Prince Caspian and the Dawn Treader

ava-1318Packen wir doch die nächsten zwei Storylines mal zusammen, so wie es die BBC-Serie damals getan hat. Damit kommen wir auch schon zum vorzeitigen Ende der Filmreihe. Nicht, weil die ob fehlender Qualität keine Kohle gemacht hätten, sondern weil die Verfilmungsrechte dummerweise ausgelaufen waren und man sich nicht so recht einigen konnte bei den Verlängerungsverhandlungen.

Die vier Kids werden also wieder nach Narnia gewünscht, nur sind hunderte von Jahren vergangen, die Narnianer sind Exil-Terroristen, die gegen die Spanier kämpfen müssen, die ihr Land übernommen haben. Dazu kommt noch der wahre Königsnachfolger Caspian, dessen Onkel ihn umbringen wollte, damit sein Neugeborener auf dem Thron sitzen darf. Also wird gekämpft. Für Narnia! Der Deus-Ex-Machina-Löwe hilft natürlich auch.

Auch Prince Caspian hält sich weitestgehend ans gleichnamige Buch, erfindet diesmal allerdings doch ein paar neue Dinge. So gibt es ein kurzes, halbminütiges Wiedersehen mit der White Witch. Keine Ahnung, warum. Damit die Einzelstorys mehr Zusammenhang haben? So wirklich was tun tut sie ja nicht. Außerdem hat man eine neue Actionszene erfunden und die Charaktere sich untereinander mehr reiben lassen. Denn wie bereits erwähnt geben die Narnia-Bücher nicht sonderlich viel Content für ein 150-Minuten-Epos her. Das ist auch im etwas Actionreicheren zweiten Buch nicht anders. Von daher ist es nachvollziehbar, dass man sich mit dem Duell und der großen Schlacht gegen Ende nicht zufrieden gibt, sondern zur Filmmitte hin auch schon mal ein Scharmützel herbei erfindet, damit die Kinobesucher einem im dunklen Saal nicht wegdämmern. Umso seltsamer, dass ich Caspian noch langweiliger fand, als den Erstling schon. Und trotz der neuen Kampfszene ist es einfach so, dass erneut die Musik das einzige Indiz dafür ist, dass das Geschehen episch sein soll, denn so wirklich zünden will es nicht.

Ich bin auch weiterhin überrascht, wie es ein Film mit einem Budget von 225 Millionen schafft, stellenweise so billig auszusehen. Die Optik, das fehlende Geschehen, manchmal seltsamer Schnitt und Kameraführung… Narnia 2 macht erneut einfach keinen so sonderlich professionellen Eindruck. Oder eher, es wirkt so dahingeschludert. Als hätte keiner der Beteiligten wirklich Lust gehabt, diesen Film zu machen und möglichst schnell auf Zelluloid gebannt, um fertig zu werden.

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Überraschend macht dann The Voyage of the Dawn Treader, immerhin auch das zweitbeste Buch der Reihe, so einiges besser, als die beiden Vorgänger. Zufall oder nicht, ist es auch der erste Film, den Walden Media nicht in Zusammenarbeit mit Disney produzierte, die ihn auf Grund von nicht zu besten Box Office Performances von Prince Caspian haben fallen lassen, wo er von 20th Century Fox aufgegabelt wurde. Auch ist es der erste Film, bei dem Andrew Adamson keine Regie führte (seinen Platz nimmt nun Michael Apted ein, dem ich in den 007 Sundays wieder begegnen werde). Woran es auch immer lag, andere Regie, andere Schirmherrschaft, besseres Buch, der dritte und bis auf Weiteres wegen Rechteproblemen letzte Narnia-Film ist der bisher beste.

Das liegt schon alleine an der Reise an sich. Lucy, ihr jüngerer Bruder und ihr Cousin, der diesmal die Rolle des Arschoch-Kindes, den Narnia „heilen“ muss, übernimmt, werden also erneut ins Fantasykönigreich gezogen, nur diesmal platzen sie gleich mitten in eine Geschichte hinein, auf die Dawn Treader, die sich gen östliche Meere auf den Weg macht, um den Verbleib ehemaliger Königsvasallen ausfindig zu machen. Das bringt den Film gleich von Anfang an auf einen besseren Fuß, als die beiden Vorgänger, bei denen es wesentlich länger dauerte, bis das Geschehen ins Rollen kam – hier rollt es schon bei der Ankunft der Kids. Der Exkurs in mehrere Etappen, von einer Sklavenhändlerinsel über Drachen und hin zu einer Seeschlange bis ans Ende der Welt, bietet natürlich auch mehr Kurzweil. Zumal jemand hier den Verstand hatte, den Film auf unter 2 Stunden zu halten, statt die vorige Überlänge von 150 Minuten beibehalten zu wollen.

Auch halten die Ereignisse sich nicht mehr so sklavisch an die des Buches, um sich besser dem Medium Film anzupassen. Zumindest meine vagen Erinnerungen ans Buch zum Vergleich genommen. Natürlich macht die White Witch ihren nötigen Cameo, obwohl sie nur in zwei Büchern ist, wollen die Filme sie wohl als Konstante im Hintergrund behalten. Lucy hat nun einen Subplot darüber, dass sie sich für hässlich befindet, was ich nicht aus dem Buch erinnere. Tja, wenn die Schauspielerin mal den Kopf nicht alle drei Filme über gesenkt hielte, so dass es so aussieht, als hätte sie keinen Hals, hätte sie das Problem vielleicht nicht. Dann wiederum sind ihre beiden älteren Geschwister Anna Popplewell und William Moseley und sie reist mit Ben Barnes, was ihren optischen Minderwertigkeitskomplex durchaus verständlich macht. Der seltsame Exkurs über das Meervolk, der kein wirklich solcher ist, wurde gleich rausgelassen.

