Ant-Man and the Wasp

Am Wochenende war Open-Air-Kino angesagt, welches mit Ant-Man and the Wasp nicht nur seine dies-sommerliche Öffnung beendete, sondern auch die Aufführungsrunde des Filmes abschloss. Wird ja mittlerweile auch etwas kalt dafür, sich unter freiem abendlichen Himmel auf Holzbänken den Hintern wund zu sitzen.

Unglaublich, dass dies schon der zwanzigste Film in Marvels Cinematic Universe ist, und dies gar nicht (Marvel) Superheldenfilme einschließt, die nicht dazugehörig sind, jedoch zur gleichen Zeit rauskommen, wie die Deadpools oder den kommenden Venom. Zuletzt habe ich mich tatsächlich in 2015, zur Zeit der Kinoaufführung des ersten Ant-Man, mit denen beschäftigt und mich durch die sogenannte Phase 2 geschaut. Dazwischen habe ich jetzt sieben Filme der Phase 3 verpasst, bis wir bei Ant-Man and the Wasp angekommen sind.

Deswegen hat mir zu Beginn auch direkt etwas Kontext gefehlt, da Scott Lang nun ohne Ant-Man-Anzug unter mehrjährigen Hausarrest wegen eines internationalen Zwischenfalles steht, weswegen Hope und ihr Vater Hank untergetaucht sind. Das hat wohl alles was mit Ant-Mans Auftreten im dritten Captain America zu tun.

Das ist halt immer so ein wenig das Problem an diesen Shared Universes. Es ist natürlich für Leute, die es verfolgen, sehr schön, die diversen Charaktere miteinander interagieren zu sehen und das Gefühl zu bekommen, dass es ein größeres Bild gibt, welches über die Ereignisse eines einzelnen Filmes hinausgeht. Für die Firmen klingeln auch die Kassen besser, wenn man wegen Cameos von Lieblingen auch Filme außerhalb deren Franchise anschauen muss und diverse Crossover als große Happenings hypen kann. Kann natürlich etwas schal wirken, wenn man genau dies nicht macht, nicht alle Filme verfolgt, und sich plötzlich Lücken öffnen. Ganz davon abgesehen, dass es fraglich ist, ob das Marves Cinematic Universe ganz wie die Comic-Crossover-Großereignisse, die die Filmfranchise inspiriert haben, nicht irgendwann unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht, oder sich der Hype einfach nicht ewig fortsetzen lässt – bei zwanzig Filmen und steigend nicht unwahrscheinlich.

Nicht dass es wirklich sonderlich schwer gewesen wäre reinzukommen, da Ant-Man and the Wasp ziemlich schnell zu Beginn klarmacht, was die veränderte Situation angeht. Man merkt halt nur, dass man was verpasst hat, wenn CapAm3 nicht geschaut wurde. Wir müssen ja eh nur wissen, dass Scott nicht mehr Ant-Man ist, kurz vorm Ende seines Hausarrestes steht, und Hope und ihr Vater keinen Kontakt mehr zu ihm haben. Bis dann der rote Faden-Aufhänger des Filmes kommt, nämlich das Scott eine Vision von Hopes Mutter hat, die vor Jahrzehnten sich bis in den Mikrokosmos geschrumpft hat, um eine Bombe auszuschalten, und seither dort gefangen ist. Scott war ja im letzten Ant-Man ähnlich weit geschrumpft, jedoch wieder herausgekommen. Hope und Hank suchen sowieso nach einem Weg sie zu retten, und nachdem Scott von seinem seltsamen Traum berichtet, entführen sie ihn schnell, um ihnen helfen zu können. Ist den beiden ja was schuldig.

Allerdings gibt es dann noch zwei dem nicht so wohlgesonnenen Gruppen. Zum einen die Schwarzhändler, bei denen Hope die Komponenten für die Forschung kauft, und die die neue Technologie haben wollen, um sie gewinnbringend unter den Mann zu bringen. Und dann noch Ghost, eine Ex-Shield-Geheimwaffe, deren atomarer Aufbau seit einem gescheiterten Experiment eines Ex-Kollegens von Hank ständig zerfällt und sich wieder zusammensetzt, weswegen sie einfach durch Wände etc. hindurchgehen kann. Dummerweise bringt sie das demnächst auch um, doch sie erhofft sich von der Energie, die Hanks Frau angesammelt haben sollte, die Rettung. Scott muss also den Anzug des Ant-Mans wieder anziehen, und neben Hope als Wasp in Aktion treten, und all das, ohne dass die Bullen herausfinden, dass er seinen Hausarrest verletzt.

