The Show Must Go On: Cats

Cats. Das Musical. Der 1981er Underdog, an den niemand glaubte, und der zum ersten Mega-Musical der 80er wurde. Jeweils um die 20 Jahre am Londoner West End, Broadway und in Hamburg gelaufen, bevor dort jeweils Anfang der 2000er der letzten Vorhang fiel. Letztes Wochenende konnte man es sich jedoch ganz angenehm und unkompliziert streamen.

Denn Andrew Lloyd Webber ist unter jene gegangen, die einem zu Corona-Zeiten kostenlose Unterhaltung anbieten, damit man zu Hause bleibt. Auf dem Youtube-Kanal The Show Must Go On wird Freitag Abend ein Mitschnitt eines seiner Musicals online gestellt, welches man sich das Wochenende über anschauen kann, bevor es 48 Stunden später wieder offline geht. Und das war letzten Freitag eben Cats, welches wenige bereitwillig zugeben zu mögen, dessen Erfolg allerdings andere Bände spricht.

Ich war auch ein Skeptiker, ich gebe es zu. Für 2 Stunden Leuten in Spandex und dämlichen Haarteilen dabei zuzusehen, wie sie wild durch die Gegend hüpfen und über Nonsense singen? Nein danke. Ich möchte es dramatischer und pompöser, keinen Kindergeburtstag. Aber wenn Cats umsonst anzuschauen ist, irgendwie nimmt man es dann ja doch mit.

Man darf mich als konvertiert bezeichnen. Klar, all die „Probleme“ mit Cats sind da. Das Musical hat keine wirkliche Handlung. Der narrative Faden ist, dass die Katzen hoffen in ein neues Leben wiedergeboren zu werden, was dann am Ende auch einer Auserwählten geschieht. Aber wirkliche Gewichtung darauf wird nicht gelegt. 90% der Nummern bestehen daraus, dass eine der Katzen vorgestellt wird. Und dann die nächste. Und wieder eine. Macht auch Sinn, wenn man bedenkt, dass das Musical auf einem Buch zusammenhangloser Kinderreime besteht. Die Kostüme sind lächerlich. Das ganze Ding ist mehr eine Revue zusammenhangloser Nummern mit starker Gewichtung auf Tanz.

Ich war total darauf eingestellt Cats nicht zu mögen. Doch ich mochte es. Sehr schnell sogar. Der erste Song lief, und ich war von dem, was dort geschieht, bereits eingenommen. Cats hat nämlich unglaublich gefällige Vibes. Die Nummern strahlen eine ungemeine Energie aus, die Texte sind witzig, und die Schauspieler gehen alle total in ihren Parts auf. Die reine Freude, die einem vom Geschehen aus entgegenprallt, ist unmöglich nicht wahrzunehmen. Ich hatte sehr gute 2 Stunden mit Cats. Habe 2 Stunden mitgelächelt. Habe 2 Stunden mitgeschunkelt. Bin 2 Stunden einfach in diese fantastisch-irre Welt von Cats abgetaucht und hatte meine reine Freude dabei. Und das ist eine wichtige Eigenschaft, selbst wenn Cats ein gewisses Prestige und Drama und Gravitas abgehen mag, den man mit den Mega-Musicals der Zeit eigentlich assoziiert.

Die Track-Liste der 1998er Aufzeichnung war dann wie folgt.

Jellicle Songs for Jellicle Cats:
Die Katzen beginnen damit, darüber zu singen, was eine Jellicle Cat ausmacht, was generell so ziemlich die Eigenschaften von Katzen allgemein sind. Aber schon hier war ich am Grinsen. Es ist einfach ein witzig-blöder Song zu einer fröhlichen Melodie. Mit allen Katzen am Partizipieren hat er auch viel stimmliche Varietät. Viele Reaktionsgesichter zu gewissen Tönen der Melodie und das direkte Adressieren des Publikums untermauern, dass Cats einfach nicht so wahnsinnig seriös sein wird.

The Naming of Cats:
Die zweite Nummer ist ehrlich gesagt ein wenig unheimlich, mit einer dunkleren Melodie und allen Katzen Unisono mit weit aufgerissenen Augen darüber singend, dass Katzen drei Namen haben.

The Invitation to the Jellicle Ball:
Hier starten wir mit einem Tanz-Solo von Vicotria, die ein sehr luftiges Ballet vorführt, bevor die wesentlich schwungvollere Melodie beginnt und das Lied an sich loslegt. Bei dem hauptsächlich das Energiebündel Mistoffelees und der stimmlich wesentliche theatralischere Munkustrap uns darüber informieren, dass ein Mal im Jahr der Jellicle Ball anberaumt ist, bei dem eine ausgewählte Kazte ein neues Jellicle Leben anfängt.

The Old Gumbie Cat:
Das war es an rudimentärem Narrativ zunächst, es geht rein in die Katzenvorstellungen. Erneut darf Munkustrap mit seiner klassischen Stimme darüber singen, was eine Gumbie Cat ist. Hauptsächlich bedeutet dies den ganzen Tag zu faulenzen, Mäusen und Kakerlaken dann nachts aber gutes Benehmen beizubringen. Das ganze Ding endet damit, dass die Gumbie Cat Jennyanydots einen Energie-geladenen Tapdance mit als Mäuse und Kakerlaken verkleideten Katzen hinlegt. Super spaßige Nummer.

