Adventure Week #17: Nameless Game Eye

ava-2077Und damit kommen wir zum dritten japanischen Spiel der Woche, und zum dritten Sequel eines vorig bespielten. Vor zwei Jahren habe ich Nanashi no Game gespielt, letztes Jahr hat der zweite Teil seine Fantranslation spendiert bekommen, und somit kommt dieses Jahr Nanashi no Game: Me auf den Plan.

Stellt sich heraus, dass das blasse Geistermädchen mit den langen Haaren im Gesicht zu erlösen doch nicht das Ende des Fluches war. Denn als neuer Charakter, erneut ein Unistudent mit einem weiblichen und einem männlichem Freund zur Seite, laden wir uns das Game mit dem geglitchten Namen, und dürfen darauf warten, in 7 Tagen ums Leben zu kommen. Erneut schickt Sie und dahin, Ihn zu besuchen, weil er nicht mehr zur Uni auftaucht, und erneut finden wir nach dem kurzen Tutorial-Appartment die Leiche unseres Freundes. Unsere Freundin wird sogar später erneut beim Zugfahren ebenfalls verschwinden. Und der Professor steht uns mit Rat und weniger Tat zur Seite, wenn es darum geht, herauszufinden, warum der Fluch tatsächlich noch weiter existiert, und warum neben Sadako in Weiß nun auch Sachiko in Rot hinter uns her ist.

Es ist schon erstaunlich, wie gleich sich die beiden Spiele sind, sogar wenn es um die partizipierenden Charaktere und Beats in der Geschichte geht. Dabei ist die Hintergrundgeschichte diesmal nicht die gleiche, statt eine Familientragödie hat diesmal ein Drama zwischen drei Freunden den Fluch ausgelöst.

Was auf jeden Fall neu ist, ist das Gimmick, nachdem das Spiel benannt ist. Beim ersten Treffen aus des a la The Ring dem DS-Screen entsteigenden Blasse-Mädchen-mit-Haaren-im-Gesicht-Geist packt die uns nämlich beherzt ins linke Auge. Was dazu führt, dass jenes jetzt übernatürliche Dinge sehen kann. Nicht Geister, die sehen wir auch mit rechts, sondern hinterlassene Astralspuren, die diesmal angeklickt werden müssen, damit sich das verflucht 8bit-RPG melden kann, welches Neuigkeiten für die Handlung oder häufiger einen Weg offeriert, um sich um den Geist herum zu puzzeln.

Jemand hat mal geschrieben, dass Spiele wie Nanashi no Game, Ju-On oder Calling eine neue Well an Casual Horror darstellen. Simple Spiele mit simplem Kontrollschema, die in Japan hauptsächlich an Teenie-Mädels vermarktet sind, die sozusagen das Äquivalent eines kurzweiligen Popcorn-Horrorfilmes spielen wollen. Das passte tatsächlich sehr gut auf Nanashi no Game, bei dem man sich per Touchscreen-Gekritzel in Egoperspektive umgesehen hat, und hauptsächlich eigentlich nur geradlinige Korridore entlang rannte, dabei einem One-Hit-Kill-Geist ausweichend, bis sich ein neues Stück Story losbrach, oder der Tag schlichtweg beendet war.

Nanashi no Game: Me geht davon sicherlich nicht komplett weg, scheint aber doch darauf aus, etwas mehr spielerisch zu bieten. Ja, die Tage bestehen immer noch daraus, dass man ein kurzes Gespräch an der Uni hat, dann in 3D-Umgebung ein paar Gänge entlang läuft, immer mal wieder vom namenlosen Spiel unterbrochen wird, bis das Auffinden einer neuen Info den Tag beendet. Aber das Auftauchen der Geister hier ist weniger in der Form, dass man ihnen den einen Gang hinunter weg laufen muss. Stattdessen stehen sie häufiger mitten im Weg, und man muss sich entweder um sie herum schleichen, oder wie gesagt durch das mit der realen Welt in Verbindung stehende DS-Spiel einen Weg finden, sie aus dem Weg zu bekommen. Eine wahre Schwierigkeit offeriert das immer noch nicht, da sich eigentlich immer, sobald ein Geist erscheint, um den es kein herum gibt, einfach umgeschaut werden muss, wo das linke Auge den nächsten Kontaktpunkt zum verfluchten Spiel bereithält, dort dann mit dem Geist interagieren, und er verschwindet in der echten Welt. Aber das Spielgeschehen fühlt sich dadurch schon mal involvierter an, die beiden Welten an sich viel verbundener. Es ist auch schön, dass die Geschichte genau wie das Gameplay jetzt relativ gleichmäßig im RPG wie der realen Welt stattfindet, statt wie im Vorgänger es strickt zu trennen und dadurch beide etwas schal wirken zu lassen.

