Academy Weekend – Inside Out

ava-2137Ein weiteres Oscar-Event rückt dieses Wochenende näher, und traditionell nutze ich die Chance, um drei Vorjahres-Gewinner zu begutachten, die ich ohne diese selbst auferlegte Ausrede entweder wahrscheinlich nie geschaut hätte, oder aber obwohl ich sie schauen wollte, dies bisher nicht hinbekommen hatte. Den Anfang macht der Gewinner des Best Animated Feature. Nur ein Gewinn, weil nachdem Beauty and the Beast fast den Best Feature 1992 von „richtigen“ Filmen gestohlen, für 6 nominiert und 2 auch gewonnen hat, anschließend für die Animationsfilme dieses kleine Ghetto geschaffen wurde, damit sie was gewinnen können, ohne „echten“ Filmen ihre Oscars wegzunehmen, und somit in der Regel auch nur diesen einen gewinnen dürfen.

Außerdem ist es ein Film von Pixar. Aber weder jenes Studio noch der Gewinn sollen jetzt wahnsinnig viel bedeuten, denn die drei Filme davor waren jetzt alle nicht der Renner, darunter sogar ein weiterer Oscar-Gewinner. Und nein, ich werde nie verstehen wie Brave die Statue gewinnen konnte, schon gar nicht gegen Paranorman laufend.

Aber hey, nach 5 Jahren beweist Pixar, dass sie doch noch richtig gute Filme machen können! Wenn man also total übersieht, dass deren nächstes Projekt ein weiterer Cars ist und der total schrecklichen Idee eines Toy Story 4 nachgegeben wurde, kann man zunächst erst Mal durchaus freudig sein.

Übrigens beweist Pixar mal wieder seine Wurzel als Produzent von echt guten Kurzfilmen. Denn die ersten 7 Minuten von Inside Out könnten total als ein kurzer, fast ohne Gesprochenes auskommender, Kurzfilm durchgehen, der genau an seiner Pointe endet. Aber der Film geht weiter, und zunächst war ich mir nicht sicher, ob nun die Idee das Gefühls-Innenleben eines Teenagers in dessen Kopf zu zeigen, wirklich für 90 Minuten ausreichen würde, oder ein Kurzfilm nicht eben genau die beste Wahl gewesen wäre.

Zum Glück ist der Film weit davon entfernt, ewig durchgekaute Klischee-Witze über das Gefühlschaos in der Pubertät und die distinkte Denkweise von Frau vs. Mann vorzukäuen, auch wenn die Werbung mit der Szene beim Abendessen dies befürchten lassen würde. Denn genau genommen ist Riley noch gar nicht in der Pubertät. Das eigentliche Problem ist, dass die Familie von Minnesota nach San Francisco umzieht, und weitere Probleme eben das Innenleben des Mädels ordentlich durcheinander bringen.

Gerade das Gefühlsleben an sich spiegelt dabei sehr schön die Entwicklung des menschlichen Geistes wieder. In besagtem Anfang, die erste Emotion des Babys ist Freude, erst danach kommen langsam die anderen Gefühle Kummer, Angst, Ekel und Wut hinzu. Die alle scheinbar eine wichtige Rolle zu füllen scheinen, Angst beispielsweise beschützt auch vor Gefahren, nur Kummer ist nutzlos. Und durch die Kindheit hindurch dominiert Freude, die anderen sind nur Zaungäste. Aber so einfach ist das Leben eben nicht, und irgendwann kann man auch nicht weiter so tun, als wäre immer alles Ok. Wenn man langsam aus den Kinderschuhen herauswächst bekommt man auch mehr von der Welt mit, reflektiert mehr. Und so ist ein wichtiger Punkt des Filmes das Riley durch die Figur der Freude zu akzeptieren lernt, dass es durchaus in Ordnung ist auch Kummer zu empfinden. Auch diese Emotion kann helfen. Und letztendlich ist es ein ausgewogenes Miteinander, welches wirklich im Leben gebraucht wird. Der Mix der Gefühle offenbart eine viel größere und expandierende innere Welt gegenüber den einfachen aber auch beschränkten Gefühlen eines Kleinkindes.

Gleichzeitig dürfen aber auch ihre Eltern lernen, wie sehr man sein Kind doch emotional durch unbedarft gewählte Worte belasten kann, obwohl dies gar nicht gewollt oder bewusst wahrgenommen wird. Und der Grundpfeiler der Familie ist der, der in Rileys zusammenbrechender Innenwelt am längsten und festen steht, und der beim Wiederaufbau hilft. Und gerade jener zunächste Zusammenbruch, wenn die ersten Persönlichkeitsinseln sinken und Kindheitserinnerungen der Vergessenheit anheim fallen, das Imaginationsland von Neuem plattgewalzt wird… dann passiert etwas, was zuletzt Toy Story 3 geschafft hat. Dann weckt der Film nämlich bei der älteren Generation etwas Kummer und Nostalgie. Das ganze hat schon fast einen Michael Ende Einschlag an verlorener Kindheitsunschuld und Fantasie. Ein Mensch wächst und verändert sich emotional, gerade beim Heranwachsen, alte Interessen weichen neuen, dies ist ganz normal, aber ein wenig schade ist das, was man für immer hinter sich lässt, dann irgendwo doch.

