Saints Row Fo

ava-1440Es sind ja durchaus auch die kleinen Dinge, die mir Saints Row sympathisch machen. Ich erwähne das hier jetzt lieber zuforderst, um Ehrlichkeit zu beweisen: Dazu gehört auch die Tatsache, dass ich die Penisgröße meines Charakters verändern kann. Normalerweise haben Frauen ja ein bis zehn Kreationsoptionen mehr, um ihre Titten in genau die Form zu bringen, die man sich wünscht, was bei Kerlen natürlich flach fällt. Saints Row nennt den Slider einfach nur Sexyness o.Ä. und überträgt ihn auch auf die Kerle. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist natürlich immer noch gewaltig, gibt 100% sexy einer Frau doch Fernkampfzeppeline, während bei einem Kerl bei 50% eigentlich immer noch nix zu sehen ist, 100% immerhin eine moderate Beule verursacht, statt sie Kindskopfgroß zu machen und unkontrolliert durch die Gegend schwingen zu lassen. Aber immerhin, es ist da. Ich find es ja immer etwas arg seltsam anzusehen, wenn alle Männer in Videospielen wie Kastraten aussehen, weil egal wie eng die Kleidung wirkt, untenrum alles flach bleibt. Kein großes Ding (haha!), aber es fällt mir auf. Ich mein, mir ist schon klar, warum sich damit keiner Mühe macht. 90% aller Spiele richten sich immer noch an ein weißes, heterosexuelles, männliches Publikum zwischen 12 und 15, und die haben bekanntlich eine Scheißangst vor fremden Penissen. Anways, wie gesagt, es ist ein kleine Sach (haha!), aber macht mir das Spiel gleich sympathischer, wenn ich in Saints Row 3 und 4 tatsächlich was in der Hose haben darf.

Dass für mich Saints Row: The Third die Überraschung des Jahres war, da ich mit dieser Art Games eigentlich wenig anfangen kann, die Batshit Insanity es aber zu einer der launigsten Achterbahnfahrten überhaupt machte, so dass ich mich einfach nur verlieben konnte, ist ja bekannt. Also rein ins Saints Row IV, die Mini-Lederschorts und Cowboystiefel angezogen, Superheldenmaske aufgesetzt, Ganzköprertattoos nachgestochen, und wir sind bereit wieder auf Steelport losgelassen zu werden!

Oder nicht ganz, wir starten nämlich mit einer Mission, in der wir eine Terroristenzelle des Image wegen zerstören wollen. Was in bester Saints-Row-Manier natürlich darin endet, dass wir an einer im Flug befindlichen Rakete mit Ziel USA rumklettern, um sie aufzuhalten, während die Saints uns dramatisch Abschiedsworte geben, und nichts anderes als Aerosmiths Don’t Want to Miss a Thing spielt. Fuck Yeah!

Die Aktion macht uns natürlich zum Präsidenten von Amerika, immerhin haben wir das Land ja gerettet. Und unser erstes Dekret im Spiel ist die moralische Entscheidung, ob wir mit all unserer Clout für „Fuck Cancer“ oder „Let there be cake“ einsetzen, also Krebs heilen oder Welthunger eliminieren. Durch kommt es leider nicht, denn wir werden von Aliens attackiert, die die Saints in einer VR-Version von Steelport unterbringen – nachdem wir ein paar von ihren in Space-Invader-Formation angreifenden Raumschiffen eliminiert haben natürlich.

Und die Tatsache, dass wir nun in Virtual Reality statt Actual Reality sind, nutzt Saints Row IV vollkommen aus, um noch abgedrehter sein zu können, als dies der nicht gerade sinnige Vorgänger eh schon war. Wir bekommen Superkräfte, die Vehikel dank Supersprint, Superjump und Gleitflug redundant machen, können Blitze, Feuer und Eis werfen, haben Telekinese und einen Ground Stomp. Herrliche Spielsachen. Dazu kommen natürlich noch die gewohnt abgedrehten Waffen wie eine Dubstep-Gun, ein Black Hole Generator, oder der Violator, der diesmal kein Riesendildo ist, sondern ein Tentakel – mit Customisation-Option „Purpurtentakel“.

Haben wir Teile unsere Crew befreit, sind die auf unserem Raumschiff stationiert, wo wir neben der Option sie anzusprechen, auch direkt mit einem Tastendruck die Romance-Option bekommen, die weniger romantisch und mehr „Wanna fuck?“ „Sure thing!“ ist. Missionen, in denen wir ihnen helfen sind dann schon mal ein Saints of Rage Sidescrolling Beat em Up, oder eine Sneaking-Mission, in der wir uns unter Pappkartons verstecken usw. Outfits beinhalten uns wie ein EVA-Pilot oder eine Minecraft-Figur aussehen zu lassen. Im Charakter-Erstellungsmodus bekommen wir neben den üblichen Stimmoptionen auch eine direkt Nolan North gelabelte, weil der ja bekanntlich einen Charakter in jedem westlichen Spiel ever spricht (wäre witzig, wenn es für Japanophile Spieler wie mich auch eine Yuri Lowenthal oder Johnny Yong Bosch Option gäbe).

Sprich was Saints Row IV erneut tut, ist wenig Sinn, dafür umso mehr Spaß zu machen. Durch Sandbox Steelport zu rennen, springen, und fliegen, mit Superkräften und abgedrehten Waffen um sich zu schmeißen, die Nebenmissionen erfüllen, Hacking-Minigames spielen, Towerclimbing betreiben, oder die Hintergrundgeschichte des Bösewichts (herrlich classy Type mit affektierter Stimme und Liebe zur Klassik btw) in Form von Graphic Adventures präsentiert zu bekommen, Tron-esque Challenges zu bestehen, oder CIDs Gaming-Meta-Talk zu hören… es gibt viel zu tun und zu erleben in VR-Steelport, dass man kaum glauben kann, dies hier startete mal als DLC-Projekt, welches nur so groß wurde, dass es zu einem vollwertigen Spiel umgemodelt wurde.

