1313: Night of the Widow

ava-2047Stopp, ich habe noch mehr DeCoteau zu bieten, denn 1313: Night of the Widow kommt auch noch dran. Und erinnert mich in der Anfangsszene gleich an ein Markenzeichen von DeCoteau, welches ich in Cougar Cult gar nicht zu sehen bekommen habe: Hello day for night, my old friend! Ernsthaft, DeCoteau könnte sich keine helleren, Sonnendurchfluteteren Tage aussuchen, um seine Nachtszenen zu drehen, und legt dann einen so halbherzigen Blaufilter drüber, ich brauch immer die halbe Szene, bis mir klar ist, dass es Nacht sein soll, und nicht irgendein ein zufälliger Artsy-Filter ist, wie die overexposed Shots, die in Cougar Cult mal und mal nicht für das Stalking der Cougar Ladys genutzt wurden. Hilft natürlich nicht, dass DeCotau die Szenen immer mit der Kamera dick und fett auf die leicht bläuliche Sonne beginnt, bevor er ins Haus umschaltet, und dort nicht mal die Vorhänge zuzieht, um das Ding zumindest etwas abzudunkeln. Aber keine Sorge, nach dem Opener gibt es in Night of the Widow nicht mehr eine einzelne „Nacht“-Szene.

Ich mein, die 1313s haben wahrscheinlich einen guten Grund dafür. So wie die Filme aussehen, war die komplette Drehzeit der Dinger jeweils nur ein einziger Tag von Drei bis Fünf nachmittags oder so. Würde auch erklären, warum es schon gern mal vorkommt, dass Charaktere übereinander reden, versehentlich einen Satz direkt wiederholen, den sie schon gesagt haben, oder man vom ganzen Schrittwiederhall beim Gang durch die Marmoraula kein Wort von dem versteht, was die Akteure sagen: Keine Zeit für Second Takes. Dennoch weiß man letztendlich immer, was gesagt wurde, da das Script die Schauspieler netterweise sich alles drei Mal in der gleichen Szene sagen lässt, jedes Mal reagierend, als wäre es das erste Mal, dass sie es hören.

Und kommen wir doch direkt gleich zum zweiten Markenzeichen von DeCoteau, denn der Film startet nicht nur nachts, sondern mit einem Adonis in Minihöschen, der gerade aufwacht. Und dann umgebracht wird. Das ist der Aufhänger, denn der attraktive Anwalt von ihm hat die 5 attraktiven besten Freunde von ihm zur Beerdigung eingeladen, plus ein No-Homo Alibi-Weib, die es in den Filmen immer gibt. Stellt sich heraus, dass der Kerl demjenigen sein ganze Vermögen vermacht, der zuerst in dessen Anwesen den Schlüssel zum Tresor findet.

Was folgt ist ein Film, der in seinen 75 Minuten viel Zeit damit streckt, dass die Witwe in ihrem schwarzen Traueroutfit und mit Messer bestückt die immer gleichen drei Räume und zwei Gänge des Hauses auf und abläuft, dabei seltsamerweise aber nie einem der auf der Schnitzeljagd befindlichen Charaktere über den Weg läuft. Umbringen tut sie tatsächlich mehrere, aber nie direkt nach einem jener Stalking-Szenen, sondern wenn dann mit einem Cut direkt zum zu Tode geweihten Charakter, hinter dem sie plötzlich auftaucht, ihr Messer erhebt, und Cut zur nächsten Szene. Wir können mal davon ausgehen, dass jeder jener Charaktere dies nicht überlebt hat, weil wir ihn nie wiedersehen werden, auch wenn wir weder den Mord sehen, noch Blut in irgendeinem der Räume, in dem jemand umgebracht wurde, zu sehen ist, ja sogar ihre Leichen spurlos aus dem Film verschwinden.

Abgesehen von einer zumindest. In einer weiteren Szenenabfolge, die so geschnitten irgendwie keinen wirklichen Sinn macht. Die Witwe ermordet einen Kerl im Obergeschoss im Schlafzimmer. Ein paar Szenen später einen anderen im Erdgeschoss in der Küche. Wieder ein paar Szenen später kommen zwei Leute in die Küche, und weil es kurz vor Ende ist, gibt es hier den Fake-Twist vor dem eigentlich Twist des Filmes, die man beide von weitem kommen sah, und von denen beide keinen Sinn machen. Aber egal, jedenfalls finden sie tatsächlich einen Kerl in seinen letzten Atemzügen in der Küche liegen, der den Witwen-Reveal macht, bevor er endgültig stirbt. Das ist aber nicht der Schauspieler vom Kerl, der kurz vorher in der Küche abgestochen wurde, sondern der Schauspieler, der wesentlich früher im Film im Schlafzimmer im Obergeschosse, ein halbes Haus entfernt, umgebracht wurde. Was? Hatte der Küchen-Schauspieler den Dreh schon verlassen, und dann ist erst aufgefallen, dass man zwar seine Erstechen-Szene dort gedreht hat, aber die Auffind-Szene noch ausseht, und einfach einen anderen Schauspieler, der noch abgehangen war, dort hingelegt?

