From Up on Poppy Hill

ava-1716Langsam ernährt sich das Einhörnchen. Besonders wenn es Studio Ghibli heißt. Mitte 2011 ist Der Mohnblumenberg in den japanischen Kinos gewesen, die Auswertung fürs Heimkino ein volles Jahr später erfolgt, und Anfang diesen Jahres, fast 3 nach Erstaufführung im Land der aufgehenden Sonne, trudelten dann auch die westlichen DVDs/BluRays ein. Bei Wie der Wind sich hebt scheint das ja immerhin schneller zu gehen, steht die deutsche DVD des Mitt-2013er Filmes bereits nächsten Monat an.

Aber um Hayao Miyazakis neueste und wohl diesmal auch wirklich letzte Regiearbeit soll es noch nicht gehen, sondern hingegen um die Manga-Adaption, den er in ein Drehbuch fasste, welches dann zum zweiten Film seines Sohnes Goro Miyazaki wurde, der uns bisher mit Die Chroniken von Erdsee einen von Ghiblis schlechtesten Filmen geliefert hatte. Doch statt ein großes, komplexes Abenteuer a la H. Miyazaki liefert er uns diesmal einen ruhigen Slice of Life, den sich eher Takahata angenommen hätte.

Im nostalgischen Japan der 60er ist er angesiedelt, bietet uns als Hauptcharakter das Mädchen Umi, welche jeden Morgen in Gedenken an ihren im Krieg gefallenen Vater die Flaggen im Garten des Hauses, welches die Bucht vom Hügel aus überschaut, hisst. Bis ihr eines Tages plötzlich zu Ohren kommt, dass jeden Morgen ein Schiff in der Bucht ihr mit den gleichen Fahnen antwortet. Dauert eigentlich nicht lange, bis sie sich denkt, dass dies eventuell Mitschüler Shun macht, der so ziemlich das Gesamtpaket als Mädchenschwarm und Schwiegermuttertraum mitbringt, und auch ein Auge auf Umi geworfen hat. Könnte alles so schön sein, wenn es da nicht Inzest gäbe, dun dun dun! Oh Japan.

Mir war Der Mohnblumenberg schon sehr gefällig. Er ist keiner der großen Ghiblis, nein. Aber er ist ein guter Film, und damit hat sich der Gute Goro Miyazaki schon mal stark gesteigert. Vielleicht sollte er sich häufiger den bodenständigen, unspektakulären fast Non-Geschichten widmen, statt Fantasy-Epen verfilmen zu wollen. Denn wie die meisten Jugendfilme um die erste Liebe, steckt jetzt auch im Mohnblumenberg nicht super viel Inhalt. Ja was ich zunächst für eine kurze Nebengeschichte hielt, um eine Ausrede zu bringen, warum sich Umi und Shun häufiger mal sehen und sukzessive ineinander vergucken können, nämlich das versiffte Clubhaus der Jungs vorm Abriss zu retten, stellt sich letztendlich doch als ein Handlungsstrang heraus, der den ganzen Film über andauern wird. Denn ansonsten haben wir nur noch die zwei Teens, die sich ziemlich schnell ineinander verlieben, dann kommt es zu einer Komplikation, und dann ist doch wieder alles gut.

Die üblichen Stationen einer solchen Jugendromanze halt, nicht wahr? Wobei ich dem Mohnblumenberg ordentlich zu Gute halte, dass es zwar in jener Hinsicht für Filme im Allgemeinen nicht super originell ist, aber immerhin nicht nervige Anime-Klischees bietet. Ihr wisst schon, er ist sich ihrer Schwärmerei nicht bewusst, oder die beiden kabbeln sich ständig, obwohl sie einander mögen, aber es dem anderen gegenüber nicht zugeben können, oder es kommt zu einem dämlichen Missverständnis, welches mit normal-menschlicher Kommunikation binnen Sekunden aus der Welt geschafft wäre, oder sie hält den Falschen für den Flaggen-Hisser. Solch ein Blödsinn halt. Nein, die beiden sind sich ihrer Gefühle ziemlich schnell bewusst, und übersehen auch nicht, dass es dem jeweils anderen ähnlich zu gehen scheint. Das war doch ganz nett. Auch wenn es sicherlich nicht die größte Spannung in einen eh schon ziemlich ruhigen Film bringt – einen schrägen Nebencharakter in Umis Haushalt oder im Clubhaus hier und dort mal ausgenommen, von denen es in den 90 Minuten ruhig ein paar mehr hätte geben können, um doch etwas Schwung in den Film zu bringen.

Aber wie gesagt, ich mochte ihn, er mag etwas sehr ruhig und beschaulich sein, aber dafür gibt es sicherlich auch einen Platz. Gut ist er allemal, wenn auch kein Must Have unter den Ghiblis.

ghibli19