The Rum Tum Tugger:
Vorstellung einer Katze, die ausnahmsweise hauptsächlich über sich selbst singt, statt von einer anderen Katze besungen zu werden. Der queere Energie ausstrahlende Rum Tum Tugger schwingt und vibriert seine Hüften über die Bühne, singt darüber was für eine verwöhnt-launische Katze er ist, und verhält sich allgemein wie ein Rockstar. Was er auch ist, denn alle Katzen im Chorus um ihn herum fallen ihm wortwörtlich zu Füßen.

Grizabella:
Genug Spaß gehabt. Nun folgt eine langsame und bedrohliche Melodie. Sehr gothisch, wenn in theatralischer Stimme die weit vom ehemaligen Ruhm gefallene Grizabella über ihr nun schlechtes Leben singt. Während der Chorus der anderen Katzen, die sich alle von ihr abwenden, sie geradezu spottend als die Glamour Cat bezeichnen. Absolut mein Stück, jede Sekunde davon.

Bustopher Jones:
Kontrastiert wird das mit dem Song über eine andere der älteren Katzen. In dem das Katzen-Ensemble um ihn herum darüber singt, was für ein edler Kater der fette Bustopher Jones doch ist. Und wie viel Respekt ihm doch alle zollen. Selbst sein Übergewicht wird in einem verspielten Ton angebracht, als eine positive ihn ausmachende Eigenschaft.

Mungojerrie and Rumpelteazer:
Der Spaß lässt sich aber noch steigern. Herein kommen zwei Katzen, welche die absoluten Energie-Bündel in einer Show darstellen, bei dem alle Darsteller vor Energie nur so strotzen. Die zwei Comedian akrobatieren in einer Geschwindigkeit über die Bühne, während sie mit dickem britischen Akzent (ein Segen auf die YT Close Captions) über ihre Eskapaden reimen.

Old Deuteronomy:
Nach den letzten beiden schnelleren Nummern kommt nun ein andächtigeres Stück, welches geradezu was von einem Kirchenlied hat. Denn die Katzen singen über ihre Jesus-/Moses-Figur. Der Kater, der am längsten und viele Leben gelebt hat. Und welcher die Entscheidung trifft, wer wiedergeboren werden wird. Munkustrap und der Rum Tum Tugger bezirzen sich dabei auch irgendwie ganz schön heftig, heh.

The Awefull Battle of the Pekes and the Pollicles:
Der Titel des Songs über den großen Kampf zweier Hundegangs im Park und wie eine Superhelden-Katze rettend einsprang, mag erst mal dramatisch klingen. Ist aber wieder ein ziemlich spaßige Nummer. Hauptsächlich singt Munkustrap mit seiner distinguierten Theater-Stimme über die Ereignisse, während die anderen Katzen sich als Hunde verkleiden und käffend einspringen. Schnelle Reime, einige Alliterationen, es muss ein Alptraum für den Munkustrap-Darsteller sein, hier nicht über die eigenen Worte zu stolpern. Aber er macht absolut sein Ding draus, mit extremer Akzentuierung der Witze, mit viel Mimik-Reaktionen auf das Geschehen.

Jellicle Ball:
Zurück zu den etwas gespenstig-mystischen Stücken, welches allerdings progressiv schneller und schneller wird. Bei dem die Katzen mehr und mehr Nonsense darüber singen, was sie Jellicle macht, bis sie am Ende dann in einem sexuell aufgeladenen Haufen zusammenfallen.

Grizabella the Glamour Cat:
Wir beginnen mit einem sehr schnellem Melodie-Mashup von Jellicle Songs und Grizabella, bei dem niemand singt, sondern alle Katzen voller Energie auf der Bühne tanzen. Bis Grizabella am Ende die Bühne betritt, erneut von allen missachtet wird, und beim Versuch für sich alleine zu tanzen versagt, was den nächsten Song einleitet…

Memory (Prelude):
Ein kurzer Vorgeschmack auf die große Ballade des Stücks, bei dem Grizabella für knapp 2 Minuten zu der wunderschönen Melodie ihr vergangenes Leben betrauert und dann wieder von der Bühne wankt.

The Moments of Happiness:
Old Deuteronomy, die einzige Katze, die Grizabella Memory hat singen hören, hat eine Epiphanie und singt einen sehr simplen Song über wahres Glück. Welches später übergeht in einen Chorus aller anderer Katzen, die über die Suche nach Glück zu einer abgewandelten Memory-Melodie singen.

Gus the Theatre Cat:
Und erneut wird ein Auftritt von Grizabella (fast sofort) mit einer anderen älteren Katze kontrastiert, die im Gegensatz zu ihr hoch angesehen ist. Es wird über Gus gesungen, die Theatre Cat. Alt und heruntergekommen aber früher ein großer Darsteller gewesen. Es endet darauf, dass Gus selbst, mit brechender Stimme, noch ein paar Geschichten aus seiner Glanzzeit zum Besten gibt, bevor er wieder bedächtig von der Bühne geleitet wird. Was ein herzerwärmendes Stück.