Was wir allerdings sträflich vernachlässigt kaum über jene 75 Minuten zu Gesicht bekommen, ist stahlharte Waschbrettbäuche. DeCoteau hatte wohl nicht gerade sein kreatives Wochenende, als er Night of the Widow gedreht hat, und kam auf keine halbgaren Ausreden, warum die Kerle auf einer Beerdigung ständig keine Klamotten tragen. Wie wäre es mit einem falschen Feueralarm, der alle Anwesenden durchnässt, weswegen sie die Klamotten trocknen lassen müssen? Oder wir haben ja etabliert, dass der Verstorbene gerne blöde Streiche spielt, deswegen auch die testamentarische Schnitzeljagd um sein Vermögen. Warum ihn nicht aus Jux mit reinschreiben zu lassen, dass jene Schnitzeljagd nackt erfolgen muss? Bitteschön, Herr DeCoteau, ich bin gerade in einer Minute mit zwei dürftigen aber für einen solchen Film vollkommen ausreichenden Entschuldigungen gekommen, warum die Kerle in engen Boxer Briefs durch den Haus laufen würden. Stattdessen gibt und Night of the Widow gerade mal 3 Shirtless-Szenen, und die alle innerhalb der ersten halben Stunde. Wozu überhaupt 6 attraktive Jünglinge im Haus unterbringen, wenn uns dann eh nur 2 davon ihren Körper zeigen?

Und was hatte es eigentlich mit dem einen Kerl an sich, der scheinbar auf den Verstorbenen stand? Er ist derjenige, der von seinem Tod am meisten mitgenommen war, und hatte sogar einen Flashback, wo er sich mit jenem bei nacktem Oberkörper einen Football zuwarf und darüber sprach, ob sie nicht beide auf eine karibische Insel abhauen und dort als Barkeeper leben sollten. Ein anderer Charakter später im Film, Gossip-Boy, durch den wir bereits erfahren haben, dass sowohl der Verstorbene wie seine Jetzt-Witwe fremdgegangen sind, lässt sogar die Frage offen, ob die beiden Kerle nicht vielleicht auch was miteinander laufen hatten. Gäbe der Witwe sogar einen noch bessere Durchdreh-Entschuldigung, da ihr Mann ihr dann nämlich nicht nur mit anderen Frauen fremdgegangen wäre, sondern selbst bei Männern seinen Schwanz nicht in der Hose lassen konnte, und die beiden vielleicht wirklich planten, miteinander abzuhauen. Aber das führt nirgendwohin, da der Flashback-Kerl der zweite Kill des Filmes ist. Niemand erörtert, ob die wirklich was am Laufen hatten, ob dies nur Wunschdenken vom anderen war, oder sie doch die üblichen No-Homo beste Freunde waren, die DeCoteau nur wieder in einem ziemlichen Gay-Framing gefilmt hat.

Das Script von Day of the Widow ist voller solcher Wegwerfdialoge, die irgendwas andeuten, und in einem besseren Film dieser Sorte sicherlich auch was zur Handlung beitragen würden, in dem sie dem Mörder eine Motivation bieten, ein Hinweis auf dessen wahre Identität sind, oder zumindest eine falsche Fährte legen. In diesem Film hingegen werden Sachen angesprochen, die dann nie wieder aufkommen oder wichtig werden, stattdessen gibt es eine komplett neue Ausrede für den Killer am Ende, die allerdings überhaupt keinen Sinn macht und wenig erklärt ist, da eben nicht mit Infos hinterfüttert.

Aber für den Sinn an der Sache schaut man einen Film von David DeCoteau nicht, und schon gar nicht einen der 1313s, sondern wegen dem mehr oder weniger unfreiwilligen Unterhaltungswert. Das Problem bei Night of the Widow ist allerdings, dass es davon gar nicht mehr so viel gibt. Der Film ist häufig überraschend spröde, einfach so dahin gefilmt, um damit fertig zu werden. Natürlich sind die Dinger am Fließband produziert, aber Cougar Cult hat im Gegensatz schon etwas mehr den Eindruck hinterlassen, als hätten die beteiligten ein wenig Spaß am ganzen Blödsinn gehabt, was das Script auch blödsinnig aber nicht ganz so löchrig wie hier, und vor allem gab es lachhaft dämliche Special Effects und unfreiwillig komisch sowie freiwillig sexy Fleischbeschau der Akteure. Davon ist bei Night of the Widow leider nicht mehr viel übrig. Vielleicht wäre es besser wenn man das Ding auf 25-30 Minuten kondensiert hätte, statt auf 75 zu strecken, die 1313-Filme mehr eine Anthologie mehrerer Vignetten wären, statt jeden Drei-Sätze-Einfall ein Script zu nennen und als Feature Film zu drehen.

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