Mir sind die Ant-Man-Filme ja sehr gefällig. Einfach weil sie es sich leisten können ein Stück gegen den üblichen Strom der Einträge ins Marvel Cinematic Universe zu schwimmen. Sie sind sich halt bewusst, dass sie „nur“ Ant-Man sind, und nicht das große Happening schlechthin, welches schon alleine durch den vorstehenden Superhelden massiv Leute anzieht. Deswegen nehmen sich die Filme durchgängig nicht allzu ernst und streifen selten die humorigen Untertöne ab. Klar sind auch andere Filme im MCU mal witzig und leisten sich auch was auf Kosten ihrer Hauptdarsteller, aber ein Ant-Man darf noch etwas verquerer sein, sich mehr über ihn lustig gemacht werden. Ist eben „nur“ Ant-Man, gell, nicht Thor oder Captain America.

Nebenbei sollte zudem absolut gewürdigt werden, dass Hope bzw. The Wasp nicht zu kurz kommt. Die anderen MCU-Filme sind was weibliche Repräsentation angeht häufig stark unterbesetzt, und abgesehen von Black Widow jene meist auf Love Interest Nebenrollen beschränkt. Wie viel bekommt die arme Natalie Portman in den Thoren oder Gwyneth Paltrow in den Iron Men schon zu tun? Evangeline Lillys Charakter hingegen wird in diesem Film als mindestens genauso wichtig und genauso kompetent (bzw. sogar wesentlich kompetenter) als ihr männlicher Superhelden-Partner dargestellt. Ghost oder Hanks Frau sind natürlich kleinere Rollen, aber auch jene werden als ebenbürtige Gegen-/Mitspieler angesehen, wenn sie denn mal auftauchen.

Ein wenig holprig von der Handlung her ist der Film leider schon, denn irgendwie vermisste ich stellenweise einfach den Fokus darum, was jetzt genau wichtig ist und wer jetzt genau der Antagonist sein soll. Die Post-Credit-Szene, die den Film ins größere MCU-Geschehen einbindet, passte tonal auch nicht zum eher leichtherzigen Restfilm. Aber abgesehen davon hat mir der Film wieder sehr gut gefallen, als kleinerer, unaufgeregterer Eintrag ins MCU. Der dennoch viel Action bietet, mit den Schrumpfungen auch visuell etwas anderen Flair in jene Action-Shots reinbringen kann, und der vor allem durch seinen Humor und die absolut charismatische Darbietungen seitens Lilly und Rudd glänzt.

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Superhero Sunday – Ant-Man

ava-1886Ist schon eine Weile her das ich Superhero Sundays hatte. Das war noch im alten Blog, was nun wirklich schon ewig ist, gerade da man Internet-Jahre bekanntlich wie Hunde-Jahre errechnet, durch die Schnelllebigkeit des WWWs. Und da Superheldenfilme mittlerweile quasi wie am Fließband erscheinen, mit ca. 5 Releases pro Jahr, könnte ich schon alleine aus den angestauten Sequels einen Thementag machen, wenn ich wollte. Aber zunächst ein aktueller Kino-Besuch: Ant-Man.

Die Handlung an sich ist relativ gewöhnlich. Wissenschaftler hat ein Serum entwickelt, was einen zum Super-Soldaten macht – nämlich auf Insektengröße schrumpft aber mit Kampfanzug, der volle Kraft verleiht, womit man fast unentdeckt bleiben kann in einer immer weiter überwachten Welt – und dann Skrupel bekommen und das Ding seiner Firma vorenthalten hat. Mittlerweile ist der fiese Nachwuchsboss allerdings auf bestem Wege dies zu replizieren, weswegen sich Prof. Pym einen Nachfolger Ant-Man sucht, um jenen davon abzuhalten ordentlich Kohle zu machen, in dem er das Super-Soldaten-Geheimnis an die Ex-Nazis von Hydra verkauft.

