Elvira

ava-1870Cassandra Petersons Kunstfigur Elvira, Mistress of the Dark, hat es ziemlich schnell von einer kleinen B-Horror Hostess zu einem Pfeiler modernen Americanas geschafft. Elvira’s Movie Maccabre lief immerhin durchweg in den 80ern und brachte es auf über 100 Episoden, zwei Revivals im neuen Jahrtausend, etlichem Merchandising, zwei Adventure Games von Horror Soft, und diversen Gastrollen in TV und Film. Aber auch zu zwei Kinofilmen mit ihr als zentraler Akteurin.

Das schlicht Elvira: Mistress of the Dark genannte Filmchen von 1988 ritt dabei auf dem Popularitätshoch der Figur, schaffte es aus diversen Gründen jedoch nicht, sonderlich profitabel zu sein. Es ist auch kein sonderlich guter Film. Nein, lasst mich zurückrudern, denn „gut“ will der Film eh nicht sein, immerhin bot uns Elvira im TV diverse so-schlecht-das-es-vielleicht-gut-ist B-Movies dar, und dementsprechend soll auch ihr Film nicht wirklich „gut“ sein, sondern unterhaltend blöd. Das sieht man der Figur Elvira an sich ja schon an, immerhin ist sie keine klassische Spukgestalt, sondern mehr die Drag Queen Variante von Morticia Addams – laut, schrill, punkig, nicht auf den Mund gefallen, aber mit jede Menge Sprücheklopferei, die bewusst nicht unbedingt zündet.

Das Hauptproblem des Filmes ist wohl, dass es eine echt langweilige „Fish out of water“ Handlung ist. Elvira kündigt ihren Job, aber für ihren großen Las-Vegas-Traum fehlt ihr die Kohle. Unglaublich perfekt passend zufällig, wie sie selbst in die Kamera bemerkt, flattert ihr da ins Haus, dass ihre Großtante gestorben ist und ihr was vermacht hat. Leider ist es allerdings nur das vermoderte Haus, der Pudel, und ein wertloses Kochbuch, dass der Großonkel gern abkaufen würde.

Die erste Hälfte des Filmes vergeuden wir nun damit, zuzusehen, wie die schrille Elvira sich mit dem Spießbürgertum der Kleinstadt reibt. Ein unglaublich langweiliger Love Interest und die rebellische Jugend sind natürlich von ihr begeistert, aber der Rest will sie los werden. Am Ende sehen natürlich alle ein, dass mal richtig aufgemischt zu werden genau das war, was ihrem verfahrenen Lebensstil gefehlt hat, und entschuldigen sich ordentlich für die Sache mit der Beinahe-Hexenverbrennung und so.

Ach ja, halb durch die Komödie kommen aus dem Nichts dann nämlich doch ein paar Horrorelemente, denn das Kochbuch ist ein Zauberbuch, und Elvira stammend aus einer Linie von Hexen, und er Onkel will böses damit treiben, und die Fackel-schwingenden Dorfbewohner Elvira auf dem Scheiterhaufen verbrennen und der ganze Kram. Es wird doch ziemlich hektisch und unaufgeräumt aufs Finale, nachdem sich der Film vorher so viel Zeit der Langeweile hingegeben hat.

Ich denk das ist wirklich das Hauptproblem des Filmes. Nicht das er ziemlich blöde ist, denn das ist ja gewollt. Sondern das er einfach etwas langweilig ist. Die Horrorelemente kommen zu spät und sind zu aufgesetzt, der größerer Teil der Rebellin, die mit den Spießbürgern aneinander gerät zu 08/15, und das ganze Ding an sich nicht wirklich witzig. Nicht mal Elvira an sich. Die ist charmant, das schon, aber so wirklich witzig sind ihre Sprüche nicht.

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Vielleicht wäre es auch einfach viel besser gewesen, wenn man Elvira in einen Plot verpflanzt hätte, der näher an den ganzen B-Horror-Filmen ist, die sie in ihrem Movie Maccabre gern dargeboten hat. Dachte sich wohl auch Cassandra Peterson, und ließ 2001 Evlira’s Haunted Hills finanzieren.

Diesmal spielt das Ding in 1850 in den Karpaten, alles sehr auf den Hammer Horror der 60er und 70er getrimmt. Und mit einer Elvira, die einfach Elvira ist. Sprich immer noch die enorme Haarspray-Frisur, immer noch das dicke Make-Up, immer noch die Valley-Girl-Sprachmuster mit jede Menge Andeutungen an Popkultur eines Jahrhunderts, dass noch gar nicht stattgefunden hat.

Ich muss zugestehen, eine Szene fand ich echt witzig. Nämlich wenn der attraktive Stallbursche das erste Mal den Mund öffnet und schrecklich offensichtlich über-synchronisiert ist. Was den Humor des Rests des Filmes angeht… eh. Natürlich gibt es ordentlich Referenzen an Hammer Horror, mit dem ich mich zugegeben auch nicht so auskenne, aber Zitate aus B-Movies unterzubringen macht sie nicht automatisch witzig. Und der Großteil des Humors einer Elvira lässt sich auch schon im Titel finden: Tittenwitze und Doppeldeutigkeiten. Erneut, der Film ist bewusst schlecht, die Witze sowieso, und ganz einfach der Eifer, mit dem Peterson ihre Elvira darbietet absolut gegeben… aber erneut ist auch Haunted Hills einfach etwas langweilig.

Schon alleine deswegen, weil einen Großteil des Filmes über nicht wirklich was passiert. Erst am Ende kommt dann der rachsüchtige Geist, und die vom Wahnsinn gezeichnete Familie, und der Folterkeller im Spukgemäuer zusammen, den Großteil des Filmes hingegen haben wir wieder Comedy, und zwar welche, die mich nur selten erheitern konnte.

Und damit verbleibe ich, die beiden Elvira-Filme wären welche, die sich für Elvira’s Movie Maccabre gar nicht mal anbieten würden, zum einen weil sie natürlich freiwillig statt unfreiwillig blöde sind, was immer etwas den entsprechenden Charme missen lässt, aber auch weil sie gar nicht interessant genug sind, um sich groß drüber lustig machen zu können.

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