Zwischen alldem gibt es zudem ein buntes Farbenspiel, quirlige Animationen, sitzender Humor, und ein Action-reiches Spektakel. Alles gut und schön, aber Inside Out bietet eben darüber hinaus mehr, weiß richtig Emotionen beim Zuschauer hervorzurufen, und das ist, was ihn letztendlich so richtig gut macht. Im Gegensatz zu Brave definitiv kein unverdient gewonnener Oscar.

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Monsters University

ava-1646Uh-oh, Monsters University. Ich weiß ja nicht, irgendwie hat Pixar in den letzten Jahren dann wohl doch einen Durchhänger. Und jetzt ein Sequel zu einem Film, der sowieso nicht so überragend, wenn auch wohl deren erster guter, war? Tatsächlich ist es dann auch so, dass mir der Film ein wenig sehr wie ein TV-Special oder Direct-to-DVD Film daher kam, so von der Ambition her, nicht von der Optik, die ist nämlich top, kunterbunt, gut inszeniert, und auch super rasant in den Action-Szenen.

Zu dumm das der Truthahn keine Füllung hat. Die Geschichte ist ja mal sowas von generisch und durch. Zum einen haben wir den üblichen Film der beiden absolut gegenseitigen Kerle, die ständig aneinander geraten, bis sie lernen müssen, was für ein gutes Team sie ergeben und sich ihre Stärken und Schwächen (wie üblich Spontanität vs Planung) gut verbinden. Obendrauf noch das absolute Klischee der College-Komödien der Nerds vs. Jocks, in der bewiesen wird, dass in den bebrillten Losern mehr steckt, als die oberflächlichen Muskelpakete ihnen je zutrauen würden… mal ehrlich, ich dachte die Art Film wäre in den 80ern und frühen 90ern ausgestorben, als die Allgemeinheit endlich gemerkt hat, dass die nie gut oder witzig waren.

Ich find es ehrlich gesagt auch etwas schwer für Sulley Mitleid zu empfinden. Er nimmt die Rolle des großmäuligen Großkotzes an, dem die Augen geöffnet werden müssen, aber gleichzeitig ist sein Problem der berühmte Name, dem er nicht gerecht zu werden sich fürchtet. Nur das er es auch gar nicht erst versucht. Es ist etwas schwer bei seinem „buhu, einen berühmten Namen zu tragen ist ein schweres Los!“ Sympathie zu empfinden, wenn er den ganzen Film lang jenen Namen nur ausgenutzt hat, um tun und lassen zu können, was er will.

Da ist Mikes Problem wesentlich interessanter, und etwas, was mir wirklich am Film gefallen hat, auch weil es irgendwo ziemlich un-Disney ist. Ich meine, Kinder werden mit Filmen nur so zugeschüttet, deren Moral es ist, dass man nur groß genug träumen und hart genug dafür arbeiten muss, und man kann alles erreichen. Und es ist sicherlich eine gute Idee Kinder zu motivieren, aber dies ist real gesehen auch häufig nicht wahr. Man kann nicht alles im Leben werden, weil man für ein paar Dinge einfach nicht die nötigen Grundvoraussetzungen mitbringt, die schlichtweg nicht hart erarbeitet oder erlernt werden können. Und das ist das Problem von Mike: Er will seit er ein Kleinkind ist ein berühmter Erschrecker werden, lernt auch alle Tricks und Kniffe, aber da er genetisch einfach nicht furchterregend geboren wurde, kann aus jenem Wunsch nie was werden. Auf der Monsters University bekommt er einen Reality Check und lernt gerade noch rechtzeitig, seine Energie vielleicht ins nächstbeste zum unerreichbaren Traum zu stecken. Und das ist durchaus mal ein erfrischender Twist zur üblichen Disney-Moral.

Es ist etwas schade das der Film, von wenigen Momenten, die dann doch recht charmant geraten sind, hauptsächlich einfach stinkend langweilt. 08/15-Story und Charakterisierung, und sicherlich mit dem Herz am rechten Fleck, aber ohne wirklich witzig oder wirklich herzig zu sein. Monsters University ist dann wohl hauptsächlich ein nettes, unspektakuläres Filmchen primär fürs jüngere Publikum, aber nicht die gewohnte Familienunterhaltung, weil ich ehrlich gesagt niemand über 12 sehen kann, der davon nicht gelangweilt wird.

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Pixar Sunday – Brave

ava-1174Nach einer kleinen Pause, da ich ihn nicht direkt im Anschluss an die eigentlichen Thementage sehen konnte, kommen wir nun also schnell diesjährig doch noch wieder auf Pixar zurück, mit dem aktuellen, da dieses Jahr in den Kinos gewesenen, Film Brave.

Merida ist die Prinzessin eines schottischen Klans in Old Timey Times. Bedeutet im Klartext: Als Frau ist sie nichts wert, abgesehen davon, sie mit einer guten Drittpartei verheiratet zu bekommen. Das nervt den aufbrausenden Rotschopf natürlich gewaltig, streift sie doch lieber durch die Wälder und übt das Bogenschießen, statt von ihrer Mutter mit höfischer Etikette auf ein Leben als gute Königin vorbereitet zu werden. Die wiederum verzweifelt natürlich an ihrer undamenhaften Tochter.

