Falling for the Criminal: Nicole

Als nächstes Dating Sim hat es nun doch unsere Freunde bei Winterwolves erneut getroffen, die ja im Indie-Bereich ordentlich an Visual Novels und Dating Sims zu bieten haben, auch wenn ich die alle eher im Durchschnitt einordnen würde. Aber ich glaube das Thema, dass ich sehr einfach zu befriedigen bin, hatten wir bereits.

Nicole (Otome Version) dreht sich um die Titel-gebende Nicole, die gerade frisch ans College gekommen ist. Zunächst recht gut eingestellt, da der Campus hübsch ist und sie sich auch sofort mit ihrer Zimmergenossin versteht, wirft ein kurzer Gang in die lokalen News allerdings bereits einen Schatten voraus. Im Laufe des letzten Jahres sind 3 Mädchen, die auf das College gehen, entführt worden. Alle nach 3 Tagen allerdings unverletzt aber mit Amnesie wieder aufgetaucht. Nicole scheint das nicht weiter groß zu jucken, stattdessen scrollt sie lieber gleich weiter und geht Internet-Shoppen.

So ein wenig unbedarft ist die Gute ja schon.

Wobei sie uns direkt im inneren Monolog versichert, dass sie ein schlauer Brainiac ist, aber deswegen kann man ja trotzdem stylish sein, auch wenn auf ihrer High School dadurch immer alle überrascht waren, zwecks Vorurteil das hübsche Mädchen nicht auch schlau sein können. Wow, Humble Brag much? Tatsächlich ist es so, dass mein größtes Problem in Nicole Nicole selbst war. Scheinbar wollte man ihr etwas mehr Persönlichkeit abgeben, als Protagonisten in diesen Spielen normalerweise mitbringen. Aber Mensch, wenn ich deren nicht immer mal wieder absolut nervig fand.

Wenn sie in der Cafeteria essen geht beispielsweise, versichert sie uns sofort im inneren Monolog, dass sie das eigentlich total selten macht, statt hier ständig abzuhängen. Sie ist gern die Erste in den Vorlesungen, weil man sich dann so gut alle anderen, die nachträglich kommen, anschauen und beurteilen kann. Wenn sie uns erzählt, dass sie das Blog von einem Kerl mag, der viel über Technik schreibt, wird sofort eingeschoben, dass sie mit dem Thema selbstverständlich nicht viel am Hut hat, den Schreibstil nur so mag. Natürlich hat sie selbst ein super beliebtes Life-Blog. Es kam mir teilweise wirklich so vor, als wäre jede zweite Szene mit ihr eine Ausrede, um entweder anzugeben, oder zu versichern, dass sie das, was sie unter ihrer Würde sieht, eigentlich unter normalen Umständen ja nie machen würde. Was für eine selbstverliebte Kuh.

Show don’t tell?

Natürlich wird Nicole dann später auch selbst vom Entführer kontaktiert, um zum vierten Opfer zu werden. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das nicht einfach als Karma abtun sollte. Allerdings ist es so, dass sie mir später im Spielverlauf dann aber auch gar nicht mehr so viel auf den Keks ging. Ein wenig immer noch, aber irgendwann bekommen auch die Kerle immer mal verbal die Oberhand und erwischen Nicole auf dem falschen Fuß. Sie ist natürlich dennoch sau dämlich, weil sie nicht die Polizei kontaktiert, sondern der Sache selbst nachzugehen versucht. Und da Nicole nur an sich selbst denken kann, überrascht es sie tatsächlich auch, wenn ihr jeweiliger gewonnener Freund dies total egoistisch und blöde von ihr findet, nicht den Behörden und ihm zu sagen, was Sache ist. Abgesehen natürlich von demjenigen, welcher der Übeltäter ist. Aber hey, wenn man in Sweet Fuse einen Terroristen daten kann, warum in Nicole (Otome) nicht auch einen Entführer?

Spielerisch ist alles so ziemlich beim Alten. Das Spiel startet Anfang September und läuft bis Ende Dezember, jeder Tag ist in 7 Zeitslots unterteilt. Und man darf nun immer schön klicken, zu welcher Lokalität man gehen und welche der dort angebotenen Aktionen man für Statusupgrades machen will. Wobei die unterschiedlich viele der Slots einnehmen, und an Wochentagen der Vormittag natürlich mit Vorlesungen gefüllt ist. Wie immer gibt es sogar einen praktischen Überblick am Ende eines Tages, wie sich die Statuswerte und Charakteraffinitäten geändert haben. Und Cutscenes mit den Kerlen, in denen Multiple-Choice-Antworten gegeben werden, triggern automatisch, man muss also nicht am richtigen Tag am richtigen Ort sein, sondern nur die Affinität hoch genug haben, in dem man genug richtige Antworten gegeben hat.