Skimbleshanks the Railway Cat:
Zurück zu einem schnellen Stück voller Freude und Energie. Alle Beteiligten haben den Spaß ihres Lebens, besonders wenn sie einen Zug pantomimen und dabei Choo Choo rufen.

Macavity the Mystery Cat:
Es gab vorher schon zwei Instanzen von einem plötzlichen Donnerschlag, zu dem jemand ominös den Namen Macavity flüsterte. Doch jetzt entführt er Old Deuteronomy. Was dazu führt, dass zwei weibliche Katzen einen sehr nach Nachtclub klingenden Song über den Napoleon of Crime zum Besten geben. Endend in einem Tanz-Kampf gegen Macavity. Ein weiterer meiner Favoriten.

Mr Mistoffelees:
Der Rum Tum Tugger zeigt uns erneut seine beste Rocky Horror Art auf der Bühne, während er über die magische Katze Mistoffelees singt. Starker Nutzen von schlechten Post Production Special Effects inklusive. Super eingängiger Refrain im Song, den man schlecht wieder aus dem Kopf kriegt. Am Ende ist dann Old Deuteronomy auch schon wieder befreit.

Memory:
Das ist auch gut so, denn es ist Zeit, dass er seine Entscheidung trifft. Doch ein letztes mal darf Grizabella auf die Bühne kriechen und von allen anderen Katzen ignoriert werden. Bis sie Memory anstimmt. Die große emotionale Ballade des Stückes über vergangenen Ruhm und bessere Zeiten, über fast vergessenes Glück.

The Journey to the Heaviside Layer:
Sie hat damit die anderen Katzen auf ihre Seite gebracht, Deuteronomy hat sie auserkoren. Somit geleiten alle in einer fröhlichen Parade Grizabella ins neue Leben. Die Nummer ist Ok, fühlt sich aber ein wenig wie Füller an, der nur für den bisschen narrativen Kontext existiert.

The Ad-dressing of cats:
Wir enden mit einer großen Nummer, in der Deutronomy und der Chorus der anderen Katzen, teilweise direkt zum Publikum, noch mal darüber singen, was eine Katze ausmacht. Und das eine Katze eben kein Hund ist. Eine Liebeserklärung eines Katzenmenschens an die feline Spezies in Song-Form.

Anna and the Apocalypse

Zu Weihnachten gibt es ja normalerweise ganz zynisch immer thematisch passende Horrorfilme. Dem ist auch dieses Jahr so. Ich bin also mal wieder durch die Wikipedia-Liste an Christmas Horror gegangen. Welches alles von Horrorfilmen, in denen der Feiertag zentral wichtig ist, bis hin zu jenen, wo man nur durch einen Weihnachtsbaum in einer Szene im Hintergrund erraten kann, dass es zufällig an jenen Feiertagen spielt, enthält. Und mir war dabei dann doch mal nach etwas Speziellerem statt dem x-ten Weihnachts-Slasher im Santa-Clause-Kostüm, oder einem Creature Horror mit einer düster-mythologischen Weihnachts-Märchenfigur.

Als ich dann auf Filme mit der Bezeichnung „British Christmas Zombie Horror Comedy Musical“ und „French Erotic Horror Comedy“ gestoßen bin, war ich sofort Ready to Go. Den Anfang macht dabei Anna and the Apocalypse. Also das Weihnachts-Zombie-Musical unter den beiden Spezialinteressen-Filmen.

Ein gänzlich beschissenes Weihnachten steht an. So hat der Vater von Anna beispielsweise gerade herausgefunden, dass sie nach der High School nicht direkt an die Uni gehen, sondern erst Mal ein Jahr reisen will, was ihm so gar nicht gefällt. Schul-Schönling Nick, mit dem sie einen One-Night-Stand hatte, verhält sich auch ziemlich arschig. Währenddessen geht es ihrem besten Freund John auf den Zeiger, dass er nicht ihr Boyfriend ist. Und Steph, die eigentlich einen Artikel über das Obdachlosenproblem der Kommune in die Schülerzeitung bringen will, wird eiskalt vom stellvertretenden Direktor Mr. Savage abgesägt.

High School Drama eben. Welches allerdings am nächsten Tag prompt etwas in Perspektvie gerückt wird. Da sich die Kleinstadt nämlich plötzlich mitten in einem Zombieinfestationsausbruch befindet und ums Überleben gekämpft werden muss. All in this together~!

Ich reiteriere hier dann mal zwei Dinge über mich. Ich mag Musicals und habe an die keine besonders hohen Ansprüche. Wenn sie peppig ausschauen und die Musik eingängig ist, reicht mir das. Ich hab es nicht so mit Zombiefilmen oder Zombiemedia im allgemeinen. Ich mag Shaun of the Dead und Warm Bodies und vieles andere geht ein wenig an mir vorbei. Mit Anna and the Apocalypse gibt es nun aber auch einen dritten Zombiefilm, den ich immer wieder schauen könnte.