Die Situation eskaliert, als tatsächlich drei Jungs anderer Klans zu einem Turnier um die Hand von Merida eingeladen werden. Doch dank einer Flucht in einen Steinkreis und dem Folgen von Will-o-Whisps kommt sie bei einer Hexe an, die ihr einen Trank zur Lösung ihres Problems mit der engstirnigen Mutter verkauft. Nur eröffnet der ganz neue Probleme, verwandelt er doch die Mutter in einen Bären.

Eh, Brave… ein schweres Ding. Es ist keiner von Pixars besten Filme, aber auch keiner ihrer schlechten. Irgendwie so ganz nett, nehm ich mal an. Ich mochte das Setting und die Optik in den schottischen Highlands. Auch Merida als Hauptcharakter ist ganz charmant. Er ist ganz witzig und rasant. Aber er hat Probleme in der Handlung – es ist einer von Pixars klischeehaftesten und vorhersehbarsten Einträgen – und vor allem in ihrer Struktur. Nach dem Anfang, der die Grundlagen setzt und vor dem zugegeben ziemlich tollen Finale, also so ziemlich im kompletten Mittelteil, wirkt der Film einfach so ein wenig verloren. Es passieren so einige Dinge, aber so richtig viel bei rum kommt nie, und dann ist man plötzlich überrascht, dass schon über eine Stunde rum ist und sich alles fürs Finale zusammenzuziehen beginnt. Auch hat der Film starke Probleme damit, wichtige Dinge, die nicht direkt mit der Mutter-Tochter-Beziehung zu tun haben, wirklich ins Rampenlicht zu bringen. Der andere Bär, Mor’Du, oder die Irrlichter tauchen zwar mehrmals auf und haben signifikante Bedeutung was den Fluch angeht, doch wirken sie nie wirklich prominent, sondern sind einfach irgendwie immer mal wieder da und dann wieder eine Weile nicht.

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Pixar Sunday – Cars 2

Kommen wir also zum Ende der Pixar-Sonntage mit Cars 2, zumindest bis ihr neuester Film Brave, der ja immerhin schon in den Kinos ist, dann seine Auswertung fürs Heimkino hat. Cars 2 ist ein ganz besonderer Film, ist es doch der erste Pixar, der es geschafft hat, überwiegend negative Kritik einzuheimsen. Selbst der erste Cars, der mir schon nicht gefiel, wenn auch der bis dahin schlechtbewerteste Pixar, lies die Leute noch zu einem Ok hinreißen, Cars 2 nicht. Also rein in den zweiten Teil über die lebendigen Fortbewegungsmittel, in dem die Automobile die Herrenrasse darstellen, um die sich alles dreht.

Der Film startet dabei in bester Pixar-Manier, mit einem Opener, der gut als Kurzfilm funktionieren würde und wenig mit dem Rest des Filmes zu tun hat. Nämlich ein Spion-Auto, dass gegen Ze Evil Bad Guys auf einer Ölplattform kämpft. Mit reichlich 70er-James-Bond-Vibes.

Danach geht es leider wieder zu McQueen und seinem besten, aber nicht hellsten, Hinterwäldlerfreund Mater. Jemand hat einen erneuerbaren Treibstoff erfunden und schmeißt einen World Grand Prix, bei dem er alle berühmten Rennwagen einlädt, um sich auf eben jenem laufend zu beweisen. Natürlich ist McQueen eingeladen und da er so begeistert ist, nimmt er sogar Mater mit. Der sich natürlich wie ein Trottel aufführt, was natürlich zu einem Krach führt, was natürlich dazu führt, dass ausgerechnet Mater für einen der Superspione gehalten wird und es natürlich nicht hinbekommt dem Spionagewagen aus dem Opener zu verklickern, dass er tatsächlich ein Idiot ist, statt dies als Tarnung zu benutzen. Und natürlich schafft er es dennoch, den Tag und McQueen zu retten und wird von der richtigen Queen sogar zum Ritter geschlagen. Warum auch nicht.

Jepp, Cars 2 dreht sich voll und ganz um Mater, den Unlikely Hero, dessen weltfremde Blödheit genau das ist, was ihm aus den Gefahren hilft, weil es so unerwartet für alle kommt. Schade, denn ein so wirklich richtig nostalgisch-parodistischer Agentenfilm in eben bester oldschool James-Bond-Manier a la des Openers um die trocken-britischen Spionagewagen wäre doch mal so viel interessanter gewesen.

Aber was soll’s, wir haben was anderes bekommen und ich muss ehrlich sagen, wenn auch Cars 2 kein grandioser oder auch nur wirklich guter Film ist, wenn er auch a la Toy Story 2 mehr wie ein Direct-to-DVD Sequel denn eine Leinwandproduktion wirkt, so fand ich ihn doch zumindest besser als das Schnarchfest, das der erste Film war. Die Handlung mag so mickrig und vorhersehbar sein, wie in jenem, aber wenigstens habe ich mich nie während der Spielzeit wirklich gelangweilt. Dafür ist der Film viel zu bunt, rasant, Explosionen, Verfolgungsszenen, Karatekämpfe, die illustren Schauplätze der Welt, aufs Auge gibt er einem schon.

