Destiny begins to turn, or Watching Penguindrum #15-24

ava-2091Weiter geht es in der Saga um Familie und Terrorismus, mit den finalen zehn Folgen unter neuem Opening. Und zwar direkt mal drei Folgen, die ein genaueres Licht auf die Familienverhältnisse der drei Neben-Hauptcharaktere werfen, und warum deswegen ihre wichtige Person so wichtig für sie ist.

Da hätten wir natürlich sowohl Yuri wie auch Tabuki, das frische Ehepaar, denen beiden Momoka wichtig war. Yuri wurde von ihrem Vater sowohl verbal wie auch körperlich misshandelt. Tabuki’s Mutter hingegen legte immer nur Wert auf musikalisches Talent, als Tabuki sich als Kind dem Druck nicht standhaltend selbst an der Hand verletzt hat, um nie wieder Klavier spielen zu müssen, wandte sich ihre Aufmerksamkeit an den jüngeren Bruder. Beide wurden also von ihren Familien im Stich gelassen, ihr erster Sonnenblick war Momoka, die mit einem Zauber aus ihrem Tagebuch ihr Schicksal zu verändern wusste. Auch wenn das mit einer Kompensation einher geht.

Masako aus dem Natsume-Klan, die mit dem kranken kleinen Bruder Mario, wuchs unter einem auf Erfolg und Härte getrimmten Großvater auf. Ihr Vater kam mit dem Führungsstil nicht klar, und verließ deswegen die Familie. Hier haben wir eine extrem slapsticky Episode, deren ernste Kernaussage eigentlich ist, dass sie schon als Kind jeden Tag auf den Tod des Großvaters hoffte, damit die Familie wieder zusammenfinden kann.

Hier spielen sowohl Hass wie auch Schuld wie einen Fluch an andere Generationen weiterzugeben mit rein. Sowohl Yuri wie auch Tabuki können den Takakura-Kindern nicht vergeben, weil der Terroranschlag der Eltern daran schuld ist, dass Momoka verstarb. Da die Eltern nicht greifbar sind, fällt die Schuldigkeit also an deren Kinder ab, obwohl beide wissen das die dafür nichts können. Aber das im Inneren herangewachsene Monster Rache braucht eben sein Futter.

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Und dabei sind das nicht mal ihre wahren Kinder, wie wir später herausfinden, alle drei Geschwister sind adoptiert. Masako ist nicht so hinter Kanba her, weil sie in ihn verliebt ist, sondern weil er ihr Bruder ist, den der Vater mit zur Sekte genommen hat. Alle drei Kinder sind irgendwann einmal im Kinderhexler gelandet. Ein Ort, der versinnbildlicht, was mit sowohl von ihren Familien wie der Gesellschaft im Stich gelassenen Kindern geschieht. Denn die wenigsten auf sich allein gestellten Kinder schaffen es zu überleben. Die Charaktere sagen mehrfach, dass der Kinderhexler ist, wo vergessene Kinder hinkommen, um letztendlich zu sterben. Aber natürlich stirbt nicht jedes Kind, wo wir wieder beim Thema des gemeinen Schicksals wären, nach dem manche überleben, auch wenn es die meisten nicht tun. Kanba ist derjenige, der Shouma gerettet hat, und Shouma derjengie, der Himari gerettet hat. Wie sie genau dann von den Takakuras angenommen werden, wird nicht geklärt, aber dies erklärt, warum sie aneinander gebunden sind, sich ein Schicksal teilen, und wie sie letztendlich zusammen die Takakura-Schuld auf sich nehmen müssen.

