WMT Reloaded: Marco & Niklaas

Nach drei Serien aus den 70ern, gehen wir nun weit voraus. Denn nachdem die WMT-Serien Mitte der 90er, 20 Jahre, nachdem die Reihe startete, auf Grund schlechter Quoten eingestellt wurden, beschloss man bei Nippon Animation sich an Kinofilm-Neufassungen der Serien zu versuchen. Schon früher gab es Filmversionen, diese waren allerdings nur Zusammenschnitte der Serien, hier sollte die Geschichte nochmal komplett neu animiert werden. In gleicher Reihenfolge, wie die Serien erschienen, also zuerst Niklaas, dann Marco und dann… nichts mehr, da auch jene sich anscheinend als unprofitabel erwiesen.

Niklaas, der Junge aus Flandern gibt es sogar als deutsche barebones DVD (Cover als Menü recycled, keine Extras, kein OmU, mit bloßem Auge sichtbares Ghosting), womit es natürlich schon fast gut neben die TV-Serien-Box passt. Marco gibt es so leider nicht, zu meinem Eintrag zur TV-Serie letztes Jahr hab ich ja noch geschrieben, dass ich auch leider keinen Fansub finden konnte, aber entweder hab ich damals nicht gut genug gesucht, oder jener ist noch nicht so alt. Jedenfalls gibt es da jetzt einen.

Die Geschichten sind natürlich mit den TV-Serien weitestgehend identisch, werden hier eben die wichtigsten Szenen aus jenen in einen Film von 90-100 Minuten kondensiert. Bei Marco erzählt uns übrigens sein erwachsenes Ich seine Geschichte, bei Niklaas die erwachsene Aneka, die Nonne in der Kathedrale geworden ist. Kleine Änderungen gibt es natürlich, jedoch sind jene häufig marginal. Bei Niklaas beispielsweise gibt es keinen Onkel Michel, der die helfende Hand ausstrecken kann.

Nun gestaltet es sich so, dass ich die Filme recht unterschiedlich erfolgreich einstufen würde, hauptsächlich durch den Inhalt der Geschichten alleine bedingt schon. Denn wenn ich es fies ausdrücken wollen würde, passiert in Niklaas eh nicht wesentlich mehr von Interesse, als 100 Minuten Film auch zeigen könnten. Es ist einfach so, dass die Serie unglaublich viel Leerlauf aufweist und ich sie eben Stellenweise einfach nicht so interessant fand. Der Film hingegen gibt eben jene knackig kurze Alternative, kann aber dennoch recht adäquat Stimmung und Handlungsbogen wiedergeben, sogar mit etwas Charakteraufbau zu Beginn, bevor die dramatischen Ereignisse einsetzen. Von daher gefällt mir hier der Film im Prinzip besser, als die Serie.

Bei Marco ist das andersrum der Fall, weil die lange Reise Marcos eben besser auch in einer langen Serie erzählt wird, als es in 90 Minuten stopfen zu wollen. So kommen die einzelnen Etappen und Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren, die der Junge trifft, etwas kurz. Beispielsweise bedeutet einem der Abschied von der Crew des Schiffes, mit der Marco den Atlantik überquert, in der TV-Version auch was, da wir mit ihnen mehrere Folgen verbringen. Im Film ist die Überfahrt eine kurze Diashow von keinen fünf Minuten und so lernen wir die Charaktere auch nicht kennen.

From the Appenines to the Andes

Vor ein paar Monaten hatte ich ja meinen World-Masterpiece-Theater-Nostalgie-Post und ans Ende geschrieben, dass ich mir die Marco-Box mal bestellt hatte, obwohl ich, da sie direkt zum Preissturz als nicht mehr vorrätig gelistet wurde, stark davon ausging, dass das Teil nicht mehr produziert wird und Amazon dat nur noch nicht ganz gecheckt hat. So war es tatsächlich, die Box ist nie wieder offiziell als erhältlich gelistet worden (was ist’s eigentlich mit den Serien, dass von den Halbstaffelboxen immer noch eine erhältlich ist, die andere aber nur 2nd Hand für Wucherpreise zu bekommen ist?), doch Amazon war dennoch so nett, mir einige Zeit später eine zuzuschicken – vielleicht irgendwo aus einem Restbestand oder so. Und das ist über die letzten Wochen mein alltägliches Bettgeh-Ritual geworden: Sich ins Bett kuscheln und noch eine Folge Marco schauen, bevor das Licht ausgeht.

Die Familie des kleinen Marcos lebt in Genua, sein Vater führt dort eine Armenklinik. Das ist eine noble Sache, aber auch sehr dumm, wenn man so wie die Familie weder reich ist, noch einen reichen Gönner hat. Also bekommen sie Geldprobleme und da zur Zeit in Italien die Arbeitslosigkeit eh frapierend ist, geht die Mama nach Argentinien, wie so viele andere italienische Auswanderer auf der Suche nach Glück und Arbeit das auch tun. Marco findet die Trennung natürlich schrecklich und als dann eines Tages auch noch die Briefe der Mama ausbleiben, beschließt er, sie einfach holen zu gehen.

Und so entbrennt, nach der Einleitungsphase der Serie, die Marcos Leben in Genua zeigt, die Odyssey des kleinen Jungens über den Ozean, durch Teile Brasiliens und Argentiniens, von einem ehemaligen Aufenthaltsort der Mama zum nächsten, über Wasser, zu Lande, durch Schnee, mit neuen Freunden, die er wieder verlassen muss, bis er sie endlich findet.

52 Folgen sind natürlich ein ziemliches Time Commitment, aber doch ein sehr lohnendes, denn überraschenderweise wird die Serie nie langweilig, alle Folgen sind sehr kurzweilig, selbst jene, in denen im Nachhinein eigentlich gar nicht so viel passiert ist. Marco hält es nie lange an einem Ort auf und wenn doch, wie beispielsweise in Genua oder während der Ozeanüberquerung, gibt es immer was zu erleben. Man muss den naiven, stoischen kleinen Jungen einfach gern haben, der all das auf sich nimmt und mit träumerischen Blick verzweifelt gen Horizont schaut. Irgendwo da ist seine Mama und verdammtnochmal, er wird sie finden!

Es ist eine anrührende Serie, kaum anders zu erwarten von WMT und Isao Takahata, der es wie kaum ein anderer schafft, uns dramatische, menschliche Schicksale zu präsentieren. Man freut sich mit, wenn Marco mit den Puppenspielern auftritt, man fiebert mit, wenn er in einen Schneesturm gerät, man fühlt mit, wenn er mal wieder zu spät wo ankommt, da die Mama schon weitergezogen ist. Und man gewinnt auch all die anderen Charaktere, die er auf seiner Reise antrifft, gern. Schöne Serie, das :3

Ich würd ja gern auch mal den Kinofilm von 1998 sehen, als WMT die Serien zwecks schlechter Quoten einstellte, sich aber an einen Kinoreboot wagte, der nach Niklaas und Marco allerdings auch im Sande verlief. Nur glaub ich gibt’s den leider gar nicht in für mich verständlicher Sprache. Schade.