GameBoy Obscurities: Nightmare before Christmas

Tim Burtons erster Stop-Motion-Animationsfilm für Disney ist einer deren großen Klassiker, der sich bis Heute anständiger Beliebtheit erfreut. In Japan sogar noch ein ganzes Stück mehr, was wahrscheinlich mit Grund ist, warum es ab dem ersten Kingdom Hearts in jedem von SquareEnix‘ Drittpfeiler mitmischt. In der Hinsicht ist es vielleicht nicht ganz so verwunderlich, dass fast zehn Jahre nach dem Film auch zwei weitere Spiele erschienen.

Nun haben Lizenzspiele immer einen sehr schlechten Ruf, und das häufig nicht zu Unrecht, aber so ganz über einen Kamm lassen sie sich eben auch nicht scheren. Die Lego-Spiele zu den einzelnen Franchises sind beispielsweise echt launig, Capcoms Disney-Lizenzen auf dem NES haben sich auch einen echt guten Namen gemacht. Da ist das PS2-Spiel zu The Nightmare before Christmas auch ganz gut aufgehoben, denn der DMC-Klon ist zwar von TOSE, aber unter Zusammenarbeit mit ehemaligen von Capcoms Devil May Cry Leuten. Auch der GBA-Teil hat SquareEnix‘ Remake- und Spinoff-Schmiede TOSE hergestellt.

Im Falle von The Pumpkin King haben sie sich dahingehend beim Metroidvania bedient. Sprich wir spielen einen Sidescroller und haben eine wild Rechtecke aneinanderreihende Karte, die nach und nach aufgedeckt wird, und auch die eine oder andere Abzweigung bereit hält, die teilweise erst mit späteren Fähigkeiten gehandhabt werden können. Wobei das Spiel dennoch eher linear bleibt, denn besagte neue Fähigkeit führt fast immer zum einen neu eröffneten Bereich, der eh als nächstes angegangen werden muss, optionale Abzweigungen enden fast immer sehr schnell in Collectibles. Dazu gibt es dann noch hilfreiche Pfeile, die tatsächlich immer dahin weisen, wo das nächste Areal der Main Quest ist, so verläuft man sich trotz fehlender Teleporter auch nicht. Ganz so groß ist die Welt von The Pumpkin King sowieso nicht, sondern es gehen von Halloween Town mehrere andere Lokalitäten mit ihrer eigenen Karte ab, statt dass dies ein riesiges, zusammenhängendes Krebsgeschwür wie die Castlevania-Schlösser ist.

RPG-Elemente gibt es übrigens auch nicht, wir haben es hier schon mehr mit einem Jump’n Run zu tun. Keine Level Ups, kein Equip, nur eine Hand voll Waffen und die eine oder andere Erweiterung der Lebensleiste gibt es zu erspielen. Geht dann natürlich auch mehr um Geschicklichkeit denn Feinde-Vermöbeln. Und trotz der wahrscheinlich sehr jung angedachten Zielgruppe ist das Spiel nicht immer ganz einfach, und das nicht immer aus den richtigen Gründen.

Die Sache ist die, dass das Spiel fantastisch aussieht. Auf dem kleinen Bildschirm eines Handhelds ohne Backlight kann es natürlich im Gegensatz zur PS2-Version nicht den Stil des Filmes einfangen. Dafür ist es zu hell und zu farbenfroh. Doch die Hintergründe sind alle sehr detailliert, teilweise animiert, und der Sprite von Jack ist fantastisch durch-choreographiert. Die einzelnen Sprünge, verschiedene Attacken, oder auch nur Idle rumstehen sind butterweich durchanimiert und haben eine regelrechte Theatralik zu bieten.

Das ist zunächst natürlich eine feine Sache, zumal dazu dann auch noch sehr gute Arrangements der Film-Musik die BGM gibt. Jedoch führt die Größe und Überanimation von Jacks Sprite dazu, dass er sich teilweise eher suboptimal steuern lässt. Die Schritte sind zu groß, die Sprünge zu weit, es schliddert sich geradezu durch die Gegend, statt wirklich präzise arbeiten zu können. Und das kann in den finalen Bereichen, wenn genauere Sprünge abverlangt und Gegner genau an die fiesen Störstellen platziert werden, zu Frust führen. Ganz zu schweigen von den beiden Kämpfen gegen Oogie Boogie, die zusätzlich auch noch ewig lang dauern. Ein hartes Aufwachen, nachdem man die meisten anderen Bosse geradezu tanken konnte, in dem man einfach direkt in ihrem Schussfeld stehen bleibt, und drauf semmelt, auf das sie vor einem den Geist aufgeben.

Schade, denn zunächst machte das Prequel um Jacks erster Begegnung mit Oogie Boogie und der von ihm entführten Sally einen echt guten Eindruck. Weil es so bombig aussieht, und weil es vielleicht etwas simpel aber doch ganz launig begann. Und ganz brauchbar ist das Spiel weiterhin, aber aufs Finale gab es einfach doch den einen oder anderen Dämpfer im Spielspaß.