Pixar Sunday – Toy Story 3

Pixar war nicht immer glücklich über die Klauseln, die da so alle in ihrem Vertrag mit Disney standen. Beispielsweise, dass die Franchises Disney gehören und somit ein Eigenleben entwickeln könnten, Toy Story 2 sollte zunächst ja ein Schnellschuss für den Direct-to-DVD Markt werden, Toy Story 3 ebenfalls ohne Pixars zutun zusammengeklöppelt werden. Oder das Sequels nicht zum Deal gehören, das dann doch von Pixar produzierte Toy Story 2 also nicht zu den fünf Filmen, die Pixar für Disney abliefern musste, gezählt wurde. Letztendlich verleibte sich die Maus dann sowieso die Bürolampe komplett ein, wodurch Pixars Bosse sich in der Position der Führung der ganzen Disney Animation wiederfanden. Und so konnte man Toy Story 3 doch wieder in die eigenen Hände legen.

Wir beginnen wie immer, in einer Fantasie, die Andy mit seinen Spielzeugen nachspielt, die rasanteste bisher in der Reihe. Und dann eine Kollage, Andy mit dem ganzen Spaß, den er mit seinen Spielsachen hat. Da riechen wir die Lunte dann schon, worauf das hinauslaufen wird. Andy wird erwachsen. Er geht bald aufs College, fast alle Spielsachen hat er weggegeben, nur wenige, die ihm besonders am Herzen lagen, denen er aber auch schon seit Jahren nicht mehr wirklich Beachtung schenkt, sind noch übrig und er muss sich dafür entscheiden, was er mit ihnen anstellen will. Irgendwo hängt das Herz an all den Erinnerungen an frühere Tage mit ihnen und Andy will sie auf dem Dachboden verstauen, was im üblichen Missverständnis endet, seine Mutter schenkt sie einer Kindertagesstätte.

Zuerst sind alle ganz davon begeistert, so viele Kinder, die den ganzen Tag mit einem potentiell spielen könnten. Bis sie dann ins Zimmer für die Jüngeren degradiert werden, die nicht „richtig“ mit ihnen zu spielen wissen, sondern nur Krawall und Chaos veranstalten. Andys Spielsachen wollen raus hier, doch ganz so einfach entkommt man der Tagesstätte und dem eisernen Regime des Kuschelbärens nicht.

Ich bin mit den Toy Stories ja nie so ganz warm geworden, fand sie lediglich ganz nett, vollziehe aber nicht so ganz nach, wo so manch anderer seine Begeisterung für sie herzgezogen bekommt. Doch Toy Story 3… man oh man, was ein Film, mit weitem Abstand der beste der Trilogie. So rasant, voller eher subtiler gehaltenem Humor, jede Menge Action, großer Bilder, großer Emotionen. Die bisher enormsten Gefahren, die knappsten Rettungen, die herzigsten Wiedervereinigung der Reihe warten hier auf einem. Wie sich das für das Ende einer Geschichte gehört, denn dieser Film ist definitiv ein Schlussstrich unter die Akte Toy Story. Da endet das dann auch mit einem richtig großen Wurf, man befürchtet sogar fast im höchstdramatischen Finale, dass es zu einigen Verlusten kommen könnte.

Denn obwohl Toy Story 3 bekannt um Kinder und ihr Platikspielzeug geht, ist es wohl der erwachsenste Film der Franchise. So düster, dramatisch und teilweise echt fies war bisher noch keiner. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Toy Story 3 Erwachsenen fast mehr bringt, als Kindern, zumindest außerhalb der großen, rasanten Action, gerade im enorm emotionalen, ruhigen Finale. Eben jenen, die ihre Kindheit bereits hinter sich gebracht haben, denn darum geht es hier. Sicher, die Toy Stories haben schon immer sehr mit jener Kindheitsnostalgie gespielt, dem Nachtrauern einfacherer Tage, aber so dicke eine Allegorie auf das Ende der Kindertage und dem Weiterziehen im Leben, wie hier, war davon bisher nix. Da schwingt einem als gestandener Mann viel mehr Sentimentalität mit, denn als sich dem gar nicht bewussten Jungen.

Pixar Sunday – Up

Mensch, so langsam warden die Pixars ja richtig konstant toll! Zunächst fand ich die ja etwas überbewertet, aber Up ist erneut ein schlicht fantastischer Film.

Die Eingangsszene bringt uns Carl und seine Frau näher. Wie sie sich als Kinder kennenlernten, weil sie beide Abenteurer im südamerikanischen Paradise Falls werden wollten, ihrem Vorbild gleich. Wie sie später heirateten, ein tolles Leben miteinander haben, gemeinsam altern, bis sie dann stirbt, ohne dass sie je dort gewesen waren. Diese anfänglichen 10 Minuten sind ein Glanzstück und zeigen erneut, dass Pixar schon immer Kurzfilme produziert hat. In diesen wenigen Minuten zeigen sie uns das komplette Leben der beiden miteinander und lassen sie uns ans Herz wachsen. Das ist vor allem auch dahingehend wichtig, als das Carls Hauptmotivation durch den Rest des Filmes sein wird, den langgehegten Traum seiner verstorbenen Frau wahr werden zu lassen. Wenn die aber schon so früh im Film verstirbt, läuft das immer etwas Gefahr, dass wir das zwar theoretisch nachvollziehen können, aber doch nicht so ganz mit leben, weil wird den Charakter, der die Motivation ausmacht, nie so richtig kennengelernt haben. Doch dank dieser wunderbaren Eröffnung wollen wir wirklich, dass Carl sein Ziel erreicht.