Statusveränderungsübersicht.

Das Spiel kennt dabei 7 Statuswerte. Wobei Energy und Morale so ziemlich das Gleiche tun, nämlich ausbalancieren, dass man hin und wieder auch mal rasten muss, statt immer nur an den anderen arbeiten zu können. Die anderen 4 Statuswerte sind jeweils für einen der Charaktere benötigt, den Rest kann und sollte man weitestgehend ignorieren. Denn wer sich nicht fast von Anfang an ganz speziell auf einen Charakter eingeschossen hat, wird in Probleme geraten, wirklich noch jemanden zu gewinnen, da auch alle nötigen Szenen mit ihnen bis zum Spielende gesehen werden müssen. Bleibt noch ein weiterer Statusbalken, nämlich Clues, welches damit zusammenhängt, ob man am Ende das Mysterium um die verschwundenen Mädchen gelüftet bekommt, oder nicht. Um einen Charakter zu gewinnen ist das theoretisch nicht benötigt, sie bei 100% Zuneigung und den von ihnen gewünschten Wert auf 999 zu haben, plus alle Szenen mit ihnen zu sehen, und man bekommt deren Normal End vorgespielt. Wer allerdings dies um das True End des Charakters erweitert sehen will, muss auch Clues auf 999 und alle zugehörigen Mystery-Szenen gesehen haben.

Um hiermit zu helfen, werden im Oktober Jobs freigeschaltet, um Geld zu verdienen und den an ihnen hängenden Status schneller leveln zu können. Und Ende Oktober darf das angesammelte Geld dann per Online-Shopping wieder ausgegeben werden. Wobei es hier auch nötig ist sich die Zuneigung der Kerle zu erkaufen. Über die ursprünglich und in jedem Durchgang erneut gesehenen Szenen, wodurch der Anfang immer sehr Textlastig ist, man aber dafür auch einen guten Überblick über die Liebesprospekte hat, kommt man nämlich nur bis 30% Affinität mit ihnen, um weitere zu triggern muss dann anschließend mit Geschenken nachgeholfen werden.

In wessen Herz möchte Frau sich einkaufen?

Gut gefallen hat mir übrigens auch das sehr hübsche Charakterdesign des Spieles. Und diesmal gibt es sogar mehr als nur 1 CG, sondern neben dem aus dem normalen Ende noch 2 weitere im True End. Wobei merkwürdigerweise andere weibliche Charaktere eher nicht so pralle aussehen. Was deswegen auch seltsam ist, da seit Ewigkeiten ein Nicole (Yuri Version) angekündigt ist, in dem man eben andere Mädels statt Jungs daten können soll. Wenn daraus überhaupt noch mal was wird. Auch der sehr auf melancholisch stehende Piano-Klänge gehende Soundtrack war ganz nett, die SFX eher nervig, gerade das ständige Vogelgezwitscher im Park.

Ganz einfach ist Nicole übrigens nicht, obwohl es wieder verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl gibt. Es ist tatsächlich nicht unbedingt schwer, alle Statuswerte bis zum Ende auf Maximum zu haben, die man für den jeweiligen Charakter braucht. Aber man kann sich doch verkalkulieren, wenn es darum geht, auch noch alle Mystery- und Romantik-Szenen zu sehen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Ich habe letztendlich das True End von allen vier Charakteren gesehen, musste aber bei zwei von denen von vorn beginnen, da beim ersten Versuch noch ein Standardende über den Bildschirm lief:

Rechts der DILF ist Teds Vater btw.

Jeff war der Erste, den ich angetroffen habe, nachdem Nicole prompt auf dem neuen Campus verlustig geht, und er ihr den Weg weist. Immer gestriegelt angezogen, gepflegtes Äußeres, super freundlich und charmant, ist der Pharmazie-Student auch intellektuell ein Überflieger. Also der perfekte Kerl, da muss doch was Dunkles dahinter stecken. Und bei seinen Studienfächern, und da er seinem Professor im Labor aushilft, würde Jeff doch sicherlich auch wissen, welche Drogen man verabreichen muss, um jemanden zu kidnappen und anschließend die Erinnerung zu vernebeln.

