Junji Ito Collection

Mensch die Zeit vergeht ja wirklich wie im Fluge, wenn man alt ist. Da ist es doch tatsächlich bereits 2012 gewesen, dass ich mich durch einige der Manga von Junji Ito gelesen haben. Darunter vor allem seiner bekanntern und längeren wie Tomie, Uzumaki und Gyo. Aber auch ein paar Bände seiner Kurzgeschichtensammlungen, wo die Storylines je nur ein Kapitel einnehmen.

Ich hatte damals gesagt, dass mir Junji Ito tatsächlich in der Kurzform gefälliger ist, als in Langform. Meiner Meinung nach eignen sich seine schrägen Ideen immer mehr dafür, nur kurz aufgezeigt zu werden und den Leser dann ohne Erklärung stehen zu lassen. Bei seinen längeren Werken hingegen kommt es oft zu seltendämlichen Erklärungsversuchen und/oder es werden immer schrägere und schrägere Ereignisse oben aufgeladen, bis ich irgendwann so ein wenig raus bin. Hellstar Remina zum Beispiel hat mir gut gefallen, so lange es darum ging, die menschlichen Abgründe zu zeigen, wenn alle kollektiv mit dem nahestehenden Tod konfrontiert werden… als Leute dann plötzlich bis in die Stratosphäre springen konnten, war ich dann aber raus.

Jedenfalls sollte die 2018er Netflix-Serie Junji Ito Collection genau mein Ding sein. Zumindest vom Konzept her. Immerhin wurden hier seinen Kurzgeschichten für die einzelnen Episoden aufgegriffen. Jeweils sogar zwei, mal teilen die sich die Laufzeit, mal nimmt eine fast die ganze Folge ein und die zweite ist nur ein kurzminütiger Epilog. Es kann also auch nicht Gefahr gelaufen werden, dass die Geschichten überstrapaziert und verwässert werden, weil plötzlich 20 Seiten Manga ganze 25 Minuten Episode füllen müssen, sondern das individuell anpassbar war. Alle Zeichen stehen also auf Erfolg.

Etwas fragwürdig ist es allerdings schon, dass der Großteil der ersten Folge von einer Souichi Storyline eingenommen wird. Ein schräger Schüler, der auf Okkultes steht, und Leute dadurch auch manipuliert, aber eher eine Witzfigur darstellt. Nun würde ich sagen, dass Junji Itos Storylines eh nicht vornehmlich Horror sind. Lasst mich das erklären. Meiner Meinung nach sind Itos Geschichten mehr „Schaut euch dieses merkwürdige Ereignis an“, nur dass die Ereignisse häufig mehr oder minder stark urmenschliche Ängste ansprechen. Aber er scheint mir immer mehr darum bemüht schräge Sachen zu zeigen, statt immer direkt darum bemüht eine Horrorgeschichte zu fabrizieren. Letztendlich hat er ja auch ein paar Comedy-Strips gezeichnet, inklusive dem Yon & Mu Manga über das Leben mit seinen Katzen. Jedoch kennt jeder Junji Ito immer nur als den Horror-Typen. Von daher finde ich es schon etwas merkwürdig die Serie ausgerechnet auf einer der humoristischeren Geschichten zu beginnen. Und auch nicht unbedingt einer der besten, meiner Meinung nach. Die Souichi Stories, von denen drei in den 12 Episoden animiert wiedergefunden werden, sagten mir zumindest alle nicht sonderlich zu.

Das ist natürlich allerdings auch zu erwarten. Immerhin werden insgesamt 26 einzelne Geschichten aufbereitet, zwei pro Folge plus zwei nachgeschobene Tomie-Specials. Das dort nicht immer was dabei sein muss, was gefällig ist, ist klar. Zumal die Geschichten wie gesagt zwar immer etwas Unheimliches oder zumindest Übernatürliches an sich haben, ansonsten aber sehr divers sind. Eben eine Collection merkwürdig-unerklärlicher Ereignisse darstellen. In Fashion Model wird eine Crew schon mal von einem Menschenfressenden Monster durch den Wald gejagt. Long Dream hingegen beschäftigt sich mit Leuten, die über endlose Träume eine neue Entwicklungsstufe und eventuell ewiges Leben erlangen. In Cloth Teacher verwandeln sich Leute plötzlich in überzeichnete Karikaturen ihrer selbst, in Slug Girl ein Mädchen in eine Schnecke.

Interessant sind die alle irgendwo. Wenn auch manche mehr auf der konzeptionellen Ebene nette Einfälle und in der Umsetzung dann doch nicht so packend sind. Für mich funktionierte grundsätzlich sowieso häufig der kosmisch-existentielle Horror und Body Horror. Plötzlich überall ständig größer werdende Löcher am Körper zu entwickeln, durch die man sogar die Luft ziehen spürt? Bei jedem Einschlafen länger und länger wegbleiben und irgendwann gar nicht mehr aufwachen zu können? Und ja, auch sich langsam in eine Schnecke zu verwandeln, besonders, wenn die einem aus dem Rachen zu kommen beginnt.

Wobei ich davon ausgehe, dass genau die gleichen Geschichten im Manga besser kommen. Tatsächlich kannte ich noch keine davon, scheinbar waren die nicht in den Bänden, die ich in 2012 von ihm gelesen habe. Was bei der Serie an sich jedenfalls auffällt ist, dass sie schlecht animiert und häufig nicht sauber gezeichnet ist und in den Szenenkompositionen oft der knackige Punch fehlt. Sie leben davon, dass das jeweilige Handlungskonzept an sich schon schrecklich genug ist, ohne der Atmosphäre mit großen cineastischen Stilmitteln beizuhelfen. Und wenn ich mich an eine Sache aus den Ito-Mangas erinnere, dann dass sie voller grausig-detaillierter Zeichnungen sind und die Panel-Abfolge mit packenden Reveals und gutem Fluss daherkommen. Die Serie an sich ist hingegen leider sehr Standard umgesetzt.

Sakura Wars Su-Mi-Re

2002 war ein schweres Jahr für Sakura-Wars-Fans. Im Frühjahr wurde das Dreamcast vom vierten Teil zu Grabe getragen. Ein fast wie eine Fandisk wirkendes Spiel, welches eindeutig einen Schlussstrich unter die Sega-Konsolen wie auch die Handlung von Oogami und seiner Mädels-Truppe setzte. Wie genau es weitergehen sollte war ungewiss. Und dann verabschiedete sich auch noch die Sprecherin von Sumire aus dem Business, und mit ihr der Charakter an sich.