Zudem ist es echt praktisch, dass es Störflimmern im linken Auge gibt, wann immer ein Geist nahe ist, stärker je näher man ihm kommt. Wenn man doch mal vor einem Geist wegrennen muss, weiß man so, wie nahe er einem ist. Es war im Vorgänger manchmal leicht nervig, nie zu wissen, wann man sie abgehängt hatte, weil man beim langwierigen Umdrehen Gefahr lief, dass sie einen genau dann einholen würden. Jetzt weiß man immer, wann man sich in Acht nehmen muss, weil sie einem noch auf den Versen sind, oder eine Bedrohung im aktuell betretenen Raum auf einen wartet. Netterweise ist auch das Game Over aufbereitet worden, ein Ableben führt zu einem letzten sehr nahen Checkpoint.

Die gruselige Atmosphäre geht dem Sequel dadurch allerdings nicht ab. Es erschrickt sich immer noch überraschend leicht, wenn in der 3D-Umgebung plötzlich ein Spiegel zerbricht, eine Büste umfällt, Blut gegen ein Fenster spritzt, oder ein Fernseher plötzlich angeht. Das Flimmern im Auge mag einem ob eines Geistes alarmieren, trägt aber genau deswegen auch dazu bei, dass man automatisch unterschwellig aufgewühlter ist, sobald es einsetzt.

Es gibt übrigens neben dem eigentlichen verfluchten Spiel diesmal noch ein zweites. Ebenfalls durch Astralpunkte in der Umgebung, allerdings rote, können nun kleine Platformer-Challenges gespielt werden. Außerdem gibt es mehrere NES-Module optional zu sammeln. Und um den Wiederspielwert weiter zu erhöhen, neben einem besseren Ende wenn man gewisse Items im RPG gesammelt hat, sogar an einigen Tagen verschiedene Routen, da man sich aussuchen kann, welche von zwei Lokalitäten man untersuchen will.

Heh, Nameless Game: Eye ist eigentlich Echo Night 2 nicht unähnlich gewesen. Nicht nur vom Spielprinzip in First Person durch eine 3D-Umgebung zu laufen, und von Geistern gejagt zu werden. Sondern schlichtweg auch, dass ich von beiden die Vorgänger ganz Ok aber Verbesserungswürdig fand. Und bei beiden hat man genau das getan. Die Spiele sind zum Großteil ihren Vorgängern gegenüber gleich geblieben, bringen aber ein insgesamt runderes Spielerlebnis mit, da sie einem doch ein wenig mehr zu tun geben, und insgesamt alles besser zusammengehörig erscheint.

Adventure Week #14: Nameless Game

ava-1702Nanashi no Game und dessen Sequel gehören mit Sigma Harmonics und Blood of Bahamut zu den wenigen SquareEnix-Spielen auf dem DS, die es nicht in den Westen geschafft haben – zumindest wenn man klare Nicht-Lokalisationen wie die ganzen Lernspiele und Sequels zu bewiesen sich hier nicht gut verkaufenden Serien wie die Chocobo-Spinoffs aus der Rechnung raus lässt.

Was uns geliefert wird ist ein Horror-Spiel der Marke „verfluchter Gegenstand tötet dich nach 7 Tagen“. In diesem Fall erzählt der urbane Mythos von einem Spiel, das man sich auf den beliebten TS, kurz für Twin Screen, laden kann. Angeblich ist es verflucht und tötet einen nach 7 Tagen. Urbaner Mythos, oder heutzutage wohl eher Creepypasta genannt, vor denen natürlich nur 12-Jährige schiss haben, und sich deswegen auch genug Leute finden, die es sich laden, für den Nervenkitzel, aus Langeweile und Kuriosität, oder um es zu widerlegen. Unser Hauptcharakter, dessen Geschlecht ausgewählt werden und dann benannt werden kann, hat es sich gerade erst gezogen und zu spielen begonnen, als seine Freundin ihn schickt, mal im Apartment des Freundes nach dem Rechten zu sehen, weil der sich dort in seiner Spiele-Obsession vergraben hat. Was wir vor finden ist eine dunkle Hütte, mit verbarrikadierten Fenstern, seltsamen Geräuschen, und am Ende die Leiche des Freundes mit dem laufenden TS noch in den Händen.

