1313: Nightmare Mansion

ava-2052Ich habe gelogen. Weil IMDB mich angelogen hat. Es gibt gar nicht 13 Filme in der 1313-Reihe, sondern tatsächlich 14, weil alles andere würde ja Sinn machen, und die Franchise sträubt sich mit jeder Faser genau dagegen. Es ist nur so, dass der erste Film, 1313: Nightmare Mansion, in der IMDB-Übersicht mit seinem Alternativtitel A Dream Within A Dream geführt wird. Außerdem hatte er wohl den Working Title Son of a Witch. Da bereits der nächste 1313 schon immer als 1313: Wicked Stepbrother geführt wurde, nehmen ich mal an, wir haben es hier mit einem Film zu tun, der wegen seiner starken Gemeinsamkeiten zu einem 1313 umbenannt wurde. Ähnlich wie Heidi eigentlich noch vor der World Masterpiece Theater Reihe erschien, oder Nausicaä vor der Gründung vom Studio Ghibli produziert wurde, aber in den Canon integriert wurden.

Wobei 1313: Nightmare Mansion direkt mit einer Sache überrascht, die ich so noch in keinem Film von David DeCoteau zu Gesicht bekommen habe: Die Nachtszenen sind tatsächlich nachts gedreht! Dafür auch hier komplett alles in dessen Haus. Was etwas merkwürdig ist, wenn wir zu Beginn des Filmes angeblich an anderen Orten sein sollen. Denn unser Bösewicht lädt 6 Mitschüler zu einer Party bei sich ein, weil er eben jene Sünder für ein Ritual braucht, um seine Hexenmutter wiederbeleben zu können. Netterweise gibt er uns damit auch schon direkt ihre Archetypen an, bevor wir überhaupt einen Cut zur Einladungsszene haben, die uns den Charakter dann zeigt. Wir haben also den Religiösen, den Clown, den Bücherwurm, den Trinker, den Schwulen, und das Alibi-Weib. Und jene Einladungen übergibt er ihnen theoretisch in der Schule, aber ich habe bereits zu viele 1313-Filme gesehen, um all dies nicht als DeCoteaus Haus zu identifizieren. Im Wohnzimmer steht der Elefant und der Sesse in Autoform, im Flur hinter der Bar die Kuh mit der Krone, hinter der Treppe ins Obergeschoss der Baumstamm mit den Schlampenstiefeln. Ich kenne mich hier aus. Nicht, dass DeCoteau sonderlich versucht, dies hier wie eine Schule aussehen zu lassen, wenn Hexen-Kerl den Bücherwurm einlädt, dreht er die Szene mit der Hausbar eindeutig im Hintergrund ersichtlich.

Aber jetzt kommt überhaupt das Beste im ganzen Film. Es sollte mittlerweile klar sein, dass DeCoteau immer gern eine Ausrede findet, um die Schauspieler in Unterwäsche zu präsentieren. Bei Nightmare Mansion war „weil Magie“ scheinbar bereits Grund genug. Unsere 6 Charaktere tröpfeln also nach und nach einzeln oder als Duo beim Haus ein, und das noch mitten am Tag, obwohl die Einladung eigentlich spezifisch nach Sonnenuntergang sagte, aber über das Editing der Zeit sollte man sich eh nicht sonderlich den Kopf zerbrechen, später ist nämlich jede Außenszene eindeutig nachts gedreht, sobald die Charaktere dann das Haus wieder betreten aber strahlend helle Sonne durch die Fenster scheinend. Okay, jedenfalls sobald jemand das Haus betritt gibt es einen weißen Flash, und plötzlich wachen sie wo ganz anders auf, und das in nichts außer weißer Unterwäsche – abgesehen vom Alibi-Mädel, die bekommt ein pinkes Nachthemd oder so an, weil wer will die schon unbekleidet sehen. Und ich kann mir nur vorstellen, dass zuerst das Script geschrieben wurde, die zehn Minuten, die das wahrscheinlich überhaupt gedauert hat, und erst später jemand auf die Idee kam, dass „weil Magie“ genug Grund dafür ist, warum die plötzlich nackt ins Haus warpen. Denn niemand spricht es an. Alles andere schon. Wo bin ich? Was war das weiße Licht? Wo ist mein Freund, mit dem ich angekommen bin? Nur irgendwie nie: Warum bin ich fast nackt? Erst 40 Minuten und beim fünften Gast kommt es, dass jener mit den Worten „woah, wo sind meine Klamotten hin?“ aufwacht, sobald er dann aber Hexen-Kerl zur Rede stellt erneut komplett vergisst dies erneut  zu fragen.

Ist auch herrlich, wie Religiös-Kerl und Gutmensch-Mädel sofort zum Schluss kommen, dass hier was Übernatürliches am Werke sein muss, weil die Ereignisse so unerklärlich sind. Wirklich? Ihr werdet von einem Kerl, den ihr kaum kennt, zu einer Party bei sich eingeladen. Sobald ihr das Haus betretet habt ihr einen Black Out, wacht anschließend nur in Unterwäsche auf nem Bett oder Sofa auf. Also mein erster Gedanke wäre, dass mich jemand betäubt und ausgezogen hat, entweder wegen eines echt schlechten Streiches, oder zum Zwecke von Date Rape. So super unerklärlich ist das soweit nämlich noch nicht. Na ja, kurz darauf finden sie ja auch ein interessantes Buch, welches uns der Film nie zeigt, weil Requisiten kosten Geld und Zeit, stattdessen erzählen uns die beiden, was sie darin sehen. Und scheinbar ist auf der ersten Seite eine Liste aller Eingeladenen, dann kommt ein Stammbaum des Hexen-Kerls, dann ein Bild einer Hexenverbrennung, welches die beiden sofort schließen lässt, er muss eindeutig eine Hexe sein, und dann „Bilder aller menschlichen Katastrophen der letzten 300 Jahre“. Wow, das Buch ist mal beliebig.