Man muss hierbei bedenken, wie beliebt die Mädels in diesen Spielen sind. Reihen wie Tokimeki Memorial und Sakura Wars machten ordentlich Kohle über ihre Spiele an sich. Sicherlich. Aber sie setzten auch unglaublich viel an Merchandising um, wesentlich mehr als andere Videospielserien der 90er. Und es lies sich ein und dasselbe Merchanidsing-Gut auch durchaus mehrmals verkaufen, jeweils unter dem Branding eines anderen Hauptcharakters. Spieler hatten ihre Lieblings-Waifu und kauften sich dann alles, wo deren Gesicht draufgeklastscht war. Zusätzlich waren die Rollen stark verwoben mit ihren Sprecherinnen. Die waren der Charakter. Im Falle von Sakura Wars gab es sogar Live Shows, zu denen sie im Cosplay die entsprechenden Themes aus den Spielen sangen, und die selbst noch stattfanden, nachdem es keine neuen Spiele mehr gab.

Mit Michie Tomizawa sollte aus dem Business eine Größe aussteigen. Sie war die Sprecherin von Rei/Sailor Mars im ursprünglichen Sailor Moon Anime. Hatte Rollen in Project A-Ko, Bubblegum Crisis und Kickers. War die japansiche Stimme von Pamela Anderson in Baywatch. Und mit Sumire eine der ursprünglichen fünf Frauen in Sakura Wars. Dadurch, dass die Sprecherinnnen so mit ihrer Rolle verbunden sind, konnte man sie natürlich nicht einfach ersetzen. Also entschloss man sich dazu, Sumire an sich  ebenfalls in Rente zu schicken. Mit einer Ende 2002 herausgekommenen OVA-Episode, passend betitelt Sakura Wars Su-Mi-Re: Sumire Kanzaki Retirement Special.

Allzu viel sollte von der OVA nicht erwartet werden. Es ist keine dreiteilige Serie, bei der noch mal ein letzter großer Kampf gegen einen Dämonen stattfinden, über den Sumire ihre spirituellen Kräfte aufbraucht. Um dann eine letzte große Bühnenshow mit allen andern Heldinnen mit abschließendem Solo zu haben und sich zu verabschieden. Es ist nur eine Folge von 25 Minuten. In der wir schnell erfahren, dass Sumire ihre Kräfte verliert, also nicht mehr in einem Steampunk-Mecha kämpfen können wird, und deswegen beschließt, das Imperiale Theater komplett zu verlassen. Es kommt zu ein paar reumütigen Gesprächen, in denen sie ihren Mitstreiterinnen noch ein paar Tipps auf den Weg gibt. Und dann darf sie einen Song auf der Bühne singen und sich von allen feiern und verabschieden lassen.

Nein, viel gibt das Special tatsächlich nicht her wenn man es genau betrachtet. Es ist noch nicht mal besonders gut animiert. Oder Sumires Song ein besonders guter, den man eh nur in Auszügen statt komplett mitbekommt. Hier hätte wirklich mehr raugeholt werden können. Mein erwähntes Konzept für einen Dreiteiler klingt für mich zumindest interessanter, als ein paar tränenreiche Gespräche und einen halben Song hinzuklatschen und das war es. Zudem ist die Sache selbstverständlich arg übertrieben rührseelig umgesetzt und wer diese Charaktere nicht bereits von den Spielen her kennt, dem bringt die OVA sowieso mal rein gar nichts.

Aber das ist schon berechtigt so. Es ist eben das Retirement Special für einen Charakter. Da darf man ruhig mal rührseelig werden. Und das intendierte Publikum sind die Fans der Reihe und des Charakters an sich, es darf davon ausgegangen werden, dass keiner die OVA kauft, der nicht schon Vorwissen über die Spiele mitbringt. Das nicht viel Arbeit reingesteckt wurde, ist etwas schade. Lässt das zynische Gefühl aufkommen, bevor der Charakter nicht mehr verwendet werden kann, weil die Sprecherin geht, noch mal schnelles Geld abschließend aus ihrer Vermarktung zu schlagen. Jedoch ist das Herz zumindest bei den Sprechern am rechten Fleck. Wenn Sumire gegen Ende ihre Abschlussrede gegenüber des Theaterpublikums hält, darüber wie dankbar sie ist, dass ihr die Treue gehalten wurde, und das sie hofft das man den Rest der Truppe auch weiter unterstützt, dann funktioniert das. Weil die Sprecherin an sich sich hierdurch auch von ihren Fans verabschiedet. Und weil die Zukunft von Sakura Wars ungewiss war und keiner wusste, wie es mit den anderen Charakteren weitergehen wird.

Wie sich herausstellte war Michie Tomizawa allerdings nicht lange weg. Bereits wenige Jahre später nahm sie wieder neue Sprecherrollen an und war auch bei den Abschiedsversanstaltungen der Sakura Wars Live Shows wieder dabei. Sie übernahm sogar erneut die Rolle der Sumire im 2019er Shin Sakura Wars. Dennoch ist die OVA eine gute Zeitkapsel dahin, wie beliebt und vermarktbar die einzelnen Charaktere der beliebtesten Dating Sims in den 90ern und frühen 2000ern bereits waren. Was für ein großes Ding das Genre an sich war und wie besonders sich eine Rolle als Sprecherin eines Hauptcharakteres zu sichern.

Rumic World II: Laughing Target & Mermaids

Rumiko Takahashi ist mehr für ihre Romanzen und Komödien bekannt. Einen gewissen Touch beider Dinge scheint zumindest allen ihren bekannten Geschichten innezuwohnen. Doch die Frau kann auch Horror, wie sie beispielsweise in der Kurzgeschichte Laughing Target zeigte, oder auch in ihrem dreibändigen Mermaid Saga.

Yuzuru ist ein bei den Mädels an seiner Schule nicht ganz unbeliebter Teenager, hat aber bereits eine Freundin in Satomi, mit der er zusammen im Bogenschießklub ist. Die ist wohlweislich nicht so begeistert, als Yuzuru nebenbei erwähnt, dass von nun an seine Verlobte bei ihm wohnen wird, von der sie noch nie was gehört hat. Ist nämlich so, dass Yuzuru und seine Cousine Azusa sich als kleine Kinder versprochen wurden, weil die Mutter von Azusa und Oberhaupt der Familie darauf bestand. Das ist so viele Jahre her, dass sich Yuzuru nicht vorstellen kann, Azusa würde das noch für voll nehmen. Tut die aber ungemein.

Das Setup von Laughing Target klingt zugegeben auch absolut danach, als hätten wir es mit einer typischen Verwechslungkomödie von Takahashi zu tun, diese Charakterkonstellation könnte so auch aus Ranma 1/2 stammen.

Stattdessen ist das hier aber eine Horror-Geschichte. Sehen wir schon direkt am Anfang, denn eigentlich startet die OVA mit einem Stimmungsvollen Rückblick, in dem Azusas Mutter panisch das Haus durchsucht, während wir Azusa als Kleinkind auf ein Geisterumwobenes Grabmal zukommen sehen, endend in einer Vision der Mutter einer dämonenbesessenen Azusa, die sich dann doch in das lachend-spielende Kind wandelt. Übrigens die einzige Szene im Anime mit dem Titel Laughing Target, in dem Azusa lachen wird.