Nachdem die Freundin auch noch verlustig geht, sprechen die Tatsachen schon eher für die Wahrheit der Geschichte hinter dem Spiel mit dem verglitchten Namen, und wir haben eine ziemlich klare Deadline, um das Geheimnis hinter seiner Entstehungsgeschichte zu lüften, und den Fluch von uns zu nehmen, bevor die Woche nach Spielbeginn zu Ende ist. Bei Seite steht uns der Professor für… keine Ahnung, Folklore?, Medienwissenschaften? Ich glaub das Spiel sagt es nie direkt, er ist halt der übliche Charakter, der prätentiöse Pseudo-Philosophie ob altertümlicher Sagenwelt und moderner Elektronik ablassen kann, die als Erklärung her hält, warum Geister über ein Videospiel töten können.

Wirklich viel tun tut jener aber eh nicht, die Last der Arbeit hängt am Spieler. Und das in dualer Welt. Zum einen haben wir dort die reale Welt, in der der DS im Buchformat gehalten wird und wir uns First Person in einer 3D-Umgebung bewegen, um Wohnsitze, Krankenhäuser und Programmierstudios zu durchsuchen, auf Hinweise zur Aufklärung des Fluches. Doch dies findet stattdessen eher statt, wenn der TS auf sich aufmerksam macht, und wir ins verfluchte Spiel gezogen werden. Traditionell in 8bit gehalten, eine Welt wie in Dragon Quest, bevölkert von NPCs wie aus Final Fantasy, und mit mehr und mehr Glitches durchzogen, ist jenes der Haupttransport was die Hintergrundgeschichte angeht, die den Fluch wirklich erst ermöglicht hat. Dennoch sind jene Exkurse kurz, die Bewegung in der Realität macht mehr Spielzeit aus. Auch wenn dort wenig mehr gemacht werden muss, als den Geistern der Opfer des Spieles auszuweichen. Denn zum Großteil ist Nanashi no Game ein Run & Hide, wie sie in letzter Zeit von Amnesia und Outlast populär gemacht und seither in jedem Indie-Horror ever zum Standard wurden, welche die Japaner aber schon seit der ersten PlayStation in Hellnight und Echo Night und in Third Person auch bereits auf dem SNES mit Clock Tower hatten.

Was aber eben schnell auffällt ist, dass in Nanashi no Game einfach nicht unglaublich viel Spiel steckt. Das Spiel ist locker in weniger als 4 Stunden zu beenden, und die Spielzeit auch nicht wirklich sonderlich variabel, da alles enorm geradlinig ist. Durch das Gespräch mit dem Prof zu Tagesbeginn klicken, dann geht es in die Lokalität des Tages, dort dann den einzigen Pfad entlang gehen, und auftauchenden Geistern ausweichen, bis sich das namenlose Spiel meldet, um einen weiteren Storybrocken preis zu geben. Gegenstände einzusammeln oder Puzzel zu lösen gibt es so gut wie nicht, und wenn dann am Ende des vorgegebenen Pfades, mal abgesehen von im verfluchten Spiel rumliegenden Geheimnissen, die das bessere Ende benötigt. Ansonsten gibt es aber wie gesagt in beiden Welten nichts zu tun, im Spiel einfach alle NPCs ansprechen, um Story zu hören, in der Realität Gänge entlang rennen, bis man am Ende angekommen ist.

Was Nanashi no Game dafür aber enorm gut macht, ist Atmosphäre rüber zu bringen. Die langsam stärker werdenden Glitches in der Grafik sowie dem Sound des so vertraut nostalgisch aussehenden Spieles sind doch überraschend creepy, dafür das man weiß, dass einem hier nichts geschehen wird. Und die 3D-Umgebungen sind für DS-Verhältnisse auch gut geraten, und halten so einige Scares bereit, nicht nur die plötzlich auftauchenden und hinter einem her schlurfenden Gespenster, sondern auch was plötzliche Geräusche etc. in der Umgebung angeht. Was den Horror angeht, macht Nanashi no Game seine Arbeit also doch ziemlich gut, da vergibt man doch gerne ein Stück weit, dass es spielerisch etwas mau ausgefallen ist.