Tja, seine Nettigkeit ist dann auch nur Fassade, die er sich aufgebaut hat, als seine Großeltern in erziehen mussten, und er seither allen alles recht machen will. Darunter ist ein wenig freundlicher und arroganter Typ, der Nicole zu seiner eingeschworenen Assistentin macht. Denn der Kerl hält sich für einen Alchemisten und braucht diverse Zutaten, um einen Beliebtheitstrank zu brauen. Über die Arbeit mit ihm verguckt er sich natürlich in Nicole und wird netter, und Nicole ist dann auch so nett auf ihn zu warten, bis er aus dem Gefängnis entlassen wird. Weil Jeff natürlich der Entführer ist, der seinen nicht sonderlich erfolgreichen Trank an den Mädels ausprobiert hatte.

Ich mag den Zeichenstil, aber schon alleine 3 Charaktere sehen sich eigentlich zu ähnlich.

Ted trifft man im ersten Kriminologie-Unterricht an, wenn man ihm den Rucksack ins Gesicht haut und er später die rausgefallenen Stifte Nicole hinterher trägt. Soll angeblich einen niedlichen Akzent haben, wobei wir später herausfinden, dass damit ein Südstaatenakzent gemeint ist, und das mal alles andere ist. Jedenfalls ist er der etwas verklemmte Typ, der seinen Job im Laden des Vaters echt ernst nimmt, und leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Und Nicole behandelt ihn sofort wie eine Zirkusattraktion, die zu ihrem eigenen Vergnügen existiert.

Wir finden dann heraus, dass sein Vater Polizist ist und die Mutter vor Jahren verstarb, deswegen der von ihr geleitete Laden verkauft werden musste. Sie sind hierher gezogen und nun will er sich über den neuen Laden beweisen, der aber nicht so gut läuft. Es sei denn sein DILF von Vater steht hinterm Tresen (kein gewinnbarer Charakter, leider). Mit einer Aktion soll dann auch mehr Aufmerksamkeit auf den Laden gelenkt werden, doch letztendlich stampft sein Vater ihn doch ein, weil er nicht weiter will, dass Ted sich unnötig für den aufopfert.

Wer drauf steht…

Kurt ist der Jock-Charakter des Spiels, den man versehentlich in der Umkleidekabine erwischt. Nicole wird sich übrigens seine ganze Route über wie eine 12-Jährige verhalten, der es total unangenehm ist, wann immer sie ihn ohne Shirt sieht, als wäre ein Kerl mit nacktem Oberkörper wahnsinnig was Besonderes. Trotz reichem Vater ist er über ein Sportstipendium hier, und auch nicht wirklich eine helle Leuchte, weswegen seine aktuellen Noten das Stipendium zum Wackeln bringen, bis Nicole zu seiner Nachhilfelehrerin wird.

Denn über den Unterricht werden nicht nur seine Noten besser, sondern auch seine Attitüde. Weniger dumme Sprüche, mehr ehrliche Gespräche. Dass man ihn auf dem ersten Date nicht küssen will, als wäre man eine schüchterne 12-Jährige macht die Situation allerdings angespannt, zusammen mit einer Verletzung, wegen der er das Jahr Football aussetzen muss. Weil er meint für sonst nichts gut zu sein, dem wir natürlich wiedersprechen. Und am Ende kann er zwar wieder spielen, hat aber auch nun neue Ziele und ändert seinen Studiengang in Sportmedizin.

Autsch.

Darren trifft man ursprünglich als Voix, den besagten Blogger, den Nicole so interessant findet, obwohl sie sofort beteuert, dass sie für die wenig mädchenhaften Themen eigentlich nichts übrig hat. Hey, Nicole ist doch kein Nerd, sondern nur eine missverstandene schöne Intelligenzbombe, auf die alle neidisch sind. Das arme Mädchen, schweres Schicksal. Wenn sich dann herausstellt, dass er an das gleiche College geht, und dahinter der schüchterne Darren steckt, der so ganz anders ist, interessiert Nicole das natürlich nur noch mehr.

Tatsächlich versteckt sich der spritzige Voix auch unter der Schale des zunächst fremdelnden Darren, der erst mal auftauen muss. Darren ist sich dabei durchaus bewusst, dass sein IRL-Selbst eher eine Enttäuschung ist, wenn man ihn vom Internet kennt. Was Nicole nicht komplett abstreiten aber auch nicht komplett bestätigen kann, weil das nur der erste Eindruck ist. Nachdem Nicole ihm auf Anfrage von guter Horror-Literatur ausgerechnet Internet-Creepypastas vorschlägt, und über Darrens enge Freundschaft zu Kurt unwitzige Schwulenwitze reist, hatte ich Nicole auf Darrens Route endgültig aufgegeben. Irgendwie meidet er sie dann auch, weil er zu nah an der Sonne flog, und sie doch nie auf ihn stehen würde, aber am Ende klärt sich das alles auf und gut ist.

Advertisements