Es ist halt einfach so ein unterhaltsamer und spaßiger Genre-Mix. Natürlich klingen die Songs ein wenig arg nach High School Musical. Das ist natürlich so gewollt, weil sie damit ziemlich gut mit dem Rest kontrastieren. Das sollte klar sein, wenn in einer Zombieapokalypse plötzlich ein Song mit dem Titel „What a Time to be Alive“ angestimmt wird. Oder wenn der Tag, nachdem die Alltagsprobleme der Charaktere dargelegt wurden, sie mit einem fröhlichen Song darüber aufwachen, dass sie ihr Leben ändern werden und alles im Licht des neuen Tages sehen. Eben der übliche Motivationssong eines solchen Musicals. Nur dummerweise ist das der Tag, an dem das Virus die Stadt eingeholt hat. Während die Kids das also singen, natürlich mit der Welt um sich herum auscancelnden Kopfhörern im Ohr, ist hinter ihnen das absolute Chaos am ausbrechen.

Der Film nimmt sich also weitestgehend nicht wirklich ernst, sondern ist mehr eine schwarzhumorige Komödie. Bei der die Zombie-Köpfe auch schon mal platzen wie reife Melonen. So wirklich grausig soll diese Übertreibung eben auch nicht sein, sondern fun carnage bieten.

Aber es schleichen sich immer mal wieder partiell in guter Vorahnung auch ernste Momente ein, wenn die Charaktere doch an die Aussichtslosigkeit der aktuellen Situation geraten. Denn nach einer Stunde mit hauptsächlich Musik, Blut und Klamauk, wird der Film noch mal richtig ernst. Und das Drama funktioniert statt aus dem Nichts zu kommen, eben weil es schon jene vorigen Einschübe gab. Und weil die Charaktere doch erstaunlich rund und gut ausgebaut sind für einen solchen Film. Sie sind eben nicht nur eindimensionale Archetypen eines Horror- oder Comedy-Films, obwohl wenn mit jenen Rollenverhältnissen immer wieder gern gespielt wird.

Ich möchte Anna and the Apocalypse fast beste Weihnachtsunterhaltung für die ganze Familie nennen. Dafür sind die einzelnen Gore-Spitzen dann aber eventuell doch zu hart. Also zumindest für echte Kinder. Aber wenn die bereits Teenager sind, dann passt der Film schon gut. Weil er so gut unterhält. Weil er so frisch und anders ist. Aber weil er gegen Ende auch ehrlich nahegehen kann. Immer wieder schön, wenn man so einen Film entdeckt, den man nie auf dem Schirm hatte, und der zu einem Favoriten avanciert.

Lestat the Musical

Und noch mal Vampire, dank Anne Rices Vampire Chronicles. Adaptionen der ersten drei Bücher gibt es ja einige. Neben den beiden Filmen auch Comics, Manga, und demnächst anscheinend eine TV-Serie. Jedoch ebenfalls ins neue Jahrtausend, nachdem Rice mit der Serie eigentlich in Hohelied des Blutes abgeschlossen hatte, fällt eine weitere: Ein Musical basierend auf dem zweiten Buch, Fürst der Finsternis (bzw. The Vampire Lestat).

In Produktion seit 2003, also kurz nach der Film-Variante Queen of the Damned, startete es Dezember 2005 für knapp einen Monat in San Francisco. Mitte 2006 materialisierte das Musical nach Änderungen in New York am Broadway. Wo es schlechte Kritiken erntete und knappe zwei Monate später wieder abgesetzt wurde. Die Aufzeichnung des Stückes wurde sukzessive nie auf den Heimvideo-Markt gebracht. Im modernen Zeitalter von Kameras und Internet geht aber bekanntlich nichts verloren, und so lassen sich auf Youtube sowohl wackelige Aufzeichnungen der Broadway-Version wie der ursprünglichen San-Francisco-Variante finden.

Neben der Veränderung einiger Songs und Dialoge, sowie des Bühnenbildes, streicht Lestat am Broadway wohl hauptsächlich jegliche Referenzen auf den Ursprung der Vampire um Akasha und Enkil. Meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, weil dies sowieso erst für Königin der Verdammten wichtig wird, und hier nur unnötiges Beiwerk wäre, welches noch zu nichts führt. Besonders wenn man genauso schlau das eigentliche Buchende herauslässt, welches ein direkter ins dritte Buch führender Cliffhanger ist. Hat schon dem Film nicht gutgetan, beide Bücher von je ca. 600 Seiten nacherzählen zu versuchen, da ist es besser, wenn sich das Musical auf das erste zu beschränken weiß.

Mehr oder weniger zumindest, denn ein zweites Buch muss sich in Lestat dennoch wiederfinden: Das erste, Interview mit einem Vampir. Immerhin ist die Zeit mit Louis und Claudia eine sehr wichtige in der Biographie von Lestat, und kann im zweiten Buch als kurz angerissen abgehandelt werden, weil es eben bereits im ersten ausführlicher behandelt wurde. Im Musical nimmt es einen wesentlich größeren Platz ein, weil eben kein Vorwissen vorausgesetzt werden sollte.

