Minelvaton Saga

ava-1946Mit Minelvaton Saga kommen wir zurück zu einer Serie, die ich bereits vor 6 Jahren noch im alten Blog begonnen habe, denn es ist der Vorgänger zum ersten Silva Saga. Wobei die Verbindung recht schlicht ist, denn der wiedererweckte finale Boss in Minelvaton Saga ist auch einer der zwei Hauptbosse in Silva Saga.

Interessant an Minelvaton Saga ist übrigens, dass das Spiel bereits im Oktober 1987 auf dem NES aufschlug. Zum Vergleich mit anderen klassischen RPG-Reihen: Das erste Final Fantasy, Phantasy Star und Ys erschienen erst zwei Monate später, und auch Megami Tensei war nur einen Monat früher dran. Das erste Glory of Heracles erschien bereits Mitte des Jahres, und natürlich war Dragon Quest draußen, sogar schon seit Anfang des Jahres im Sequel. Was das bedeutet ist, dass Minelvaton Saga ziemlich früh zur Party erschien, und deswegen auch weniger Richtwerte hatte, eindeutig von den einzig beiden bis dorthin zu Hits gewordenen JRPG-Franchises inspiriert ist: Eben Dragon Quest und Falcoms Xanadu. Zudem Ultima aus dem Westen.

Das Spiel schaut nämlich extrem nach Dragon Quest aus. Besonders im Beginn spielt es sich auch sehr ähnlich. Nach einem netten Standbild-Opening, in dem unser Held von seinem sterbenden Großvater gesagt bekommt, dass er eigentlich ein Findelkind und der Thronerbe des Reiches ist, welches allerdings vom Bösen bedroht wird, das wir erst besiegen müssen, um auf ihm Platz nehmen zu können. Denn dann gehen wir beim König im Thronsaal vorbei und machen uns in dessen Auftrag erneut auf die Reise den Fieslingen das Fürchten zu lehren. Zunächst sogar nur mit dem blau-gepanzerten Sprite des Helden, zwei von der KI-gesteuerte Mitstreiter schließen sich erst etwas später an.

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Sobald wir in den ersten randomisierten Kampf des Spieles gelangen, spielen sich jene dann aber wie in Xanadu ab. Nämlich in dem wir ganz klassisch wie in fast allen frühen PC-RPGs Japans einfach in sie rein rammen, bis sie (hoffentlich) vor uns das Zeitliche segnen. Nur das im Gegensatz zu Hydlide oder Ys dies nicht in der Spielwelt an sich stattfindet, sondern halt ganz Xanadu in einem separaten Kampfbildschirm mit mehreren Gegner auf einmal. Auch die Menüs des Spieles sind viel aufgeräumter und überschaubarer als man das von NES-RPGs gewöhnt ist, denn wie in vielen PC-RPGs der Zeit hat jeder Gegenstand seinen eigenen Slot, auf dem bis zu 99 davon getragen werden können. Es passiert also nie, dass man keine Potions mehr aufnehmen kann, weil man von seinen 10 Inventarplätzen bereits auf 5 das ausgerüstete Equip liegen hat, während 5 weitere von bereits nicht mehr nötigen Plot-Items vereinnahmt werden, die man dennoch nicht droppen darf.

Wo kommt dort Ultima rein? Wenn es um das Erkunden der Welt geht. Hier sind JRPGs ja dafür bekannt sehr linear zu sein, selbst die ganz oldschooligen, die wesentlich freier als modernere sind, haben dennoch häufig keine komplett offene Welt. Bei Minelvaton Saga findet man bereits in den ersten Spielstunden ein Schiff und kann von dort ab 90% der Welt erreichen, nur wenige Ortschaften sind hinter Event-Triggern verschlossen. Und ganz Ultima halten einen eben auch nicht die Gegner maßgeblich davon ab, dies auch zu tun, denn statt von der Lokalität abhängig zu sein, laufen in den verschiedenen Biomen zum Großteil die gleichen Spezies herum, die erst abhängig vom Level des Hauptcharakter nach und nach mit stärkeren Vertretern ausgetauscht werden. Zu Beginn des Spieles laufen also überall Würmer und Wölfe über die Grasebenen, egal wie weit von der Starterstadt man sich entfernt, und beim Endgame können selbst wenn dorthin zurückgekehrt wird Zyklopen angetroffen werden.

Minelvaton Saga hat übrigens ein paar nette Besonderheiten zu bieten. Zum einen sind in den Dungeons Bosse und Minibosse im Gegensatz zu den normalen Gegnern auf dem Feld bereits zu sehen, man gerät also nicht unerwartet in sie. Zudem ist wie gesagt das Menü überraschend aufgeräumt. Auch sind die Schatztruhen farblich abgesetzt, wenn wichtige (meist Plot-Items) in ihnen sind. Söldner, die sozusagen die Besonderheit der Serie darstellen, gibt es bereits hier und können gegen Bares für einen in den Kampf geschickt werden. Die Städte der Lande sind übrigens häufig mit Straßen verbunden, auf denen es zu keinen Encountern kommt, und aus allen zufälligen Kämpfen kann zu 100% geflohen werden. Jede Stadt hat einen Wahrsager, der einem einen Tipp geben kann, was als nächstes zu tun ist, damit man nicht zu verloren geht, bei einer so offenen Welt, und einem Quest, das einen ständig quer auf ihr hin und her schickt.

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Dennoch ist Minelvaton Saga von 1987 und obwohl ordentlich interessanter als der übliche DQ-Klon des System doch dennoch nicht unbedingt ganz so viel Spaß zu Spielen. Silva Saga beispielsweise ist wesentlich langweiliger konzeptionell gesehen, aber wesentlich angenehmer von einer spielerischen Seite her, da nicht so archaisch. Denn archaisch ist Minelvaton Saga. Das Spiel ist enorm grindy, denn um in den härteren Biomen und durch die gescripteten Kämpfe in den Dungeons zu kommen, muss ordentlich gelevelt werden. Man levelt hier zwar vergleichsweise schnell, dafür bedeutet ein einzelnes Level auch so gut wie nichts. Um es mal zu vergleichen: Während in einem Dragon Quest ein gutes Endlevel 40 ist, beendete ich Minelvaton Saga fast auf Level 140!

Und wäre dennoch beinahe nicht am finalen Boss vorbeikommen, der wie die meisten Endgame-Bosse einen nämlich beim normalen Ramm-Kampf schneller umbringen kann, als man sich versieht, und deswegen am Besten mit 99 Items von den Zauber-Orbs zur Stecke gebracht wird, während man in Windeseile durch die vollen 99 Potions im Dutzend rattert, um mit seinem Damage-Output klarzukommen. Ganz ehrlich, auf dem eigentlichen System hätte ich das Spiel denke ich eh irgendwann aufgegeben, denn die Kämpfe sind gegenüber den geschwinden Ys und Hydlide doch viel zu langatmige Schlagabtausche, und wenn ich da nicht bei den Grind-Sessions einfach auf FastForward hätte gehen können (man macht ja wie gesagt eh keinerlei Input, sobald man sich in die richtige Ramm-Position gebracht hat) und im Endgame auf die 5-Dungeons-direkt-nacheinander Strecke nicht von allen Random Encounter geflohen wäre, mir wäre die Lust definitiv vergangen.

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