Was ich hierbei übrigens sehr interessant finde ist, dass die Takakuras die einzigen sind, bei denen wir in den Rückblenden je eine intakte fröhliche Familie sehen. Und das wo sie als einzige gezeigte Familie nicht blutsverwandt sind. Zeigt eben, dass Familie doch nicht gleich Liebe heißt, und das eine richtige zusammengewachsene Familie nicht verwandt sein muss. Was gerade in Japan interessant ist. Wenn dort was schlimmes in der Familie geschieht, wie beispielsweise bei Yuri und Tabuki, wird gern mal weggeschaut, weil das sind Familienangelegenheiten, in die man sich nicht einzumischen hat. Gleichzeitig werden Adoptivfamilien häufig nicht als „richtige“ Familie angesehen, wer in eine bestehende Familie einheiratet und mit den Kindern nicht kann, von dem wird das auch gar nicht erwartet, weil sie nicht die eigenen sind. Da ist es schon interessant, dass Penguindrum nur zerrüttete Familien zeigt, abgesehen von den Takakuras. Nicht zu vergessen ist die Sache mit der Generationen-übergreifenden Familienschuld natürlich auch eine sehr Japanische.

Weiter im Programm. Sanetoshi ist der ehemalige Anführer der Sekte, die den Terroranschlag von 1995 zu verantworten hat. Momoka mit ihrem Tagebuch war damals jene, die das größte Übel abwenden konnte, nun versucht er es halt erneut, diesmal mit Kanba auf seiner Seite. Denn Kanba bekommt das ganze Geld für Himaris Behandlungen von den Überresten der Sekte, und ist mit der Zeit selbst dort hinein gerutscht. Die Serie spricht ja gern vom Takakura-Fluch, dem Fluch von vor 16 Jahren, oder das Sanetoshi Japan verflucht. Damit gemeint sein kann natürlich auch gut, dass so eine Ideologie schwer wieder aus der Welt zu bekommen ist, wenn sie erst ein Mal losgelassen wurde. Sanetoshi und die meisten Anführer der Sekte mögen nicht mehr leben, der Anschlag damals eingedämmt gewesen sein, aber das bedeutet eben nicht, dass es nicht immer noch Überreste derer gibt. Und das die nicht Neue um sich sammeln können, die die soziale Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit des modernen Japans zerstören wollen, in dem sie das Land mit Gewalt neu formen. Kanba hasst es, dass ausgerechnet auf Himari der Familienfluch in Form einer Krankheit niedergegangen ist. Dass ihr zu helfen so viel Geld kostet, welches die Kinder nicht haben. Dass die Gesellschaft verlorenen Kindern nicht hilft, sondern sie in den Kinderhexler gelangen. Er hat eine Zukunftsaussicht ohne Hoffnung, hasst das Wort Schicksal, weil jenes bedeuten würde, dass er gegen seine Situation nichts machen kann, und hasst es schon vorverurteilt zu sein als jemand, der es nie zu was bringen wird.

Das hat übrigens sehr reale Parallelen zum besagten Sarin-Giftanschlag auf die Tokyoter-U-Bahn, die in der Serie so omnipräsent ist. Die hiesige Terrorattacke ist rein fiktiv, bedient sich aber natürlich reichlich an jener Realität. Und was damals Japans Gesellschaft so mit erschüttert hat, war nicht nur der Anschlag an sich, sondern dass viele Mitglieder der Sekte junge Studenten waren. Leute, von denen man dachte, dass sie es besser wissen müssten, die aus anständigem Hause kamen und eine Bildung ablegten. Aber nachdem die Wirtschaftsblase der 80er geplatzt war, wuchsen eben viele davon mit der Hoffnungslosigkeit des vermeintlichen Wissens auf, dass sie es nie zu etwas bringen werden, dass die guten Zeiten rum sind, ganz zu schweigen von Japans allgemeiner „zieh den Kopf ein, fall nicht auf“-Mentalität.