Disney Sunday – The Nightmare before Christmas

ava-1563Dachtet die Disney Sonntage wären rum, hmm? Allerdings ist mir danach mal wieder Nightmare before Christmas zu schauen, also gehen sie in eine kurze Bonusrunde der Stopmotion-Animationsfilme von Burton/Skellington Productions. Interessant hierbei ist, dass Burton seine Animationskarriere bei Disney begann, nach dem allerdings sein zweiter für die Firma produzierter Kurzfilm (das 1984er Frankenweenie, der als Bonus auf der Nightmare before Christmas DVD zu finden ist) als nicht Kinderfreundlich genug eingestuft wurde, feuerte ihn die Firma wieder. Ist schon interessant, dass er nicht mal ganz zehn Jahre später für sie dann diesen Film hier produzieren sollte, sogar musste, denn Disney hielt immer noch die Rechte am Titel, den Burton ursprünglich vor dem Rausschmiss machen wollte – und den Disney erneut für zu unheimlich für Kinder hielt und deswegen lieber unter dem Touchstone Label veröffentlichte.

Es gibt also für jeden Feiertag eine eigene Stadt, in der die Bewohner 364 Tage des Jahres auf das große Ereignis hinarbeiten, wenn sie in unsere Welt gehen und Stimmung verbreiten. Tim Burtons Film ist natürlich angesiedelt in Halloween Town, in der Jack Skellington, der Kürbis-König, Jahr ein und Jahr aus den gruseligsten 31. Oktober auf die Welt los lässt. Nur hat er nun ein Burnout, will sich neuen Herausforderungen stellen, und als er in das thematisch komplett andere Christmas Town gerät, hat er seine neue Bestimmung gefunden: Santa Claus kidnappen und den Feiertag übernehmen!

Irgendwo darin ist dann noch nebenbei ein Love Interest und ein Bösewicht, der im Finale besiegt werden muss, eingebaut, doch hauptsächlich geht es wesentlich mehr um Jacks streben nach Abwechslung und die daraus resultierende Erkenntnis, dass er seinen alten Job eigentlich doch mag – und die Halloweener ein im wahrsten Sinne des Wortes schreckliches Weihnachten produzieren, da sie eben den Geist eines ganz anderen Feiertages so geprägt hat.

Nightmare before Christmas ist natürlich der feuchte Traum für einen Tim Burton, da man in Animation so viele schräge Sachen machen kann, wie er in seinen Live Actions nie ganz realisieren konnte, besonders vor den Zeiten, als CG großflächig eingesetzt werden konnte. Auch wenn er letztendlich beim Film nur die Produzenten-Rolle hatte, da er bereits woanders mit Regiearbeiten voll eingebunden war, könnte der Film natürlich dennoch nicht Burton-iger sein. Sicherlich sind mittlerweile, nach dem dutzendsten Film von ihm, die Leute seinen Style etwas leid geworden, oder sagen dies zumindest, denn ich glaub eher, dass dies damit zusammenhängt, dass Burtons letzter wirklich guter Film 9 Jahre her ist, und bei den minderwertigeren das ganze „been here, done that“ stärker auffällt.

Überraschend ist allerdings nicht mal alles in Nightmare before Christmas schräg und düster und schwarz-weiß-gestreift. Die Weihnachtsstadt ist passend farbenfroh und fröhlich mit niedlichen Einwohnern, und selbst in Halloween Town hat die Gesangseinlage von Oogie Boogie einen starken Mississippi-Voodoo-Einschlag, a la Bösewicht in Princess and the Frog, mit viel Neonfarben.

Doch der Großteil des Filmes gibt uns natürlich die düsteren Gestalten des zentralen Halloween Towns. Voller Anspielungen an Horrofilmen oder allgemein Ikonen, mit Vampiren, Wolfmännern, Lagunenmonstern, Hexen, Skelettbäumen etc. pp. Es ist einfach eine Freude, dem fröhlich-diabolischen Treiben der Einwohner in der Stadt zuzusehen, die gut und gerne die Kulisse fürs Kabinett des Dr. Kaligari sein könnte. Ein wenig wie beim Zuschauen der Addams Familiy, wirklich, denn eigentlich sind alle recht gut gelaunt und herzig, haben halt nur einen Fetisch für Mord und Totschlag und andere Horror-Dinge – was ja an sich auch kein Problem ist, da sie alle untote Monster sind, schaden sie sich gegenseitig nicht dauerhaft.

Da kann ich es sogar verzeihen, dass das Finale genau genommen etwas aufgesetzt wirkt. Sally mag Jacks Traum nach mehr teilen, doch so wirklich viel den Film über miteinander sprechen tun sie genau genommen gar nicht, noch hört Jack häufig überhaupt richtig zu in seiner Weihnachts-Obsession. Von daher kommt seine „ups nur noch eine Minute bis zu den Credits“ Liebeserkenntnis etwas plötzlich. Genau wie Oogie Boogie kaum Screentime bekommt, aber dann eben doch als Bösewicht für ein großes Finale hinhalten muss, weil ein Film eben ein solches braucht – statt einfach damit zu enden, dass Jack Weihnachten vermasselt und dann Santa Claus dazu bringt, den Feiertag doch noch zu retten. Das wirkt ehrlich gesagt ein wenig, als wäre beides in der ursprünglichen Idee nicht drin gewesen und dann schnell eingefügt, weil es mehr in die konventionelle Filmstruktur gebracht werden muss.

Aber für mich ist Nightmare before Christmas sowieso mehr ein Film des Styles over Substance, bei dem es mir mehr darum geht die charmant-schräge Welt und den Manierismen der Horrorgestalten zuzuschauen, und zusammen mit den unglaublich Ohrwurmigen Songs bin ich somit voll für die ~70 Minuten des Filmes unterhalten, leichtes Schwanken in der Storystruktur hin oder her.

disney57