Also, wie gesagt, Carl beschließt also, den langgehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Was ihn genaugenommen mit zur Entscheidung verholfen hat ist, dass eine Baufirma an seinem Grundstück interessiert ist und er wegen eines Zwischenfalls gerichtlich in ein Altersheim abgeschoben werden soll. Da nutzt er doch lieber sein Wissen als Ballonverkäufer und hängt mehrere Tausend davon an sein Dach, um mit seinem Haus einfach bis nach Venezuela zu fliegen! Zu dumm, dass er den einfach nicht aufgeben wollenden Pfadfinder Russell noch vor der Türe hatte, der ihm unbedingt helfen will, um sein letztes Abzeichen zu bekommen. Da macht der Junge selbst vor der Reise nach Südamerika nicht halt.

Und so startet das Abenteuer des ungleichen Paares, welche an ihrem Zielort angekommen (zumindest beinahe), was schon recht früh im Film passiert, so einige Überraschungen dort unten finden werden. Allen voran einen sprechenden Hund, der schon fast zum Show Stealer des Filmes wird. Aber nur fast, denn irgendwo ist Carl einfach viel zu herzig, in seine verschrobenen Alter-Mann-Art, um ihn nicht zu mögen. Und was der mit seinen greisen alten Knochen noch alles an Indiana-Jones-Einlagen mehr oder minder gut meistert!

Up ist wohl nicht wirklich minder erfolgreich gewesen, als andere Pixars, allerdings ein Film, bei dem ich zumindest immer die subjektive Wahrnehmung (gut, jedermanns Wahrnehmung ist ja nun Mal subjektiv geprägt) habe, dass über ihn nicht ganz so viel gesprochen wird, wie über so einige andere des Studios. Wahrscheinlich, weil der Cast hier nicht ganz so leicht vermarktbar für Kinder ist, immerhin dreht sich der Film um einen alten Mann, der nur den Wunsch der verstorbenen Frau wahr werden lassen will und einem fetten Kind, das ihm folgt. Das macht sich zunächst auf Produkten vielleicht nicht ganz so verkaufsträchtig, wie großäugige Ameisen, niedliche Fische oder quirkige Roboter. Ich glaube, ähnlich wie beim Cast von The Incredibles, haben es hier Erwachsene viel einfacher, sich sofort auf die Charaktere und ihre Motivation, vornehmlich natürlich Carl, einzulassen. Zumindest ging es mir so, ganz im Gegenzug zu Cars, welches bestimmt Kinderherzen schnell erobert, mir aber häufig nichts brachte.

Dabei gibt es jede Menge Action auf der Reise, und auch natürlich viele fantastische Einfälle, nicht nur das an Ballons einen ganzen Kontinent überfliegende Haus, sondern eben auch jene Hunde gegen Ende. Das sie sprechen können erklärt der Film noch so halbwegs über die speziellen Halsbänder, doch die Viecher können ja alles Mögliche, vom Zubereiten von Vier-Sterne-Essen (wiese auch nicht, wenn es eine Ratte auch kann!) bis zum Fliegen von Kampfbombern! Das mag dem einen oder anderen dann vielleicht doch etwas zu arg sein, sind die Hunde doch wesentlich schwerer zu schlucken, als das simple Ballon-Haus, doch ich fand sie super witzig und unterhaltsam. Die Hunde sind toll, wenn auch natürlich komplett nicht ernst zu nehmen. Der Rest des Filmes hat einen ruhigeren, häufig auf die schneidigen Dialoge gemünzten Humor.

Wie schon eingangs erwähnt, ich fand Up einfach fantastisch. Es ist immer was los, traut sich trotzdem an ruhige Szenen, die netten Dialoge, spritzige Humor, der andersartige Hauptcharakter und einfach so viel Herz und Charme, der einem dort aus dem Bildschirm entgegen springt. Hach Pixar, ich kann doch so langsam verstehen, warum dich so viele so hypen.

Pixar Sunday – WALL-E

Die Erde ist eine Müllhalde. Im wahrsten Sinne des Wortes: Die Menschheit ist kollektiv auf ein Raumschiff abgewandert, zurück bleibt eine Wüste aus Ruinen und Müll. Die Aufräumaktion ist gescheitert, nur noch einer der WALL-E-Einheiten funktioniert und geht einsam seiner Bestimmung nach, den Müll zu stapeln. Nur eine Schabe steht ihm zur Seite, genau wie alte Aufzeichnungen von menschlichem Leben.