Jener Auserwählter ist Scott, ein Super-genialer Einbrecher, aber natürlich kein Böser, sondern ein moderner Robin Hood, der von den Reichen stahl, und dafür im Knast saß, nun also keine anderweitigen Jobmöglichkeiten hat, um den Unterhalt für seine süße Tochter zu zahlen.

Und joa, im Prinzip passiert im Groben im Film ungefähr das, was man erwarten würde, was passiert. Im Detail dann wieder nicht ganz, aber die generelle Struktur von Superhelden-Filmen scheint sich ja nicht zu unrecht immer etwas zu ähneln. Wir hatten wie eingangs bereits erwähnt in letzter Zeit nun auch nicht gerade wenige Exemplare davon. Und seit der Jahrtausendwende, als der erste X-Men und Spider Man da wieder Leben einhauchten, sind die auch alle kompetent gemacht und zumindest durchschnittlich unterhaltsam, ein The Last Stand oder Green Lantern hier oder dort zu Regelbestätigung mal ausgenommen. Was mir dabei allerdings häufig geschieht, ist, dass sie eben „nur“ durchschnittlich unterhaltsam sind. Sprich so wirklich schlecht fand ich die 2 Stunden mit ihnen nicht, aber so wirklich total begeistern konnte ich mich auch nicht, wie dies beispielsweise beim ersten Thor oder Captain America der Fall war.

Und gerade hier gefiel mir Ant-Man dann doch sehr, einfach weil er doch frischen Wind hinein brachte. Natürlich sind die Grundpfeiler der Handlung gehabt, natürlich ist die gelackte und coole Optik wie in allen anderen Marvel-Verfilmungen der letzten Zeit, aber was Ant-Man neu auf den Tisch bringt ist, dass die Schoße einfach etwas blöde und der Film sich dessen absolut bewusst ist. Ant-Man weiß, dass dies hier eigentlich nur ein Superheld aus der B-Riege ist, der wahrscheinlich nie (als Kinofilm) adaptiert worden wäre, wenn die A-Riege nicht bereits schon abgegrast gewesen wäre, bei manchen davon in der letzten Dekade sogar schon ein zweites oder drittes Reboot kam. Ant-Man ist sich bewusst, dass der Mini-Superheld, der mit Ameisen kommuniziert, ein wenig unfreiwillig komisch im Konzept ist, also macht man daraus einen freiwillig komischen Film. Und ja, daher kommt der Name auch. Hier mal einen Dank an die Trailer, zumindest an jene, die ich gesehen habe, die alle es so wirken ließen, als käme der Name nur von der Körpergröße. Das wirkte nämlich wie gesagt schon etwas blöde, aber da die Trailer auch klar machten, dass hier viel Comedy drin stecken würde, ging ich schon rein einen ganz witzig-unterhaltsamen Film zu schauen. Hätte ich allerdings vorher gewusst, dass er auch zur Ameisenkönigin wird, ich glaub das wäre mir dann doch zu doof gewesen. Ist es im Film aber dann gar nicht mal.

Es war einfach so erfrischend einen Superhelden-Film zu haben, der durch und durch komisch ist, und dies sogar relativ gut und ausgewogen darbietet. Wenn es eine heroische Ansprache oder einen kitschigen Moment voller Klischees gibt, wird das immer schnell mit einem Späßchen abgeschwächt. Und das Finale im Kinderzimmer schafft es echt gut, zum einen den Kampf cool wirken zu lassen, wenn wir die beiden Mini-Männer miteinander aneinander prellen sehen, zum anderen aber auch die Komik der Mini-Supersoldaten zu unterstreichen, wenn es nämlich dann zeigt, wie harmlos jener doch aus der Sicht eines normal-großen Menschen wirkt.