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Und dann, im Finale, das noch unverständlicher wie das von Utena ist, finden wir endlich heraus, was die eigentlich ständig präsente Pinguintrommel ist: Der Apfel, der symbolisch überall war. Er steht für… was genau ist nicht klar, aber ohne ihn kann man nicht leben. Herz? Seele? Lebensenergie? Von mir aus auch die Liebe und Bindung zu anderen, ohne die man laut Penguindrum ja verkümmert und verschwindet. Jedenfalls, als sich Kanba und Shouma im Kinderhexler wiederfanden, gab das Schicksal Kanba einen Apfel, damit er als einer der wenigen doch weiterleben kann. Und sich gegen das Schicksal sträubend hat er ihn einfach zweigeteilt und eine Hälfte an Shouma gegeben. Der wiederum später auf Himari traf, um seine Hälfte mit ihr wieder zu teilen. Von nun an teilen sie sich ein Leben, sind über das Schicksal miteinander verbunden, werden aber auch zu Takakuras und von deren Familienfluch befallen. Deswegen sah die Medizin, die Sanetoshi an Himari gab auch zunächst wie Äpfel aus, die dann zu Ampullen wurden, weil das die nötige Lebensenergie ist. Deswegen sind Kanba und Shoma an den Händen gefesselt, wenn Himari ihre Magical-Girl-Verwandlung macht, weil ihre Beziehung zueinander sie aneinander kettet. Deswegen wird Shouma per Falltür anschließend aus jener Nebendimension entlassen, während Kanba bleiben darf. Denn man kann den Apfel nur ein Mal mit der gleichen Person teilen, und Shouma tat dies schon im Kinderhexler mit Himari. Kanba ist der einzige, der seine Apfelhälfte in der ersten Folge noch mit Himari teilen kann, um sie am Leben zu halten, oder zumindest bis Folge 12, wenn dies nicht mehr reicht.

Denn Himari als das schwächste Lamm hat vom unfairen Schicksal also die Bürde zu tragen bekommen für die Sünden der Adoptiveltern zu bezahlen, in dem sie von einer unheilbaren Krankheit geschlagen wird. In der Verwandlung trägt sie das Kostüm des Idol-Duos, daran erinnernd, dass sie ein Teil des Trios hätte sein können, wenn das Schicksal nicht so grausam gewesen wäre. Ein Viertel einer Pinguintrommel hilft da nichts, also geben die beiden Brüder ihre Teile ab, damit der Apfel von Himari komplett wird, während Ringo mit dem Tagebuch ihrer Schwester den erneut drohenden Terroranschlag aufhält, Shouma die zurückfallende Strafe für die Schicksalsabwendung auf sich nimmt. Die beiden Jungs verschwinden, während Ringo und Himari gesund und munter in der geretteten Welt leben können. Oder so, das Finale ist ziemlich wirr und plötzlich und ich bin mir nicht ganz sicher, was alles zu bedeuten hatte. Bei Utena war ich mir der Hauptthematik immer bewusst, oder nahm das zumindest an, und alles inklusive des abgedrehten Endes hat sich da gut ins Bild gefügt. Bei Penguindrum schien sich auch alles zu fügen, doch in der letzten Episode war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich nicht noch ein wesentliches Puzzle-Stück übersehen hatte, welches mir hier einen wesentlich größeren Aha-Effekt bereitet hätte.

Für mich ist es, wie bereits erwähnt, eine Serie über Familie und Terrorismus. Wie wichtig ein liebendes Umfeld für das Heranwachsen von Kindern ist. Wie schnell allgemeiner Unmut und Hoffnungslosigkeit Menschen hum Extremismus treiben kann. Aber auch über die Wichtigkeit von Bindungen zu anderen Menschen im Allgemeinen, und darüber nach Katastrophen nach vorn zu schauen und weiterzumachen, statt sich von seiner Vergangenheit beherrschen zu lassen.

Fate is laughing at us, or Watching Penguindrum #1-14

ava-2087Mawaru Penguindrum ist eine 24 Episoden umfassende Anime-Serie von 2011, und das zweite geistige Kind von Kunihiko Ikuhara. Um den Namen noch mal in Erinnerung zu rufen: Das ist der Kerl, der von Staffel 2-4 der Series Director von Sailor Moon war, sowie an den Anime-Adaptionen von Aoi Hana und Nadame Contabile mitgewirkt hat. Und dessen erstes Kind nach Sailor Moon nichts anderes als Revolutionary Girl Utena darstellte, die Serie, die auf den ersten Blick wie kitschiges Magical Girl aussieht, und dann irgendwo unter den ganzen kunterbunten Rosen und Gewäsch über die Ewigkeit zusehends der Apokalypse nähert, während sie jede Facette von Wachstumsschmerz beim Erwachsenwerden und der Selbsterkenntnis zu adressieren versucht. Inklusive jede Menge Inzest und lesbischer Liebe.