Jedenfalls muss Hexen-Kerl alle 5 Kerle tot sehen und das Mädel dann zur Wiedergeburt seiner Mutter machen oder so, denn genau genommen ist das alles etwas random erneut. Ein paar von den Leuten tötet er direkt, wie den Alkoholiker und den Bücherwurm, andere hetzt er wiederum gegeneinander auf, um sich gegenseitig umzubringen, weil warum auch nicht. Und der Schwule fällt ganz aus dem Film. Also wie gesagt hat jeder eine heimliche Sünde, und 1313: Nightmare Mansion nimmt scheinbar an, dass ein Kerl um die 20 aus der weißen Oberschicht im Jahr 2011 in Beverly Hills ernsthaft ein Problem mit seiner Homosexualität hat. Also ist das sein großes Geheimnis, dass der Hexer für sich ausnutzen will. Und dann kommt die unerotichste homoerotisch gemeinte Szene in einem Film ever, wenn der Hexer den Schwulen verführen will. Wie immer haben die Kerle keine Chemie, und halten gute eine Erektionsweite Abstand voneinander. Jedoch fangen sie an, sich gegenseitig zu berühren, und das so Fingerspitzig und so weit nördlich des Bauchnabels, dass es aussieht, als würden sie in nem toten Tier rumstochern oder so. Und dann gibt es einen Cut und wir sehen den Kerl nie wieder. Wir können nur davon ausgehen, dass er ihn dann wohl umgebracht hat?

Witzigerweise gibt es sogar eine homoerotische Szene, die zumindest ein wenig heiß ist. Und zwar, wenn er die Sünde des Clowns aufdeckt. Scheinbar hat er versehentlich als Kind seinen Hund umgebracht. Sünde: Mord! Wie kann er sie wieder gut machen? In dem er einen seiner Freunde umbringt. Also ich weiß ja nicht. Als 9-Jähriger versehentlich für den Tod eines Hundes verantwortlich zu sein, oder als 19-Jähriger ganz bewusst einen anderen Menschen abstechen? Klingt das wie ein guter Handel? Jedenfalls, warum auch immer, aber Gott segne wer auch immer den Einfall hatte, fangen Clown und Hexer an, die Klinge des Messers zu lecken. Zungenkuss-Dreier via Klinge, herrlich.

Was war eigentlich die Sünde der beiden Mains? Sowohl das #NoHomo-Alibi-Mädel, sowie der Priester-Sohn scheinen nicht wirklich eine zu besitzen. Bei allen anderen sagt uns der Hexer, was sie verbrochen haben. Bei denen nicht. Stattdessen warpt er sie in den Whirlpool, und eine weitere absolut nicht-erotische Szene beginnt, die gut 10 Minuten andauert. Und zwar stehen die jetzt bis zu den Knien im Wasser, und fangen an sich genauso unmotiviert mit den Fingerspitzen zu berühren, hauptsächlich die Arme und Schultern dabei nicht verlassend. Und irgendwann macht dann der Hexer auch noch mit. Irgendwann ist die Szene dann plötzlich rum, Hexer und Priester-Sohn sind in einem ganz anderen Raum bei einer ganz anderen Konversation, und genauso ruckartig wird der Hexer auch schon besiegt. Da wir aber immer noch die 80 Minuten nicht voll haben, gibt es noch einen Sinnfreien Epilog von 15 Minuten, der komplett aus zwei Szenen besteht: Zuerst nimmt der Clown eine lange Dusche, weil was wäre ein 1313 ohne den wahren Star der Franchise, DeCoteaus Duschzelle; und dann den Priester-Sohn im Bett, der vom Nicht-wirklich-Dreier im Pool träumt und sich dabei unsittlich betatscht, und diesmal ist das sogar ein kleinwenig erotisch, oder wäre es zumindest, wenn DeCotau nicht gut 10 Minuten drauf halten würde. 80 Minuten gefüllt, roll Credits.

Ok, ich muss gestehen, in 1313: Nightmare Mansion habe ich mich fast ein kleinwenig verliebt. Ich finde es immer noch etwas schade, dass DeCoteau zwar reichlich lahme Ausreden findet, möglichst viel nacktes Männerfleisch aufzufahren, vom Framing her das aber immer noch oft so erotisch wie eine Metzgertheke gestaltet ist, wobei Nightmare Mansion zumindest in genannten zwei Szenen fast schafft, hierin Besserung zu präsentieren. Aber abgesehen davon ist das hier wirklich ein herrlich inkompetenter Film, mit dem man gut Laune haben kann, sowohl beim unsinnig Script, bei den idiotischen Dialogen, der schlechten Szenenabfolge, und der Kontinuitätsprobleme. Dumm, aber schön dumm ist 1313: Nightmare Mansion.

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