Die restliche Zeit, sobald Azusa wieder im Leben von Yuzuru angekommen ist, besteht daraus, dass Satomi etwas grantig ist, weil er keine Klarheit schafft, während Azusa eindeutig eifersüchtig ist und mit zunehmenden warnenden Attacken Satomi langsam in die Verzweiflung treibt. Dazu kommt noch der eine oder andere Rückblick, wie das Azusa als Kind beinahe von einem Jungen vergewaltigt worden wäre, ihn jedoch mit einem Stein erschlug und dämonische Verbündete die Leiche fraßen, oder wie sie ihre Mutter beseitigte, als diese sie erwürgen wollte, nachdem der klar wurde, dass Azusa besessen ist. Das soll wohl etwas Sympathie für Azusa wecken, die zu Beginn der OVA auch immer mal wieder versucht sich gegenüber Satomi zu zügeln. Aber teilweise verwirren sie ein wenig die Timeline, wann und warum Azusa jetzt wirklich besessen wurde und wie diese Inbesitznahme sich nun genau gestaltet.

Die OVA bewegt sich auch mal wieder sehr langsam. Es ist eben schon stark merklich, dass die in Rumic World zusammengefassten Storys nur One-Shots von einem einzelnen Kapitel sind. Ein paar Dutzend Seiten Manga füllt nicht gut satte 50 Minuten in der animierten Rumic World von Studio Pierrot aus. Laughing Target kommt hierbei gegenüber Fire Tripper und Maris the Chojo noch am stringentesten rüber, so als langsam schleichender Horror, doch hätte ähnlich anmutende Szenen auch durchaus gern ein bisschen weniger häufig wiederholen können.

Besonders gut für die Atmosphäre ist aber definitiv die ambitionierte Präsentation, welche die sehr gewöhnliche und simple Handlung etwas aufwertet. Die vorigen beiden OVAs hatten schon ein paar sehr gute Szenenkompositionen, und Laughing Target dreht hier noch mal auf. Vor allem natürlich auch in den alptraumhaften Rückblicken oder den Attacken von Azusa. Aber auch das ein Großteil der Szenen in Blautönen gehalten ist, bringt dann das aufblitzen von rotem Blut beispielsweise gut zur Geltung. Auch zwei sehr gute Insert Songs sind wieder mit von der Partie, besonders der unheimliche Liebessong wenn Azusa bei Yuzuru auftaucht.

Die Mermaid Saga gehört als Manga nicht in die Rumic World, immerhin ist es kein One-Shot, sondern füllt ganze drei Bände. Konzeptionell ist es allerdings nicht unähnlich, da auch hier in jedem Kapitel eine eigene Episode erzählt wird, die Thematik nur zwischen ihnen konstant ist und die beiden Hauptcharakter gleich bleiben. Einem solchen Kapitel, Mermaid Forest, wurde sich dann von Studio Pierrot in den üblichen 50 Minuten angegangen, weswegen die OVA-Variante dann doch zu deren Rumic World Line-Up zählt. Die zwei Jahre später umgesetzte OVA Mermaid Scar hingegen stammt von Studio Madhouse, ist also nicht mal als Anime eine Rumic World Geschichte. Passt hier aber trotzdem, also sprechen wir auch darüber.

Dabei geht dies hier auf die japanische Mythologie um Ningyo zurück, die häufig nicht wie die verführerischen Sirenen der westlichen Literatur dargestellt wurden, sondern einen monströsen Oberkörpfer oder gar nur Kopf mit einem Fischschwanz verbanden. Rumiko Takahashi kulminiert das ein wenig darin, dass die für uns traditionellen hübschen Meerjungfrauen sich eben auch in ein Monster verwandeln können. Und behandelt vor allem die japanische Legende, dass ihr Fleisch zu essen unsterblich macht.

Deswegen werden sie natürlich gern gejagt und getötet, um endlich die Unsterblichkeit erlangen zu können, bzw. sogar lebendgelassen eingesperrt, um es nach Belieben aus ihnen herausschneiden zu können. Was den Meerjungfrauen eine tragische Komponente geben würde, wenn sie jemals eine Figur in diesen Geschichten wären, doch Mermaid Forest und Mermaid’s Scar präsentieren sie mehr wie die nicht greifbaren mythologischen Wesen und erzählen stattdessen lieber Geschichten von menschlichen Drama, die durch sie verursacht werden.

Hier ist auch wichtig zu wissen, dass das Fleisch einer Meerjungfrau giftig ist. Nur wenige Menschen überstehen dessen Konsum unbeschadet, die meisten sterben entweder oder werden zu Monstern. Yuta beispielsweise hat Jahrhunderte einsam die Erde bewandert, bis er endlich mit Mana eine ander Unsterbliche traf. Die beiden sind dann auch, zusammen mit der Unsterblichkeitslegende, das Bindeglied der Kapitel in Mermaid Saga. Denn nachdem Yuta so lange niemand anderen angetroffen hat, scheinen die beiden plötzlich nirgendwo mehr hinreißen zu können, ohne auf Leute zu treffen, die Meerjungfrauenfleisch gekostet haben.

In Mermaid Forest wäre da beispielsweise Towa, deren Zwillingsschwester Sawa der Todkranken in der Jugend Meerjungfrauenblut zu trinken gab. Über die letzten Jahrzehnte ist Towa auch tatsächlich nicht gealtert, bekam aber eine Monsterklaue gewachsen, die sie regelmäßig mit den Händen verstorbener Mädchen auswechselt. Sie ist besessen davon, die Meerjungfrau zu finden, der Sawa das Blut entnahm, die möchte das Familiengeheimnis aber nicht teilen. Bis Towa versucht ihren Kopf auf den Körper von Mana verpflanzen zu lassen, und Sawa doch Skrupel davor hat, ein lebendiges Mädchen umzubringen (auch Unsterbliche überleben eine Köpfung nicht). Doch Towa möchte das Meerjungfrauenfleisch gar nicht für sich, sie wollte nie unsterblich sein und war mit ihrem Leben zufrieden. Nein, sie möchte das Sawa davon isst, damit sie zur Strafe zu einem Monster wird, denn Sawa gab ihr damals nur das Blut, um zu testen, ob die Unsterblichkeit wirklich bei den Zwillingen funktionieren kann.

In Mermaid’s Scar treffen Yuta und Mana stattdessen auf den kleinen Jungen Masato, der frisch zu seiner Mutter in ein abgelegenes Anwesen zieht. Was zunächst so aussieht, als würde er von ihr misshandelt werden, hat aber ganz andere Gründe. Masato ist unsterblich, da sich als Kind aber schlecht alleine durch die Gesellschaft manövriert werden kann, bietet er regelmäßig Frauen das Meerjungfrauenfleisch an, um sich Kompagnons zu züchten. Die sterben aber häufig nach einigen Jahrzehnten bereits und Masato zieht weiter. In Mana meint er jetzt eine permanentere Lösung gefunden zu haben.