Die erste Episode von Penguindrum beginnt dann auch mit einer männlichen Stimme aus dem Off, die lamentiert, dass er das Konzept des Schicksals hasst. Denn wenn wirklich alles vorbestimmt ist, warum dann überhaupt noch versuchen was zu ändern? Und wenn ein Gott alles vorherbestimmt hat, all die Ungerechtigkeit die es im Leben gibt, ist das einfach zu gemein.

Und dann treffen wir erst Mal unsere drei Hauptcharaktere, die beiden Brüder Kanba und Shouma und deren Schwester Himari. Heute ist Himari-Tag, da all das gemacht werden muss, was sie will. Zumindest so sehr das die engen Finanzen des Elternlosen Geschwister-Trios zulassen. Himari möchte mal wieder in den Zoo und die Pinguine beobachten, kauft sich sogar eine hässlich-süße Pinguin-Mütze. Und bricht dann zusammen. Denn Heute ist Himari-Tag, weil sie unrettbar krank ist und jederzeit sterben kann. Beispielsweise am Himari-Tag mitten im Zoo. Kaum hat Kanba nebebei fallen lassen, dass dies eventuell ihre Bestrafung ist – ein mysteriöser Nebensatz, der sicher noch sehr wichtig wird –, wacht Himari komplett geheilt wieder auf. Denn die Mütze hat Besitz von ihr ergriffen, und dafür das sie Himari vom Reich der Toten zurückgeholt hat, will sie nun, dass für sie die Pinguintrommel gesucht wird.

Nebenbei bemerkt laufen irgendwann während der Episode zwei Grundschulkinder am runtergekommenen Haus der drei vorbei, und reden darüber, dass ein Apfel das Universum selbst ist, ein Universum in der eigenen Hand sozusagen; dass so ein Apfel die Belohnung derer ist, die Liebe über alles andere gewählt haben, und das der Tod erst den Anfang darstellt. Und schon erinnert mich das an die Schattenrissmädels in Utena. Ach ja, und nachdem Himari wiederbelebt ist, wird den dreien ein Packet mit einem Trio an Pinguinen geschickt, die nur sie sehen können, und die wie Comic Relief Maskottchen erscheinen, aber sicherlich auch noch Subtext bilden werden, sicherlich ist es kein Zufall das zwei Jungs und ihre Schwester einen weiblichen und zwei männliche Pinguine zugeschickt bekommen. Nicht in einer Ikuhara-Serie. Ach ja, und die Episode endet damit, dass Himari im Schlaf von Kanba geküsst wird.

Ohhh-kay, damit hast du definitiv mein Interesse ganz auf dir, Mawaru Penguindrum.

Ein weiterer sehr wichtiger Charakter wird dann direkt in der nächsten Folge eingeführt, denn was auch immer von Himari Besitz ergriffen hat und ihren zwei Brüdern erzählt, die Pinguintrommel zu suchen, eröffnet ihnen, dass die höchstwahrscheinlich bei Ringo zu holen ist. Was die Pinguintrommel an sich ist, scheint aber keiner zu wissen, und dementsprechend beschatten Kanba und Shouma das Mädchen erst Mal. Und da in Penguindrum mal wieder alle Charaktere irgendeine Beziehung zueinander haben, befreundet sich sowohl Himari mit Ringo, als das die beiden Jungs auch herausfinden, dass sie die Stalkerin ihres Lehrers Tabuki ist.

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Und zwar eine mit jeder voranschreitenden Folge unheimlichere, die sich komplett in ihren Traum mit ihm anzubandeln verloren hat, sogar unter seinem Haus übernachtet. Und ein interessantes Zukunfts-Tagebuch hat, in das sie ihre Pläne hineinschreibt, was sie den kommenden Tag versuchen wird, um ihn für sich zu gewinnen. Interessant hierbei ist, dass all die Dinge, die sie dort rein schreibt, theoretisch auch geschehen, wenn auch nicht auf die Art und Weise, wie sie das geplant hatte. Kanba, Shouma und ich als Zuschauer sind also sofort auf dem Trip, dass nur das von ihr so gehütete Tagebuch die Penguindrum sein kann.