Führt auf der anderen Seite allerdings zum Problem, dass Lestat bei einem Großteil der Ereignisse eigentlich nicht dabei ist, da das erste Buch aus der Sicht von Louis geschrieben ist. Nachdem Claudia also Lestat „umbringt“, verschwindet der aus dem Rest der Geschichte, Claudia sieht er nie wieder, Louis trifft ihn erst auf den finalen Seiten in der Moderne kurz erneut. Das ist dann natürlich etwas, welches im Musical umgeschrieben werden musste, und tatsächlich die größte Abwendung davon, wie die Ereignisse in den Büchern geschehen. Lestat ist im Musical also bei der Hinrichtung von Claudia anwesend, und Armand, der im Musical mehr oder weniger als Bösewicht herhalten muss, der Richter über sie.

Währenddessen ist es hart sich dem Gefühl zu entziehen, dass Interview das bessere Subjekt für ein Musical gewesen wäre. Das Buch ist kürzer, sowohl in Anzahl an Seiten als auch an interner Zeitspanne (besonders wenn man wie hier die weniger wichtigen Präsenz-Teile auslassen und kurz nach Claudias Tod enden würde). Der Cast an Charakteren ist überschaubarer und die Geschichte intimer. Es könnte einfach eine schlüssigere und besser ausgearbeitete Erzählung draus gemacht werden. Es ist auch so, dass Lestat das Musical hauptsächlich in diesem Teil zu glänzen weiß.

Was davor geschieht, also die eigentliche Lestat-Biographie, wirkt zerstückelt und gehetzt. Sein Leben als Mensch ist extrem kurzgehalten. Welches für die Vampirchroniken meist eine wichtige Zeitspanne ist, da die Art und Weise, wie sie gelebt haben, maßgeblich ihre Persönlichkeit und Weltsicht prägt. Eines der größten Probleme ihrer Spezies ist doch immerhin, dass sie sich schlecht neuen Zeiten anpassen können, weil sie in jener feststecken, in der sie als Mensch gelebt hatten. Die meisten Vampire begehen Selbstmord nach wenigen hundert Jahren, weil sie nicht mehr in der Welt zurechtkommen und dem ewigen Stillstand überdrüssig sind. Das Musical startet bereits mit einem erwachsenen Lestat, der die Wölfe umgebracht hat, Drängen seiner Mutter nach Paris zu entfliehen, und kurz darauf ist er bereits ein Vampir. Schnell ein wenig Hadern mit dem neuen Dasein, Mutter und besten Freund wandeln, Armands indoktriniert-mittelalterlichen Vampirglauben zerstören, und irgendwie ist schon über eine Stunde und damit die Hälfte des Musicals rum, wenn er Freund und Mutter verliert, und Marius dramatisch auftaucht. Während noch gar nicht viel geschehen schien.

Marius als Charakter leidet dabei am Meisten darunter, dass jegliche Referenzen zu Königin der Verdammten gelöscht wurden. Wenn der Vorhang sich nach der Pause wieder öffnet, merkt er Lestat über nämlich nur an ihm noch nicht in die Geheimnisse einweihen zu können, und verschwindet auch schon bis zum Finale wieder. Sein dramatischer Auftritt wirkt dementsprechend deplatziert.

Die Schauspielerin von Lestats Mutter Gabrielle, ist übrigens eine der herausragenden Leistungen im Cast. Ihre Rolle ist es auch ein wenig, die letztendlich die erste Hälfte zusammenhält und fürs frühe Finale einen gewissen Abschluss zu bieten weiß, während sie in den Büchern irgendwie schnell in Vergessenheit gerät – nachdem der Freigeist in die Wildnis verschwand sieht Lestat sie dort nur kurz wieder. Jedoch ändert auch dies nichts daran, dass die erste Hälfte des Musicals definitiv schwächelt und für Leute, welche die Bücher nicht kennen, keine richtige Resonanz bieten wird.

Die von Elton John geschriebene Musik hat ebenfalls ihre Höhen und Tiefen. Gabrielles „My Beautiful Boy“ ist beispielsweise ziemlich schwach, Lestats „Sail Me Away“ nicht viel besser, die Duette „Crimson Kiss“ und „Embrace It“ hingegen anständig.

Sich für das Musical wirklich begeistern zu können fällt also etwas schwer, wenn weder Handlung noch Musik wirklich herausragend waren. Es ist auch nicht unbedingt ein markantes Qualitätsmerkmal, dass der beste Teil, wenn das Musical doch endlich an Leben gewinnt, mehr ein Hinweis darauf ist, dass ein anderes Buch die bessere Wahl gewesen wäre.

Academy Weekend – La La Land

La La Land ist der große Gewinner der letztjährigen Show. Nicht nur war der Film für 14 Trophäen nominiert, eine Anzahl die bisher nur Titanic und All About Eve schafften, sondern die letztendlich gewonnenen 6 hat auch kein anderer Film des Jahres übertrumpfen können. Best Picture hätte er auch beinahe erhalten, wenn man die falsch vorgelesene Karte durchgewunken hätte.