Die ruhige und gemächliche Vorgehensweise funktioniert hier für mich erneut eindeutig besser, denn es geht eben mehr um das menschliche Drama statt um den Horror in den Geschichten. Wobei es eindeutig tonal Unterschiede zwischen den beiden OVAs gibt, denn Mermaid’s Scar geht zügiger voran, bietet mehr Action als das langsam entfaltende Familiendrama von Mermaid Forest, welches in der ersten Hälfte wieder viel dahin mäandert. Scar sieht auch schicker aus, wobei Madhouse auch gar nicht sonderlich versucht hat, das Original-Charakterdesign einzufangen.

Rumic World I: Fire Tripper & Maris the Chojo

Rumiko Takahashi ist hauptsächlich durch ihre endlos langen Serien bekannt, von denen sich ihre komplette Karriere hindurch eine an die andere reihte. Von 1978 bis 1987 lief Urusei Yatsura in 34 Bänden, 15 Bände Maison Ikkoku nebenbei, bis 1996 dann Ranma 1/2 in 38 bänden, gefolgt von 56 Bänden Inuyasha bis 2008, abschließend mit 40 Bänden Rin-ne konkludierend in 2017.

Dazwischen hat die gute Frau aber durchaus auch kürzere Serien erschaffen. Beispielsweise One Pound Gospel oder die Mermaid Saga, die jeweils nur wenige Bände einnehmen. Und noch kürzer sinde ihre Oneshots, die hier und dort mal als ein Kapitel erschienen waren, und irgendwann in Anthologie-Bänden zusammengefasst wurden. Teils als Rumic World, teils als Rumiko Takahashi Anthology, teils as Rumic Theatre bekannt. Auch diese Nebenprojekte haben teils ihre Anime-Adaptionen erhalten, denen ich mich jetzt mal widmen will. Den Anfang machen die tatsächlich ebenfalls unterm Rumic World Label erschienenen OVAs aus den 80ern und frühen 90ern. Direct-to-Video in je ca. 50 Minuten erschienen.

Fire Tripper startet im feudalen Japan, als ein Dorf von Räubern überfallen und in Brand gesteckt wird. Die Kleine Suzu, gerade als ein brennender Pfeiler auf sie herabstürzt, löst sich vor den Augen ihres großen Bruders Shukumaru in Luft auf. Es hat sie ins moderne Japan teleportiert, wo sie von einer Familie adoptiert wird und ihre kurze Zeit in der ursprünglichen Heimat vergisst. Bis Suzuko 17 Jahre ist, und auf dem Nachhauseweg mit dem kleinen Nachbarsjungen Shu in die Explosion eines Gastanks gerät.

Sie teleportiert es zwischen die Toten auf einem Schlachtfeld der Sengoku-Ära. Dort gabelt sie niemand anders als Shukumaru auf, der ziemlich schnell beschließt, dass er sie heiraten wollen wird. Suzuko hingegen ist eher damit beschäftigt, herauszufinden, ob Shu noch am Leben ist. Doch sie freunden sich über die nächsten paar Tage miteinander an, und Suzuko sieht ein, dass sie es wesentlich schlechter als Shukumaru treffen könnte, wenn sie schon in dieser Ära gefangen ist. Da macht es klick bei ihr und sie realisiert, dass sie die kleine Schwster von ihm ist, gerade an dem Tag, an dem die Räuber das Dorf überfallen, sie also ursprünglich in die Zukunft reiste.

Das macht sie erneut, diesmal mit Shukumaru im Schlepptau. Der will aber nicht in der Moderne verweilen, weil sein Dorf ohne ihn wirklich aufgeschmissen wäre, und weil er seinem Adoptivvater so viel schuldet. Da macht es bei Suzuko erneut klick. Als sie mit Shu in die Explosion geriet, wurde Shu zehn Jahre früher in die Sengoku-Ära versetzt als sie. Shukumaru ist der ältere Shu, und sie sind gar nicht Blutsverwandt. Steht also nichts mehr dem im Wege, da es genau der Tag des Unfalles ist, sich erneut explodieren zu lassen und zusammen in einer der kriegerischsten Zeiten der Geschichte Japans glücklich als verheiratetes Paar zu leben.

Ich möchte fast sagen, dass Fire Tripper etwas überstrapaziert ist mit 50 Minuten, auch wenn die zugrundeliegende Idee eine interessante ist. Ich mein, dass ist ja nun wirklich keine sonderliche lange Laufzeit, aber mir war Suzuko doch ein wenig zu passiv, um mich so richtig zu scheren, bis dann die ganzen Zeitreiseverwürfnisse übernehmen und die OVA an Fahrt gewinnt. Allgemein ist Takahashis übliche Boy vs Girls Comedy stark zurückgefahren hier, die beiden kabbeln sich zwar mal, der richtige Humorschlag will aber nie kommen. Aber hey, die Songs zum Opening und Ending sind echt klasse! Und die OVA ist jetzt auch nicht direkt schlecht, sondern halt nur etwas arg Standard würde ich mal sagen.

Ein Jahr später erschien dann Maris the Chojo, orginär auch als Supergal bekannt. Titelheldin Maris hat nicht unbedingt das beste Leben. Als sie noch ein Kind war, explodierte ihr Heimatplanet, weswegen ihre Rasse floh und sich über das Universum verbreitet hat. Dummerweise sind Thanatosiden aber superstark, müssen beständig restriktive Ausrüstung anhaben, damit sie buchstäblich nicht alles versehentlich klein hauen. Das funktioniert aber nicht immer so gut.

Ihr Alkoholiker-Vater und trottelige Mutter beispielsweise vergessen die gern mal, was zu ungewollten Kollateralschäden führt, für die Maris aufkommen muss. Und sie selbst, nachdem sie sich zuerst über Damen-Wrestling durchgeschlagen hat, nun bei der Special Police als Agentin unterwegs, hat ebenfalls bereits mehrere Raumschiffe auf dem Gewissen, ist selbst nach jeder Mission pleite, weil sie genug kaputtmacht, so dass sich ihre Gage wieder auflöst.

Doch aktuell hat sie vielleicht den Jackpot gezogen. Denn der hübsche Sohn eines Reichen ist entführt worden, und die Special Police setzt sie darauf an, ihn zu befreien. Maris verliebt sich natürlich sofort in das ganze Geld des Erbens, doch muss herausfinden, dass die Entführerin eine alte Rivalin aus dem Damen-Ringen ist. Und dann verliebt sich der Kerl auch noch in die statt Maris!