Bis EVE erscheint, ein weiterer Roboter, der sich zunächst überhaupt nicht für WALL-E interessiert, jener aber umso mehr für sie. EVE sucht etwas, kann es jedoch nirgends finden. WALL-E bringt sie in sein Versteck, voller für ihn interessanter Überbleibsel menschlicher Zivilisation. EVE erwärmt sich für ihn. Da zeigt WALL-E ihr eine seiner neusten Entdeckungen: Ein winziger, pflanzlicher Keimling. Damit hat EVE ihren Auftrag erfüllt und wird abgeholt. WALL-E gibt aber nicht so schnell auf und folgt ihr durchs All zum Raumschiff der Auswanderer.

Und so schiebt WALL-E mit Leichtigkeit Finding Nemo auf den dritten und The Incredibles zweiten Platz der Pixar-Rangliste, nistet sich komfortabel auf oberster Stufe ein.

Es ist ein Kleinod von einem Film, ein charmantes Design, eine einfache Handlung um die Roboter-Romanze, dahinter ordentlich Sozialkritik, die aber mit viel Schwung und Humor untergebracht ist und dazu kommt das ganze Ding auch noch ohne viel Worte aus, gerade in der ersten Hälfte wird so gut wie gar nicht gesprochen. Stattdessen erzählen uns Szenerie, Atmosphäre und Gestik, was los ist. Man merkt, dass Pixar von Kurzfilmen kommen, WALL-E würde glatt auch als Reihe solcher aufeindanderbauender Kurzfilmchen funktionieren. Ein wundervoller Film, der sich erklärt, ohne mit dem Vorschlaghammer Erklärungen einzuprügeln, damit auch dumme Kinder verstehen, was er will. Sicherlich, komplett subtil ist er nicht immer, gerade was das Leben der Menschen in der Kolonie angeht und WALL-Es Permanent-Sad-Eyes sind natürlich auch eine berechnende Design-Entscheidung. Ändert aber nichts daran, dass man sich dem Charme und Herzens dieses wunderbaren Filmes nicht entziehen kann, nicht mit den gar nicht mal menschlichen Hauptcharakteren mitfiebern würde.

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Umweltpolitik an sich, mit dem total zugemüllten Planeten, den die Menschheit der Einfachheit halber eben aufgegeben hat. Sondern allgemein um den Komfort des modernen Lebens, wo alles für einen gemacht wird, moderne Kommunikationswege die wahre zwischenmenschliche Kommunikation ablöst. Wenn alle Menschen auf dem Schiff fett bis zum Gehtnichtmehr in ihren Liegen durch die Gegend surren, weil ihnen alles von den Robotern gebracht wird, was sie brauchen, und auch nur noch über Bildschirme miteinander reden, ohne wirklich ihre Umgebung wahrzunehmen. Natürlich ein Seitenhieb auf die Facebook-Generation, die tausend Freunde hat, von denen sie keinen so richtig kennen, und nur noch über Status-Updates und Twitter-Feeds miteinander zu reden wissen.

Jedoch, das Herzstück von WALL-E ist und bleibt WALL-E, der kleine, rostige Roboter, der nach mehr strebt, besonders nach der Liebe. Und was er alles auf sich nimmt, nachdem er endlich jemand anderen gefunden hat, nach er all der Jahre allein auf der Erde. Eine herziges Abenteuer geht der kleine Blechhaufen da ein.

Pixar Sunday – Ratatouille

Remy die Ratte hat ein Problem, hauptsächlich die Tatsache, dass er eine Ratte ist. Er will nämlich mehr. Nicht seine Tage damit verbringen, im Dreck zu wühlen und Müll zu fressen. Nein, er will was Menschen haben, einen Lebensstil wie jene. Besonders sein erhöhter Geruchs- und Geschmackssinn zusammen mit der zufälligen Entdeckung eines Fernsehkochs, dessen Motto „Jeder kann kochen“ ist, beschwingt ihn. Kann sogar eine Ratte ein Koch sein?

Das Schicksal ist Remy hold, verwandelt sich eine mittelschwere Katastrophe, die ihn vom Rest des Rattennests trennt, doch in einen Segen, wird er nach Paris gespült, direkt zum Restaurant des Küchenchefs aus dem Fernsehen, der kürzlich verstorben ist. In jenem hat Linguini gerade begonnen, ein schlaksiger Chaot, dessen Mutter eine Verbindung mit dem verstorbenen Eigentümer hatte und nach dem eigenen Tod hofft, Linguini würde dort eine Anstellung finden. Tut er auch. Nur nicht als Koch, denn er kann nicht kochen. Nur trifft er dann auf Remy, der das ja kann. Und schon hat sich ein Pakt gebildet. Linguini ist derjenige, der in der Küche nicht auffällt, Remy derjenige, der ihn kontrolliert und zum echten Koch macht.

Der Erfolg gibt ihnen Recht, doch begeistert ist der neue Chef des Restaurants nicht, will er doch gar nicht, dass es Erfolg hat, sondern lieber eine profitablere Fast-Food-Marke aus dem Ding machen. Dann hat er noch das Problem, dass es eine Erben geben könnte, der ihm das Etablissement wegnehmen kann. Nicht zu vergessen den verschrobenen Kritiker, der das „Jeder kann kochen“-Motto als persönliche Beleidigung ansieht.

