben, hier eine alleinerziehende Mutter und ihr Ex-Ehemann, mit dem sie sich noch ganz gut zu verstehen scheint, die der Sache auf den Grund gehen wollen, was die Hauptcharaktere spontan wesentlich sympathischer macht. Außerdem muss der Film sich natürlich viel kürzer halten. Nicht zuletzt gibt es hier gar nicht so viel Erklärung zu Sadakos Vergangenheit wie im Buch, der Pocken-Virus oder ihr Hermaphroditen-Status werden nie erwähnt.

Interessanterweise habe ich letztes Jahr zum Buch geschrieben, dass ich gar nicht mehr wusste, wie wenig aktiv Sadako in jenem eigentlich ist, wie wenig wirklich gruseliger Momente vorherrschen und das es sich stattdessen sehr stark auf die Detektivarbeit stützt, weil ich meinte durch die Filme da eine ganz andere Vorstellung zu haben. Jetzt erneut geschaut muss ich merken, dass es im Film eigentlich gar nicht anders ist. Zu Beginn sterben die Teenager (fast ausschließlich off screen) und dann ist eigentlich Investigationszeit bis zur vollen Stundenmarke, wo die Sache sich erst richtig zuzuspitzen beginnt und auch Sadako kommt eigentlich nur einmal ganz am Ende aus dem Fernsehen gegrabbelt. Ich dachte, hier würde viel mehr passieren, der Film wäre viel unheimlicher, als er letztendlich ist.

Ein Problem dabei ist glaube ich, dass The Ring einfach beim ersten Anschauen wirklich viel unheimlicher rüber kommt, weil er eben eine so dichte Atmosphäre vermittelt, man vom Geheimnis um die Geschehnisse in den Bann gezogen wird, häufig unheimliches erwartet hat, was dann nicht kam. Wenn man die Geschichte allerdings schon kennt und den Film dann mit vollem Wissen erneut schaut, wird ihm leider viel davon genommen. Ein guter Film ist’s immer noch, doch merkt man plötzlich, dass ganz so viel eigentlich gar nicht in ihm passiert und er wirklich nicht sonderlich unheimlich ist.

Auch muss ich sagen, dass im Vergleich zum Buch mir diesmal die Detektivarbeit etwas zu kurz kam, zu einfach und oberflächlich ablief. Das liegt wohl hauptsächlich einfach daran, dass im Film dafür nicht viel Platz bleibt aus Zeitgründen. Aber sobald die beiden Hauptcharaktere die Spur endlich mal aufgegriffen haben, geht es eigentlich erstaunlich reibungslos durch. Und der Ex-Ehemann hat die hellseherischen Kräfte genau aus diesem banalen Grund angedichtet bekommen: Damit die Charaktere diverse Lösungen und Zusammenhänge eben einfach so spontan herausfinden können, ohne wirklich handfeste Anhaltspunkte dafür zu finden.