Ziemlich klar, dass wir es hier mit einer reinen Komödie zu tun haben. Die Handlung ist nur die Ausrede dafür, warum Maris überhaupt einen Finger krumm machen muss, und für die 50 Minuten auch eher dürftig, weswegen Maris in der ersten Hälfte erst mal eher unzusammenhängende Dinge erleben darf. In einer Welt, in der jeder ein Idiot zu sein scheint, und keiner wirklich als der Gute bezeichnet werden kann, weil jeder seine eigenen Motive hat. Unterhaltsames kleines Ding. Erneut nicht besonders, aber ganz brauchbar schon. Und auch hier: Die diversen Insert Songs sind das eigentliche Highlight.

Nostalgic Anime Week: Angel’s Egg

Zurück in die Frühzeiten der von mir geschauten Anime, diesmal mit einem der ersten, die ich über Fantsubs gesichtet habe, da der limitiert releaste Indie-Film anders nicht verständlich zu bekommen war, nachdem diverse Quellen ihn mir schmackhaft gemacht hatten.

Bei Angel’s Egg handelt es sich um eine OVA von unserem Anime-Auteur Mamoru Oshii, und eines seiner frühesten Werke. Nachdem er über die Adaption von der Romcom Urusei Yatsurei ins Business einstieg, dort den konventionellen ersten und alles andere als konventionellen zweiten Film Beautiful Dreamer ablieferte, erschuf er mit Dallos die allererste OVA. Um kurz darauf zusammen mit Charakterdesigner Yoshitaka Amano das leider alles andere als erfolgreiche aber zu einem Arthouse-Klassiker avancierende Angel’s Egg zu gebären. An allen Ecken und Enden voller Symbolismus, geprägt von einer Glaubenskrise des japanischen Christen Oshii, ein Film der wenigen Worte und noch weniger Charaktere. Ein audiovisuelles Erlebnis, von dem selbst Mamoru Oshii in Interviews behauptet, nicht vollkommen zu wissen, was er bedeuten soll.

Wir beginnen mit der Großaufnahme von Kinderhänden, die gut durchanimiert gestikulieren, plötzlich zu denen eines Erwachsenen werden, der die Faust zusammendrückt, begleitet vom Geräusch etwas Zerplatzenden.

Szenenwechsel. Ein junger Mann steht in einer postapokalyptisch anmutenden Szenerie, mit einem riesigen Ei, durch dessen Transparenz ein Vogelembyro zu sehen ist, auf einer Baumkrone. Eine Kugel, die wie ein mechanischer Augapfel erscheint, schwebt aus den Wolken herab. Bei Nahaufnahme sehen wir, dass es mit Statuen von Betenden bestückt ist.

Erneuter Szenenwechsel, diesmal beginnen wir wirklich den narrativen Fanden, soweit man das bei diesem Film behaupten kann. Ein Mädchen erwacht. Neben einem Ei. Und macht sich auf die Reise mit jenem. Diese wird sie nach einem Marsch durch die Natur auch in eine Altstadt führen, die verlassen scheint. Manchmal rennen aber Schwadrone von schattenhaften Figuren mit Speeren durch die Straßen, vor denen sie sich versteckt. Einer Prozession an Panzern entsteigt der junge Mann vom Beginn und schließt sich ihr an. Fasziniert ist er mit der Frage, was in dem Ei ist, welches das Mädchen so behütet, die ihm darauf allerdings keine Antwort gibt.

Zumindest nicht, bis nicht gegen Ende der Reise der beiden der junge Mann ihr die biblische Geschichte der Sintflut erzählt. Allerdings mit einem anderen Ausgang. Denn der Vogel kehrte nie zur Arche zurück. Deswegen wurde auf ihr verweilt, bis die Existenz des Vogels oder einer Außenwelt vergessen war, ja die Überlebenden nicht mehr wussten, wer sie überhaupt selbst sind. Daraufhin meint das Mädchen den Vogel gefunden zu haben, zeigt ihm das Fossil eines Engels, und meint einen neuen aus dem Ei auszubrüten.

Der junge Mann zerbricht das Ei, das Mädchen schreit, wirft sich ins Wasser, wächst zu einer jungen Frau, und die Welt ist plötzlich von Eiern übersäht, während neben den Statuen der Betenden auf dem mechanischen Auge auch eine des Ei-behütenden Mädchens erscheint. Beim langsamen Zoom in den Himmel sehen wir, dass all dies auf einer kleinen Insel im weiten Ozean stattfand.

Wie gesagt ist es nötig, sich einige Dinge um die Erschaffung dieses Werkes in Erinnerung zu rufen. Die viele christliche Symbolik kommt nicht von irgendwo, denn Oshii war gläubiger Christ und zur damaligen Zeit in einer spirituellen Krise, die er verarbeiten wollte. Seine Kenntnisse reichen also über das übliche „Ich hab mal irgendwann Paradise Lost gelesen“ hinaus. Und da er den Film zusammen mit Amano alleinig ausarbeitete, redete ihm niemand rein. Aber nicht zuletzt auch wichtig ist einfach, dass er wiederholt zu seinem Schaffungsprozess die Prioritätenliste wie folgt angab: Zuerst das Visuelle, Handlung zweitrangig, Charaktere an hinterster Stelle.

So kommt dann auch ein Film wie Angel’s Egg zustande. In dem die Charaktere die meiste Zeit schweigen, keinerlei Gefühlsregung zeigen, bei denen aber doch so viel impliziert zu sein scheint. Der junge Mann erzählt die Sintflutgeschichte genauso unterkühlt wie alles, dennoch schwingt dort eine große Hoffnungslosigkeit mit, die das Mädchen scheinbar mit dem Aufzeigen neuer Hoffnung im Ei aushebeln will, was seine Obsession jedoch nur zu vergrößern scheint und der letzte Push ist, dass Ei zu zerbrechen. Ein Film, bei dem jedes einzelne Bild voller Symbolik zu sein scheint, von denen man aber nie weiß, was sie genau aussagen will. Das Mädchen trägt das Ei unter ihrem Kleid wie einen Schwangerschaftsbauch, wann immer wir es aus der Sicht vom jungen Mann sehen, dem sie zunächst nicht traut, scheint sie merkwürdig sinnlich, und nachdem er das Ei zerstört, wird aus ihr eine junge Frau. Wasser ist ein wichtiges Element im Film, nicht nur am Ende mit der biblischen Geschichte, sondern wir sehen das Mädchen auch wiederholt Flaschen in den Ruinen suchen, damit sie die an Wasserquellen auffüllen und daraus trinken kann, gegen Ende gibt es eine schier endlose Wendeltreppe, die mit halb getrunken Flaschen gesäumt ist. Die grauen Gestalten in der Stadt gehen auf Fischjagd, obwohl es keine Fische gibt, stattdessen die immateriellen Schatten von Quastenflossern über die Häuserwände ziehen. Wenn das mechanische Auge zu Beginn aus der Wolkendecke bricht, weist ein schrägstehender Turn auf es, als wäre dies eine Flinte, wenn das „Auge“ am Ende dem Wasser entsteigt, wirkt dies, al würde es weinen. Der junge Mann trägt ebenfalls eine überdekorierte Waffe mit sich, die es so aussehen lässt, als habe er ein Kreuz geschultert.