Ratatouille ist der einzige Pixar, den ich schon vorher in seiner Gänze gesehen habe. Anfang letzten Jahres habe ich ihn in einem Quicky-Post genannt, nachdem er im Fernsehen lief. Ich mochte ihn damals, war aber nicht restlos begeistert davon.

Längen hat der Film immer noch. Irgendwie haben sich die Pixars von den Disney-üblichen 70 Minuten im ersten Toy Story auf 90 Minuten und seit The Incredibles nun gute 120 hochgeschaukelt. The Incredibles hat jene gefüllt bekommen, von Cars hätte ich das schon nicht mehr behaupten können. Ratatouille ist besser als Cars, aber auch hier hätte es keinem wehgetan, wenn das Ding um circa eine halbe Stunde gestrafft wäre. Das liegt auch hauptsächlich daran, dass die Pixars relativ einfache Prämissen haben und wenige Überraschungen in ihrem Handlungsverlauf aufweisen, so auch bei Ratatouille. Es gibt also keinen Grund, warum dies nicht in 90 Minuten hätte erzählt werden können, so ziehen sich ein paar der Begebenheiten halt etwas. Ratte wird Koch. Taugenichts wird Jemand. Ratte gerät mit Familienklan in den Clinch. Taugenichts verliebt sich. Beide geraten darüber aneinander. Taugenichts ist der wahre Erbe. Beide müssen sich im Finale vertragen und gemeinsam daran arbeiten, das Restaurant zu retten. Ratte findet im kleineren Rahmen Akzeptanz, der Böse wird besiegt, der fiese Kritiker zum schnurrenden Kätzchen. Alle diese Ereignisse sieht man schon kommen, sobald die Grundlagen des jeweiligen Konflikts gelegt sind.

Aber wie der Kritiker im Film selbst gegen Ende zugeben muss, warum überhaupt so kritisch? Warum die moderne Liebe dafür, etwas schlecht zu machen, sich die Negativpunkte raus zu picken, übertrieben hohe Standards an einem Produkt anzusetzen, das unterhalten will und dies auch schafft. Denn sicherlich hat Ratatouille auch viel zum gern haben. Denn die Charaktere sind unterhaltsam und sympathisch, das franco-belgisch angehauchte Design charmant. Die Geschichte ist niedlich, hat Herz und bringt diese gewisse Lebenslust auf den Punkt, die in heutigen Zeiten mit dem Kochen assoziiert wird, vor allem das Ende ist enorm herzig. Mit der ungehaltenen Popularität von Kochshows trifft das „Jeder kann kochen“-Motto natürlich absolut den Zeitgeist und einem Charakter, der mehr vom Leben will, genießen will, einen Unterschied machen will, dabei zu folgen, wie er genau dies schafft, kommt sowieso immer an.

Pixar Sunday – Cars

Lightning McQueen ist ein begnadeter Neuling auf dem Gebiet der Autorennen und gerade dabei seinen lang gehegten Traum zu erfüllen, der erste Neuling zu sein, der je den berühmten Piston Cup gewann. Nur gewinnt er nicht. Er verliert auch nicht. Nein, obwohl er den Sieg schon fast in der Tasche hat, führt sein rücksichtsloses und auf niemand hörendes Verhalten, wegen dem ihm schon mehrmals sein Team absprang, dazu, dass ihm zwei Reifen platzen und er doch zeitgleich mit zwei anderen – dem langjährigen Gewinner und dem ewigen Zweiten – über die Ziellinie schießt. Also wird ein Rematch zwischen den Dreien anberaumt.

Auf dem Weg nach Kalifornien, wo jenes stattfinden soll, fällt Lightning allerdings aus dem Transporttruck und landet mitten im Nirgendwo, in einem abgeschiedenen Hinterwäldler-Städtchen an der alten Route 66. Wo er auch direkt dafür verantwortlich ist, dass deren eh ramponierte Straße noch mehr Schaden nimmt. Dadurch wird er dazu verurteilt, sie zu reparieren, dabei hat er es doch eilig, zum Rematch zu kommen, statt hier die Landdussels zu bespaßen.

„Fun“ Fact: Einer der Synchronsprecher des Filmes (im O-Ton, that is) hat hier seine letzte Sprechrolle, bevor er ironischerweise bei einem Autounfall verstarb.

Cars hat einen denkbar undankbaren Nachteil bei mir, schon direkt von Anfang an gesehen. Wo Monsters Inc. und Finding Nemo nämlich einen Vorteil hatten, da ich mich immer für Fische und Gruselgestalten begeistern konnte, hat Cars gleich mehrere Strikes. Ich hab absolut kein Verständnis von oder Interesse für Autos. Die müssen mich von Punkt A nach Punkt B bringen und gern noch für kalte/heiße Tage eine Klimaanlage mitbringen, und der Rest an dem Ding ist mir egal. Ich kann noch nicht mal wirklich die Marke oder das Modell bestimmen, von den Vehikeln, die an mir vorbei fahren. Ich habe mich nie für Autorennen interessiert. Und allgemein ist diese Sport-Story vom begnadeten aber überheblichen Neuling, dem der Kopf gewaschen werden muss, mir nie so gelegen.

