A Little Princess

ava-1659Jetzt kommt’s, die ganz große Serie aus meiner Kindheit, oder zumindest eine der Topps. Bisher musste ich ja den meisten WMT-Serien erneut als Erwachsener geschaut ein wenig „meh“ entgegenbringen, da sie vielleicht doch nicht so unterhaltsam sind, wie ich in meiner Nostalgie dachte, bzw. eben nicht auf mein erwachsenes Ich zugeschnitten sind. Aber wenn es eine Serie geben sollte, die mich vom Gegenteil überzeugen kann, dann sollte das Die kleine Prinzessin Sara sein.

Tat sie nicht. Es klingt immer etwas kaltherzig dies zu Serien über Kinder in Notlage zu sagen, worauf ja so ziemlich komplett WMT basiert, aber auch das Leiden des reichen Mädchens Sara Crewe, die in ein englisches Internat kommt, dessen Vater dann stirbt und verarmt, und die sich nun als Dienstmädchen in der ehemaligen Schule, in der sie es sich bereits mit der Stammzicke und der herrischen Leiterin verdorben hatte, durschlagen muss, ließ mich ziemlich kalt.

Ich denke ein Großteil dessen, warum ich die WMTs mittlerweile als „ganz nett, aber auch irgendwie meh“ abstemple, ist neben der epischen Länge (erneut fast 50 Folgen), dass ich kein Kind mehr bin, und deswegen weniger gut auf diese Hauptcharaktere anspreche. Ja, ich bin nicht nur kein Kind mehr, ich finde Kinder auch hochgradig nervtötend. Das hilft natürlich nicht bei einer Serie, die komplett in einem Mädcheninternet hauptsächlich jüngerer Schüler stattfindet.

Beispielsweise ist jede Folge, in der Lotty vor kommt, sofort ruiniert, weil die dämliche Kuh ja mal sowas von unerträglich ist. Das ständige Geheule, und die sowieso schon penetrant nervige Stimme, selbst wenn sie normal redet, kann ich einfach nicht ab. Am Besten ist dann noch, dass die kleine Zicke ständig allen vorwirft zu lügen, auch wenn dies gar nicht stimmt. Gerade in der Folge, wo die Ziege ihr Buch verliert und dann eines einer Mitschülerin klauen will, und dann so ein großes Gewese draus macht, wenn es ihr zu Recht wieder abgenommen wird. Ich mein, klar, die blöde Fotze ist so ziemlich die jüngste Schülerin, und Kleinkinder sind nun Mal quengelig, jähzornig und denken wenig rational, aber das ändert nichts dran, dass jedes Mal wenn ich Lotty auch nur irgendwo am Bildrand stehen sehe, sich mir sofort ein frustrierter Stöhner entfleucht.

Ich find Sara ehrlich gesagt aber auch nicht so toll. Als Kind mag sie eine nette Identifikationsfigur sein, doch als Erwachsener geht mir ein so übertrieben unrealistischer Gutmensch einfach etwas auf den Senkel. Und wenn sie nicht immer so auf ihrem hohem Moral-Ross runter predigen würde, sich in Sachen einmischte, die sie eigentlich gar nichts angehen, als sie noch reich war, dann hätte sie anschließend auch ein wesentlich einfacher Leben unter Fräulein Minchin und Lavinia gehabt. Und das übertriebene für Sara Geheule, welches Peter und Becky immer mal wieder veranstalten… nah, kein Freund von Pity Parties.

Die Erwachsenen sind ehrlich gesagt auch nicht wesentlich besser. Fräulein Minchin ist eh viel zu unausstehlich und die Tatsache, wie hart sie für sich und ihre Schwester selbst arbeiten musste, ist leider nur ein kurzer Nebeneinwurf viel zu spät in der Serie, um ihr noch etwas Dimension zu geben. Aber am Seltsamsten ist wirklich Mr. Crawford. Der kommt so Dreivierteil durch die Geschichte durch in London an, auf der Suche nach der verlorenen Tochter seines Freundes. Er zieht sogar direkt neben Sara ein, braucht aber ewig lang (und genau genommen einen reinen Zufall), um sie ausfindig zu machen. Es ist das neunzehnte Jahrhundert. Ich kann nicht glauben, dass das Kind eines ehemaligen Megareichens einfach so ohne Papiere oder Anhaltspunkte verschwindet. Ja am Anfang der Serie hatte Mr. Crewe doch sogar jemanden in London beauftragt, seine dortigen Geschäfte und die seiner Tochter zu erledigen. Wie kann es so schwer sein, herauszufinden, dass Sara noch genau an dem Ort haust, an dem sie zuletzt zur Schule ging?

Wups, das war jetzt eine ziemliche Hasstirade, eh? Unverdient, denn so schrecklich ist Die kleine Prinzessin Sara nicht. Aber wie gesagt, ich bin von den WMT-Serien im Nachhinein doch etwas enttäuscht, weil ich doch mehr erwartet hatte. Quasi Ghibli in Serie, mit guter Familienunterhaltung, die man auch als Erwachsener nicht als Zeitverschwendung ansieht. Ok sind sie allemal, aber eben doch irgendwo Zeitverschwendung. Wenn ich hiervon eine (non-Lotty) Folge im TV aufschnappen würde, wäre ich vielleicht sogar ganz nostalgisch entzückt – aber die komplette Serie hintereinander geschaut… meh. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu verschroben und kaltherzig, um mich mit simplen Kinderfreuden bezaubern zu lassen. Durchaus möglich.