Ich bin ja nicht immer der Fan von artsy fartsy Indiefilmen, wenn sie mir zu prätentiös und selbstverliebt daherkommen, oder einfach stinkend langweilen. Auf Angel’s Egg kann ich mich aber voll und ganz einlassen. Es hilft hier sicherlich, dass der Film tatsächlich maßgeblich einem Verarbeitungszweck zu dienen scheint, Oshii aber selbst die Hände in die Luft wirft, wenn es darum geht, ihm einen kompletten Sinn entnehmen zu wollen. Es kann viel interpretiert werden, denn der Film lässt einfach mal alles offen, was an sich schon interessant ist, und sicherlich bei unterschiedlichen Personen aber auch bei den gleichen an verschiedenen Sichtungen, zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt. Aber man muss ihn nicht mal verkopfen, man kann sich eben einfach auch absolut auf die Reise einlassen und schlicht beschallten lassen. Die ruhige und melancholische Atmosphäre der düsteren und detaillierten Szenarien auf sich wirken lassen. Interessanterweise hatte ich Angel’s Egg als Kurzfilm von nur so 30-40 Minuten in Erinnerung, weil eigentlich nicht viel geschieht, musste jetzt beim erneuten Schauen allerdings feststellen, dass er doch volle 70 Minuten einnimmt. Auf eine gemächliche und meditative Herangehensweise an die vielleicht oder auch nicht vorhandene Materie sollte sich also sowieso eingestellt werden.

Digital Devil Story: Megami Tensei

Man vergisst es immer wieder gern zwischenzeitlich, aber ursprünglich ging das ganz erste Megami Tensei aus 1987 auf ein Buch zurück, hat sich dann nur ab dem zweiten Teil klar von denen distanziert. Ich mein, die drei trashigen Groschenromane Digital Devil Story sind sowieso nur in Japan erschienen, und eine inoffizielle Übersetzung reicht ebenfalls nur bis zum Ende des zweiten Bandes. Neben den beiden Videospiel-Adaptionen gibt es allerdings auch eine Anime-OVA.

Wie der Titel Digital Devil Story: Megami Tensei schon verrät, erzählt diese nur das erste der drei Bücher nach, denn nur jener trägt Megami Tensei als Untertitel. Nakajima ist also ein Computergenie, welcher das von ihm geschriebene Dämonen-Beschwörungs-Programm nutzt, um mit Loki einen Pakt zu schließen und sich an Schulschlägern zu rächen. Dummerweise übernimmt Loki seine Lehrerin, damit die etwas weiter Computerpferdestärken einsetzt, auf das von Nakajima gar nicht geplant die Gottheit in der realen Welt materialisieren kann. Im Kampf gegen ihn steht Nakajima auch die Transferschülerin Yumiko zur Seite, denn die beiden sind die Wiedergeburten von Izanagi und Izanami, was nun auch Nakajimas Alpträume ins frühere Leben erklärt.

Viel Fleisch ist zugegeben nicht dran, denn allzu viel geschieht in den sehr kurzen Büchern tatsächlich nicht. Am Ende des ersten Bandes ist Loki besiegt und Set kündigt sich bereits als Antagonist des zweiten an, und die OVA schafft das ohne wirkliche Abstriche in popelige 45 Minuten zu packen. Ich bin geradezu etwas gewillt der ganzen Sache das Prädikat Vergessenswert aufzudrücken. Dies ist nämlich nicht meine erste Berührung mit Digital Devil Story. Ich habe die Videospiel-Adaption von Namco und Atlus in Form von Kyuuyaku Megami Tensei gespielt. Da kann man noch sagen, dass jener Dungeon Crawler letztendlich außer Intro und Charakternamen kaum noch was mit dem Buch zu tun hatte. Aber auch die inoffizielle Übersetzung der ersten beiden Romane habe ich vor vielen Jahren gelesen, sowie diese OVA hier bereits gesehen gehabt. Und konnte mich dennoch an kaum etwas erinnern. Vielleicht liegt es allerdings auch an der langen Zeit und das ich schon sehr viel Mediales konsumiere, welches beständig ältere Dinge aus dem Gedächtnis verbannt.

Tatsächlich ist das Interessanteste am Anime der Look und Feel, und das wahrscheinlich auch nur für solche wie mich, welche die entsprechende Ära miterlebt haben. Es ist witzig die ganzen alten Computer zu sehen, die so viel leisten konnten wie heutzutage ein Smartphone, aber eine ganze Wand einnehmen und quietschend die Bänder ins Rollen bringen. Mit den alten CRT-Monitoren vor sich. Und natürlich das Design einer typischen 80s-Horror-OVA. Von den Charakter- über die Gegnerdesigns. Die Handanimation und der damit einhergehende etwas verwaschene und graustichige Look. Ein wenig Sexyness und ganz viel Blutspritzer und Dämonenfratzen. Und in den Alpträumen, wenn Nakajima als Izanagi von der Mumie Izanamis verfolgt wird, ein Uptempo-Track als Musik, der wirklich nur in einer Horror-Story der damaligen Zeit verwendet sein konnte.

Ob einen das über die immerhin kurzweiligen 45 Minuten an Standard-Cyber-Horror der Ära verhilft, ist dann natürlich von jedem selbst zu beantworten.

Another

ava-2070Bei Another handelt es sich um ein in Japan recht populäres Buch von Horror- und Mystery-Autor Yukito Ayatsukia von 2009, welches in den darauffolgenden Jahren eine Fortsetzung, eine Manga-Adaption, eine Anime TV-Serie, und einen Live Action Film gebar. Wir schauen uns mal das Anime an, welches 12 TV-Folgen plus eine anschließend releaste OVA-Episode umspannt.

Der Protagonist von Another ist Koichi, ein Junge, der für ein Jahr lang bei seinen Verwandten in einer ländlichen Kleinstadt leben muss, und deswegen auch auf eine Schule dort transferiert. Sprich wie der Hauptcharakter von Persona 4. Was Koichi nicht weiß, wir als Zuschauer aber direkt als allererstes in der ersten Folge via Tratsch zwischen zwei anderen Schülern mitbekommen, ist, dass die Klasse, in die er wechseln will, angeblich verflucht ist. Der Schulmythos geht wie folgt: Vor 26 Jahren ist ein bei allen beliebter Schüler verstorben, und die Klasse hat einfach so getan, als wäre er weiter anwesend, sogar der Lehrer hat mitgemacht. Bis auf dem Abschlussfoto der Klasse plötzlich wirklich das Abbild des toten Mitschülers aufgetaucht ist. Seither ist es so, dass in jedem 9. Jahrgang in der 3. Klasse Schüler grundlos in Unfällen ums Leben kommen.

