Universal Monsters – Mystery of Edwin Drood

ava-2031Boah, ich schwöre jedes Mal, wenn ich auf die Wikipedia-Liste der Universal Monsters schaue, ist die anders. Filme sind in eine neue Reihenfolge gestellt, es sind neue dazu gekommen, dafür andere rausgenommen. The Mummy, Murders in Rue Morgue, und The Old Dark House habe ich jetzt nicht in richtiger Reihenfolge geschaut. Das ist an sich nicht wahnsinnig schlimm, solange ich sie halt alle gesehen habe, bringt aber mit sich, dass ich die Evolution der Reihe nicht richtig nachvollzogen habe. Secret of the Blue Room ist plötzlich gar nicht mehr in der Liste. Dafür ein 1930er Serial aufgetaucht, das netterweise ein verlorener Filme ist, ich ihn also gar nicht sehen hätte können.

Egal, genug gemeckert. Als nächstes ist Mystery of Edwin Drood dran, momentan in der Liste für 1935 geführt, noch vor den bereits von mir geschauten The Raven, Bride of Frankenstein, und Werewolf of London, aber wer weiß wie lange dem noch so ist. Wenn ich in einem halben Jahr wieder rein schaue, ist er vielleicht gar nicht mehr in der Liste.

The Mystery of Edwin Drood basiert auf einem Buch von niemand anderem als Charles Dickens. Oder besser gesagt auf einem Manuskript davon, denn es hätte sein letztes Buch werden sollen, jedoch verstarb Dickens bevor er es beenden konnte. Somit blieb das Geheimnis des Mr. Drood für immer ungelöst. Zumindest in besagtem Original, denn die Version von Universal erfindet sich natürlich ein Ende.

Im Prinzip haben wir es hier mit einem Liebesviereck zu tun, da sich gleich drei Männer um eine Dame streiten, auch wenn eigentlich gar nicht alle sie wollen. Das Ziel von Jedermanns Affektion ist die gute Rosa, die gerade ihren 18. Geburtstag feiert. Bevor ihre Eltern starben wurde Rosas Hand ihrem Kindheitsfreund Edwin Drood versprochen, der auch durchaus vor hat sie zu heiraten, und das möglichst schnell, denn er hat einen Job in Ägypten, also muss sie vorher zu einer anständigen Frau gemacht werden, damit er sie dorthin mitnehmen kann. Wie das allerdings mit Kindheitsfreunden häufig der Fall ist, haben die beiden keinerlei romantische Chemie zwischen einander, sondern stehen sich mehr wie Geschwister gegenüber. Frisch aus den Kolonien in die englische Society gekommen ist der junge Neville mit seiner Schwester, der sich auf den ersten Blick in Rosa verguckt, und sie auch in ihn. Als Dritten im Bunde hätten wir den Onkel von Edwin, John Jasper, der Rosa hat aufwachsen sehen und ihr Gesangsunterricht gibt, und ganz eindeutig Interesse an ihr hat, auch wenn das sonst keiner zu merken scheint – abgesehen von Rosa vielleicht, die sich zwar nicht sicher ist, was mit dem Kerl los ist, aber ihn doch mittlerweile für einen ziemlichen Creep hält.

Damit wären alle Figuren auf dem Schachbrett und ich muss wohl beim Titel The Mystery of Edwin Drood und dem Setup nicht erwähnen, dass Edwin Drood verlustig geht, und der Rest der Geschichte sich darum dreht, was mit ihm geschehen ist, und wenn dann wer ihn eventuell umgebracht haben könnte. Problematisch ist hierbei, dass der Film sein erdachtes Ende viel zu offensichtlich macht, in dem er John Jasper so eindeutig als den Fiesling porträtiert, ihn so eindeutig was planen und im Schilde führen hat. So sehr, dass ich ganz moderne Filme gewohnt, dachte dies wäre zu offensichtlich, und das hat ein Roter Hering zu sein, in Wirklichkeit sei was ganz anderes mit dem Herrn Drood geschehen.

Ich wüsste ja gern mal, wie weit das Buch an sich geschrieben wurde, nehme einfach mal spontan an, dass Dickens kaum über das Verschwinden von Edwin Drood hinaus gekommen ist. Denn das Pacing von The Mystery of Edwin Drood ist schon sehr… langsam. Gut, dass sind die Universal Filme der damaligen Zeit irgendwie alle. Jedoch braucht der Film bis fast zur vollen Stundenmarke seiner 90 Minuten, um besagtes Geheimnis sprich das Verschwinden geschehen zu lassen. Dafür geht es anschließend umso schneller in die Beschuldigung von Neville, der als „zu braun“ für einen Engländer natürlich ganz xenophob zusammen mit seiner Hitzköpfigkeit zum Ziel der Anschuldigung wird. Hier wäre es sicherlich schön gewesen, wenn das doch eigentlich recht simple Setup schneller über die Bühne gegangen wäre, dafür das anschließende Rätselraten die Hauptzeit des Filmes eingenommen hätte – inklusive einem nicht eh so weit im Voraus hervorsehbaren Endes.

Eine Sache, die ich irgendwie ja schon niedlich fand, war wie gay der Film doch wirkt. Die gute Darstellerin von Rosa hat keinerlei echte Chemie mit irgendeinem von den Kerlen, dafür die umso mehr untereinander, wenn sie ohne ihr Herzblatt beisammen sind. Gerade Edwin Drood und sein Onkel John Jasper. Das liegt sicherlich schlichtweg daran, dass damals dies on par war, was das Schauspiel eines Romantic Male Leads angeht. Aber diese hübschen Kerle in extrem eng geschneiderten Anzügen und Mini-Jackets zu sehen, wie sie foppisch schauspielern, und Zahnpastalächelnd auf Mobiliar rumflätzen, inklusive „zeichne mich wie eines deiner französischen Mädchen“-Haltung… herrlich. Umso witziger, wenn man anschließend rausfindet, dass der Akteur von Edwin Drood – sprich der einzige Kerl, der nicht in Rosas Höschen will – tatsächlich schwul war.

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