GameGearing: Lunar Walking School

ava-2112Game Arts hatten in den 90ern eine Recht gute Beziehung zu Sega, brachten sie doch so einige Spiele für das Mega Drive und dessen Mega CD raus, darunter beispielsweise Alisia Dragoon, Silpheed und die beiden RPG-Klassiker Lunar: Silver Star und Lunar 2: Eternal Blue. Auch der Sega Saturn wurde noch gut bedient, sah neben dem ersten Grandia beispielsweise auch Remakes der beiden Lunar. Erst Jahre später wurden diese drei Spiele auf die populärere PlayStation gehievt, und selbst dann erschien Grandia II vorerst exklusiv auf dem Dreamcast, erneut erst wesentlich später auch auf der PlayStation 2.

Lunar hingegen hat es lange nicht über seinen zweiten Teil hinaus gebracht, es gab zwar noch einige Remakes, jedoch sah erst der DS einen weiteren Eintrag, dessen Existenz allerdings alle gerne vergessen würden. Wirklich vergessen wurde allerdings, dass es Mitte der 90er tatsächlich noch ein kleines Spinoff gab, zunächst als Lunar: Walking School auf dem Game Gear erschienen, später dann ebenfalls stark überarbeitet auf Saturn als Magic School Lunar geremaked. Blieb eh den Japanern vorbehalten, zumindest bis das Handheld-Original eine Fantranslation beschert wurde.

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Im hiesigen Teil folgen wir den beiden Mädels Ellie und Lena, die nach Ilyen eingeladen werden, einer schwimmenden Insel mit einer Magieschule drauf. Nicht zu verwechseln mit Valen, einer fliegenden Insel mit einer Magieschule drauf, zu der die beiden am Ende des Spieles geschickt werden, nachdem sie von Ilyen abgehen. Von daher ist das sozusagen die Magie-Vorschule nehm ich mal an. Ist ja auch nicht so wichtig, ist nämlich die Handlung allgemein jetzt nicht so unbedingt. Walking School ist sich vollkommen dessen bewusst, dass es nur ein Spinoff auf einem beschränkten Handheld ist, und dementsprechend versucht es gar nicht ein großes Lunar zu sein, sondern ist sich mit den kleinen Dingen zufrieden. Dazu gehört auch, dass die Handlung und die Charakterinteraktionen nichts wirklich ernst nehmen, und sich Text meist eh eher kurz hält. Dabei unterteilt sich das Spiel in 12 Kapitel, ist allerdings auch nur so ungefähr die üblichen 10 Stunden lang, da ein Kapitel alles sein kann, von zwischen drei NPCs hin und her laufen und ein wenig Text lesen, bis hin zu einem Auftrag inklusive Dungeon-Arbeit.

Die vollwertigen Lunars sozusagen haben sich natürlich hauptsächlich ausgezeichnet, weil sie die klassische RPG-Reise mit viel Anime-Cutscenes, Sprachausgabe, einer guten Übersetzung, und etwas auf Distanz achtende Kämpfe auflockerten. Davon haben wir schon mal in Walking School abgedeckt, dass zumindest die charmanten und immer mal (hier halt häufiger) humorigen Texte dabei sind. Warum sich auch nicht über RPG-Klischees lustig machen, die man selbst dann doch verwendet hat? Anime ist das Spiel auch immer noch ziemlich, obwohl der Game Gear natürlich keine Sequenzen und Sprachausgabe bieten kann, selbst Standbilder gibt es erst im Ending, aber das Charakterdesign ist das gleiche wie in den Hauptteilen und wird auch bei den Gesprächen in den Charakterportraits sowie den Kämpfen gut so rübergebracht.

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Welche dann allerdings schon recht gewöhnlich umgesetzt sind – durch die Plattform bedingt, denn eine der Überarbeitungen zu Magic School Lunar auf dem Saturn gehört das Ändern des Kampfsystemes zu dem aus den beiden Hauptteilen gewohnten. In Walking School ist halt noch alles ganz gewohnt rundenbasiert, ohne große Schnörkel oder dergleichen. Wobei hier passend zum Setting die Magie sehr wichtig ist. Equipment gibt es genau genommen so gut wie keines, abgesehen von 3 Roben, die man kaufen kann, und normal anzugreifen macht nicht wirklich wahnsinnig viel Schaden. Dafür ist das Magie-Arsenal, welches die Charaktere von ihren Lehrern lernen können, ziemlich ausgeprägt, und deren MP-Pool auch groß genug, um damit sehr inflationär um sich zu casten. Und die sind echt ziemlich stark, es benötigt meist nicht mal den aktuell besten, um mit den Gegnern kurzen Prozess zu machen. Das macht das Spiel natürlich an sich ziemlich einfach, besonders sobald man merkt, dass einige Zeit still zu stehen die MP regeneriert. Und anders als in beispielsweise Ys funktioniert das hier auch in den Dungeons.

Lunar: Walking School füllt sein Dutzend an Spielstunden übrigens ganz gut, ist nicht so wie in Phantasy Star Gaiden, bei dem man 8 davon mit Grinding verbracht hat. Ist ja bei einem so einfachen Spiel dann auch gar nicht nötig. Aber wie gesagt, die Kapiteleinteilung und nicht zu langen Textpassagen machen das Spiel sehr kurzweilig, und die regelmäßigen Unterbrechungen durch Dungeonarbeit, die eben auch per se nicht schwer sind, von ihrer Größe her dann auch die Sache nicht überstrapazieren, bringen halt die nötige Abwechslung rein.

Also mir hat das Spiel auf jeden Fall recht gut gefallen. Ja es ist etwas simpel, etwas einfach, nicht wirklich herausragend, aber für ein kleines Spinoff auf einem frühen Handheld ist es ganz gut geartet. Charmant, übersichtlich, und nie an den Nerven zehrend eben.