Meiken Lassie

Das World Masterpiece Theatre ist eine über 20 Jahre laufende Franchise von Toei Animation, welches im Kinderprogramm jedes Jahr eine neue Serie basierend auf einem Kinderbuch-Klassiker präsentierte. Streitbar entweder bei Heidi (1974) oder Niklas, der Junge aus Flandern (1975) gestartet, haben auch wir im deutschen Fernsehen damals fast alle davon mitgenommen.

Doch der Stern der Einschaltquoten war nach einer gewissen Zeit beständig am Sinken. Ursprünglich hatte noch jede Serie um die 50 Folgen, um die kompletten 52 Wochen (minus evtl einiger Feiertage o.Ä.) eines Jahres zu füllen. Gegen 1990 war das schon auf regelmäßig 40 Folgen runtergeschraubt. Die Schwarzen Brüder 1995 wurden sogar auf 33 Folgen verkürzt. Das Damokles-Schwert hing also bereits über der Prestige-Reihe, die einfach nicht mehr die gewohnten Zuschauerquoten bringen konnte.

Das änderte leider auch die 1996er Season mit Meiken Lassie nicht. Eine Serie, die wegen schlechter Quoten sogar nach 26 Folgen beendet und Mittjährig von Nobody’s Girl Remi ersetzt wurde, in der Hoffnung die Franchise zu retten. Stattdessen endete sie dort vorerst. Übrigens zwei der drei Serien der Original-Riege, die es gar nicht mehr nach Deutschland schafften.

An der Qualität soll das aber nicht gelegen haben, denn auch Famous Dog Lassie ist eine knuddelige Wohlfühl-Serie für Kinder. Sogar knuddeliger und wohlfühliger als alle anderen, denn Ausnahmsweise gibt es mal keine großen dramatischen Ereignisse im Leben des kleinen John und seines Adoptivhundes Lassie. Vielleicht liegt da das Problem? War die Serie den Kids zu langweilig? Wahrscheinlich hat es keinen Unterschied gemacht, denn Remi drehte das Drama um Waisenkinder auf der Reise nach einem Elternteil inklusive vieler Tragödien wieder voll auf und kam auch nicht besser an.

John hat sogar nicht nur zu Beginn der Serie zwei Elternteile, nein er wird sie auch beide behalten! Niemand verschwindet, stirbt oder was sonst so den Kids in den WMT-Serien meist geschieht. Stattdessen hat sein zu Hause einen Zuwachs, als er Lassie findet und aufpeppelt. Nachdem er den Besitzer nicht ausfindig machen kann auch behält. Was die schlaue Hündin ihm mit ewiger Treue bezahlt. Beispielsweise immer schön brav am Schultor darauf wartet, ihn nach Schulschluss abzuholen. Mit John und seinen Freunden Collin und Sandy über die Wiesen tollt und in Geheimverstecken abhängt. Und natürlich immer rettend und helfend zur Seite steht, wenn doch mal etwas kurzzeitig schiefläuft. In der Kohlemine des Vaters oder im Krankenhaus der Mutter zum Beispiel.

Denn ganz ohne Drama kommt natürlich auch Lassie nicht aus. Es ist nur so, dass es sich hier immer um kleine Einzelfälle handelt, die immer in einer Folge abgecancelt sind und alles schnell wieder gut wird, nie bleibende Schäden entstehen. Die Mutter mag sich überarbeiten und zusammenbrechen, wird aber wieder gesundgepflegt. Ein vermeintlicher Krimineller taucht im Dorf auf, das Missverständnis kann aber aus dem Weg geräumt werden (was Ausnahmsweise mal eine Doppelfolge dauert). Sehr dramatisch wird es tatsächlich nur auf die finalen paar Folgen, wenn der reiche Besitzer der Mine Lassie als Pfand nimmt. Denn die Kohle ist versiegt und er will die Arbeit einstellen lassen, was die Stadt in der John lebt natürlich in enorme Nöte bringen würde. John glaubt seinem Vater, dass eine neue Erzader gefunden werden kann und verpfändet seinen Hündin. Die prompt ausbricht und sich auf den Weg zu seinem Herrchen macht. Hunderte Meilen nach Süden. Ob Lassie wieder ankommt und ob die Mine gerettet werden kann, ist sozusagen das Grande Finale der Serie.

Der Rest ist weitestgehend Wohlfühl-Fluff für die Seele, von dem ich sehr gerne eine Episode pro Abend geschaut habe. Als letzter Sargnagel des Tages sozusagen noch mal schnell 20 Minuten Wholesomeness fürs Runterkommen tanken.