Nur finden wir langsam auch heraus, dass die Obsession von Ringo ganz andere Beweggründe hat. Ihre Schester Momoka ist an dem Tag ums Leben gekommen, an dem Ringo geboren wurde. Und über den Tod des ersten Kindes hinweg haben sich ihre Eltern langsam auseinander gelebt, sind nun geschieden. Tabuki war ein Klassenkamerad von Momoka. Und als Kind hat sich Ringo in den Kopf gesetzt, dass sie die Wiedergeburt von Momoka ist, und sobald sie es schafft, komplett in deren Charakter aufzugehen, wird ihre Familie schon wieder gekittet. Und da Momoka und Tabuki für sie eindeutig füreinander bestimmt waren, muss sie um Momoka zu werden, Tabuki für sich gewinnen, mit Projekt M. Der ihr für das Tagbuch helfende Shouma denkt M steht für Marriage, nichts ahnend das es für Maternity steht, bis Ringo, dadurch in die Enge getrieben, dass Tabuki eine Verlobung mit der perfekten Schauspielerin Yuri bekanntgegeben hat, eines Abends Tabuki unter Drogen setzt und zu vergewaltigen versucht, um von ihm schwanger zu werden. Holla die Waldfee, das Mädel ist durchgedreht. Das ist sozusagen die große Eskalation in Folge 8, allerdings geht der Plan schief, die Hälfte des Tagebuchs wird geklaut, und Shouma von einem Auto angefahren.

Bisher war die Serie ziemlich geradlinig voranschreitend und überraschend auf den Charakter von Ringo fixiert, was sich nun allerdings erst Mal ändern wird, und jede Folge sozusagen eine neue Offenbarung zu einem der anderen Charaktere oder der Hintergrundgeschichte auffährt.

Episode 9 zeigt beispielsweise, was Himari in der ersten Folge getrieben hat, zwischen dem Kauf des Souvenirs und ihrem tödlichen Zusammenbruch im Zoo. Und zwar ist sie einem der Comic-Relief-Pinguine in eine surreale Bibliothek gefolgt, wo der mysteriöse Sanetoshi tiefer und tiefer gehend ihre Erinnerungen durchforscht hat. Die beiden Idols, die wir immer mal wieder auf Plakaten und in Werbespots sehen, und die verdächtig die gleiche Uniform tragen, wie die verwandelte Himari? Das waren ihre beiden besten Freundinnen in der Grundschule, und sie ursprünglich mal Teil des Teams, bis das Schicksal es anders mit ihr meinte. Sanetoshi ist derjenige, der ihr die mysteriöse Mütze aufgezogen hat, sie als „Braut des Schicksals“ deklarierte. Und dann gibt es noch einen kleinen Flashback in etwas, was wie ein Bunker aussieht, und wo sie mit einem Jungen einen der allgegenwärtigen Äpfel teilte.

In Episode 10 und 11 darf sich Kanba der bisher in den Schatten gewesenen Natsume stellen, die Ex-Freundinnen vom Playboy mit Bällen beschoss, die deren Erinnerungen an ihn ausgelöscht haben. Denn sie selbst ist von Kanba besessen und will ihn für sich gewinnen. Gleichzeitig braucht Natsume allerdings auch das Tagebuch von Ringo, denn mit Mario hat sie ebenfalls jemanden, der von einer der Pinguinmützen kontrolliert wird.

Shouma erläutert uns dann in Episode 12 einiges an der Symbolik der Serie. Penguindrum ist sehr von Tokyos U-Bahn-Netzwerk besessen, viele Szenen spielen in ihr, die Flashbacks werden alle mit Abfahrtstafeln eingeläutet, und unwichtige Passanten als undefinierte Icons vorbeigeschoben. Außerdem ist das Opening und diese Folge mit der Zahl 95 gepflastert. Und die Charaktere haben in dieser in 2011 entstandenen und spielenden Serie ein paar Mal darauf hingedeutet, dass sie für etwas in der Vergangenheit bestraft werden, wenige Male auch den „Fluch von vor 16 Jahren“ genannt. Hat mich selbst bis hierher gebraucht, um das alles zusammen zu puzzeln: 1995 gab es den Sarin-Giftanschlag in der Tokyoter U-Bahn.