La La Land ist ein Musical über ein Pärchen. Mia ist eine angehende Schauspielerin, die allerdings noch keine einzige Rolle abstauben konnte. Sebastian hingegen ist Jazz-Musiker, der versucht das sterbende Genre am Leben zu halten, und eines Tages seinen eigenen Club eröffnen will. Ihr erstes Aufeinandertreffen ist auf der Autobahn von Los Angeles, auf der Mia Sebastian kurz im Weg steht, so dass der laut hupend vorbei rast und sie ihm den Mittelfinger entgegenhält.

Doch die beiden scheinen füreinander bestimmt zu sein, denn über die folgenden Wochen begegnen sie sich immer mal wieder, was in einer Stadt von 4 Millionen Einwohner schon was heißt, und über das gegenseitige Kabbeln entsteht doch eine Beziehung. Eine sehr gute und erfüllte sogar, bei der sich beide gegenseitig in ihren Träumen unterstützen. Zumindest so lange, bis Mias Bühnenstück floppt und Sebastian auf Grund von Erfolg mit einer Band, deren Musik kaum noch als Jazz zu betiteln ist, kaum noch Zeit hat.

Es ist gleichzeitig klar und merkwürdig, dass La La Land so viele Preise anhäufen konnte. Merkwürdig dahingehend, da es ein Musical über eine Romanze ist, was eher belächelnd als Chick Flick deklarierend abgetan und nicht genauer betrachtet wird. Gleichzeitig spielt der Film aber in viele Dinge hinein, welche die Academy liebt. Nämlich ordentlich Nostalgie gegenüber des vergangenen Rums Hollywoods und der Kunst allgemein. Sebastian liebt eine emotionale Musikrichtung, die am Aussterben ist. Mia möchte Schauspielerin werden, seitdem sie Klassiker mit einer Freundin nach der Schule gesehen hat. Das Los Angeles im Film soll zwar im Hier und Jetzt spielen, was Smartphones auch bezeugen, doch viel vom Look sieht eher aus wie aus den 50ern und 60ern. Mit plakatiert aufgehängten Filmstars vergangener Zeiten, mit poppigen Outfits angelehnt an Vintage der 50er und die allgemeine Kolorierung von La La Land im Stil jener Filme.

Das Musical nimmt sich zusätzlich ziemlich zurück. In der ersten Stunde, die sehr lebendig und poppig gestaltet ist, während die beiden noch zusammenfinden müssen, wird noch vergleichsweise viel gesungen. Doch im anschließenden Verlauf, wenn deren Leben dramatischer wird, habe ich mich dabei ertappt, dass ich geradezu überrascht war, wann immer ein Song begann, weil ich kurzzeitig wieder vergessen hatte, dass dies hier ein Musical sein soll.

Was natürlich auch immer gut ankommt ist der hier gezeigte amerikanische Traum. Hohe Ziele, langes Träumen, hart dafür arbeiten und du wirst es schaffen. La La Land lässt praktischerweise dabei aus, dass man zudem den richtigen Leuten seine Seele und Würde verkaufen muss, gerade im Showbusiness, weil das weniger gut aufgenommen wird. Aber natürlich ist sich der Film bewusst, dass hier nicht alles einfach letztendlich gut enden kann, und so ist die letzte halbe Stunde geradezu bittersüß. Wenn beide zwar ihre Träume erreicht haben, aber letztendlich doch nicht mehr zusammen sind, weil das Leben nun mal nie perfekt ist und einem nicht alles gibt, was man will. Mit einem sehr interessanten „What if“ kurz vor den Credits.

Am besten gefallen hat mir dann auch die erste Stunde von La La Land, wenn ich ehrlich sein soll. Wenn es noch ein sehr farbenfroher und schneller Film ist, voller Musical-Einlagen und mit witzigen Auseinandersetzungen der beiden Hauptdarsteller. Und dann in der letzten halben Stunde wieder, wenn das bittersüße Finale eingeläutet wird. Die halbe Stunde dazwischen war nicht schlecht, aber mir doch zu sehr „through the motions“ gehend.

Besonders hervorheben will ich dann aber noch mal Emma Stone. Die gute Frau ist nicht nur so charismatisch wie immer, sondern spielt auch um ihr Leben. Dass sie hierfür den Oscar Best Actress abräumen konnte, ist absolut keine Überraschung für mich. Die Nomination als Best Actor für Ryan Gosling ist da schon merkwürdiger gewesen. Der ist wie immer recht hübsch anzusehen, und ein schlechter Schauspieler nun wirklich nicht, aber eine Leistung wie seine Co-Schauspielerin liefert er bei Weitem nicht ab.

Das ich zugegeben mit Musicals auch viel anfangen kann, sei hier noch mal erwähnt. Denn ich fand La La Land einen richtig unterhaltsamen Trip. Wie gesagt in der ersten Hälfte sogar etwas besser noch, als in der zweiten, wenn er sich darauf besinnt, dass er vielleicht doch nicht so oberflächlich bleiben sollte, aber das Ende macht das eh wieder wett.