Koichi weiß davon wie gesagt an seinem ersten Tag nichts. Er bemerkt nur, dass sich die Mitschüler manchmal etwas merkwürdig benehmen, und keiner scheinbar Notiz vom Mädchen, das hinten rechts auf dem altersschwachen Sitzplatz am Unterricht teilnimmt, nimmt. Als er sie fragt, warum dem so ist, meint sie weil sie nicht existiert. Und als eine Klassenkameradin sie beide im Gang stehen sieht, flieht sie panisch die Treppe herunter, fällt mit dem Regenschirm zuerst die Stufen herunter, und spießt sich dessen Spitze beim Fall direkt durch den Hals.

Das geschieht übrigens erst am Ende von Episode 3, wenn die Situation, wie man so schön sagt, plötzlich eskaliert. Davor ist die Serie nämlich überraschend ruhig und gemütlich im Voranschreiten, besteht hauptsächlich aus mysteriösen Ereignissen, vagen Gesprächen, sich plötzlich seltsam benehmenden Charakteren, und einen leicht verlorenen Koichi, der das alles nicht versteht. Wie denn auch.

Denn hier ist das größte Problem mit Another: Es hapert an der Logik. Was seltsam ist, denn die Serie ist häufig recht gut geschrieben, das Mysterium gut ausgetüftelt, wenn auch gegen Ende hin etwas zu verzwirbelt komplex, ich mag den einfacheren Aufhänger zu beginn mehr, bevor Dinge aufgedeckt und verkompliziert werden, und überraschend geben Charaktere häufig zu, wenn sie Mist gebaut haben, der so als Klischee in fast jedem Mystery-Anime geschieht. Umso merkwürdiger sind die zwei oder drei Instanzen, wenn jene Unlogik geschieht.

Wir finden beispielsweise heraus, dass es eine Möglichkeit gibt, wie man den Fluch für ein Jahr abwenden kann, einfach in dem die Schüler der Klasse 3 des 9. Jahrgangs sich auf eine strikte Art und Weise verhalten. Neuling Koichi bekommt sogar von mehreren Erwachsenen gesagt, dass er sich gefälligst ganz genau an die Klassenregeln halten muss. Keiner davon sagt ihm, was diese Regeln sind. Keiner in seiner neuen Klasse erklärt ihm die Regeln. Bis es zu spät ist. Wo dann sogar die Klassensprecherin zugibt, dass es ein Fehler war, dass ihn noch keiner aufgeklärt hat, nur um ihm dann die Regeln oder die Situation weiterhin erst viel später zu erklären. Das Leben dieser Kids hängt davon ab, dass sich jeder an die Regeln hält, und ganz Mystery-Anime zieht es dennoch jeder vor, vage und mysteriös zu sein, statt ihm die zu erklären, und natürlich wird später er dafür verantwortlich gemacht, sich nicht an Regeln gehalten zu haben, die ihm keiner genannt hat. Eine ähnliche Situation gibt es zum Ende der Serie, wenn ein Großteil des blutigen Finales hätte verhindert werden können, in dem ein Charakter sein Wissen mit dem Rest der Klasse geteilt hätte.

Wer es allerdings schafft, sich nicht an jenen Instanzen aufzuhängen, der bekommt schon eine sehr spannende Serie geboten. Wie gesagt ist das Mysterium wirklich interessant, die Atmosphäre geheimnisvoll, es wird viel gecliffhangert, sobald das erste Mädel die Treppe runterfällt bleibt auch der Body Count relativ konstant, und die Final-Destination-esquen Todesfälle sind manchmal echt borderline witzig, die Serie ist auch ganz gut animiert.

Die OVA, Another: The Other, wie das mittlerweile üblich bei OVAs zu TV-Serien ist, gerade wenn sie nur als kleiner Bonus auf einer DVD oder Manga-Volumens draufgelegt werden, tut wie immer nicht viel für die Serie. Die 80er und 90er sind rum, in denen OVAs noch wirklich Inhalt hatten. Die hiesige Bonusfolge expandiert noch ein wenig ob der Freundschaft zwischen Mei und ihrer Cousine, gibt uns ein paar Szenen wie sie miteinander blödeln, bis Cousinchen dann direkt vor Serienbeginn verstirbt. Ziemlich belanglos, nix was man gesehen haben muss, aber weh tut es jetzt auch nicht unbedingt.

Roots Search

ava-1913Und heute in der Reihe „Alte Anime, die keine Sau gesehen hat, und die paar wenigen, die es doch taten, sofort wieder vergasen“: Roots Search von 1986.

Die wenigen Meinungen zum Ding stempeln Roots Search übrigens gern als „Alien, aber ganz ganz schlecht“ ab. Ganz damit einverstanden bin ich nicht. Also mit dem Schlecht-Teil schon, weniger damit, dass es Alien per se absolut ähnlich ist, da ist das ebenfalls schlechte Lily CAT von 1987 wesentlich stärker eine Kopie von. Roots Search spielt halt auf einem Raumschiff, auf dem eine Alien-Lebensform, dass sie per Notruf von einem bereits ausgeschlachteten Schiff unbemerkt aufgegabelt haben, die Crew langsam nach und nach ermordet. Das ist auch in Alien so, freilich. Aber ich glaube nicht das ich jeden Film mit diesem Setup per se einen Alien-Klon nennen würde. Denn letztendlich ist es ja eine sehr einfache, offene Standard-Sache, im Prinzip den Stereotyp von einer Hütte im Wald ins All versetzt.

Roots Search macht nämlich dann doch ein paar eigene Dinge oben drauf, die das recht schlicht gehaltene erste Alien zu Recht für unnötig hielt. Unser Hauptmädel beispielsweise ist PSI-begabt, hat direkt zu Filmbeginn erst mal einen Traum vom Tod aller anderen. Was etwas seltsam ist, sowas wird meist als Anheizer verwendet, wenn im Hauptfilm die Action etwas auf sich warten lässt, aber da Roots Search gerade mal 45 Minuten andauert, geht bald darauf eh die Post ab. Dann gibt es auf dem anderen Raumschiff tatsächlich einen Überlebenden, der zusammen mit der PSI-Tussi sich in den letzten 10 Minuten aus dem Nichts entscheiden kann, dass sie ineinander verliebt sind. Außerdem liest das Alien hier die Gedanken der Crew und nutzt die dunkle Vergangenheit der Mitglieder (passenderweise hat jeder, der umkommt, eine solche), um sie zu terrorisieren. Sozusagen sie für ihre Schandtaten mit dem Tod zu bestrafen, wie das Alien meint, nämlich als Strafe Gottes. Das kann sich Roots Search nämlich auch nicht verkneifen, etwas als unnötiges Beiwerk über Gott und den Sinn des Lebens zu philosophieren.