Natürlich ist der Film nicht ganz perfekt. Am störendsten war wohl noch der Bösewicht, bei dem immer wieder angedeutet wird, wie enttäuscht er davon ist, dass sein Mentor ihn fallen lies, und das jener zu viel von sich in ihm sah, dies aber nie wirklich zur Geltung kommt, weder in Flashbacks noch in einem längeren Dialog. So kommt jener etwas blasser rüber, als er scheinbar ursprünglich geplant war. Aber der Rest hat mir wirklich gut gefallen, war schon eine unterhaltsame Gaudi diese charmant gespielte und tatsächlich witzig geschriebene Action-Komödie. Eine Ant-Man Adaption hätte sicherlich um Längen schlimmer ausfallen können, hier hat sich jemand wirklich was geschert.

Verhoeven Wednesday – Basic Instinct

ava-1785In den späten 80ern und frühen 90ern waren der Erotik-Thriller und das Erotik-Drama wieder ziemlich angesagt, mit Sachen wie 9 1/2 Wochen und Wilde Orchidee, die eine ziemliche Welle an Mitschwimmern mit sich brachten. Paul Verhoeven war sich für Blut und nackte Haut eh nie zu schade, und es quasi nur eine Frage der Zeit, bis er etwas dazu beizutragen wusste. Es wurde letztendlich kein anderer als Basic Instinct, dessen Script für erstaunlich hohe 3 Millionen über den Tisch wanderte.

Wir beginnen den Film bei einem Paar im Bett, die rammeln wie die Karnickel. Doch gerade im Moment der höchsten Ekstase zieht die reitende Blondine einen Eispickel und verpasst dem Liegenden zahlreiche neue Löcher, dass das Blut nur so über die Laken spritzt.

Nick ist Polizist, hat eine Vergangenheit was Drogen und das Erschießen von Zivilisten angeht, und wird auf den Fall angesetzt. Die erste Verdächtige am Mord des berühmten Mannes ist natürlich dessen hübsche, blonde Freundin. Die mal schnell aufklärt, dass es eher eine lange Bettgeschichte war. Denn die reiche und mit Abschluss in Psychologie ausgestattete Schriftstellerin Catherine hat es nicht so mit einengenden Labels, sondern fickt mit wem sie will, wann sie Bock hat, und solange, wie der- oder diejenige sie zu befriedigen weiß.

Stellt sich irgendwie raus das sie sich hauptsächlich für Mörder zu interessieren scheint, sowie alle ihre sich um Mord drehenden Bücher frappierende Gemeinsamkeiten mit echten Morden in Catherines Leben zu tun haben, eines sogar quasi 1:1 den aktuellen Fall wiederspiegelt.

Basic Instinct also, der Film mit dem berühmtesten Muff-Shot der Geschichte Hollywoods. Es ist ganz interessant, denn der Film mag nicht Verhoevens blutigster sein, auch wenn er mit dem roten Saft aufwarten kann, ist aber wohl sein bisher explizietester, einfach schon durch die Länge und Anzahl der Sex-/Nacktszenen. Und dennoch ist er überraschenderweise bisher zumindest von seinen Hollywood-Outings derjenige, der jeglichen Trash-Faktor missen lässt, sondern wirklich ein eiskalter Thriller mit Noire-Einschlag darstellt.

Tatsächlich ist der Sex beispielsweise immer angebracht und Story-fördernd, wenn es um die schwarze Witwe Catherine geht und ihre Psychospielchen. Dabei immer das Verwirrspiel, ob sie nun wirklich eine Mörderin ist, die es genießt verdächtig zu erscheinen und dennoch alle bei der Nase zu führen. Oder ob sie einfach der Aufregung wegen ihre Spielchen treibt und doch unschuldig und einfach nur etwas schräg ist. Nick verrinnt sich da immer weiter im Netz aus Lügen, verwirrenden Halbwahrheiten und Doppelmeinungen, und gutem Sex.

Macht Basic Instinct für mich bisher zu einem Highlight in Verhoevens Repertoire, denn ich fand ihn echt spannend, echt clever, und wirklich hübsch anzusehen, immer Stil-sicher den Neo-Noire-Ton treffend. Definitiv auch ein Beispiel wo die unterkült-distanzierte Art der Charaktere, die mich bei ein paar anderen Verheovens störte, der Atmosphäre zuträglich ist.

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