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Allerdings packt Shouma das lieber in eine Fabel um Mary und ihre drei kleinen Lämmer, die von schwarzen Hasen dazu überredet wurde, Asche der verbotenen Flamme Gottes zu nutzen, um das Licht des allerersten Apfelbaumes wieder zum Leuchten zu bringen. Wofür die Göttin das kleinste und unschuldigste Lamm zum Tode verurteilte, weil die Strafe so ungerecht wie möglich ausfallen muss. Wozu ist das eine Parabel? Die Eltern der drei Geschwister waren Teil des Terrorattentats in 1995, und die Krankheit von Himari wird von den Jungs als Strafe dafür gesehen. Übrigens ist Ringos Schwester Momoka eines der Opfer des Anschlags gewesen, und sowohl Ringo wie auch Kanba und Shouma wurden an jenem Tag geboren.

Ab jetzt taucht der ganz wie die besessene Himari rosa Augen habende Sanetoshi auch in der realen Welt auf, und zwar als Arzt mit zwei schwarzen Hasen. Denn der Hut kann Himari nicht mehr am Leben halten, da die in der ersten Episode mit Kanba geteilte Lebensenergie ausläuft. Also muss Kanba noch mehr Geld von uminösen schwarzen Männern holen, um die Medizin von Sanetoshi kaufen zu können, die nun Himaris Lebensquelle bedeutet. Sanetoshi fragt, ob sie das wirklich wert ist.

Die letzte Episode mit dem ersten Opening, Nummer 14, erinnert uns dann daran, dass Yuri ja auch ein Charakter ist. Die mittlerweile Ehefrau von Tabuki, die merkwürdig immer genau zur richtigen Zeit auftaucht, und die Ringo davon überzeugt hat, dass sie gar nicht wirklich Tabuki liebt, sich das nur Momokas wegen vorgemacht hat. Denn auch Yuri ist eine ehemalige Mitschülerin von Momoka, und von der ihr ähnelnden Ringo besessen.

In Penguindrum geht es also mal wieder viel um Charakterbeziehungen, und zwar zum Großteil sehr destruktive. Aber auch Familie, darum was es alles wert ist, sie zu erhalten, darum wie eine frühere Schuld auf die späteren Generationen zurückfallen kann. Und natürlich viel Philosophieren über das Schicksal, ob es jenes überhaupt gibt, und ob dessen mögliche Existenz nur grausam oder erleichternd ist, je nachdem ob es zu einem Kampf gegen nicht änderbare Situationen führt, oder man sich darin retten kann, nichts gegen all das Elend selbst hat machen zu können. Dazu noch ein wenig Symbolik von Äpfeln, Lämmern, Hasen und dem Sündenfall. Und Bezug zu Vögeln, vor allem davonfliegende Vögel, welche Freiheit symbolisieren, im Kontrast zu den allgegenwärtigen Pinguinen, besonders derjenigen, die die drei Geschwister darstellen – und Vögel sind, die nicht fliegen können.

Ein wenig, manchmal sogar etwas viel, Slapstick und Humor gibt es dazwischen natürlich auch, aber erneut hat Kunihiki Ikuhara hier eine Show erschaffen, die ordentlich Schichten beinhaltet, mal surreal und dann wieder direkt ansprechend diverse Themen abzuhandeln zu versuchen scheint. Viel Symbolik und in Magical-Girl-Wortschatz gefügte weltliche Konzepte. Mal sehen wo die Reise hingehen wird. Ob es die Pinguintrommel wirklich gibt, und was sie tatsächlich repräsentiert. Ob alles vorgeschriebenes Schicksal war, oder der eigene Wille etwas reißen kann. Und in welche Kapazität Terrorismus in all dies hineinspielt.