Academy Weekend – Les Misérables

ava-1521Auch dieses Jahr schaue ich zum Wochenende der Oscar-Verleihung hin drei Filme, die im letzten Jahr abgeräumt haben, zu denen ich bisher aber noch nicht gekommen bin. Nebenbei auch mal wieder die drei größten Gewinner, auch wenn ich sagen muss, dass in 2012 wohl eh keine ganz großen Nummern im Kino waren. Den Anfang macht Buch-wird-Musical-wird-Film Les Miserables, welches ich eigentlich schon lange sehen, aber immer vorher das bereits auf meinem Kindle befindliche Buche durchgehen wollte, wozu ich bisher aber dann doch nie motiviert war. Immerhin 3 Oscars gab es für den Film, allerdings kleinere wie Bestes Make-up und Bester Ton-Mix, jedoch immerhin auch den mittelgroßen für die beste Nebendarstellerin. Nominiert war er für 8, darunter auch zwei der großen in Film und Hauptdarsteller, die er aber nicht einsacken konnte.

Die Story sollte eigentlich grundlegend bekannt sein, selbst wenn man nie direkt das Original gelesen oder eine der dutzenden Verfilmungen gesehen hat, aber notfalls hier nochmal: Jean Valjean ist ins Gefängnis gekommen, weil er seinem hungernden Neffen einen Laib Brot gestohlen hat. Dort fällt er Polizist Javert besonders ins Auge, dessen Eltern Kriminelle waren, weswegen sein Gerechtigkeitssinn etwas extrem ist, er jedes Verbrechen gleich bestrafenswert ansieht, und meint Straftäter können sich auch nie ändern. Nach Jahren wird Valjean frei gelassen, da seine Papiere ihn aber als Ex-Sträfling führen, kann er nirgendwo Arbeit oder nur ein Zimmer zur Übernachtung finden, bis ein Priester ihn einlädt, den Valjean prompt bestiehlt, der ihn aber anschließend deckt, nachdem Valjean aufgegriffen wurde.

Also sagt Valjean seinem alten Leben ab, geht unter neuem Namen in Deckung, und baut sich ein rechtschaffenes Leben als Bürgermeister und Großindustrieller auf, in dessen Fabriken Menschen ausnahmsweise nicht wie Vieh behandelt werden. Dummerweise schmeißt sein Vorarbeiter die Angestellte Fantine raus, die sich um ihre bei den Thenardiers gelassene Tochter zu unterstützen auf Prostitution einlässt, später stirbt, just als Valjean sie findet, und sich raus kristallisiert, dass ihr Schicksal seine Schuld ist. Also schwört er ihre Tochter Cosette ein gutes Leben zu geben, wird aber genau dann von dem auf Jagd befindlichen Javert entdeckt, muss also mit Cosette nach Paris fliehen und erneut ein neues Leben beginnen.

In Paris derweil schwelt zehn Jahre später die Studentenrevolution an, nachdem DIE französische Revolution die Monarchie nur kurzzeitig abgeschafft hat, und es dem gemeinen Volk nun so scheiße geht, wie vorher. Marius ist einer jener Studenten, verliebt sich in Cosette, stirbt fast mit seinen Aufmüpfer-Freunden an der Barrikade, doch Valjean rettet ihn, wird dann aber von Javert aufgehalten, zerstört dessen „ein Mal ein Dieb, immer ein Dieb“-Weltbild, und bringt seine Tochter mit dem Geliebten zusammen, geht allerdings anschließen wieder alleine auf die Flucht, um sie vor seiner Vergangenheit zu schüzten.

So zumindest der Schnelldurchlauf, bekanntlich spannt Les Miserables mehrere Jahrzehnte, mindestens ein gutes Dutzend darin verwickelter Charaktere, weswegen der Original-Roman dick genug ist, um sieben Kinder auf einen Streich zu erschlagen. Das wurde ordentlich zurecht gekürzt natürlich, um in 3 Stunden Bühnen-Musical zu passen, und dann noch mal, um es in einen Film von 2 Stunden 40 zu haben.

Und das merkt man doch stark, denn Les Miserables lässt einem absolut keinen Raum zum Atmen. Trotz der vielen Charaktere und weiten Zeitspanne ist die Handlung an sich nicht sonderlich schwer nachvollziehbar. Es geht um elende Charaktere, die ein miserables Leben führen, rechtschaffen oder nicht unter der Dekadenz der Reichen zu leiden haben, häufig sich kaum darum scheren, ob sie leben oder nicht, sowieso fast alle sterben. Kurz: Das Leben ist scheiße, und dann stirbst du. Familie und Liebe können dort die einzigen Lichtblicke bilden, immerhin sind die einzig beiden Überlebenden der ganzen Angelegenheit das Liebespaar Cosette und Marius. Doch es ist dennoch manchmal schwer, dem Geschehen obenauf zu bleiben, weil der Film die Sachen so unglaublich schnell durch rasselt. Wenn nicht gerade eine „X Jahre später“ Card eingebunden werden muss, hat so gut wie keine Szene einen kleinen, paar Sekunden langen Kameraschwenk, um zwischen den beiden Handlungsorten umzuschwenken. Die Station eines Charakter ist fertig, und paff bumm!, schon sind wir mitten in der nächsten Szene eines neuen Charakters, der uns seine Seele entgegen singt. Das hat sicherlich seine Vor- wie Nachteile, zum einen können einige Momente nicht gut genug wirken, weil wir gleich in den nächsten geworfen werden, dann wiederum scheint mir das fast zur Atmosphäre zu passen, einer gnadenlosen Welt, die den Charaktere nie Frieden lässt, sondern beständig weiter auf sei einhämmert.