Zwei Dinge haben mir das Spielvergnügen lediglich hier und dort mal etwas getrübt. Zum einen hat das Spiel enorme Probleme was die Framerate angeht. Die Graphic-Settings, die es automatisch einstellt, funktionieren für 80% des Spieles, doch die grafisch intensiveren Sequenzen können plötzlich enorme Einbrüche in der Framerate haben, zu dem Punkt, wo Dinge gar nicht durchführbar sind, weil die Spielfigur zu langsam wird. Die Settings runterzuschrauben oder Screen Resolution zu verringern funktioniert, um dies zu beheben, jedoch ist es immer nervig, in solch eine Sequenz zu geraten. Außerdem mochte ich die Missionen nicht sonderlich, in der ein Turm zerstört werden muss, in dem eine Taste gehalten wird, bis sich eine Leiste gefüllt hat – wird man währenddessen von einem Gegner beschossen wird die Aktion allerdings ausgecancelt, und das Spiel neigt dazu, endlose Gegner-Spawner ins Areal zu setzen. Das war mehr nervig denn knifflig.

Ansonsten ist Saints Row IV noch mehr Action und Irrsinn und schlichtweg Balls-to-the-Wall Fun, denn Saints Row: The Third eh schon war, und ich war natürlich mal wieder von der ersten bis zur letzten Minute begeistert.

Put in your tampons and let’s do this

Ich fahr also mit meinem gepimpten Ride auf Höchstgeschwindigkeit durch die Straßen, das die Fußgänger und Rollerfahrer nur so fliegen, dazu „Ritt der Walküren“ im Radio laufend. Werden die Bullen doch mal auf mich aufmerksam, dann steigt mein Kerl mit tiefer, australischer Russel Crow Stimme und im Cowboy-Stipper-Outfit halt einfach mal schnell aus und zieht ihnen eins mit dem Riesendildo über. Wenn ich besonders fancy sein will, geht’s auch mal mit Panzer, Heli oder Jet durch die Gegend, zieh mir den Hasenstrampler an und bin mit einer Knarre bewaffnet, die Leute zum Ziel von Landhaien macht.

Die Missionen beinhalten beispielsweise den Sturm auf einen BDSM-Club, der in einer Verfolgungsjagd inklusive wilder Schießerei auf menschlichen Pferdekutschen endet. Oder ich fahr einen Tiger auf dem Beifahrersitz spazieren. Passiert auch, dass wir einen Computer hacken, in dem wir als Toiletten-Avatare durch eine Tron-Welt wuseln und ein Textadventure durchklicken müssen. Und dann, weil’s ja eh in jedes moderne Spiel gehört, gibt es ganz aus dem Blauen ne Zombie Apokalypse. Ernsthaft, von einer Sekunde auf die andere. Zunächst spring ich noch aus einem Jet, propeller wie eine menschliche Kugel in ein Militärflugzeug, um es zur Explosion zu bringen, springe in einem Tank ab und schieß die mir folgenden Kampfjets nieder und nachdem ich in einem Regen aus toten Soldaten wieder auf dem Erdboden aufgeschlagen bin, tritt ein seltsames Gas aus und reanimiert alle als Zombies. Madness, this is. Ach ja, die Sache resultiert darin, dass man Zombie-Homies für die eigene Gang bekommen kann.

Worüber ich hier überhaupt rede? Saints Row: The Third, einem Sandboxy GTA-esquen Spiel. Die Serie hat mich nie interessiert, weil ich mit Sandbox-Games einfach nichts anfangen kann und in Shooter-esquem Gameplay auch total versage. Das Problem bei mir ist immer, wenn man mir keine klaren Ziele setzt, setz ich mich mitten in die Sandkiste und mache einfach gar nix. Auf The Third hat mich dann jemand allerdings aufmerksam gemacht ob der schieren Madness im Spiel. Wo L.A. Noire und Mafia II bierernst sind und selbst das mit vielen illustren Vorgängern versehene GTA4 relativ seriös bleibt (in seiner Haupthandlung zumindest, im Sandbox-Teil kann man zwecks Natur der Sache natürlich so einiges veranstalten), ist sich Saints Row: The Third nicht zu schade, einfach absolut durchgeknallten, kindischen und super unterhaltsamen Blödsinn zu bieten.

Ja, man kann die ganzen üblichen Sachen machen, wie in Drogenhandel und Prostitution einsteigen und die Stadt langsam unter die eigenen Fuchtel bringen, in dem man die feindlichen Gangs bekämpft. Aber wie die Eingangsparagraphen gezeigt haben, ist The Third wenig damit beschäftig, dies alles in eine ernste und zusammenhängende Handlung zu bringen, und stattdessen einfach ein cooles Setpiece oder dementes Unterfangen an das nächste zu hieven. Ein Feuerwerk an Ideen, schafft es das Spiel, einen doch immer wieder zu überraschen und ein neues WTF zu entlocken.

Ich hatte auf jeden Fall selten so einen Spaß in einem Spiel, wie hier. Dazu kommt auch noch eine sehr gefällige Audiovisuelle Seite mit den vielen Farben und Color Coding bei den Gangs und der coolen Mucke inklusive natürlich selbst wählbarer Radiosender in allen Stilen der Musikbranche. Die echt gut geschrieben, super vertonten und charmant-witzigen Dialoge runden das Packet dann ab.