Nicht, dass irgendwas davon wirklich irgendwohin führte. Hässliche Charaktere finden Alien, Alien bringt die Arschlöcher um, nur die beiden „Guten“ können fliehen – und als scheinbar in den letzten 5 Minuten eigentlich alles auf ein Ende mit Vernichtung der Lebensform hinsteuert, geht das dann doch schief und ein Sequel, das nie geschah, wird angeleiert. Roots Search hat also noch nicht mal ein Ende. Was es mit den hübschen Frauen in mechanisch-organischen Gefängnissen a la Giger light angeht, die die Credits und das Cover zieren, wird also nie geklärt. Nicht, dass dies hier zu beenden das Filmchen besser oder hübscher gemacht hätte. Roots Search darf zu Recht in der Vergessenheit verschwinden, Prädikat nicht sehenswert.

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The Five Star Stories

ava-1839The Five Star Stories von Mamoru Nagano, der hauptsächlich durch Mecha-Designs für Sunrise bekannt ist, ist eine jener Prestige-Manga Japans. Nicht eines der erfolgreichsten im Sinne von fünfzig Tankobons innerhalb drei Jahre rauszuhauen, in 100 andere Länder lizenziert zu werden, eine Anime-Serie von drölfzillionen Folgen zu spawnen, und sich somit ein goldenes Näschen mit zu verdienen. Sondern ernsthaft Prestige, so im Sinne von Osamu Tezukas Phoenix-Saga, wo alle Jubeljahre mal ein Band erschien, aber dann gleich ein komplexer, und die es trotz der Abstände immer wieder in die Bestseller-Listen schaffen, eben nicht aufgrund kurzlebiger Mainstream-Pupularität, sondern weil man sich echt einen Urgestein-Namen gemacht hat.

Um den soll es jetzt aber gar nicht gehen, sondern um die Anime-Adaption, die leider nur eine einzelne OVA von einer knappen Stunde aus dem Jahre 1989 umfasst. Angeblich bringt die so ziemlich den ersten Band und damit die erste Story Arc unter… aber 65 Minuten sind halt echt nicht viel Zeit dafür.

Zu Beginn also erst mal schnell Setting-Texttafeln abhandeln: Es ist das Jahr 2988 im Joker-Sternhaufen, der in 4 Systeme unterteilt ist, die schlicht nach den Himmelsrichtungen benannt wurden. Keine Sorge, die einzelnen Planetennamen und vor allem jene für die Charaktere werden noch kompliziert genug, um in Kann-ich-mir-nicht-merken Probleme zu geraten. Außerdem wird in Mechas (Mortar Headd) gekämpft, die die menschlichen Piloten allerdings nicht alleine steuern können, sondern eine Fatima als Partner brauchen, die genetisch dafür gezüchtet sind, und möglichst menschlich gestaltet werden (wer Ar tonelico gespielt hat ersetzt „Fatima“ mit „Reyvateil“ und hat direkt eine passende Eselsbrücke).

Wie wirkt sich das jetzt alles auf den Film aus? Eh… wenig. Ein Professor hat drei jener Fatimas gemacht, genannt nach den drei Schicksalsgöttinnen, also wissen wir, dass die wichtig sind. Und dann sind auch schon 10 Jahre vergangen und Atropos ist abgehauen, oder tot, oder was weiß ich, auf jeden Fall nicht mehr da, während Clotho und Lachesis zur Schaustellung gebracht werden. Auf jenen stellen sich Piloten von Mortar Headds den Fatimas vor, die sich dann einen als Meister aussuchen, da sie eine Kompatibilität in der Psyche feststellen oder so, eine Zusammenarbeit also möglich ist. Aber der Kerl, der die Veranstaltung führt will gar nicht, dass Clotho und Lachesis sich jemanden aussuchen, damit er sie für sich haben kann… weil… keine Ahnung. Und ganz am Ende finden wir raus, dass er eh böse ist und den Planeten ganz schlecht regiert, und er wird Offscreen gestürzt, aber wirklich ein Übeltäter oder schlechten Regent sein sehen wir ihn eigentlich nicht, er ist halt Bösewicht by Design und der Film sagt uns das der Planet jetzt besser dran ist, und wir glauben ihm das dann auch mal.

Jedenfalls kommt dann Jobb dazu, der Mortar Headds baut und ein Freund des Profs ist, der die drei Fatimas gebaut hat, und sie in ihrer „Kindheit“ besuchte, und Clotho versprochen hat sie zu heiraten. Außerdem sieht er aus wie eine Frau. Und lasst mich hier mal unterbrechen und über das Design von dem Teil reden. Wow. Einfach wow. Die Mechs und Luftschiffe sind riesig, der Supermech Jobbs ist komplett Gold. Die Mädels hier sind so dürr und fragil, dass selbst ein Supermodel die für zu mager halten würde, haben dann aber diese Kostüme mit den Schulterteilen an, die mehr wiegen müssten, als die Mädels, die sie tragen. Und einige der Kerle sehen genauso aus, und ich bin durch 15 Jahre Training von Shojo-Zeug gegangen und erkenne eigentlich androgyne Kerle in japanischem Zeug immer noch als Kerl, aber die hier würde ich echt nicht aus den Weibern rausfischen können.

Jobb jedenfalls. Also er macht sich Sorgen um die beiden Fatimas. Aber so wirklich helfen tut er ihnen den ganzen Film über eigentlich auch nicht wirklich. Lachesis haut jedenfalls ab und läuft direkt ihrem Seelenverwandten in die Arme und damit ist sie eh raus aus der Handlung. Clotho kommt Jobb dann doch auf letzte Minute retten und die beiden können auch fliehen, weil Jobb nun nicht mehr dem Schicksal davon läuft und der Geist seiner Frau kann abzischen, und ein Mensch ist Jobb eigentlich auch nicht, und seine Bindung mit Clotho wirft ganz weite Schatten, und… argh.

Ich bin mir ziemlich sicher in The Five Star Stories steckt eine echt interessante Handlung. Das Anime erzählt sie nur nicht. Wirklich, das ganze Ding wäre eigentlich überraschend vergessenswert, wenn es eben nicht diese unvergesslichen Extrem-Designs gäbe, und man nicht mit so vielen Fragen zum Setting und was das alles soll am Bildschirm sitzen würde, die nie geklärt werden. Denn das bisschen Handlung, was es letztendlich hier hereingeschafft hat, ist ziemlicher Standard. Und bräuchte nicht mal 65 Minuten, um erzählt zu werden. Aber dann hätten wir ja die ganzen Charaktere und offenen Fragen nicht. Interesse am Manga wird so zumindest geweckt, nehme ich mal an.

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