The Story of Perrine

Als ich letztes Jahr meinen WMT-Nostalgie-Post hatte, fand ich es ja sehr schade, dass zwar die meisten der gut zwei Dutzend Serien mal im deutschen Fernsehen liefen, die wenigsten davon allerdings auf DVD erhältlich und jene dann auch teilweise schon wieder out of print sind. Wirklich mehr erschienen sind zwar bis heute nicht, aber die Rechte an so alten Serien zu bekommen ist ja teilweise auch echt nicht einfach, doch zumindest werden die bereits nicht mehr erhältlichen anscheinend nun neu aufgelegt. So sind Perrine und Niklaas mittlerweile in einer Komplettbox für je knapp 20€ erhältlich und auch Marco und Anne werden anscheinend nun in neue Halbserienboxen gepackt.

Für den Preis hab ich mir die Gelegenheit dann doch nicht entgehen lassen und mir Perrine und Niklaas geholt, die letzten 52 Tage über je eine Folge der ersten Serie davon gesehen. Das hab ich damals mit Marco schon so gemacht und irgendwie finde ich lassen sich die Serien so am besten schauen, da man weder so ganz den Anschluss verliert (gut, nach 50 Tagen wird die erste Serienhälfte vielleicht doch langsam ein wenig nebliger), noch übertreibt man es und wird eine so lange Serie leid. Denn langatmig sind die Serien des World Masterpiece Theaters nun Mal unbestreitbar schon manchmal.

In Perrine geht es natürlich um das gleichnamige Mädchen, deren Vater in Bosnien verstorben ist und die sich mit Mutter, Hund und Esel auf die lange Reise nach Frankreich macht, wo der Großvater wohnt, damit die beiden dort unterkommen können. Natürlich wird auch die Mutter früher oder später krank und verstirbt und das Mädchen muss sich die letzten Kilometer alleine durchschlagen, nun auch noch wissend, dass der Großvater eigentlich mit den Eltern gebrochen hat, da er es nicht akzeptierte, dass der Vater in Indien einfach geheiratet hat, statt den vom Großvater geschmiedeten Zukunftsplänen zu folgen. Derweil sitzt jener als alter Mann ziemlich allein in seiner Villa und lässt verzweifelt nach seinem Sohn suchen, um ihn doch wieder nach Hause holen zu können. Perrine fängt sogar an, in dessen Fabrik zu arbeiten, weil sie sich nicht traut, sich dem strengen Großvater zu offenbaren.

Ich muss eingestehen, zunächst war ich nicht so begeistert von der Serie. Am Anfang fehlen mir einfach der Konflikt und die Spannung. Die Reise mit der Mutter geht zum Großteil reibungslos vonstatten und selbst wenn ihnen mal ein kleines Steinchen in den Weg kommt, ist das alles sehr schnell überkommen und die ständige Weichspüler-Einstellung der Mutter ging mir eh mit der Zeit auf den Keks. Wenn die Mutter dann krank wird, dann wird die Serie zum Glück stärker und der Teil, wenn sie in der Heimatstadt des Großvaters angekommen ist, hat mir im Gegensatz zum Großteil der Reise dahin dann wirklich gefallen. Es wird dramatischer und interessanter, sobald die Mutter endlich aus dem Weg ist, ist einfach so. Klar, Perrines ständiges Versteckspiel mit dem Großvater und Gutmenschentum droht hin und wieder mal, auch auf den Nerv zu gehen und Konflikte halten immer noch nicht allzu lang, doch die Serie ist auf der zweiten Hälfte definitiv wesentlich stärker, als in der ersten.

Ganz so toll wie die Odyssee des kleinen Marcos ist also die Reise von Perrine nicht wirklich, ist doch im Direktvergleich in vielen Dingen schwächer. Die erste Hälfte ist nicht so spannend, das Ziel des verschrobenen Großvaters nicht so greifbar wie die Mama, die Hindernisse nicht so hoch, die Charaktere nicht ganz so sympathisch. Nein, den Direktvergleich hält Perrine nicht stand. Eine nette Serie fürs Schauen Zwischendurch und etwas in der Kindheit schwelgen – egal ob man gerade jene hier tatsächlich damals auch gesehen hat – dafür ist sie allemal aber auch gut.

Eine Besonderheit der DVDs ist übrigens, dass sie eine Bonusepisode in Japanisch mit deutschen Untertiteln anpreisen. Nun gestaltet es sich mit der Serie so, dass die deutsche Fassung 52 Folgen zählt, die japanische allerdings 53. Das war ja mal ganz eindeutig genau eine zu viel. Nun ist es aber nicht so, dass man einfach eine Folge komplett rausgeschmissen hat, sondern ähnlich wie um damals Captain Future von 52 auf 40 zu bringen, drei Folgen zusammen genommen, gekürzt und dann wieder in zwei gesplittet hat. Von daher kann man leider nicht einfach eine Folge drauf tun und hat alles, was wir Deutschen nicht bekommen haben, dabei, sondern müsste um die Lücke wirklich zu füllen gleich mehrere nehmen. So ist der Neuwert der Folge dann vielleicht um die 5 Minuten ausgefallen. Aber die Geste zählt, wie es so schön heißt. Wenn das, was dort gesprochen wird, allerdings Japanisch sein soll, dann spreche ich fließend Mandarin.