Einfach insgesamt ist es so, dass der Film wesentlich mehr eins auf Fantasy-Abenteuerreise macht, was es ja auch ist, als zu versuchen, High Epic Fantasy nach Herrn der Ringe zu sein. Man hat also entweder endlich freiwillig aufgegeben, etwas zu sein zu wollen, was Narnia einfach nicht her gibt, oder das Material an sich hält dies zurück. Jedenfalls ist The Voyage of the Dawn Treader das kurzweiligste und unterhaltsamste der drei filmischen Abenteuer und mehr Repicheep ist eh immer gut. Ein Must See ist es immer noch nicht, die Narnia-Filme sind alle schrecklich uninspiriert, aber immerhin ist dieser nicht mehr so langweilig, wie die Vorgänger.

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The Lion, the Witch and the Wardrobe

ava-1314Die Narnia-Chroniken sind, zumindest in Großbritannien, absolute Klassiker, die dort fast jeder als Kind gelesen hat. Da ist es natürlich auch nicht wirklich verwunderlich, wenn sie filmisch umgesetzt werden. Im Falle des ersten Buches, The Lion, the Witch and the Wardrobe, sogar drei Mal fürs TV, bevor der Erfolg vom Herrn der Ringe und Harry Potter dazu führten, dass jede(s) Buch(-Reihe), die halbwegs in Epic Fantasy eingestuft werden kann, in opulentes Kino gefasst gehört.

Der Film beginnt mit Nazi-Bombenangriffen über London… was definitiv neu ist und eventuell noch mal nachschauen lässt, ob man wirklich den richtigen Film eingelegt hat. Damit wird uns hier natürlich nur der Grund gezeigt, warum die Kinder zu den Verwandten aufs sichere Land geschickt werden, und ist eine beim Schopf gepackte Gelegenheit, dem Material eine Action-Szene mehr abzugewinnen. Denn die Narnia-Bücher sind alles, aber sicherlich nicht sonderlich episch oder komplex, vom Finale mit seinem Jüngsten Gericht mal abgesehen. Die Bücher sind nun mal unter 200 Seiten und mehr „Baby’s First Fantasy Novel“, wogegen es ja nichts einzuwenden gibt, wodurch Narnia aber eben kein Herr der Ringe, sondern eher mehrmals der Hobbit ist.

Wie macht man daraus 2 Stunden und dann noch mal eine halbe? Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, denn anschließend hält sich der Film von einem Satz mehr hier oder dort von den Ereignissen her sehr nahe am Buch und weicht nicht wirklich ab oder erfindet sonderlich viel neu, um den Stoff zu hinterfüttern, kurze Anspielungen auf A Magician’s Nephew abgesehen (welcher vor The Lion, the Witch and the Wardrobe spielt aber später geschrieben wurde, weswegen es im Buch eben noch keine Hinweise auf die früheren Ereignisse gibt). Die vier Kinder sind halt nun auf dem Lande, können sich gewohnt nicht ausstehen, stolpern durch den Wandschrank nach Narnia, die Schneekönigin verführt einen der Jungen, die anderen drei Kinder treffen den Nikolaus, der ihnen Waffen schenkt, dann auf dem Serien Deus Ex Machina (im wahrsten Sinne des Wortes, ist er doch Gott) Arslan, der sich für unsere Sünden opfert und wiederaufersteht, und dann die finale Schlacht gegen die Hexe gewinnt.

Das ist tatsächlich nicht wahnsinnig viel Material und wie gesagt auch im Groben nicht so spektakulär oder episch. Der Film ist dann entsprechend mindestens eine halbe, vielleicht sogar eine ganze, Stunde zu lang geraten und daraus resultierend, wenn auch getreu dem Buch und im Schnitt ganz schaubar, doch auch Stellenweise langweilig. Es bleibt ein eher lauwarmes Resultat. Vielleicht hätte man doch hier und dort mal den „Epify“-Knopf drücken sollen, was im Vorhinein befürchtet wurde. Denn der Film will uns weismachen, dass alles super episch ist, auch wenn das auf dem Schirm gesehene das nicht beweist. Schon etwas seltsam, wenn Peter ganz pompös den Titel „Wolfbane“ verliehen bekommt, nachdem er gerade mal einen einzigen Wolf abgestochen hat, der ihm auch netterweise direkt aufs Schwert sprang. Lediglich aus der Schlacht gegen Ende, versucht der Film dann mal was rauszuholen, in dem er die doch groß aufzieht und eine halbe Stunde andauern lässt. Aber auch hier stinkt das Scharmützel ordentlich gegen alles ab, was wir eben im Herrn der Ringe zu sehen bekommen haben.

Die Special Effects sind übrigens auch ständig am Schwanken zwischen gut und katastrophal und es tut mir ja echt leid, aber Arslan find ich nur unfreiwillig komisch im Film, wie die meisten sprechenden Tiere, um genau zu sein. Mr. Tumnus allerdings ist so was von knuffig. James McAvoy gibt definitiv das nuancierteste Schauspiel des Filmes, was sicherlich nicht schwer ist, zwischen CG-Tierchen, ständig weitäugigen Kindern und einer permanent mürrischen Hexe.

Es ist halt so, aus dem Hobbit lässt sich kein Herr der Ringe machen, Narnia lässt sich als überlange Epic Fantasy nicht aufziehen, vor allem, wenn man keinen Versuch unternimmt, es eben wirklich epischer zu inszenieren.

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