AssCreed Rev

ava-1437Die Assassin’s Creeds sind wie Hollywood-Popcorn-Kino. Wenn der „Cinematic Trailer“ zu einem Teil released wird, ist der super cool und man kann nicht ganz wiederstehen, ein wenig gehyped zu sein. Wenn man dann aber das Ding spielt, ist man doch etwas ernüchtert, weil obwohl sicherlich kein Reinfall, so ist es eben nicht ganz so geil, wie angepriesen. Und dann kommen die Dinger noch im Jahrestakt ohne große Änderungen, um lang genug das eigene Fahrtwasser ausnutzen zu können.

Diesmal ist Ezio in Istanbul, auf den Spuren von Altair, der Alien-DVDs mit Erinnerungen hinterlassen hat a la Final Fantasy X-2, die mal wieder zu einem supah sekriet Geheimgedöns führen sollen, hinter denen sowohl Templer wie Assassinengilde her sind, weil Weltherrschaft oder Weltfrieden oder was noch Mal das schwammige Endziel ist. Nebenbei gerät er auch ein wenig in die Irrungen um die Thronfolge, wenn er schon mal hier ist. Desmond, bei dem sich Ubisoft ja dummerweise dazu entschieden hat, dass seine Geschichte als Rahmenhandlung aller Spiele dienen muss, statt irgendwann mal einem Ende entgegen zu sehen, macht diesmal gar nix. Ernsthaft. Eine Einminütige Cutscene zu Beginn, Mitte und Ende des Spieles, in denen letztendlich nix ausgesagt ist, den Rest ist er im Flashback-Koma, nur um natürlich am Ende nach einer hypenden Cutscene um Supah Sekriets doch wieder ganz dringlich aufzuwachen, proklamierend diesmal wirklich zu wissen, wo das Ende zu finden ist, und Cliffhanger und 20 Minuten Credits. Wie man Leute geil auf das nächste Spiel macht, wissen die bei Ubisoft jedenfalls, auch wenn mittlerweile jeder durchschaut haben sollte, dass Desmonds Handlung nie wirklich auch nur einen Schritt vorangehen wird, sondern in jedem Spiel nur an einer neuen Lokalität auf der Stelle tritt.

Spielerisch ist alles beim Alten: Durch die Gegend parkouren, mehr oder weniger geheim und schattenhaft Leute ermorden, die es alle natürlich voll verdient haben. Weiterhin kann man zum stinkreichen Entrepreneur werden, in dem man alle Läden kauft und sich vielleicht auch mal eine Hagia Sofia leistet, sowie Templer-HQs anzünden, auf dass sie nun uns gehören und wir eine Bruderschaft rekrutieren können. Neu in Revelations sind kleine Spielereien wie Crafting von Bomben, deren Existenz allgemein, sowie ein schreckliches Tower Defense. Abgesehen von dessen Tutorial ist es allerdings komplett optional glücklicherweise – wenn die Templar Awareness auf Maximum ist, kann es nur geschehen, dass rekrutierte HQs wieder zurückerobert werden und man sie verteidigen muss. Wenn man denn will, man kann es wie gesagt auch einfach lassen, respektive aufpassen, dass es nie soweit kommt.

Um ganz ehrlich zu sein habe ich nach wenigen Spielstunden zunächst gelangweilt eine lange Pause eingelegt gehabt, was vielleicht auch einfach daran liegt, dass ich es kurz nach Brotherhood begonnen hatte, somit die Luft am Gameplay etwas raus war. Als ich es geraume Zeit später wieder aufgegriffen hatte, war ich dann doch wieder etwas am Süchteln, hab mehrere Stunden damit verbracht, Türme zu erklimmen, alle Etablissements der Stadt aufzukaufen, die Antiken Bücher zu sammeln, alle Templer-HQs umzuwandeln, und aus den Schatten heraus auf jede Stadtwachen-Truppe, die meinen Weg kreuzte, meine Bruderschaft gehetzt, auf das die sie meucheln, während ich mir ins Fäustchen lache. Sprich, ich tat alles, nur den Plot nicht voranbringen. Als mir die Sachen dann ausgingen und ich dem doch wieder folgen musste, war der auch verdammt schnell rum, howlongtobeat setzt für Revelations 10 Stunden an, und das kommt schon hin, inklusive einiger Nebensachen. Letztendlich waren die Storymissionen zwar alle nicht schreckliche, einige hatten sogar echt coole Setpieces zu bieten, aber ganz den Spaß wie beim Free Play hatte ich daran dennoch nicht. Die super kurzen Intermissionen mit Altair sind sowieso häufig die nervigsten Aufgabenstellungen überhaupt. Doch immerhin ist Revelations erträglicher als Brotherhood, da Konstantinopel wesentlich netter zu bereisen ist als Rom, und die Aufgaben eben nicht ganz so nerven oder zumindest nett kurz sind.

Ich hab einfach meinen Frieden mit Assassin’s Creed geschlossen. Die Handlung wird nie sonderlich gut sein, die Karotte um Langweiler Desmond nie erreicht werden, während die seiner interessanteren Vorfahren letztendlich abgesehen von Assassin’s Creed II auch nicht herausragende Erzählungen zu bieten haben, und auch die restriktiven Storymissionen sind nicht immer so launig… doch als Sandbox einfach das gespielt, auf was ich Bock habe, das könnte ich durchaus einmal pro Jahr vertragen. Nur braucht man dafür freilich nicht jedes Mal ein neues Spiel kaufen, sondern kann einfach ein altes wieder rausholen. Ich denk, jetzt wo die Handlung von Ezio und Altair fertig ist, kann ich die Reihe auch beruhigt liegen lassen. Gerade wo Assassin’s Creed III mit Connor selbst vielen Serienfans zu langweilig war – was wohl auch erklärt, warum direkt IV nachgelegt wurde, statt drei weitere Connor-Titel.