Von daher ist es wohl ein ganzes Stück weit vorauszusehen, dass Cars für mich bisher der schwächste Pixar war, einfach weil ich das Grundinteresse an Welt, Thematik und Genre nicht mitbringe. Zumal ich den Film diesmal besonders Kreativitätsbankrott fand. The Incredibles mal ausgenommen, waren die bisher sicherlich alle nicht mit enormen Sprüngen in dem Bereich gesegnet, sondern häufig bekannte Handlungskonstrukte mit gewohnten Klischees und Charakterzeichnungen. Jedoch normalerweise auf eine wesentlich charmantere, pfiffigere Art und Weise, bei dem das dann nicht ins Gewicht fällt. Cars ist schon allein deswegen auch eine Ecke langweiliger, weil hier alles so unbesonders wirkt, das gewisse Etwas dem Film fehlt, um ihn über die extreme Standardhandlung und Klischeecharaktere und –situationen hinweg zu helfen. Oh sicher, es gibt noch hier und da eine niedliche kleine Szene oder ein Gag, der ein wenig schmunzeln lässt, aber es ist doch weniger, als in den früheren Werken des Studios.

Pixar Sunday – The Incredibles

Die Welt ist eine sichere, wird sie doch von vielen Supers gleichzeitig beschützt. Darunter auch everybody’s darling Mr. Incredible, der Heute Elastogirl zu seiner Frau nimmt und auf dem Weg zur Trauung noch ein paar Heldentaten abhakt. Dummerweise wird er anschließend verklagt, ging doch was in die Brüche und der gerettete Selbstmörder sieht seine Selbstbestimmung auch unterwandert. Da Superhelden fürs Allgemeinwohl arbeiten, übernimmt der Staat die Gerichtskosten, sieht sich aber durch immer mehr aufkommende Anklagen (Amerikaner, sobald einer beginnt, klagt jeder wegen allem) und öffentlichen Unmut schnell dazu genötigt, Supers zu verbieten und als Normalos zu rehabilitieren.

Und so leben 15 Jahre später Mr. Incredible und Elastogirl ein ganz normales amerikanisches Leben. Mittelschicht, Haus in der Vorstadt, zwei Autos, drei Kinder, rundlich um die Hüfte geworden und vom Job gebrochen. Das Leben ist grau und mal so gar nicht super, zumal der Sohn natürlich auch nicht einsehen will, warum er seine Fähigkeiten nicht zeigen darf, statt damit anzugeben. Da wird Mr. Incredible von einer geheimen Organisation kontaktiert, die für ihn gut bezahlte Aufträge offeriert, für die seine besonderen Fähigkeiten wichtig sind.

The Incredibles ist ein außerordentlicher Film, eine ganze Ecke anders, als die vorigen Pixars, was wohl an der neuen Regie lag, und wohl deren erwachsenster Film. Immerhin besteht die erste der zwei Stunden nach dem Retro-Einstieg der Superhelden in ihrem Golden Age aus dem Kontrastprogramm, uns den aufbauenden Frust dieser besonderen Menschen zu zeigen, wenn sie ein ganz unbesonderes Durchschnittsleben leben müssen. Scheiß Job, einen Arsch zum Boss, fett geworden, streitende Kinder, nervende Ehefrauen, die Furcht er könne fremdgehen. Das ist sicher nichts, was man von einem Pixar so direkt erwarten würde.

Die zweite Hälfte dreht dafür dann auch voll auf, mit viel Action, viel Humor und viel herziger Familienzusammengehörigkeit. Und dennoch, ist das hier alles, obwohl es ja eigentlich um Superhelden geht, die Schurken bekämpfen, irgendwo von Ton her bodenständiger. Und durchaus hier oder da etwas überraschend. Sicherlich, den Großteil des Plots sieht man kommen, bevor es passiert, aber ganz in Klischees lässt sich der Film eben nicht immer ab. Wenn beispielsweise die Tochter das Flugzeug mit dem Schild belegen soll aber es eben nicht im dramaturgisch geschickt letzten Punkt schafft, sondern es getroffen wird und abstürzt. Wenn die Mutter den Kindern sagt, dies hier wäre eben kein Sonntagmorgencartoon und man könne sich darauf verlassen, die Bösewichter würden sie nicht kalt umlegen, dass man hier also wirklich in Gefahr ist, selbst als Super.

Dazu dann noch das ganze Flair des Filmes. Eben irgendwo Retro-Superhelden-Comic-esque. Die rasante Action, die bunten Farben kontrastierend zum grauen Alltag vorher, die Musik nicht unähnlich einem alten James Bond. Das macht Laune.

The Incredibles ist definitiv bisher mein Favorit unter den ersten sechs Pixars, ich find ihn sogar besser, als Finding Nemo. Eben weil er irgendwo so viel „echter“ wirkt, er sich nicht zu schade ist, auch mal Zeiten ohne Action oder Humor aufkommen zu lassen im Familienalltag und die Familie an sich, trotz Superkräfte, fassbarer ist. Das Drama, der unterschwelligere Humor, bissige Seitenhiebe, die Action, einfach ein super Gesamtpacket.