Denn das ist das, was wohl viele auch beim Film etwas aus der Bahn geworfen hat: Er versucht schonungslos realistisch zu sein. Alles ist dreckig und verranzt, die Charaktere sind ungewaschen und schwitzig, die Kanalisation stinkt, die Straßen sind verschmutzt – alles sieht aus, wie in Das Parfum. Doch das ist es eben: Les Miserables (2012) ist ein Musical, und es deswegen etwas befremdlich, wenn in einer solchen Welt plötzlich kein normaler, harter Dialog herrscht, sondern alle Charaktere uns ihr Elend, ihre zerstörten Träume und Hoffnungen, ihre kurzen Lichtblicke, die Ungerechtigkeit des Seins, in blumigen Worten entgegen singen (drei oder vier kurze „normale“ Sätze gibt es dann doch, die aber aufgesetzt wirken und besser rausgelassen wären, da sie nichts aussagen, was von der Szene an sich nicht klar wäre).

Mich persönlich hat das nie gestört, aber ich bringe sowieso Musicals wohl mehr Suspension of Disbelief entgegen, vergebe ihnen mehr, als so manch anderer. Zumal die Gesangseinlagen tatsächlich irgendwie passen, was wohl ein weiterer Crux für viele war: Das Gesungene hier ist nicht schön. Dies ist nichts, was man sich als Soundtrack kauft und out of context zum Film wiederholt anhört. Die Charaktere sind am Heulen, sie schluchzen, die Stimme bricht beim Singen. Der Gesang ist also so ehrlich und dreckig wie das Bühnenbild, statt schön und melodisch wie man das von Musicals erwarten würde. Der andere Crux am Gesang ist natürlich: Kann denn überhaupt jeder singen? Denn trotz des „Schauspiel > Gesang“ des Filmes braucht es natürlich einer gewissen Leistung, den un-schönen Gesang dennoch sich gut anhören zu lassen. Und Reinfälle gibt es tatsächlich nur zwei, nein sogar nur ein und ein halber: Russel Crowe, als Javert einer der zwei Figuren mit der meisten Screentime, kann absolut nicht singen; und der Kerl, der Marius verkörpert, klingt an ein oder zwei Stellen wie Kermit der Frosch (der Film ist aber eh schlau genug, ihm, Cosette, und ihrer Romanze nur das Minimum an nötiger Zeit zu geben, denn gewohnt sind sie der langweiligste Part der Geschichte). Der Rest ist gut oder sogar sehr gut. Die Show stiehlt tatsächlich Anne Hathaway als Fantine, mit dem ikonischen Song über zerstörte Träume, für den sie zu Recht einen Oscar bekam. Und Hugh Jackmann… ist halt Hugh Jackmann. Der Mann gibt jeder Rolle sein Alles, egal wie blöd der Film und wie doof der Charakter ist. Und da er von einem Bühnen-Background nach Hollywood gekommen ist, ist die Hauptrolle in so was wie ein Les Miserables natürlich etwas, wo er um so mehr gibt.

Ich muss sagen, ich hatte keine hohen Erwartungen an den Film, da ich zwar Musicals mag, er aber doch viele Unkenrufe sich eingefangen hat. Und er ist wirklich nicht perfekt. Er ist viel zu schnell und hektisch – Les Miserables ist wahrscheinlich doch eher geeignet für eine Mini-Serie oder Trilogie denn Einzelfilm – und dadurch nicht nur manchmal anstrengend zu folgen, sondern manche Szenen unfreiwillig komisch, weil sich Charaktere aus dem Nichts mögen, hassen oder allgemein die Schiere Aneinanderreihungen an Zufällen, die geschehen müssen, damit all dies hier so dramatisch ausgeklügelt ablaufen kann. Charakterzeichnungen sind deswegen entsprechend teilweise etwas eindimensionaler gehalten, als das epische Setup suggerieren mag (Valjean bringt mit seinem unreflektierten Gutmenschtum mehr Ärger über sich und andere, als nötig ist). Die Szenen mit den Thenardiers sind super spaßig, wirken aber fast deplaziert in einem ansonsten so grim-darken Film. Russel Crowe kann nicht singen, tut es aber ständig. Aber ich war dennoch tatsächlich gefesselt, was ich mal schlichtweg dem starken Grundgerüst aus dem Original attestiere, welches im Film etwas wackeln mag, aber dennoch steht. Sobald ich mich drauf eingelassen hatte, war ich doch ziemlich mitgerissen, so dass mich selbst eine krächzende Krähe nicht hat richtig aus dem Momentum werfen können.

lesmiserables2012